Startseite » Fachbeiträge » Archiv SB » Burnout: Erken­nen und Handeln als Kolle­gin und Kollege

Seeelische Erschöpfung

Burnout: Erken­nen und Handeln als Kolle­gin und Kollege

Anzeige
Burnout ist in aller Munde. Regel­mä­ßig wird in Zeit­schrif­ten und Zeitun­gen von unter­schied­li­chen Schick­sa­len ausge­brann­ter und erschöpf­ter Menschen berich­tet. Es kommen bereits Stim­men auf, die vor einem infla­tio­nä­ren Gebrauch des Begriffs und dem Schü­ren von Hyste­rie warnen. Tatsa­che ist jedoch, dass die psychi­schen Belas­tun­gen auf dem Vormarsch sind. Es lohnt sich, genauer und sorg­fäl­tig auf psychi­sche Folgen von Arbeits­be­las­tun­gen zu achten.

Dieser Arti­kel beschränkt sich auf Burnout im Arbeits­kon­text und legt den Fokus auf die Frage, ob und wie man als Kollege oder Sicher­heits­be­auf­trag­ter Burnout bei Betrof­fe­nen erken­nen und aktiv werden kann.
Es gibt viele Defi­ni­tio­nen von Burnout. Für eine allge­mein aner­kannte Krank­heits­dia­gnose „Burnout“, wie es sie für Depres­sion oder Angst­stö­run­gen gibt, exis­tie­ren bis heute keine eindeu­ti­gen Krite­rien. Ursprüng­lich war der Begriff auf Menschen in helfen­den Beru­fen beschränkt. Dort beob­ach­tete der Psycho­ana­ly­ti­ker Freu­den­ber­ger, dass Beschäf­tigte, die erst voller Begeis­te­rung und mit vielen Ideen in den Beruf einge­stie­gen sind, im Laufe der Zeit abstumpf­ten, zynisch wurden, Dienst nach Vorschrift mach­ten und ernst­haft erkrank­ten.

Defi­ni­tion Burnout

Folgende Defi­ni­tion von Schau­feli und Enzmann soll als Grund­lage dienen, da der Arti­kel sich auf den Arbeits­kon­text allge­mein bezieht:
„Burnout ist ein dauer­haf­ter, nega­ti­ver, arbeits­be­zo­ge­ner Seelen­zu­stand „norma­ler“ Indi­vi­duen. Er ist in erster Linie von Erschöp­fung gekenn­zeich­net, beglei­tet von Unruhe und Anspan­nung (distress), einem Gefühl verrin­ger­ter Effek­ti­vi­tät, gesun­ke­ner Moti­va­tion und der Entwick­lung disfunk­tio­na­ler Einstel­lun­gen und Verhal­tens­wei­sen bei der Arbeit.“ (zitiert nach Burisch).
Heraus­ge­ho­ben werden sollen hier­bei die Worte: dauer­haft, normale Indi­vi­duen und Erschöp­fung.
Dauer­haft:
Burnout entsteht nicht kurz­fris­tig. Jeder ist in der Lage, über­schau­bare anstren­gende Phasen zu über­win­den. Anstren­gende Phasen sind sogar wich­tig, um zu erfah­ren, was man alles leis­ten kann. Erst über einen länge­ren Zeit­raum der Dauer­an­stren­gung hinweg entwi­ckeln sich die Anzei­chen, die man Burnout zuschreibt. Dieser Zeit­raum kann sich über mehrere Monate bis Jahre erstre­cken.
Normale Indi­vi­duen:
Oft herrscht das Bild vor, dass sehr ehrgei­zige, perfek­tio­nis­ti­sche oder Perso­nen, die beson­ders vom Lob ande­rer abhän­gen, eher gefähr­det sind, einen Burnout zu erlei­den. Grund­sätz­lich kann jeder in den Teufels­kreis aus Anstren­gung und Erschöp­fung gera­ten, da etwas leis­ten zu wollen, Ziele zu verfol­gen und Erfolge zu errei­chen per se posi­tive Antriebe sind, die uns als Menschen kenn­zeich­nen. Warum Burnout aktu­ell so ein Thema ist, kann daher kommen, dass in der Arbeits­welt die Rahmen­be­din­gun­gen und Anfor­de­run­gen stark in Bewe­gung sind und bewäl­tigt werden müssen. So wird in der öffent­li­chen Verwal­tung von den Beschäf­tig­ten zuneh­mend ein Dienst­leis­tungs­be­wusst­sein oder Flexi­bi­li­tät in den Arbeits­zei­ten verlangt. Vermehrt werden Ziel­vor­ga­ben verein­bart und Fall­zah­len erhöht. Verwaltungsstruktur- und wech­selnde Schul­re­for­men in kurzen Abstän­den erfor­dern zusätz­li­chen Einsatz. Die Anpas­sung an geän­derte Gege­ben­hei­ten erfor­dert immer Ener­gie, konstruk­tive Bewäl­ti­gungs­me­cha­nis­men und die innere Über­zeu­gung, Heraus­for­de­run­gen aus eige­ner Kraft erfolg­reich meis­tern zu können. In der Psycho­lo­gie spricht man von der „Selbst­wirk­sam­keits­er­war­tung“, die jemand von sich hat. Ist diese innere Haltung stark, ist sie ein guter Schutz vor Burnout.
Erschöp­fung:
Untrenn­bar mit Burnout verbun­den ist die Tatsa­che, dass das Leben mit seinen neuen Umstän­den auf Dauer mehr Ener­gie raubt, als man hat und man es zu lange aufschiebt, sich die Ener­gie wieder zu holen. Die Erschöp­fung nimmt zu und es kann so weit gehen, dass man nicht mehr fähig ist, sich zu erho­len. Man legt sich hin, findet aber keinen Schlaf mehr. Man geht ins Kino, nimmt den Film aber gar nicht wahr, da die Gedan­ken stän­dig um die Arbeit krei­sen.

