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Gehör unter Beschuss

Lärm: Gefährdungen und betriebliche Schutzmaßnahmen
Gehör unter Beschuss

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Lärm gehört zu den häu­fig­sten Gefährdun­gen am Arbeit­splatz. In Deutsch­land sind zir­ka fünf Mil­lio­nen Arbeit­nehmer gehörge­fährden­dem Lärm aus­ge­set­zt und die Beruf­skrankheit „Lärm­schw­er­hörigkeit“ ste­ht noch immer an erster Stelle aller Berufskrankheiten.

Betreu­ung im Arbeits, Gesund­heits- und Umweltschutz Her­rn Gert Passehl Arch­sumer Weg 3 22117 Hamburg

Lärm ist in erster Lin­ie hör­bar­er Schall, der stören, belästi­gen, die Gesund­heit schädi­gen und die Unfall­ge­fahr erhöhen kann.
Lärm entste­ht häufig
  • durch Maschi­nengeräusche,
  • aus von Betrieb­smit­teln emit­tierten Tönen,
  • Knall-Ereignis­sen,
  • aber auch durch laute Musik oder Sprachschall.
Im Sinne der Lärm- und Vibra­tions-Arbeitss­chutzverord­nung ist Lärm „jed­er Schall, der zu ein­er Beein­träch­ti­gung des Hörver­mö­gens oder zu ein­er son­sti­gen mit­tel­baren oder unmit­tel­baren Gefährdung von Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäftigten führen kann“.
Mech­a­nis­che Wirkungen
Schall­wellen wer­den von der Ohrmuschel „einge­fan­gen“ und über ein kom­plex­es Sys­tem in das Innenohr über­tra­gen, wo eine Vielzahl an Haarzellen den Schall in elek­tro­chemis­che Energie umwan­delt und über den Hörn­erv an das Gehirn weit­er­leit­et. Je mehr intak­te Haarzellen vorhan­den sind, desto bess­er ist das Hörver­mö­gen. Mit zunehmen­dem Alter ster­ben einige der Haarzellen ab, so dass sich im Laufe der Zeit auch eine natür­liche, alters­be­d­ingte Abnahme des Hörver­mö­gens ergibt.
Die Haarzellen ver­hal­ten sich – bild­haft ver­glichen – wie ein Korn­feld im Wind. Das Auftreten hoher Schallpegel ist nun ver­gle­ich­bar mit einem Sturm im Innenohr, der – je nach Stärke – zu einem irrepara­blen Abknick­en der „Korn­halme“ (Haarzellen) führen kann, die dadurch keine Reize mehr auf den Hörn­erv übertragen.
Kommt es im Lauf des Lebens zu vie­len, starken „Stür­men“ im Ohr, ster­ben Haarzellen ver­mehrt ab und das Hörver­mö­gen wird so beein­trächtigt, dass eine bleibende Lärm­schw­er­hörigkeit eintritt.
Psy­chis­che Belastungen
Lärm verur­sacht nicht nur Gehörschä­den, son­dern gefährdet generell die Gesund­heit und erschw­ert die Arbeit in allen Bere­ichen des Arbeitslebens.
  • Infolge des Über­hörens von Sig­nalen und Warn­rufen oder als Schreck­reak­tion auf uner­wartete Geräusche, kann sich das Unfall­risiko erhöhen.
  • Durch die erhöhte Beanspruchung des Organ­is­mus, ins­beson­dere bei Tätigkeit­en mit hohen geisti­gen Anforderun­gen oder die Störung der sprach­lichen Kom­mu­nika­tion, steigt die Arbeits­be­las­tung und die Arbeit­sleis­tung sinkt.
  • Lärm in Kom­bi­na­tion mit anderen Belas­tun­gen, wie z. B. Schwingun­gen, Hitze, Kälte, Zugluft, Gefahrstof­fen, Zeit­druck oder sehr kom­plex­en Arbeit­stätigkeit­en, kann zu einem erhöht­en Stress-Hor­mon­spiegel und zur Veren­gung der periph­eren Blut­ge­fäße führen und dadurch auf Dauer das Risiko für stress­be­d­ingte Erkrankun­gen erhöhen. Ner­vosität, Schlaflosigkeit, Bluthochdruck, Beschle­u­ni­gung der Herzfre­quenz, Stof­fwech­sel­störun­gen, Ver­dau­ungs­beschw­er­den, aber auch Band­scheiben­prob­leme sind Beispiele für die vielfälti­gen, möglichen Fol­gen psy­chis­ch­er Fehlbelastungen.
