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Gefahr ist gut?

Warum Sicherheit manchmal gefährlich ist
Gefahr ist gut?

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„Gefahr ist gut“ behaup­tet der nieder­län­di­sche Verkehrs­pla­ner Hans Mondermann.1 Wie kommt er zu einer solchen Einschät­zung? Wie lässt es sich erklä­ren, dass manch­mal dort beson­ders viele Unfälle passie­ren, wo wir glau­ben „da passiert doch nichts“? Dafür typisch: Stolper‑, Rutsch- und Stur­zun­fälle. Psycho­lo­gen erklä­ren solche Befunde durch die „Gefah­ren­wahr­neh­mung“. Welches Konzept verbirgt sich dahin­ter, wie entsteht die Gefah­ren­wahr­neh­mung und welche Auswir­kun­gen hat diese auf das (Sicherheits-) Verhal­ten?

Gefah­ren­wahr­neh­mung (auch: Gefah­ren­ko­gni­tion, Gefah­ren­ein­schät­zung) ist die gedachte, subjek­tive Gefähr­lich­keit eines Ereig­nis­ses oder einer Tätig­keit, bei dem es zu einer Schä­di­gung oder Beein­träch­ti­gung von Perso­nen kommen kann.2 Es geht also um die Frage: Für wie gefähr­lich halte ich etwas? Die subjek­tive Gefähr­lich­keit kann mit der tatsäch­li­chen Gefahr über­ein­stim­men. Man spricht dann von realis­ti­scher Gefah­ren­wahr­neh­mung. Die tatsäch­li­che Gefahr kann aber auch über- oder unter­schätzt werden, das heißt die subjek­tive Gefähr­lich­keit ist höher bzw. nied­ri­ger als die tatsäch­li­che Gefahr. Ein typi­sches Beispiel für die Über­schät­zung einer Gefahr ist das Flie­gen mit dem Flug­zeug: Viele Leute halten Flie­gen für gefähr­lich. Tatsäch­lich ist das Flug­zeug eines der sichers­ten Trans­port­mit­tel. Proble­ma­tisch ist, wenn man die Gefahr unter­schätzt. Dann liegt ein trüge­ri­sches Sicher­heits­ur­teil vor. Wir glau­ben also, dass die Situa­tion oder die Tätig­keit sicher ist und nichts passie­ren kann, in Wirk­lich­keit ist es aber gefähr­lich.

Wie entsteht Gefah­ren­wahr­neh­mung?
Gefah­ren­ein­schät­zung wird wesent­lich durch Erfah­run­gen und Lern­vor­gänge bestimmt. Ob Gefah­ren rich­tig einge­schätzt und kontrol­liert werden, ist also nicht nur abhän­gig von indi­vi­du­el­ler Quali­fi­ka­tion und Wissen.3 Dass sich die Erfah­rung auf die Gefah­ren­wahr­neh­mung auswirkt, zeigt ein Projekt zur Mani­pu­la­tion an Schutz­ein­rich­tun­gen von Maschinen.4 Sowohl Bedie­ner als auch Aufsichts­per­so­nen der Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten wurden gefragt: „Wie hoch schät­zen Sie die durch die Mani­pu­la­tion hervor­ge­ru­fene Gefähr­dung ein?“ Die Einschät­zung sollte auf einer 6‑stufigen Skala ange­ge­ben werden, wobei 1 „sehr nied­rige Gefähr­dung“ bedeu­tete und 6 für eine „sehr hohe Gefähr­dung“ stand. Abbil­dung 1 präsen­tiert die Ergeb­nisse: Die meis­ten Bedie­ner halten die Gefähr­dung für gering, während der größte Teil der Aufsichts­per­so­nen die Gefähr­dung für hoch hält. Dieses Ergeb­nis ist mit hoher Wahr­schein­lich­keit auf die Erfah­run­gen der beiden Grup­pen zurück­zu­füh­ren. Während die Bedie­ner regel­mä­ßig an ihrer Maschine erle­ben, dass auch bei einer Mani­pu­la­tion einer Sicher­heits­ein­rich­tung nichts passiert, sieht die Aufsichts­per­son insbe­son­dere die Unfälle, die bei mani­pu­lier­ten Sicher­heits­ein­rich­tun­gen passie­ren. Die Bedie­ner halten die Mani­pu­la­tion also eher für unge­fähr­lich, die Aufsichts­per­so­nen halten sie eher für gefähr­lich.