Einflüsse aus der Arbeit

In der oben genann­ten Defi­ni­tion fehlt ein Hinweis auf mögli­che Ursa­chen, die im Arbeits­kon­text liegen und Burnout begüns­ti­gen können. Nach Meinung des Psycho­lo­gie­pro­fes­sors Matthias Burisch kommt oft als Auslö­ser eine Ände­rung im Leben vor, eine „biogra­fi­sche Zäsur“, die ein norma­les Stre­ben in eine Schief­lage kippen lässt. Im Arbeits­kon­text kann dies die Über­nahme neuer Aufga­ben sein, ein neuer Chef oder der Wech­sel in ein ande­res Team. Privat kann es der Fami­li­en­zu­wachs, die Pflege der Eltern, die Eheschei­dung oder der Haus­bau sein. An und für sich alles Dinge, die zum Leben dazu­ge­hö­ren und mach­bar sind.
Einen weite­ren Aspekt hält Burisch für ausschlag­ge­bend, wenn sich jemand zuneh­mend ausge­brannt fühlt. Oft sei es nicht die Arbeits­menge, sondern die Gefühls­lage mit der man seine Arbeit tut. „Wenn Einsatz und Ertrag, Anstren­gung und Beloh­nung, Nega­ti­ves und Posi­ti­ves in keinem allzu kras­sen Miss­ver­hält­nis stehen, dann kann ein hoher Grad von Enga­ge­ment jahre­lang aufrecht­erhal­ten werden.“ Damit spricht Burisch Fakto­ren an, die im Arbeits­kon­text Burnout begüns­ti­gen bzw. verhin­dern können:
  • Sieht der Chef die Leis­tung seiner Mitar­bei­ter und lobt sie?
  • Hat der Beschäf­tigte das Gefühl, seine Arbeit ist ein wich­ti­ger Beitrag für die Orga­ni­sa­tion und wird wert­ge­schätzt?
  • Ist im Team ein Zusam­men­halt vorhan­den, kann man sich auf die Kolle­gin­nen und Kolle­gen verlas­sen?
  • Wenn man dies beja­hen kann, sind viele orga­ni­sa­tio­nale Ressour­cen vorhan­den, die vor dem Ausbren­nen schüt­zen können. Beate Schulze von der Univer­si­tät Zürich fasst diese Ressour­cen, die sich durch wissen­schaft­li­che Forschun­gen bele­gen lassen, zusam­men in die Aspekte Aner­ken­nung und Beloh­nung,
  • ein unter­stüt­zen­des Team,
  • Fair­ness,
  • Respekt und soziale Gerech­tig­keit,
  • klare Werte und
  • eine sinn­volle Tätig­keit.
Fasst man die obigen Punkte zusam­men, lässt sich Burnout den lang­fris­ti­gen, nega­ti­ven Bean­spru­chungs­fol­gen im Belastungs-Beanspruchungsmodell zuord­nen (siehe Grafik, vgl. Witt­mann, Her mit dem Stress, Sicher­heits­be­auf­trag­ter 12/2011–1/2012). Damit bekommt man eine Über­sicht, wo sich Burnout im Spek­trum der psychi­schen Belas­tun­gen einord­nen lässt.