Geset­zliche Grundlagen
Die wesentlichen geset­zlichen Grund­la­gen, im Zusam­men­hang mit dem The­ma Lärm, find­en sich im Arbeitss­chutzge­setz, der Lärm- und Vibra­tions-Arbeitss­chutzverord­nung und im Arbeitssicherheitsgesetz.
Das Arbeitssicher­heits­ge­setz find­et an dieser Stelle Erwäh­nung, da viele, meist kleine Betriebe, nicht über die notwendi­ge Arbeitss­chut­zor­gan­i­sa­tion ver­fü­gen. Was in großen Unternehmen selb­stver­ständlich ist, z.B. die Bestel­lung eines Betrieb­sarztes und ein­er Fachkraft für Arbeitssicher­heit, ist dort vielfach nicht bekan­nt oder wird aus ver­schiede­nen Grün­den immer wieder aufgeschoben. Ins­beson­dere muss nach dem Arbeitssicher­heits­ge­setz in Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten ein Arbeitss­chutzauss­chuss wenig­stens vier­mal im Jahr alle Belange der Arbeitssicher­heit und des Gesund­heitss­chutzes erörtern. Zu beteili­gen sind der Arbeit­ge­ber oder seine Vertreter, der oder die Sicher­heits­beauf­tragten, der Betrieb­srat, der Betrieb­sarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Ist diese Arbeitss­chut­zor­gan­i­sa­tion im Betrieb imple­men­tiert, sind aus­re­ichend Arbeitss­chutzex­perten vorhan­den, die auf die Durch­führung der notwendi­gen Maß­nah­men im Sinne der Lärm- und Vibra­tions-Arbeitss­chutzverord­nung drän­gen wer­den. Ins­beson­dere die Sicher­heits­beauf­tragten sind dem Chef und ihren Kol­legin­nen und Kol­le­gen kom­pe­tente Ansprech­part­ner in Sachen Arbeitssicher­heit und Gesund­heitss­chutz. Sie ken­nen die Arbeit­splätze und Tätigkeit­en im Unternehmen aus dem „Eff­Eff“ und sind Vor­bild in Belan­gen von Arbeitssicher­heit und Gesund­heitss­chutz. Durch ihre Ein­bindung in die betriebliche Sicher­heit­sor­gan­i­sa­tion sind sie stets bestens informiert und tra­gen Sicher­heits­de­fizite, die vor Ort nicht abgestellt wer­den kön­nen, an die Vorge­set­zten und den Arbeitss­chutzauss­chuss heran.
Gefährdungs­beurteilung
Die Lärm- und Vibra­tions-Arbeitss­chutzverord­nung legt fest, dass der Arbeit­ge­ber, bei der Beurteilung der Arbeits­be­din­gun­gen nach § 5 des Arbeitss­chutzge­set­zes, zunächst festzustellen hat, ob die Beschäftigten Lärm aus­ge­set­zt sind oder aus­ge­set­zt sein könnten.
Ist dies der Fall, hat er alle hier­von aus­ge­hen­den Gefährdun­gen für die Gesund­heit und Sicher­heit der Beschäftigten zu beurteilen. Er hat die auftre­tenden Expo­si­tio­nen am Arbeit­splatz zu ermit­teln und zu bewerten.
Die notwendi­gen Infor­ma­tio­nen können
  • beim Her­steller oder Inverkehrbringer von Arbeitsmitteln,
  • bei anderen zugänglichen Quellen oder
  • durch Mes­sun­gen beschafft werden.
Entsprechend dem Ergeb­nis der Gefährdungs­beurteilung sind danach die Schutz­maß­nah­men nach dem Stand der Tech­nik festzulegen.
Nach der Lärm- und Vibra­tions-Arbeitss­chutzverord­nung betra­gen die Aus­lösew­erte in Bezug auf den Tages-Lärm­ex­po­si­tion­spegel und den Spitzenschalldruckpegel:
Obere Aus­lösew­erte: LEX,8h = 85 dB(A) beziehungsweise LpC,peak = 137 dB©
Untere Aus­lösew­erte: LEX,8h = 80 dB(A) beziehungsweise LpC,peak = 135 dB©
Bei der Anwen­dung der Aus­lösew­erte wird die däm­mende Wirkung eines per­sön­lichen Gehörschutzes der Beschäftigten nicht berücksichtigt.