Diese Erfah­run­gen wirken sich auf das Verhal­ten aus. Die Einschät­zung „unge­fähr­lich“ führt dazu, dass Menschen sich nicht hinrei­chend schüt­zen (z.B. bei der Arbeit keine geeig­nete PSA tragen u. ä. m.) und die Unfall­wahr­schein­lich­keit steigt. Grund­sätz­lich ist es sinn­voll, dass man sich dort, wo es unge­fähr­lich ist, weni­ger schützt. Folgen­des Beispiel verdeut­licht dies: Man könnte sich eine Person vorstel­len, die im Büro arbei­tet und jeden Tag einen Schutz­an­zug mit Gasmaske trägt, weil nebenan eine Chemie­fa­brik ist, bei der es vor 15 Jahren einmal zu einer Explo­sion gekom­men ist, bei der giftige Gase ausge­tre­ten sind. Dieses Verhal­ten wäre sinn­los, da die Person durch den Anzug bei ihren Aufga­ben behin­dert und sie weni­ger effek­tiv arbei­ten könnte. Die Einschät­zung „dieser Arbeits­platz ist hinsicht­lich gifti­ger Gase unge­fähr­lich“ und das daraus resul­tie­rende Verhal­ten „keinen Schutz­an­zug tragen“ würde vermut­lich von allen als ange­mes­sen ange­se­hen werden. Kritisch wird es, wenn eine Person sich dort nicht schützt, wo es tatsäch­lich gefähr­lich ist, sie aber meint, dass es unge­fähr­lich sei.
Die Gefah­ren­ein­schät­zung bildet sich durch persön­li­che Erfah­rung und wirkt sich auf das Verhal­ten aus. Oft wird die Gefähr­lich­keit einer Tätig­keit rich­tig einge­schätzt. Dies zeigen Untersuchungen.5 Nur wenige Tätig­kei­ten werden unter­schätzt – aber gerade bei diesen passie­ren die meis­ten Unfälle. Häufig handelt es sich hier­bei um Routine-Tätigkeiten.
Erfah­rung: Lernen und Auto­ma­ti­sie­rung
Wie kommt es zur Unter­schät­zung? Erfah­rung und die hier­bei betei­lig­ten Prozesse „Lernen durch Verhal­tens­kon­se­quen­zen“ und „Auto­ma­ti­sie­rung“ spie­len eine wesent­li­che Rolle:
Lernen durch Verhal­tens­kon­se­quen­zen
Man lernt nicht nur, wenn Voka­beln geübt werden müssen, lernen heißt auch, neue Verhaltens- und Hand­lungs­mög­lich­kei­ten erwer­ben. Dabei haben die Konse­quen­zen des Verhal­tens Einfluss auf das zukünf­tige Verhal­ten. Erfolg und Miss­erfolg bestim­men die zukünf­tige Auftre­tens­häu­fig­keit einer Verhal­tens­weise; erfolg­lose Verhal­tens­wei­sen sind für das Über­le­ben von Nachteil.6 Erfolg­reich kann Verhal­ten sein, wenn entwe­der etwas Ange­neh­mes passiert (man erhält beispiels­weise eine Aner­ken­nung für seine Arbeit) oder wenn etwas Unan­ge­neh­mes, das man eigent­lich erwar­tet, nicht passiert (man erhält beispiels­weise trotz Nicht-Einhaltung von Sicher­heits­vor­schrif­ten keine nega­tive Rück­mel­dung). Sowohl das Eintre­ten ange­neh­mer Konse­quen­zen als auch das Nicht-Eintreten unan­ge­neh­mer Konse­quen­zen