Burnout „von außen“ erken­nen

Oft wird die Frage gestellt, ob man als Kollege (oder als Sicher­heits­be­auf­trag­ter, Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit, Vorge­setz­ter) von außen erken­nen kann, ob jemand gefähr­det ist. Eine wich­tige Voraus­set­zung dafür ist, die betrof­fene Person schon länger zu kennen, da Burnout ein Prozess ist. In der Lite­ra­tur findet man unter­schied­li­che Phasen­mo­delle, die von 4 bis zu 12 Stufen reichen können.
  • Grob lässt sich fest­hal­ten, dass der Prozess mit viel Enga­ge­ment und Einsatz für die Arbeit beginnt.
  • Nach ersten Schwie­rig­kei­ten oder frus­trie­ren­den Erleb­nis­sen wird oft der Einsatz verstärkt und die Erschöp­fung nimmt zu, was von der Person selbst igno­riert wird. Man vernach­läs­sigt die eige­nen Bedürf­nisse sowie Fami­lie, Freund­schaf­ten und Hobbys.
  • Schließ­lich kommt es zu einem Abbau der Leis­tungs­fä­hig­keit und der Moti­va­tion, Konflikte nehmen zu, gesund­heit­li­che Probleme verstär­ken sich.
  • Geht der Prozess unge­hin­dert weiter, kann es zur völli­gen körper­li­chen, geis­ti­gen und seeli­schen Erschöp­fung kommen, die nur noch mit profes­sio­nel­ler Hilfe aufge­fan­gen werden kann.
Sowohl für den Betrof­fe­nen, als auch für Außen­ste­hende ist es nicht so einfach, den Prozess zu erken­nen. Der Betrof­fene hat oft keine Distanz mehr, kann selber das, was mit ihm passiert, nicht mehr gut reflek­tie­ren. Da vieles sich im Inne­ren der Person abspielt, ist es von außen eben­falls schwer, mitzu­be­kom­men, was passiert. Äußere Merk­male können viele Über­stun­den, häufi­gere Fehler, Reiz­bar­keit und Humor­lo­sig­keit sein (siehe Tabelle). Als beson­ders kenn­zeich­nend für Burnout gilt Zynis­mus, der sich in Bemer­kun­gen wie „Ich finde es ja ganz toll für den Müll­ei­mer zu arbei­ten“ oder „Jetzt darf ich wieder meine Zeit bei dem Kunden verschwen­den“ äußern kann.

