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Hand-/Hautschutzmaßnahmen in der Praxis

Organisation persönlicher Schutzmaßnahmen
Hand-/Hautschutzmaßnahmen in der Praxis

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Die geeignete Auswahl von Schutzhand­schuhen und Haut­mit­teln ist wesentlich für die Ver­hin­derung des Kon­tak­tes Schad­stoff – Haut und damit für die Sicher­heit und den Gesund­heitss­chutz der Arbeit­nehmer. Dies fällt in der Prax­is nicht immer leicht. Grund­sät­zlich­es und Hin­weise zur Umset­zung in der Prax­is liefert dieser zweit­eilige Beitrag.

Die nach­fol­gen­den Empfehlun­gen zur Gefährdungser­mit­tlung und Auswahl der Hand-/Hautschutz­maß­nah­men bedeuten zunächst einen Aufwand, der nicht nur Zeit und ein hohes Maß an Qual­i­fika­tion, son­dern auch Koop­er­a­tions­bere­itschaft und viel Ein­füh­lungsver­mö­gen erfordert.
Der Lohn der Arbeit macht sich erst später bemerk­bar: Kosteneinsparung, Steigerung der Pro­duk­tiv­ität, gutes Arbeit­skli­ma und die Gewis­sheit, sein­er Auf­gabe gerecht gewor­den zu sein.
Die heute bei Arbeit­nehmern und Arbeit­ge­bern vorhan­dene hohe Sen­si­bil­ität für The­men des Arbeitss­chutzes stellt eine gute Basis für den Abbau von Arbeit­sun­fällen und Beruf­skrankheit­en dar.
Beim Umgang mit Gefahrstof­fen geht es dabei weniger um das Ver­mei­den von Ver­let­zun­gen der Haut als vielmehr um das Ver­hin­dern von Organ­erkrankun­gen. Prob­lema­tisch sind hier vor allem Sub­stanz­grup­pen mit einem hohen und bekan­nten Gefahren­poten­zial. Ger­ade im Hin­blick auf chro­nis­che, irre­versible Erkrankun­gen sollte darüber hin­aus beim Umgang mit Sub­stanzen unbekan­nter Wirkung beson­dere Vor­sicht geboten sein.
Es ist bekan­nt, dass Hautschutzmit­tel nicht vor Gefahrstof­fen schützen und deren Auf­nahme in den Kör­p­er nicht ver­hin­dern kön­nen. Auch kön­nen Hautschutzmit­tel bei beste­hen­der Sen­si­bil­isierung nicht direkt vor Allergien schützen. In vie­len Bere­ichen müssen daher Schutzhand­schuhe einge­set­zt wer­den, da nur diese eine Bar­riere bilden und den Kon­takt Chemikalie – Haut ver­hin­dern kön­nen. Ein Hautschutzkonzept ist jedoch zusät­zlich bei den meis­ten Tätigkeit­en zwin­gend und beschränkt sich nicht nur auf das Gewerbe. Die max­i­male Wirk­samkeit wird dabei nur mit einem „PCR-Konzept“ (Pro­tect – Clean – Repair) erre­icht, in dem Hautschutz (Pro­tect), Hautreini­gung (Clean) und Hautpflege (Repair) aufeinan­der abges­timmt sind und sich in ihrer Wirk­samkeit unter­stützen.
Unter­suchun­gen zeigen, dass viele Unfälle auf­grund des nicht effek­tiv­en Anwen­dens aus­gewählter, per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung, aber auch durch Fehlein­schätzung des möglichen Gefahren­poten­zials entste­hen. Hier sind ein hohes Maß an Erfahrung und Know-how gefragt, denn immer entschei­den let­ztlich die Auswahl und der sachgerechte Ein­satz der per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung über deren Schutzwirkung und somit über die Gesund­heit ihrer Anwen­der. Der Preis des geeigneten Schutzpro­duk­tes ste­ht in keinem Ver­hält­nis zum Preis der Gesund­heit und zur Pro­duk­tiv­ität.