Schutz­maß­nah­men
Bei Erre­ichen bzw. Über­schre­it­en der oben genan­nten Gren­zw­erte, müssen die fol­gen­den Schutz­maß­nah­men „aus­gelöst“ wer­den (siehe oben ste­hende Tabelle):
Lär­m­min­derung­spro­gramm
Am wirk­sam­sten ist die Bekämp­fung der Lärme­mis­sion direkt an der Quelle der Lär­mentste­hung, z. B. der Ersatz ein­er mit Druck­luft betriebe­nen Pumpe durch eine Pumpe mit elek­trischem Antrieb.
Gelingt die Ver­ringerung der Lär­mentste­hung dadurch nicht aus­re­ichend, sollte im näch­sten Schritt ver­sucht wer­den, die Schal­laus­bre­itung über Schalldämp­fung und ‑absorp­tion, z. B. mit Kapseln oder Verklei­dun­gen, zu bekämpfen und zwar so nah wie möglich an der Quelle der Lärmentstehung.
Erst wenn eine wirk­same Lärm­bekämp­fung an der Lär­mentste­hungsquelle nicht möglich ist, bietet es sich an, im Arbeit­sraum schal­lab­sorbierende Ausklei­dun­gen oder Tren­nwände anzuwenden.
Kennze­ich­nung der Lärmbereiche
Wird die obere Aus­lös­eschwelle für den Tages-Lärm­ex­po­si­tion­spegel oder den Spitzen­schall­druck­pegel erre­icht oder über­schrit­ten, ist der Arbeits­bere­ich als Lärm­bere­ich zu kennze­ich­nen und, falls tech­nisch möglich, abzugrenzen.
Nach der Arbeitsstät­ten­richtlin­ie ASR A1.3 „Sicher­heits- und Gesund­heitss­chutzkennze­ich­nung“ muss die Kennze­ich­nung mit dem Gebot­sze­ichen „M003 – Gehörschutz benutzen“ erfolgen.
Gehörschutz
Indi­vidu­eller Gehörschutz ist eine Maß­nahme, die erst dann ange­wandt wer­den soll, wenn alle anderen Möglichkeit­en der Ver­min­derung der Schal­lentste­hung und ‑aus­bre­itung aus­geschöpft sind. Da der Umset­zung von Lär­m­min­derungs­maß­nah­men jedoch häu­fig tech­nis­che oder betrieb­swirtschaftliche Gren­zen geset­zt sind, ist die Benutzung per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tun­gen eine regelmäßig anzutr­e­f­fende und wichtige Schutzmaßnahme:
  • Indi­vidu­ell angepasste Gehörschutz-Otoplastiken
  • Gehörschutzstöpsel
  • Kapsel­ge­hörschützer mit Kopf- oder Nackenbügel
  • Kapsel­ge­hörschützer, die an Arbeit­shel­men befes­tigt werden
Gehörschutz muss hygien­isch ein­wand­frei und gegen Ver­schmutzung geschützt auf­be­wahrt werden.
Detail­lierte Infor­ma­tio­nen zu diesem The­ma bein­hal­tet die BGR 194 „Ein­satz von Gehörschützern“.
Unter­weisung plus arbeitsmedi­zinis­che Beratung
Zu den häu­fig­sten, organ­isatorischen Defiziten in Betrieben gehören fehlende Schu­lungsnach­weise. Wer­den die o. g. Aus­lös­eschwellen erre­icht oder über­schrit­ten, stellt der Arbeit­ge­ber sich­er, dass die betrof­fe­nen Beschäftigten eine Unter­weisung erhal­ten, die auf den Ergeb­nis­sen der Gefährdungs­beurteilung beruht und die Auf­schluss über die mit der Expo­si­tion ver­bun­de­nen Gesund­heits­ge­fährdun­gen gibt.
Die Unter­weisung soll fol­gende The­menge­bi­ete beinhalten:
  • 1. Die Art der Gefährdung.
  • 2. Die durchge­führten Maß­nah­men zur Besei­t­i­gung oder zur Min­imierung der Gefährdung unter Berück­sich­ti­gung der Arbeitsplatzbedingungen.