verstär­ken das Verhal­ten, so dass die Verhal­tens­wahr­schein­lich­keit steigt. Abbil­dung 2 zeigt sche­ma­tisch, wie sich ange­nehme und unan­ge­nehme Konse­quen­zen sowie deren Ausblei­ben auf unser Verhal­ten auswir­ken. Natür­lich ist die Darstel­lung stark verein­facht, sie hilft aber, mensch­li­ches Verhal­ten in vielen Situa­tio­nen nach­zu­voll­zie­hen. Hier­bei ist noch Folgen­des zu beach­ten: Übli­cher­weise hat unser Verhal­ten kurz­fris­tige und lang­fris­tige Konse­quen­zen. Die Folgen können sowohl kurz­fris­tig als auch lang­fris­tig posi­tiv oder nega­tiv sein. Es kann aber auch sein, dass ein Verhal­ten kurz­fris­tig posi­tive, aber lang­fris­tig nega­tive Folgen nach sich zieht. So kann Rauchen kurz­fris­tig entspan­nend sein, aber lang­fris­tig zu körper­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen führen. Umge­kehrt kann ein Verhal­ten kurz­fris­tig nega­tiv, aber lang­fris­tig posi­tiv sein (z. B. Diät). Die kurz­fris­ti­gen Folgen steu­ern das Verhal­ten stär­ker als die lang­fris­ti­gen.
Was bedeu­tet dies für den Arbeits­schutz? Fragt man Sicher­heits­fach­kräfte, Sicher­heits­be­auf­tragte oder sons­tige Mitar­bei­ter, zeigt sich: Bei sicher­heits­ge­rech­tem Verhal­ten findet man selten die Situa­tion vom Feld links oben, bei sicher­heits­wid­ri­gem Verhal­ten findet man oft die Situa­tion vom Feld rechts unten in Abb. 2: Bei sicher­heits­ge­rech­tem Verhal­ten kommen selten ange­nehme Konse­quen­zen, die das Verhal­ten verstär­ken würden – kein Lob oder mehr Geld o. ä. Bei sicher­heits­wid­ri­gem Verhal­ten passiert auch häufig nichts – kein Tadel und ein Unfall ist auch äußerst selten. Bei sicher­heits­wid­ri­gem Verhal­ten erle­ben Mitar­bei­ter also stän­dig, dass die ange­drohte Sank­tion – wie zum Beispiel ein Unfall oder eine Strafe – nicht eintritt. Das verstärkt sicher­heits­wid­ri­ges Verhal­ten.
Kenn­grö­ßen und Einfluss­fak­to­ren
Schät­zun­gen zeigen, dass aus ca. 250.000 sicher­heits­wid­ri­gen Hand­lun­gen ledig­lich ein einzi­ger Unfall resultiert.7 Demge­gen­über wird sicher­heits­ge­rech­tes Verhal­ten des Öfte­ren von Kolle­gen belä­chelt, es wird von den Vorge­setz­ten nicht belohnt und bietet wenig finan­zi­elle Anreize. Sicher­heits­ge­rech­tes Verhal­ten wird also eher nicht verstärkt, während sicher­heits­wid­ri­ges Verhal­ten regel­mä­ßig verstärkt wird. Das stän­dige Erle­ben, dass sicher­heits­wid­ri­ges Verhal­ten keine unan­ge­neh­men Konse­quen­zen nach sich zieht, führt nicht nur dazu, dass Mitar­bei­ter das Verhal­ten zukünf­tig häufi­ger zeigen, sondern auch dazu, dass diese die Gefähr­lich­keit dieses Verhal­tens unter­schät­zen.
