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Arbeitsplatz Lkw

Gesund und sicher auf Achse
Arbeitsplatz Lkw

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Stetig steigende Anforderun­gen an Lkw-Fahrer in der dien­stleis­tung­sori­en­tierten Trans­port­branche erfordern neue, ganzheitliche Ansätze auf dem Gebi­et der Sicher­heit. Neben ein­er besseren Ausstat­tung der Fahrzeuge ist auch eine Verbesserung der Qual­i­fika­tion der Fahrer notwendig. Vor diesem Hin­ter­grund hat die Beruf­sgenossen­schaft für Trans­port und Verkehr­swirtschaft (BG Verkehr) bere­its 2002 das Pro­gramm „Gesund und Sich­er – Arbeit­splatz Lkw“ entwickelt.

Ziel des Pro­gramms ist es, die Betriebe mit prax­is­na­hen Schu­lun­gen zu unter­stützen. Das Konzept des Pro­gramms „Gesund und sich­er – Arbeit­splatz Lkw“geht davon aus, dass die Mitar­beit­er in den Güterkraftverkehrs­be­trieben Experten für ihre eigene Arbeitssi­t­u­a­tion sind. Sie kön­nen ihre Erfahrun­gen und Prob­lem­lö­sungs­fähigkeit in Sem­i­nare ein­brin­gen und gemein­sam Lösungsstrate­gien für ihren beru­flichen All­t­ag erar­beit­en. Für die Umset­zung des Konzepts wird deshalb nicht die klas­sis­che Sem­i­n­armeth­ode mit großen Anteilen an Frontalun­ter­richt durch einen oder mehrere Dozen­ten gewählt, son­dern die Mod­er­a­tions­meth­ode. Diese Meth­ode unter­stützt die selb­ständi­ge Erar­beitung von Lösun­gen durch die Teil­nehmer. Ziel ist nicht nur die reine Ver­mit­tlung von Wis­sen, son­dern ein Ler­nen, das eine Auseinan­der­set­zung mit der eige­nen Sit­u­a­tion und eine Änderung des Bewusst­seins und Ver­hal­tens ermöglicht. Der Mod­er­a­tor ist nicht Dozent, son­dern er nutzt das Wis­sen und die Erfahrung der Teil­nehmer. Er stellt Fra­gen, aktiviert die Teil­nehmer, set­zt Impulse und ver­net­zt das Gespräch der Teil­nehmer untere­inan­der und hil­ft der Gruppe so zu einem eige­nen Ergeb­nis zu kom­men. Dabei sollen die Fahrer ihr eigenes Ver­hal­ten bewusst beobacht­en, Gefährdungspoten­ziale erken­nen, wichtige Infor­ma­tio­nen und Tipps bekom­men und nicht zulet­zt erken­nen, dass sie auch selb­st für die eigene Sicher­heit ver­ant­wortlich sind.
Das Schu­lung­spro­gramm set­zt sich aus vier The­men-Blöck­en zusammen:
  • 1. Belas­tung und Beanspruchung
  • 2. Sicher­heit rund um den Lkw
  • 3. Stress und Kon­flik­te am Arbeitsplatz
  • 4. Fahrzeuge mit Spezialaufbauten
Die The­men-Blöcke enthal­ten wiederum einzelne Bausteine (siehe Infokas­ten). So auch der The­men-Block C, der sich aus dem Baustein „Stress und Stress­be­wäl­ti­gung“ und dem Baustein „Kon­flik­te und Kon­flik­t­be­wäl­ti­gung“ zusammensetzt.
Stress und Stress­be­wäl­ti­gung im Güterkraftverkehr
Enge Ter­min­pläne, win­ter­liche Fahrbah­n­ver­hält­nisse, schwierige Rang­ier­manöver – nur drei Beispiele für Stress am „Arbeit­splatz Lkw“. „Heute hab’ ich wieder Stress gehabt!“ heißt es oft am Abend. Und am näch­sten Mor­gen geht es wieder hinein in die gle­iche Tret­müh­le. Dabei dürfte es sich herumge­sprochen haben: Stress beein­trächtigt Moti­va­tion und Leben­squal­ität. Und natür­lich auch die Arbeit­squal­ität. Wer unter Stress ste­ht, macht Fehler. Fehler, die ger­ade bei Fahrern schlimme Fol­gen haben kön­nen. Aber auch, wenn nichts passiert – lang andauernde Stress­be­las­tung kann krank machen. Doch Stress muss nicht als unabän­der­lich­es Schick­sal hin­genom­men wer­den. Denn es gibt wirk­same Strate­gien dagegen.
