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Erstickungsnotfälle

Erste Hilfe – First Aid
Erstickungsnotfälle

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Ohne Sauer­stoff nimmt das Gehirn bere­its nach drei Minuten Schaden. Bei Atem­not muss sofort der Ret­tungs­di­enst gerufen wer­den, um mit Medika­menten oder tech­nis­chen Geräten ein Erstick­en zu ver­hin­dern. Aber: Woran erken­nt man gefährliche Atem­not? Was kann man als Ers­thelfer tun?

Stef­fen Plun­tke Otto-Hahn-Ring 9 14480 Pots­dam

Die regelmäßige Atmung ver­sorgt über die Lun­gen den Blutkreis­lauf und damit alle Zellen mit dem lebenswichti­gen Sauer­stoff. Gle­ichzeit­ig wird das End­pro­dukt Kohlen­diox­id durch die Atmung aus­gestoßen. Die Atem­fre­quen­zen im Ruhezu­s­tand sind abhängig vom Alter. Generell gilt: Je jünger, desto höher die Atem­fre­quenz. Ein Erwach­sen­er atmet pro Minute nor­maler­weise 15 bis 20-mal, Säuglinge 35 bis 40-mal. Die Steuerung der Atmung find­et im ver­längerten Rück­en­mark statt. Ohne Sauer­stoff begin­nt das Gehirn bere­its nach drei Minuten Schaden zu nehmen. Fol­gende Ursachen kön­nen zu Erstick­ungs­fällen führen:
  • Atemwegsver­legung bei Bewusst­losigkeit
  • Fremd­kör­p­er in der Luftröhre (Ver­schluck­en)
  • Fremd­kör­p­er in der Speis­eröhre
  • schw­er­er Asth­maan­fall
  • Vergif­tun­gen, beson­ders durch tox­is­che Dämpfe und Gase (z. B. Kohlen­monox­id, Lösungsmit­tel)
  • Schädel-Hirn-Ver­let­zun­gen
  • Ver­let­zun­gen des Brus­traumes bzw. der Lunge
  • Strom- und Ertrinkung­sun­fälle
  • aller­gis­che Reak­tio­nen
Die Zusam­menset­zung der Raum­luft ist der Abb. 3 zu ent­nehmen. Sie zeigt, dass nur ein Bruchteil des Sauer­stoffes ver­braucht wird. Daher ist auch Atem­spende prob­lem­los durch­führbar.
Erken­nen
Bei ein­er Atem­not ist das Bewusst­sein in der Regel noch vor- han­den. Der Betrof­fene atmet sehr angestrengt. Er ver­sucht sich von allein in eine sitzende oder ste­hende Posi­tion zu brin­gen, um bess­er atmen zu kön­nen. Je schw­er­er die Atem­not ist, desto wahrschein­lich­er wer­den Atem­nebengeräusche wie Röcheln und Pfeifen. Fast immer ist die betrof­fene Per­son auf­fal­l­end unruhig; sie hat Angst. Bei stark­er Sauer­stof­fun­ter­ver­sorgung kommt es zur Zyanose – der Blaufär­bung der Haut. Eine sich entwick­el­nde Zyanose ist zunächst an der Ver­fär­bung des Nagel­bettes sowie der Lip­pen zu erken­nen. Infolge von Lun­gen­ver­let­zun­gen kann der Betrof­fene darüber hin­aus hell­rotes, schau­miges Blut aushus­ten. Unter­schre­it­et die Sauer­stoff­sät­ti­gung des Blutes einen bes­timmten Wert, tritt Bewusst­losigkeit ein.
All­ge­meine Erstver­sorgung
Bei Atem­not gilt generell das Gebot des schnellen Notrufs, damit keine Zeit ver­loren geht. Je früher der Ret­tungs­di­enst ein­trifft, desto eher kön­nen Medika­mente oder tech­nis­che Geräte ein Erstick­en ver­hin­dern.
Öff­nen Sie zur Verbesserung des Sauer­stof­fange­botes die Fen­ster sowie alle been­gen­den Klei­dungsstücke (u. a. Krawat­te, Hosen­gür­tel). Aktivieren Sie die Atemhil­f­s­musku­latur des Betrof­fe­nen, indem sie ihn in eine sitzende oder ste­hende Hal­tung – ähn­lich der eines Fußball­tor­wartes – brin­gen. Der sitzende Betrof­fene sollte sich nach hin­ten abstützen (Abb. 2).
Fordern sie den Betrof­fe­nen auf, langsam und tief sowie regelmäßig zu atmen. Unter­stützen sie ihn dabei, durch das gle­ichzeit­ige Mitat­men. Beruhi­gen­der Zus­pruch und der vor­sichtige Kör­perkon­takt sind eben­so hil­fre­ich.
Sollte die Atmung nicht hör‑, seh- und fühlbar oder ander­weit­ig nicht nor­mal sein, liegt ein Atem­still­stand vor. Eine Schnap­pat­mung – also einzelne schnap­pende Atemzüge, zwis­chen denen län­gere Pausen liegen – ist keine nor­male Atmung. Sie deutet häu­fig auf einen bevorste­hen­den Atem­still­stand hin. Bei nicht nor­maler Atmung wen­den Sie die Rean­i­ma­tion an.
Spezielle Erstver­sorgung bei…
1. Fremd­kör­per­ver­legung