Auto­ma­ti­sie­rung
Routine-Tätigkeiten laufen in der Regel auto­ma­ti­siert ab. Gene­rell gilt: Je mehr eine Tätig­keit geübt wurde, desto weni­ger Aufmerk­sam­keit ist nötig. Stark geübte Tätig­kei­ten, die kaum Aufmerk­sam­keit bean­spru­chen, werden als auto­ma­tisch bezeich­net. Auto­ma­ti­sche Prozesse laufen ohne bewusste Kontrolle ab.8 Häufig ausge­übte Tätig­kei­ten, zum Beispiel „Gehen“ oder „Auto fahren“ werden im Laufe der Zeit auto­ma­ti­siert. Der Vorteil ist, dass so kaum Aufmerk­sam­keit benö­tigt wird und andere Prozesse oder Ereig­nisse in den Mittel­punkt treten können. Es wäre für das Gehirn sehr belas­tend, wenn jede Tätig­keit stän­dig eine bewusste Steue­rung und Kontrolle erfor­dern würde. Der Nach­teil ist, dass bereits kleine Ände­run­gen zu Fehlern bei der Tätig­keit führen können. Dies kann man mit dem so genann­ten „Stroop-Test“ (siehe Abb. 3) gut veran­schau­li­chen: Jeder merkt, dass man die Wörter schnell und fehler­frei lesen kann, während man beim Benen­nen der Farben länger gebraucht hat und Fehler auftre­ten. Als Inter­fe­renz bezeich­net man die Beein­flus­sung von Infor­ma­tio­nen, die zu einer Leis­tungs­min­de­rung führt. Beim Stroop-Test wird das Benen­nen der Farben vom Lesen der Wörter beein­flusst. Das Lesen ist eine auto­ma­ti­sierte Reak­tion, so dass es oft unmög­lich ist, das Lesen eines Worts zu unter­drü­cken. Tätig­kei­ten, die auto­ma­ti­siert ablau­fen, d.h. ohne viel darüber nach­zu­den­ken, sind also nur schwer zu unter­drü­cken. Ändert sich beim Ablauf solcher auto­ma­ti­sier­ten Tätig­kei­ten etwas, kann es leicht zu Fehlern kommen. Wenn man z. B. eine Treppe hinauf geht, bei der die Stufen­höhe nicht der übli­chen Norm entspricht, stol­pert man leicht. Auto­ma­ti­sierte Tätig­kei­ten können, trotz gerin­ger Aufmerk­sam­keits­zu­wen­dung fehler­frei ausge­führt werden. Dies führt dazu, dass diese Tätig­keit unge­fähr­lich erscheint und ggf. in ihrer Gefähr­lich­keit unter­schätzt wird.
Wie ist das mit der Absicht?
Im Arbeits­schutz hört man häufig die Meinung, dass Perso­nen das Risiko suchen und sie sich absicht­lich in Gefahr bege­ben und man „ja gar nichts machen könne“. Dies beschreibt auch das Modell der Risi­ko­ho­möostase. Das Modell geht davon aus, dass sich Perso­nen bei ihrem Handeln an einem „akzep­tier­ten Risi­ko­ni­veau“ orien­tie­ren. Die Person vergleicht das wahr­ge­nom­mene Risiko mit einem „inne­ren Soll­wert“ und wenn das wahr­ge­nom­mene Risiko unter­halb des Soll­werts liegt, verhält sie sich riskan­ter als wenn das wahr­ge­nom­mene Risiko ober­halb des Soll­werts liegt.9 Dieses Modell legt nahe, dass das Verhal­ten Folge eines bewuss­ten Abwä­gungs­pro­zes­ses ist. Dies ist vermut­lich jedoch nur in Ausnah­me­si­tua­tio­nen der Fall. Menschen wägen nicht bei jedem Schritt ab, ob die Situa­tion nun riskant ist oder nicht. Wer über­legt sich denn jeden Morgen, wenn er ins Auto steigt „Ach, heute gehe ich mal das Risiko ein und fahre 15 km/h zu schnell.“? Dies ist nur selten der Fall. Übli­cher­weise führt man gerade bei häufig ausge­führ­ten und auto­ma­ti­sier­ten Tätig­kei­ten keine Risi­ko­ab­wä­gun­gen durch. Das Verhal­ten wird ja für nicht gefähr­lich gehal­ten – auch wenn es gefähr­lich ist. Natür­lich kann es in einzel­nen Fällen zu einem bewusst in Kauf genom­me­nen Risiko kommen. Dies wird aber wahr­schein­lich selten der Fall sein und ist wenn, eher im Frei­zeit­be­reich anzu­tref­fen, z.B. beim Sport. Die Bereit­schaft, sich während seiner Arbeit absicht­lich und bewusst in Gefahr zu bege­ben, ist gering. Womög­lich verhal­ten sich Mitar­bei­ter absicht­lich riskant, wenn dies vom Unter­neh­mer gewünscht wird und der Mitar­bei­ter Angst vor Arbeits­platz­ver­lust hat.