Umgangssprach­lich wird das Wort „Stress“ oft benutzt, um Ergeb­nisse, Sit­u­a­tio­nen oder Zustände zu beze­ich­nen, die belas­ten, aufre­gen oder all­ge­mein als unan­genehm emp­fun­den wer­den. Das ist jedoch nicht ganz kor­rekt, denn beim Stress geht es um ein Wech­sel­spiel zwis­chen Men­sch und Umwelt.
Eigentlich stammt der Begriff „Stress“ aus der Fach­sprache der Inge­nieure. Man beze­ich­nete damit die Span­nungszustände, die auf­grund äußer­er Belas­tun­gen (Druck oder Zug) im Bau­ma­te­r­i­al, zum Beispiel einem Stahlträger, her­vorgerufen werden.
Psy­cholo­gen und Medi­zin­er haben sich mit den Reak­tio­nen des Men­schen auf äußere Belas­tun­gen beschäftigt und dafür eben­falls den Begriff „Stress“ benutzt. Zunächst wur­den die Reize, die den Stress her­vor­rufen, unter­sucht. Man nahm an, dass bes­timmte Umwelt- bzw. Lebensereignisse für alle Men­schen eine gle­ich große Belas­tung darstellen.
Dabei wird jedoch ver­nach­läs­sigt, dass jed­er Men­sch anders auf Belas­tun­gen reagiert. Dies kön­nen wir ja auch oft genug beobacht­en: Was den einen „auf hun­der­tachtzig“ bringt, lässt den anderen völ­lig kalt.
Offen­bar hängt die indi­vidu­ell emp­fun­dene Belas­tung auch davon ab, wie jemand eine Sit­u­a­tion bew­ertet. Und davon, welche Möglichkeit­en jemand hat, eine Sit­u­a­tion zu bewälti­gen. Unter diesem Blick­winkel wird Stress als die immer gle­ich ver­laufende Reak­tion des men­schlichen Organ­is­mus auf äußere Belas­tun­gen (Stres­soren) aufgefasst.
Wie der Organ­is­mus reagiert, hängt von ver­schiede­nen Fak­toren ab:
  • von der Art, Stärke, Zahl und Dauer der Stressoren
  • von der Bew­er­tung der Situation
  • von den Möglichkeit­en der Bewäl­ti­gung (sub­jek­tiv und objektiv)
Im Straßen­verkehr gibt es eine Vielzahl von Stres­soren. Durch die spez­i­fis­chen Anforderun­gen und Bedin­gun­gen im Güterkraftverkehr kom­men weit­ere hinzu. Hierzu zählen:
  • Verkehrssi­t­u­a­tio­nen: Verkehrs­dichte, Stau, Baustelle, Umleitung, lange Lkw-Über­holver­bote, enger Betrieb­shof, Verkehrsregelungen
  • Umwel­te­in­flüsse: Regen, Nebel, Glätte, Licht- und Sichtver­hält­nisse, Dunkel­heit, extreme Temperaturen
  • Fahrzeug: Sitzhal­tung, Schwingun­gen, Vibra­tio­nen, Raumk­li­ma, schlechte Luft, Zugluft, Fahrzeu­gabmes­sun­gen, fehlende Übersichtlichkeit
  • Akustis­che Stres­soren: Lärm, Geräusche
  • Ablenkung: Betriebs- oder CB-Funk, Tele­fon, Musik, Verkehrs­funk, Navigation
  • Fahrmanöver: Spur­wech­sel, Über­hol­manöver, Rangieren
  • Andere Verkehrsteil­nehmer: Aut­o­fahrer, Rad­fahrer, Fußgänger, Kinder, ältere Menschen
  • Ladung: Gefahrstoffe, verderbliche Waren, Schwertransporte
  • Kör­per­liche Fak­toren: Bio­rhyth­mus, Über­mü­dung, Ver­dau­ung, Krankheit, alters­be­d­ingte Einschränkungen
  • Arbeits­be­d­ingte Stres­soren: Dis­po­si­tion, Touren­pla­nung, Zeit­druck, Heben/Tragen beim Beladen, Druck durch Vorge­set­zte, Kon­flik­te, Ärg­er mit Kun­den, Verun­sicherung, Neuori­en­tierung, Unter­forderung, Monot­o­nie, Nacht­fahrten, Suchfahrten.