Die spez­i­fis­che Hil­fe bei Atemwegsver­legung richtet sich nach dem Schw­ere­grad.
  • Kann der Betrof­fene zumin­d­est noch teil­weise sprechen (z. B. „Ich bekomme schlecht Luft.“) und/oder besitzt er die Fähigkeit zu hus­ten bzw. ist die Atmung noch vorhan­den, liegt in der Regel eine leichte Atemwegs­block­ierung vor. In diesem Fall lässt man den Betrof­fe­nen weit­er­hus­ten. Neben den all­ge­meinen Hil­f­s­maß­nah­men ist gle­ichzeit­ig per­ma­nent zu prüfen, ob die Ver­legung sich löst.
  • Von ein­er schw­eren Fremd­kör­per­ver­legung kön­nen sie aus­ge­hen, wenn der Betrof­fene nicht mehr sprechen kann sowie unnatür­liche Atem­nebengeräusche (Pfeifen und Keuchen) zu hören sind. Hus­ten­ver­suche bleiben erfol­g­los. Unter Umstän­den fasst sich der Betrof­fene an den Hals. Als Ers­thelfer soll­ten sie sofort damit begin­nen, bis zu 5‑mal auf den Rück­en – zwis­chen die Schul­terblät­ter – der betrof­fe­nen Per­son zu schla­gen, um den Hus­ten­re­flex zu unter­stützen.
Bei Kleinkindern kann man zusät­zlich den Kör­p­er so hal­ten, dass der Kopf nach unten zeigt und der Auswurf so erle­ichtert wird. Bessert sich der Zus­tand nicht, führen Sie bis zu 5‑mal eine Ober­bauchkom­pres­sion (auch als Heim­lich-Manöver bekan­nt) durch, die den Fremd­kör­p­er durch einen Über­druck her­aus­be­fördern kann. Stellen Sie sich dazu hin­ter den Betrof­fe­nen. Bilden Sie mit ein­er Hand eine Faust und posi­tion­ieren Sie sie unter­halb des Brust­beins und der Rip­pen (Abb. 1). Ergreifen Sie nun mit der anderen Hand Ihre Faust und ziehen Sie sie ruckar­tig kräftig zum Kör­p­er. Die Ober­bauchkom­pres­sion kann schwere Ver­let­zun­gen zur Folge haben. Deswe­gen darf sie nur im beschriebe­nen Not­fall angewen­det wer­den.
Ohne Besserung des Zus­tandes wech­seln sich im weit­eren Ver­lauf die bis zu 5‑maligen Rück­en­schläge und die bis zu 5‑maligen Ober­bauchkom­pres­sio­nen ab.
Beim Ver­lust des Bewusst­seins – als Folge ein­er beobachteten Fremd­kör­per­ver­legung der Atemwege – begin­nen Sie unverzüglich mit der Herz-Lun­gen-Wieder­bele­bung.
2. Insek­ten­stichen im Mund-Rachen-Raum
Ergänzend zu den generellen Hil­f­s­maß­nah­men ist bei Insek­ten­stichen im Mundraum-Bere­ich sowohl von
  • innen mit Eiswür­feln, kalten Getränken oder ähn­lichem
  • und von außen mit kalten Umschlä­gen
zu kühlen. Auch ohne aller­gis­che Ver­an­la­gung kann ein Zuschwellen der oberen Atemwege lebens­bedrohlich wer­den. Hier darf man niemals zögern. Der Notruf hat ober­ste Pri­or­ität.
3. Fremd­kör­pern in der Speis­eröhre
Auf­grund der unmit­tel­baren anatomis­chen Nach­barschaft von Luft- und Speis­eröhre kann ein großer Fremd­kör­p­er in der Speise- auch die Luftröhre mehr oder weniger abdrück­en. Neben einem Brechreiz treten Schluckbeschw­er­den, jedoch kein Hus­ten­reiz auf. Abhil­fe schafft häu­fig das Trinken oder gar das Erbrechen.
4. Ertrinken
Oft kann man im Fernse­hen beobacht­en, wie ver­sucht wird, Wass­er durch ver­schiedene Tech­niken aus der Lunge zu ent­fer­nen. Sollte sich dort Wass­er befind­en, kann es nicht so ein­fach beseit­igt wer­den. Vielmehr haben dann die anderen leben­sret­ten­den Maß­nah­men Vor­rang: bei Bewusst­losigkeit die sta­bile Seit­en­lage und bei einem Kreis­lauf­still­stand die Herz-Lun­gen-Wieder­bele­bung etc.
5. Asth­maan­fall
Ver­ant­wortlich für das Bronchialasth­ma sind aller­gis­che Reak­tio­nen, aber auch psy­chis­che Ein­flüsse und Infek­tio­nen der Atemwege. Bei einem Anfall kommt es zur Verkramp­fung der Bronchial­musku­latur mit gle­ichzeit­iger Ver­mehrung und Anschwellung der Bronchialschleimhaut. Dem Asth­matik­er bere­it­et es erhe­bliche Schwierigkeit­en auszu­at­men. Das Einat­men gelingt hinge­gen rel­a­tiv müh­e­los. Asth­matik­er haben ein Not­fallmedika­ment in Form eines Sprays. Holen Sie das Prä­parat und unter­stützen Sie den Betrof­fe­nen bei der Ein­nahme.
Stef­fen Plun­tke
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