Was können wir tun?
Die Konse­quen­zen des Verhal­tens beein­flus­sen das zukünf­tige Tun. Wenn das Verhal­ten erfolg­reich ist und immer alles gut geht, gibt es erst mal keinen Grund das Verhal­ten zu ändern – auch wenn es sicher­heits­wid­rig ist. Das merken immer wieder dieje­ni­gen, die andere Perso­nen dazu bewe­gen wollen, sich anders zu verhal­ten. Es ist schwie­rig, Menschen dazu zu bewe­gen, sich nicht mehr sicher­heits­wid­rig zu verhal­ten, wenn sie immer wieder lernen, dass ihr Verhal­ten keine nega­ti­ven Konse­quen­zen nach sich zieht. Die Menschen halten die Situa­tion für unge­fähr­lich und unter­schät­zen die Gefahr. Vor allem Routine-Tätigkeiten werden in ihrer Gefähr­lich­keit häufig unter­schätzt. Unter­schätzte Tätig­kei­ten sind aber beson­ders unfall­träch­tig. Gleich­zei­tig muss man fest­hal­ten, dass die beschrie­be­nen Prozesse wich­tig für die Menschen sind. Ohne Lernen könn­ten Indi­vi­duen nicht über­le­ben, genauso wenig ohne Auto­ma­ti­sie­rungs­pro­zesse. Dadurch ergibt sich das Dilemma, dass man auf der einen Seite diese Mecha­nis­men verän­dern möchte, um Unfälle zu verhin­dern, man sie aber auf der ande­ren Seite für effek­ti­ves Arbeiten/Leben beibe­hal­ten muss. Wenn das eigene Verhal­ten oder das ande­rer verän­dert werden soll, ist es notwen­dig, dass die Zusam­men­hänge zwischen Lernen und Verhal­ten und die Wirkung von Erfah­run­gen auf das Verhal­ten regel­mä­ßig bewusst gemacht werden. Dazu müssen die Zusam­men­hänge zwischen Erfah­run­gen, Routine, Gefah­ren­wahr­neh­mung und Verhal­ten nach­voll­zo­gen werden können und es ist zu prüfen, welche Tätig­kei­ten regel­mä­ßig sicher­heits­wid­rig ausge­führt und mögli­cher­weise unter­schätzt werden. Diese Zusam­men­hänge gilt es immer wieder in Erin­ne­rung zu rufen. So besteht die Möglich­keit – zumin­dest in bestimm­ten Situa­tio­nen – bewusst anders zu handeln, als es aufgrund der Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung norma­ler­weise der Fall wäre. Aller­dings sollte das Ziel nicht sein, dass perma­nent Gefah­ren abge­wo­gen werden, denn unun­ter­bro­che­nes Gefah­ren­ab­wä­gen kann effek­ti­ves Arbei­ten verhin­dern. Hinzu kommt, dass Verän­de­run­gen nicht alle gleich­zei­tig, sondern Stück für Stück erfol­gen soll­ten. Welches Verhal­ten man ändert, ist abhän­gig von den jewei­li­gen Gege­ben­hei­ten.