Häu­fig fol­gen die Stres­soren in immer dichter­er Folge, Erhol­ungsphasen wer­den sel­tener. Kör­per­liche Bewe­gung kön­nte beim Stress­ab­bau helfen, unterbleibt aber oft, weil im Fahrbe­trieb keine Gele­gen­heit dazu beste­ht und in der Freizeit andere Pri­or­itäten geset­zt werden.
Ins­beson­dere bei häu­figer und lang andauern­der Stress­be­las­tung unterbleiben die eigentlich notwendi­gen Erhol­ungsphasen. Die fol­gende Stress­reak­tion set­zt bere­its bei erhöhtem Anspan­nungsniveau an. Auch hier ist die Erhol­ungsphase nicht aus­re­ichend. So wird ein immer höheres Erre­gungsniveau erre­icht, bis „das Fass überläuft“.
Für Kraft­fahrer kann die Belas­tung so stark wer­den, dass sich daraus kör­per­liche Beschw­er­den ergeben kön­nen. Bei ein­er Befra­gung ergab sich, dass jed­er zweite Lkw-Fahrer unter Erschöp­fungs- und Ermü­dungszustän­den lei­det. Zwei Drit­tel kla­gen über Prob­leme mit dem Rück­en oder haben Beschw­er­den im Nack­en- und Schul­ter-Bere­ich. Jed­er dritte hat Schlaf­störun­gen, ist nervös und unkonzentriert.
Wer wirkungsvoll gegen den Stress und seine Gefahren vorge­hen will, sollte in erster Lin­ie ver­suchen, die Stres­soren auszuschal­ten oder zu reduzieren.
Wenn der Stres­sor aus­geschal­tet wird, kann er den Fahrer nicht mehr belas­ten. Manch­mal ist das ein­fach: Wenn die Heizung in der Fahrerk­abine ein unan­genehmes Kli­ma erzeugt, wird sie herun­terge­dreht. Bei Hungerge­fühl kann man etwas essen, bei Müdigkeit und Konzen­tra­tionss­chwierigkeit­en eine Pause ein­le­gen. Wichtig dabei ist allerd­ings, die Gegen­maß­nah­men frühzeit­ig zu ergreifen, bevor die Stress­reak­tion einsetzt.
Bei anderen Stres­soren ist die Abhil­fe nicht so ein­fach, weil aus tech­nis­chen oder son­sti­gen Grün­den keine Änderung möglich ist. Eine defek­te Heizung muss erst repari­ert wer­den, bevor man sie wieder reg­ulieren kann. Ein Sitz, den man nicht kör­perg­erecht ein­stellen kann, muss aus­ge­tauscht wer­den. Ein zu enger Touren­plan muss erst geän­dert wer­den, damit der Fahrer wieder aus­geglichen fahren kann. Kon­flik­te unter den Mitar­beit­ern oder mit dem Chef müssen erst beigelegt wer­den, bevor man wieder stress­frei miteinan­der umge­hen kann.