Aufhor­chen bei Wesens­än­de­rung

Wie gesagt, es ist hilf­reich, den Kolle­gen oder die Kolle­gin schon länger und gut zu kennen, das heißt auch etwas über die priva­ten Lebens­um­stände zu wissen. Erst dann kann man gut erken­nen, ob sich jemand verän­dert hat. Es gibt Menschen, die gene­rell ungern flexi­bel sind oder immer einen zyni­schen Kommen­tar abge­ben. Das ist erst mal nicht bedenk­lich. Aufhor­chen sollte man, wenn man jeman­den so nicht kannte, eine Art Wesens­än­de­rung statt­fin­det. Wenn der Kollege, der sonst immer mit zum Essen kam, sich im Büro einigelt. Wenn die Kolle­gin, die sonst gerne über einen Witz lachte, nur noch bitter und mit verstei­ner­tem Gesicht da sitzt.
Beach­ten sollte man auch, ob es mehrere Anzei­chen gibt. Kommt der Kollege einmal unra­siert und mit Augen­rin­gen in die Arbeit, ist das noch nicht beun­ru­hi­gend. Ist dies öfter der Fall und man weiß jedoch, dass er Vater gewor­den ist, ist es auch geklärt. Wird er zuneh­mend vergess­lich, macht Fehler, fängt wieder an zu rauchen, meidet Gesprä­che und ist sehr schnell reiz­bar, kann es sein, dass ihm gerade eini­ges über den Kopf wächst.

Was Kolle­gen, Sifa oder Sibe tun können

Natür­lich gibt es auch Menschen, die sich bis zuletzt nichts anmer­ken haben lassen. Die bis zuletzt perfekt funk­tio­niert haben und für Außen­ste­hende aus heite­rem Himmel in eine lange Krank­heits­phase verschwin­den. Da bleibt man oft ratlos und macht sich Vorwürfe, nichts gemerkt zu haben. In solchen Fällen ist niemand ein Hell­se­her oder Gedan­ken­le­ser, der etwas im Vorfeld hätte erken­nen können. Wich­tig ist es, im Team gene­rell gegen­sei­tig wohl­wol­lend aufmerk­sam zu sein.

Was können Sie bei einem Verdacht tun?

Beob­ach­ten Sie über längere Zeit gezielt den Kolle­gen oder die Kolle­gin und sammeln Sie für sich die Anzei­chen, die Sie wahr­neh­men. Halten Sie in der Zeit einen guten Kontakt, seien Sie immer freund­lich indem Sie z.B. immer grüßen, nette Worte finden und sich nach dem Befin­den erkun­di­gen. Suchen Sie eine gute Gele­gen­heit für ein Gespräch, in dem Sie Ihre Wert­schät­zung zeigen, die eige­nen Beob­ach­tun­gen mittei­len und Ihre Sorge ausdrü­cken. Um den Teufels­kreis zu erken­nen, brau­chen die Betrof­fe­nen selbst Rück­mel­dun­gen von ande­ren. Je früher dies geschieht, desto besser. Bieten Sie an, ein offe­nes Ohr für den Betrof­fe­nen zu haben. Even­tu­ell ist es sinn­voll, Ihre Rück­mel­dung wieder­holt zu geben.
Wenn sich Fehler, die sich auf die Arbeit auswir­ken, häufen oder die Zusam­men­ar­beit zuneh­mend schwie­ri­ger wird, kündi­gen Sie an, dass Sie dies dem Vorge­setz­ten melden müssen und tun Sie das. Achten Sie darauf zu verdeut­li­chen, dass das Melden zum einen aus Sorge um den Kolle­gen und nicht zum Anschwär­zen geschieht, zum ande­ren, weil die Arbeit ordent­lich erle­digt werden muss und even­tu­ell sonst das gesamte Team leidet. Mehr können Sie schon nicht mehr tun. Vermei­den Sie es, in eine bera­tende oder pseu­do­the­ra­peu­ti­sche Rolle zu gera­ten. Blei­ben Sie auf der kolle­gia­len Ebene und achten Sie auf Ihre eigene Balance.
Quel­len:
  • Burisch, M. (2010): Das Burnout-Syndrom. Heidel­berg: Sprin­ger Verlag
  • Witt­mann, S. (2011): Her mit dem Stress! In: Sicher­heits­be­auf­trag­ter. 46/47, Nr. 12/2011–1/2012, S.19–21.
  • Schulze, B. (2009): Burn-out: Wer ist gefähr­det? In: Psycho­lo­gie heute, 36, Nr. 5, S.29
  • Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung (Hrsg.): Fern­lehr­gang Ausbil­dung zur Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit, Lektion 3 Gefähr­dungs­fak­to­ren und gesund­heits­för­dernde Fakto­ren, 2009
  • Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (Hrsg.) Psychi­sche Belas­tung und Bean­spru­chung im Berufs­le­ben: Erken­nen – Gestal­ten. 2006, 3. aktua­li­sierte Auflage, Dort­mund: Scholz-Druck, down­load unter www.baua.de
  • BKK Bundes­ver­band GbR, Familien-Selbsthilfe Psych­ia­trie (Hrsg.): Psychisch krank im Job. Was tun? 2011, Essen