Ein weite­res Maßnah­men­pa­ket besteht darin, sicher­heits­ge­rechte Arbeits­wei­sen zu verstär­ken und sicher­heits­wid­ri­ges Verhal­ten unat­trak­tiv zu machen. Beispiele solcher Maßnah­men sind Lob oder Einbe­zug sicher­heits­ge­rech­ter Arbeits­wei­sen in die Leistungs- und Verhal­tens­be­ur­tei­lung bzw. Verwar­nun­gen oder die Reduk­tion von Boni.10 Bei sicher­heits­wid­ri­gem Verhal­ten reicht es häufig schon aus, die Person regel­mä­ßig auf ihr falsches Verhal­ten hinzu­wei­sen und nicht wegzu­schauen.
Insge­samt gilt, dass Schu­lun­gen und Aufklä­rung einen wesent­li­chen Weg bei der Verhal­tens­än­de­rung darstel­len. Verhal­ten von Perso­nen ist aber nicht kurz­fris­tig verän­der­bar, sondern die Beein­flus­sung des Verhal­tens bedarf perma­nen­ter (Sicherheits-) Arbeit.
Dr. Hiltraut Pari­don
BGAG – Insti­tut Arbeit und Gesund­heit
  • 1 Vgl. Eberle, U. (2005). Gefahr ist gut. ZEITWISSEN, 5, 99–101.
  • 2Vgl. Musahl, H.P. (1997). Gefah­ren­ko­gni­tion – Theo­re­ti­sche Annä­he­run­gen, empi­ri­sche Befunde und Anwen­dungs­be­züge zur subjek­ti­ven Gefah­ren­kennt­nis. Heidel­berg: Asan­ger.
  • 3Vgl. Wennin­ger, G. (1999). Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz. In C. Graf Hoyos und D. Frey (Hrsg.), Arbeits- und Orga­ni­sa­ti­ons­psy­cho­lo­gie – Ein Lehr­buch, S. 105–122. Wein­heim: Beltz.
  • 4Vgl. Apfeld, R.; Huelke, M.; Lüken, K.; Schae­fer, M.; Pari­don, H.; Winde­muth, D.; Zieschang, H.; Preuße, C.; Umbreit, M;, Hüning, A.; Reuden­bach, R.; Pfaf­fin­ger, F., Wenchel, K., Reitz, R., Pinter, H. (2006). Mani­pu­la­tion von Schutz­ein­rich­tun­gen an Maschi­nen. Hrsg.: Haupt­ver­band der gewerb­li­chen Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten (HVBG), Sankt Augus­tin 2006.
  • 5Vgl. Musahl, H.-P., Müller-Gethmann, H., Groß-Thomas, C. & Alsle­ben, K. (1992). Sind gute Wege gefähr­lich? Zur Gefah­ren­ko­gni­tion bei Fahrungs­un­fäl­len im Berg­bau. In B. Zimo­long & R. Trim­pop (Hrsg.), Psycho­lo­gie der Arbeits­si­cher­heit, 6. Work­shop 1991 (256–266). Heidel­berg: Asan­ger.
  • 6Vgl. Musahl, H.P. (1997). Gefah­ren­ko­gni­tion – Theo­re­ti­sche Annä­he­run­gen, empi­ri­sche Befunde und Anwen­dungs­be­züge zur subjek­ti­ven Gefah­ren­kennt­nis. Heidel­berg: Asan­ger.
  • 7Vgl. Trim­pop, R. (1996). Moti­va­tion. In G. Wennin­ger & C. Graf Hoyos (Hrsg.), Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz. Hand­wör­ter­buch verhal­tens­wis­sen­schaft­li­cher Grund­be­griffe. Heidel­berg: Asan­ger.
  • 8Vgl. Ander­son, J. R. (1996). Kogni­tive Psycho­lo­gie. Heidel­berg: Spek­trum.
  • 9Monteau, M., Pham, D., Davil­lerd, C. & Wennin­ger, G. (1999). Unfall- und Sicher­heits­psy­cho­lo­gie. In R. Asan­ger & G. Wennin­ger (Hrsg.), Hand­wör­ter­buch Psycho­lo­gie, S. 812–817. Wein­heim: Beltz.
  • 10Vanis, M. (2004). Sicher­heits­ge­rech­tes Verhal­ten fördern. Luzern: Suva­Pro.
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