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Einweg­he­be­bän­der – trotz­dem tägli­cher Gebrauch?

Sicherheit im Produktionsprozess
Einweg­he­be­bän­der – trotz­dem tägli­cher Gebrauch?

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Einweg­he­be­bän­der sind prak­tisch und werden vor allem im Spedi­ti­ons­be­reich einge­setzt, um Waren vom Herstel­ler zum Verbrau­cher zu trans­por­tie­ren. Wie der Name schon sagt, sind Einweg­he­be­bän­der nur zum einma­li­gen Gebrauch gedacht und konzi­piert. Es muss unbe­dingt darauf geach­tet werden, dass diese sich nicht in den Produk­ti­ons­pro­zess „einschlei­chen“.

Anschlag­mit­tel wie Rund­stahl­ket­ten, Seile und Mehr­weg­he­be­bän­der sind die wesent­li­chen Hilfs­mit­tel für den inner­be­trieb­li­chen Trans­port mit Kranen und ande­ren Hebe­hil­fen. Sehr häufig werden Mehr­weg­he­be­bän­der nach DIN EN 1492–1 und Mehr­weg­rund­sch­lin­gen nach DIN EN 1492–2 (Abb. 1 und 2) im inner­be­trieb­li­chen Trans­port einge­setzt, da diese gegen­über den ande­ren Anschlag­mit­teln eine Reihe von Vortei­len aber auch einen wesent­li­chen Nach­teil bieten.
Die Vorteile sind:
  • gerin­ges Gewicht bezo­gen auf die Trag­fä­hig­keit
  • geringe Verlet­zungs­ge­fahr beim Umgang
  • geringe Anschaf­fungs­kos­ten

Ein über­aus gefähr­li­cher Nach­teil ist die sehr große Schnitt­emp­find­lich­keit!

Hebe­bän­der werden jedoch nicht nur im inner­be­trieb­li­chen Trans­port einge­setzt, sondern sie finden wegen der oben genann­ten Vorteile auch für den außer­be­trieb­li­chen Trans­port der Zulie­fe­rer­in­dus­trie (Spedi­teure) häufig Verwen­dung. Die Trans­port­vor­gänge, bei denen das Mehr­weg­he­be­band während eines länge­ren Trans­port­vor­gangs für mehrere Hebe­vor­gänge am Lager­gut ange­schla­gen bleibt, wird Pre-slung-Verfahren genannt. Nur bei diesem Verfah­ren darf das 1,4‑fache der Nenn­trag­fä­hig­keit (WLL = working load limit) als Nutz­last verwen­det werden (ehemals VBG 9a § 30 Abs. 4 DA, jetzt BGR 500 Ziffer 2.8).
Die mögli­che Erhö­hung der Trag­fä­hig­keit des Mehr­weg­he­be­ban­des für dieses Verfah­ren wird dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass das Last­ge­wicht genau bekannt ist, die Anschlag­art fest­ge­legt ist und rela­tiv wenige Last­spiele ausge­führt werden. Nach Ende der Trans­port­kette muss das Hebe­band durch eine befä­higte Person geprüft werden, bevor es wieder einge­setzt wird.
Neben diesem Verfah­ren werden für die außer­be­trieb­li­chen Trans­port­vor­gänge auch häufig so genannte Einweg­he­be­bän­der, in Deutsch­land nach DIN 60 005, einge­setzt. Erkenn­bar sind Einweg­he­be­bän­der, die nach dieser Norm herge­stellt wurden, an dem oran­ge­far­be­nen Etikett und der Bezeich­nung „Einweg­he­be­band“ bzw. „Einweg­schlinge“ (siehe Abb. 3 und 4). Diese Einweg­he­be­bän­der sind für den einma­li­gen Trans­port vom Herstel­ler zum Endver­brau­cher konzi­piert. Sie sind am Ende der Trans­port­kette zu entsor­gen!
Einweg­he­be­bän­der, die nicht nach der DIN 60 005 herge­stellt sind, können sehr unter­schied­li­che Etiket­ten und Kenn­zeich­nun­gen besit­zen (siehe Abb. 5 und 6). Das Einsatz­ge­biet entspricht jedoch dem der genorm­ten. Auch sie sind am Ende der Trans­port­kette unbe­dingt zu entsor­gen!
Erkenn­bar sind diese Einweg­he­be­bän­der daran, dass diese mit folgen­den oder sinn­glei­chen Bezeich­nun­gen gekenn­zeich­net sind:
„Einweg­he­be­band“, „don´t use twice“, „ne pas reuti­li­ser“, „non riuti­liz­zare“
Einweg­he­be­bän­der sind entge­gen Mehr­weg­he­be­bän­dern bei glei­cher Trag­fä­hig­keit klei­ner dimen­sio­niert. Sie sind meis­tens wesent­lich dünner, was die Schnitt­emp­find­lich­keit noch verstärkt. Während bei Mehr­weg­he­be­bän­dern die Mindest­bruch­kraft des Bandes beim Sieben­fa­chen der Trag­fä­hig­keit liegt, ist bei Einweg­he­be­bän­dern nur das Fünf­fa­che der Trag­fä­hig­keit gefor­dert. Dies begrün­det die oben genannte stark einge­schränkte Betriebs­art von Einweg­he­be­bän­dern.
Die Praxis zeigt jedoch, dass Einweg­he­be­bän­der nach Ankunft im Waren­ein­gang häufig nicht entsorgt werden, sondern sich mit dem Lager­ma­te­rial in den Ferti­gungs­pro­zess einschlei­chen. Das Risiko des Versa­gens von Einweg­he­be­bän­dern bei der Verwen­dung in übli­chen Produk­ti­ons­pro­zes­sen steigt nach Meinung des Fach­aus­schus­ses erheb­lich.

Fazit

Einweg­he­be­bän­der finden immer häufi­ger den Weg in die Ferti­gung unse­rer Betriebe. Die Sicher­heits­fak­to­ren sind deut­lich klei­ner als bei Mehr­weg­he­be­bän­dern, weshalb die Betriebe zu bera­ten sind, orga­ni­sa­to­risch darauf hinzu­wir­ken, dass Einweg­he­be­bän­der nach Gebrauch immer unver­züg­lich entsorgt werden müssen.
Quelle: VMBG-Mitteilungen

Dr.-Ing. Tobias Jenner Dipl.-Ing. (FH) Wilhelm Barg­haus FAMO – Sach­ge­biet „ Umgang mit Seilen, Ketten und Anschlag­mit­teln“
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