Burnout, ein Fall­bei­spiel: Gymna­si­al­leh­rer Weber kann nicht mehr abschal­ten

Die Ausgangs­si­tua­tion
Herr Weber ist Lehrer für Mathe­ma­tik und Physik an einem Gymna­sium. Für einen Kolle­gen, der seit länge­rem erkrankt ist, hat er die Vertre­tung über­nom­men. Darun­ter auch einen Leis­tungs­kurs Physik, auf den er sich selbst gewis­sen­haft vorbe­rei­ten muss. Dabei hatte er sich gefreut, in dem Jahr keinen so aufwän­di­gen Kurs betreuen zu müssen, da er die letz­ten zwei Jahre Leis­tungs­kurse in Mathe­ma­tik gehabt hatte. Es ist unklar, wie lange sein Kollege ausfällt und ob ein Ersatz geneh­migt wird. Frei­wil­lig enga­giert er sich in der Projekt­gruppe, die sich für die Schul­feier zum 25-jährigen Bestehen gebil­det hat. Er hat die Aufgabe über­nom­men eine Präsen­ta­tion mit Fotos aus der Geschichte der Schul­zeit zusam­men­zu­stel­len und kümmert sich um Tech­nik und Musik. Herr Weber erle­digt alles sehr gewis­sen­haft und wenn er einmal etwas zuge­sagt hat, hält er es auch. Mit großem Aufwand sucht er Fotos von Kolle­gen und Kolle­gin­nen zusam­men, bittet Eltern um Mithilfe und scannt Fotos ein. Zusätz­lich soll er noch, wie das ganze Kolle­gium, auf Wunsch der Schul­lei­tung an einer Weiter­bil­dung in moder­nen Unter­richts­me­tho­den teil­neh­men. Ihm wäre es lieber, wenn er diese Weiter­bil­dung im nächs­ten Jahr machen könnte, da es zeit­lich zusätz­li­cher Aufwand ist.
Schon seit mehre­ren Mona­ten verbringt Herr Weber viel mehr Zeit in der Schule als sonst. In der letz­ten Mathe­ma­tik­stunde wusste er plötz­lich selbst nicht mehr, wie eine Glei­chung abge­lei­tet wird. Schnell hat er das als Haus­auf­gabe der Schul­klasse aufge­ge­ben. Er merkt an sich selbst, dass er immer weni­ger Geduld hat, auf Fragen von Kolle­gen zu antwor­ten. Der Lärm, den die Schü­ler machen, reizt ihn schnel­ler als sonst. Abends ist er müde, aber seine Gedan­ken krei­sen um die Schule und er kann nicht rich­tig abschal­ten. Morgens hat er immer öfter Kopf­schmer­zen, die er mit Tablet­ten bekämpft.
Eines Tages kommt die Schul­lei­te­rin auf ihn zu und teilt ihm mit, dass der erkrankte Kollege bis auf weite­res ausfal­len wird. Er soll den Leis­tungs­kurs komplett über­neh­men. Außer­dem weist sie ihn noch­mal auf die Teil­nahme an der Weiter­bil­dung hin, die ihr wich­tig ist. In seinem Brief­fach findet er die Absage zweier Bands, die er für die Schul­feier enga­gie­ren wollte. Die Zeit, neue Bands zu finden, wird sehr knapp. Als er zu Hause nach dem Unter­richt seine Präsen­ta­tion, die er bisher zusam­men­ge­stellt hat, öffnen will, stürzt der Rech­ner ab und lässt sich nicht mehr star­ten.
Vari­ante 1: Burn­out­prä­ven­ti­ves Verhal­ten