  • 3. Die Expo­si­tion­s­gren­zw­erte und Auslösewerte.
  • 4. Die Ergeb­nisse der Ermit­tlun­gen zur Expo­si­tion zusam­men mit ein­er Erläuterung ihrer Bedeu­tung und der Bew­er­tung der damit ver­bun­de­nen möglichen Gefährdun­gen und gesund­heitlichen Folgen.
  • 5. Die sachgerechte Ver­wen­dung der per­sön­lichen Schutzausrüstung.
  • 6. Die Voraus­set­zun­gen, unter denen die Beschäftigten Anspruch auf arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge haben, und deren Zweck.
  • 7. Die ord­nungs­gemäße Hand­habung der Arbeitsmit­tel und das sichere Arbeitsver­fahren zur Min­imierung der Expositionen.
  • 8. Hin­weise zur Erken­nung und Mel­dung möglich­er Gesundheitsschäden.
Über die Durch­führung dieser Schu­lun­gen ist ein Nach­weis zu führen (§4 UVV BGV A1).
Eine mod­erne und sehr effiziente Meth­ode der Wis­sensver­mit­tlung ist das so genan­nte E‑Learning. So hil­ft zum Beispiel „AS-Train­er“ dabei, die Führungskräfte und Sicher­heits­beauf­tragten durch Fort­fall­en von Organ­i­sa­tion, Ter­minab­sprachen und Schu­lungszeit­en zeitlich zu ent­las­ten und eine hohe Rechtssicher­heit durch nach­weis­bar bestandene Abschlusstests zu gewährleis­ten ( www.as-trainer.com).
Arbeitsmedi­zinis­che Vorsorgeuntersuchungen
Arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge­un­ter­suchun­gen sind in der Verord­nung zur arbeitsmedi­zinis­chen Vor­sorge (ArbMedVV) aufgeführt.
Danach sind Pflich­tun­ter­suchun­gen durchzuführen, wenn die oberen Aus­lösew­erte von Lex,8h = 85 dB(A) beziehungsweise LpC,peak = 137 dB© erre­icht oder über­schrit­ten werden.
Ange­bot­sun­ter­suchun­gen sind den Beschäftigten anzu­bi­eten, wenn die unteren Aus­lösew­erte von Lex,8h = 80 dB(A) beziehungsweise LpC,peak = 135 dB© über­schrit­ten werden.
Die Vor­sorge­un­ter­suchun­gen sind von einem Arzt mit der Gebi­ets­beze­ich­nung „Arbeitsmedi­zin” oder Zusatzbeze­ich­nung „Betrieb­smedi­zin” entsprechend dem Beruf­sgenossen­schaftlichen Grund­satz für arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge­un­ter­suchun­gen G20 „Lärm” durchzuführen.
Zusam­men­fas­sung
Gefährdun­gen und Belas­tun­gen durch Lärm kön­nen vielfältig sein. Eine gründliche Gefährdungs­beurteilung und die kon­tinuier­liche Verbesserung aller Schutz­maß­nah­men sind wichtige Bestandteile der Unternehmensführung. Sie garantieren Rechtssicher­heit, einen störungs­freien Betrieb mit hoher Pro­duk­tiv­ität, eine gute Zusam­me­nar­beit mit Behör­den und Ver­wal­tun­gen, eine Senkung der Kosten, den Schutz und die Zufrieden­heit ihrer Mitar­beit­er und nicht zulet­zt ein hohes Maß an Lieferzuverlässigkeit.
Geschäfts­führer der AS-Train­er GmbH sowie freiberu­fliche Fachkraft für Arbeitssicher­heit und Gefahrgutbeauftragter

Statement zu Otoplastiken
Oto­plas­tiken wer­den von den Beschäftigten in der Regel lieber benutzt als Gehörschutzstöpsel oder Kapsel­ge­hörschützer, denn sie sind angenehm zu tra­gen; sie drück­en nicht und unan­genehmes Schwitzen wird vermieden.
Für den Arbeit­ge­ber ergibt sich fern­er ein Kosten­vorteil, weil sich Oto­plas­tiken durch die lange Halt­barkeit und das Ent­fall­en von Weg­w­er­far­tikeln schnell amortisieren.
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