Vieles, was indi­vidu­ell zu Über­las­tung und Stress führt, ist auf organ­isatorische oder tech­nis­che Ursachen zurück­zuführen. Hier anzuset­zen und Änderun­gen her­beizuführen, die den Stress der Fahrer ver­ringern, ist oft nur langfristig möglich und erfordert lan­gen Atem. Den­noch ist es lohnenswert, sich für organ­isatorische und/oder tech­nis­che Lösun­gen einzuset­zen. Denn oft kann nur auf diesem Weg das Stressprob­lem wirk­lich dauer­haft gelöst wer­den. Auch bei unvorherge­se­henen Ereignis­sen, die einge­spielte Abläufe oder Zeit­pläne durcheinan­der brin­gen (Stau, Baustelle, Panne, usw.), kön­nen organ­isatorische Maß­nah­men Erle­ichterung ver­schaf­fen. Solche Störun­gen lassen sich leichter auf­fan­gen, wenn man Vor­sorge trifft, indem man Zeit-Puffer ein­baut und Alter­na­tiv­en ein­plant, wie z. B. eine andere Streck­en­wahl. Per Funk oder Tele­fon kann man ver­suchen, die Fol­gen von Ver­spä­tun­gen zu begren­zen. Wer dage­gen ver­sucht, unhalt­bare Vor­gaben doch einzuhal­ten, ist schon in der Stress­falle gefangen.
Eine weit­ere Möglichkeit den Stress zu reduzieren ist, die Stress­reak­tion des Kör­pers zu bee­in­flussen. Möglich ist dies durch regelmäßige und erhol­same Pausen, Bewe­gung zum Aus­gle­ich oder durch spezielle Tech­niken wie Atemübun­gen, pos­i­tive Selb­st-Pro­gram­mierung oder auto­genes Train­ing. Hil­fre­ich ist es auch, die Belas­tungs­fähigkeit des Organ­is­mus zu erhöhen. Dabei ist Entspan­nung genau so wichtig wie die gesunde Lebens­führung, aus­re­ichen­der Schlaf, voll­w­er­tige Ernährung und kör­per­liche Fitness.
Die Sem­i­nare im Rah­men des Pro­gramms „Gesund und Sich­er – Arbeit­splatz Lkw“ bieten vielfältige Möglichkeit­en, die Fak­toren, die zum Stresser­leben führen, zu benen­nen und Lösun­gen zu erar­beit­en. Durch die Mod­er­a­tions­meth­ode wer­den die Teil­nehmer in die Lage ver­set­zt, prax­isori­en­tiert an ihre eigene Arbeits- und Lebenssi­t­u­a­tion anzuknüpfen und gle­ichzeit­ig durch den Aus­tausch mit Kol­le­gen den Blick über den Teller­rand zu wagen – und manch­mal hil­ft es ein­fach schon über Prob­leme zu reden und sich auszu­tauschen – auch dies ist ein Anfang, um sich vom Stress nicht über­wälti­gen zu lassen.
BG Verkehr

Gesund und Sicher – Arbeitsplatz Lkw
Her­rn Frank Lewandows­ki Thomas-Dehler-Weg 47 31141 Hildesheim
Bausteine
In dem Pro­gramm „Gesund und Sich­er – Arbeit­splatz Lkw“ gibt es 17 Bausteine, die im Rah­men ein­er Fahrerschu­lung beliebig miteinan­der kom­biniert wer­den können:
A Belas­tung und Beanspruchung
A1: Belas­tung und Beanspruchung
A2: Sitzen, heben, tragen
A3: Sehen und erkennen
A4: Kli­ma
A5: Lärm
A6: Ernährung
A7: Ermü­dung
A8: Arbeit­szeit und soziales Umfeld
A9: Ein­flussfak­tor Alter
A10: Arbeitsmedi­zinis­che und psy­chol­o­gis­che Betreuung
B Sicher­heit rund um den Lkw
B1: Entste­hung von Unfällen
B2: Sich­er fahren
B3: Sich­er arbeiten
B4: Sich­er be- und entladen
C Stress und Kon­flik­te am Arbeitsplatz
C1: Stress und Stressbewältigung
C2: Kon­flik­te und Kon­flikt- bewältigung
D Fahrzeuge mit Spezialaufbauten
D1: Nur kip­pen, nicht umkippen
Das Pro­gramm wird zurzeit über­ar­beit­et und erweit­ert. Geplant sind Bausteine zu den The­men „Ladungssicherung“, „Alko­hol, Dro­gen und Medika­mente“ und „Pan­nen und Notfälle“.
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