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Gute Besse­rung!

Brandschutz lässt Patienten ruhig schlafen
Gute Besse­rung!

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„Vergiss des Übels, so bist du gene­sen”, so lautet ein altes Sprich­wort. Kurzum, wer krank ist, der braucht Sicher­heit und Gebor­gen­heit, um wieder gesund zu werden. Während wir sicher sind, dass in einer Klinik oder einem Pflege- und Senio­ren­heim aus medi­zi­ni­scher Sicht alles dafür getan wird, dass die Menschen gut aufge­ho­ben sind, ist ein effek­ti­ver Brand­schutz nicht immer gewähr­leis­tet. Warum ist das so, obwohl wir immer wieder von Brän­den mit kata­stro­pha­len Folgen für die Pati­en­ten und Bewoh­ner aufge­schreckt werden?

bvfa _ Bundes­ver­band Tech­ni­scher Brand­schutz e.V. Herrn Dr. Wolf­ram Krause Koel­li­ker­str. 13 97070 Würz­burg

Es ist kurz nach zwei Uhr in der Nacht als am 30. Januar 2007 im Allge­mei­nen Kran­ken­haus Wands­bek in Hamburg ein Feuer ausbricht. Eine verwirrte Frau hatte in der Notfall­auf­nahme eine Matratze in Brand gesteckt – daraus entsteht in kürzes­ter Zeit ein Groß­brand. Gerade in Pati­en­ten­zim­mern findet ein Feuer immer reich­lich Nahrung: Zell­stoffe, Bett­wä­sche, dazu der häufig verwen­dete Sauer­stoff. Bei dem Brand in Hamburg kommt ein 74-jähriger Mann im Feuer ums Leben, 17 Menschen werden verletzt.
Nicht jeder Kran­ken­haus­brand entwi­ckelt sich derart drama­tisch, aber das Risiko ist größer als man gemein­hin denkt. Klaus Wichert hat für eine Studie 21 Jahre lang (von 1980 bis 2001) Zeitungs­mel­dun­gen ausge­wer­tet. Sein Resul­tat: Alle 14 Tage brennt es in einem deut­schen Kran­ken­haus, sogar alle sieben Tage bricht in einem Alten­heim irgendwo im Land ein Feuer aus. Gerade hier sind es häufig die Pati­en­ten selbst, die durch Unacht­sam­keit oder Vergess­lich­keit den Brand auslö­sen, Kerzen bren­nen lassen oder Elek­tro­ge­räte nicht ausschal­ten. Ein großer Risi­ko­fak­tor sind Pati­en­ten, die heim­lich rauchen und dann ihre Ziga­rette irgendwo „verschwin­den“ lassen.
Aber auch die komplexe Tech­nik einer Klinik birgt Risi­ken. So verwüs­tete am 3. Juni 2008 ein Brand den gesam­ten OP-Flügel des Konstan­zer Kran­ken­hau­ses. Die Ursa­che lag im tech­ni­schen Bereich. Drei Neuge­bo­rene in Brut­käs­ten waren nicht trans­port­fä­hig, die Feuer­wehr musste für die nötige Frisch­luft­zu­fuhr sorgen. Zum Glück gerie­ten die Babys nicht in akute Gefahr. Aber der Fall zeigt: Nicht immer ist es möglich, ganze Kran­ken­häu­ser ohne weite­res zu evaku­ie­ren. “Evaku­ie­ren sollte immer der Weis­heit letz­ter Schluss sein, da viele Pati­en­ten eine solche Maßnahme wahr­schein­lich nicht ohne Folge­scha­den über­ste­hen würden”, stellt auch die Fach­zeit­schrift “Klinik­ma­nage­ment aktu­ell” fest.
Beim Brand­schutz im Kran­ken­haus geht es zuvor­derst um Menschen­le­ben. Doch auch wenn bei einem Feuer Pati­en­ten nicht direkt gefähr­det sind, kann dieses für die jewei­lige Klinik Folgen haben. Während die Schä­den, die beim meist betrof­fe­nen medi­zi­ni­schen Gerät schnell im Millionen-Euro-Bereich liegen, von Versi­che­run­gen abge­deckt sind, muss das betrof­fene Kran­ken­haus den Image-Schaden tragen. Häufig fallen nach einem Feuer ganze Statio­nen über Monate aus. So waren in Konstanz sechs Opera­ti­ons­säle durch den Brand zerstört worden. Die Klinik stellte in ihrer Not umge­baute, spezi­ell ausge­rüs­tete Contai­ner auf ihrem Gelände auf. Auch die Bundes­wehr half mit mobi­len Opera­ti­ons­sä­len aus.
Hierzu gibt es wenig verläss­li­che Daten und Erhe­bun­gen. Man geht von folgen­den Schät­zun­gen aus:
  • 32% der Ursa­chen sind unbe­kannt
  • 22% tech­ni­sche Defekte (darun­ter fallen auch Fern­seh­ge­räte)
  • 15% mutwil­lige Brand­stif­tung
  • 12% Rauchen (einschla­fen; oder Asche wird in brenn­bare Abfall­be­häl­ter entsorgt)
  • 8% fahr­läs­sige Brand­stif­tun­gen