Herr Weber setzt sich erst­mal hin und atmet ein paar Mal tief durch. Er merkt, dass er drin­gend eine Pause braucht. Jetzt sofort. Alles andere schiebt er vorerst beiseite. Er über­legt, was er gerne tun würde. Er fühlt sich im ganzen Körper verspannt. Dann ruft er einen Freund an und verab­re­det sich zum Squash spie­len, das er die letz­ten Wochen immer abge­sagt hat. Es tut gut, sich körper­lich rich­tig zu veraus­ga­ben und den Frust gegen die Wand zu spie­len. Nach dem Spiel erzählt er bei einer Apfel­schorle seinem Freund von seiner ganzen Arbeit. Gemein­sam über­le­gen sie, was er tun könnte. Er nimmt sich vor, in der Projekt­gruppe zu fragen, wer die Tech­nik über­neh­men und gemein­sam mit ihm die Präsen­ta­tion vorbe­rei­ten kann. Von einer Kolle­gin weiß er, dass sie gut mit Rech­nern umge­hen kann. Er hofft, dass sie die bishe­rige Präsen­ta­tion retten kann. Die Schul­lei­tung will er bitten, ihn das nächste Jahr in die Weiter­bil­dung zu schi­cken. Außer­dem will er klären, ob es möglich ist, dass zwei nied­ri­gere Jahr­gangs­stu­fen von ande­ren Kolle­gen über­nom­men werden, da er den Leis­tungs­kurs jetzt sicher bis zum Abitur beglei­ten wird. In seinen Gedan­ken hat sich vieles geklärt, er kann besser Prio­ri­tä­ten setzen. Wenn es für die Schul­feier keine Band gibt, kommt eben die Musik von der CD. Er verab­re­det sich gleich für nächste Woche wieder zum Squash spie­len. Er geht noch in die Sauna, wo es ihm gelingt, sich ganz zu entspan­nen und nicht mehr an die Schule zu denken. In dieser Nacht schläft er seit länge­rem tief bis zum Morgen durch. Erholt geht er in die Arbeit und sucht gleich das Gespräch mit seinen Kolle­gen und der Schul­lei­tung.
Vari­ante 2: Burnout verstär­ken­des Verhal­ten
Für einen kurzen Moment wird es Herrn Weber schwin­de­lig und schwarz vor den Augen. Am liebs­ten würde er eine Pause machen, aber das hilft jetzt auch nicht weiter, denkt er sich. Ich muss die Zähne zusam­men­bei­ßen. Er denkt, alles hänge von ihm ab. Er hat sich unter Kontrolle. Den rest­li­chen Nach­mit­tag und Abend verbringt er mit Versu­chen, den Rech­ner neu zu star­ten, schließ­lich forma­tiert er die Fest­platte neu. Bis spät in die Nacht scannt er von neuem Fotos ein. Paral­lel versucht er, die nächs­ten Unter­richts­stun­den zu planen und heraus­zu­be­kom­men, wie die Glei­chung ging, die er verges­sen hat. Den Kino­be­such mit Freun­den am Wochen­ende hat er für sich schon gestri­chen. Er hat keinen Appe­tit, gönnt sich lieber eine Flasche Rotwein. Eine weitere Nacht schläft er kaum. Im Bett grübelt er über den Physik­leis­tungs­kurs, er weiß nicht, wann er alles vorbe­rei­ten soll und er ärgert sich über die drohende Weiter­bil­dung, die nur Zeit frisst. Über­haupt findet er, dass keiner eine Ahnung hat, was er alles leis­tet und ärgert sich darüber. Dabei fallen ihm eine Reihe Kolle­gen ein, die aus seiner Sicht auf der faulen Haut liegen. Er stei­gert sich in solche Gedan­ken rein. Morgens geht er miss­ge­launt und gerä­dert zum Unter­richt. Seine Kolle­gin­nen und Kolle­gen gehen ihm lieber aus dem Weg.
Anzeige

News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs

Sicher­heits­be­auf­trag­ter

Titelbild Sicherheitsbeauftragter 12
Ausgabe
12.2019
ABO

Sicher­heits­in­ge­nieur

Titelbild Sicherheitsingenieur 12
Ausgabe
12.2019
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de