  • 7% Advents­ge­steck
  • 4% Bauar­bei­ten (meist durch Fremd-firmen)
Unge­fähr 60 Prozent der Brände in Alten(pflege-)heimen entste­hen zwischen 19.30 und 6.00 Uhr, 27 Prozent zwischen 22.00 und 1.00 Uhr. Bei den Brand­ur­sa­chen im Alten­heim spie­len oft alters­be­dingte Eigen­hei­ten der Bewoh­ner eine entschei­dende Rolle:
  • Vergess­lich­keit
  • körper­li­che Einschrän­kun­gen
  • einge­schränk­tes Reak­ti­ons­ver­mö­gen
  • Gefah­ren­be­wusst­sein geschwächt
  • erhöh­tes Wärme­be­dürf­nis
  • Bett­lä­ge­rig­keit
Die Tabelle zeigt – ohne Anspruch auf Voll­stän­dig­keit – einen erschre­cken­den Über­blick über die im Jahr 2008 in Kran­ken­häu­sern und Alten- und Pfle­ge­hei­men ausge­bro­che­nen Brände und ihre Folgen. Bei den Brän­den im Alten­heim z.B. ster­ben jähr­lich bis zu 20 Perso­nen, bis zu 150 Perso­nen werden verletzt. Die Dunkel­zif­fer der Brand­fälle in Alten­hei­men liegt mit Sicher­heit wesent­lich höher. Viele Brände werden gar nicht „publik“, sondern in Eigen­re­gie bekämpft. Die Hemm­schwelle, die Feuer­wehr zu rufen, ist recht hoch. Das Perso­nal ist häufig nicht rich­tig auf einen Brand­fall vorbe­rei­tet und versucht deshalb zuerst selbst zu löschen und ruft die Feuer­wehr, wenn die Lage schon sehr ernst ist. Die Furcht der Mitar­bei­ter, wenn ein Brand „raus kommt“, in Schwie­rig­kei­ten zu gera­ten oder „den Ruf des Hauses zu gefähr­den“, ist groß.
Das Brand­schutz­kon­zept
Sinn­volle vorbeu­gende Brand­schutz­vor­keh­run­gen helfen, dass es gar nicht erst zu Personen- und Sach­schä­den kommt:
Bauli­cher Brand­schutz. Dieser umfasst all die bauli­chen Maßnah­men, die notwen­dig sind ein Feuer über­haupt nicht erst entste­hen zu lassen oder zumin­dest die Ausbrei­tung von Feuer und Rauch zu verhin­dern. Darun­ter fallen u.a. Brand­wände, Brand­ab­schnitte, Brand- und Rauch­schutz­tü­ren, Flucht‑, Rettungs- und Angriffs­wege, Feuer­wehr­zu­fahr­ten und Feuer­wehr­auf­stell­flä­chen. Durch sie kann der Brand einge­grenzt werden. Sind Pati­en­ten in ande­ren Gebäu­de­tei­len in Sicher­heit, können im Kran­ken­haus auch wenn es brennt weiter­hin Leben geret­tet werden. Brand­schutz­be­klei­dun­gen für Kabel- und Lüftungs­ka­näle können die Ausbrei­tung eines Feuers stop­pen. Brand­schutz­fu­gen und Brand­schutz­be­schich­tun­gen helfen mit, dass ein Feuer erst gar nicht entsteht.
Anla­gen­tech­ni­scher Brand­schutz
Unter den Anla­gen­tech­ni­schen Brand­schutz fallen die Lösch­was­ser­ver­sor­gung, Brand­mel­de­an­la­gen, statio­näre und auto­ma­ti­sche Feuer­lösch­an­la­gen, Rauch- und Wärme­ab­zugs­an­la­gen etc. Durch die selb­stän­dig auslö­sen­den Lösch­an­la­gen wird ein Tätig­wer­den des Perso­nals unnö­tig und das Feuer, wenn es einmal entstan­den ist, kann einge­grenzt und gelöscht werden.
Betrieblicher/Organisatorischer Brand­schutz
Beim betrieb­li­chen und orga­ni­sa­to­ri­schen Brand­schutz sind in Ergän­zung zu den vorge­nann­ten Maßnah­men folgende Themen wich­tig: die Erstel­lung der notwen­di­gen Pläne, Anbrin­gen der erfor­der­li­chen Feuer­lö­scher, Brand­schau und eine praxis­ge­rechte Ausbil­dung sämt­li­cher Mitar­bei­ter.
„Tatsa­che ist, dass eine Station in einem Kran­ken­haus in einem Brand­fall in den ersten 10 bis 15 Minu­ten auf sich allein gestellt ist”, stellt Kran­ken­haus­pla­ner Pius Schaf­hu­ber in einem Gespräch mit der Zeit­schrift “Clini­cum” fest: “Umso wich­ti­ger ist ein geeig­ne­tes Brand­schutz­kon­zept, das bauli­che und betrieb­li­che Brandschutz-maßnahmen berück­sich­tigt.” Ein Brand­schutz­kon­zept, das Pati­en­ten und Ange­stell­ten wirk­li­che Sicher­heit gibt, geht aber über die gesetz­li­chen Mindest­an­for­de­run­gen hinaus. Ein effek­ti­ves Brand­schutz­kon­zept ist es aber auch, das die Menschen im Kran­ken­haus ruhig schla­fen lässt. Das ist zwei­fels­ohne nötig, um bald wieder gesund zu werden.
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