Gefährdungser­mit­tlung
Die Gefährdungser­mit­tlung ist die Grund­vo­raus­set­zung zur Auswahl geeigneter Schutzpro­duk­te und der Organ­i­sa­tion per­sön­lich­er Schutz­maß­nah­men im Betrieb. Es geht darum, bedeu­tende gesund­heitliche Gefahren zu iden­ti­fizieren, zu bew­erten und geeignete Schutz­maß­nah­men zu fix­ieren, die eine Gefährdung des Men­schen auss­chal­ten. Die Hände betr­e­f­fend bedeutet dies: Ver­hin­derung der perku­ta­nen Auf­nahme von Stof­fen sowie Ver­mei­dung von Hau­tir­ri­ta­tio­nen und Hauterkrankun­gen durch Ver­hin­derung des Stof­fkon­tak­tes durch Hautschutzmit­tel (bed­ingt) und ins­beson­dere durch das Tra­gen von Schutzhand­schuhen. Darüber hin­aus kön­nen Schutzpro­duk­te nur dann schützen, wenn sie kon­se­quent, regelmäßig und sachgerecht ver­wen­det wer­den. Die Auswahl des geeigneten Schutzpro­duk­tes ist daher nur eine Sache – die Anwen­dung im Betrieb ist eben­so bedeut­sam.
Die betriebliche Organ­i­sa­tion per­sön­lich­er Schutz­maß­nah­men ist beschrieben
  • im Arbeitss­chutzge­setz
  • in der Verord­nung über Sicher­heit und Gesund­heitss­chutz bei der Benutzung per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tun­gen bei der Arbeit (PSA-Benutzungsvorord­nung, PSA-BV) , welche speziell die Bere­it­stel­lung und die Benutzung von PSA regelt
  • in der Gefahrstof­fverord­nung
Das Arbeitss­chutzge­setz und die PSA-BV nehmen ins­beson­dere die Arbeit­ge­ber in die Pflicht. Sie klären weit­er­hin über die Rechte und Pflicht­en der Arbeit­nehmer (Benutzer von PSA) auf. Die betriebliche Organ­i­sa­tion umfasst danach
  • Die Gefährdungser­mit­tlung
  • Die Umset­zung von Schutz­maß­nah­men nach der Rang­folge „STOP“: – Sub­sti­tu­tion von Gefahrstof­fen – Tech­nis­che Maß­nah­men – Organ­isatorische Maß­nah­men – Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung
  • Die Doku­men­ta­tion­spflicht
  • Erstel­lung der Betrieb­san­weisung
  • Die mündliche Unter­weisung
  • Die Prü­fung auf Wirk­samkeit der getrof­fe­nen Schutz­maß­nah­men
Hin­sichtlich des Ein­satzes per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung müssen entsprechend der Geset­zge­bung zunächst die tech­nis­chen und organ­isatorischen Maß­nah­men zur Gefahrab­wen­dung erar­beit und das Restrisiko ermit­telt und spez­i­fiziert wer­den. Auf dieser Basis erfol­gt die Auswahl geeigneter Schutzpro­duk­te unter Berück­sich­ti­gung der arbeit­splatz- und anwen­der­be­zo­ge­nen Forderun­gen gefol­gt von einem geziel­ten Prax­is­test, der die kor­rek­te Auswahl bestätigt. Soweit nicht schon vorhan­den, wird eine Betrieb­san­weisung erstellt, die Arbeit­nehmer unter­wiesen und Regelun­gen von Auf­sicht und Kon­trolle zur kor­rek­ten Anwen­dung und Wirk­samkeit der getrof­fe­nen Maß­nah­men.
Im Falle Hand-Hautschutz sind die physikalis­chen und chemis­chen Belas­tun­gen bei der Anwen­dung zu ermit­teln und sie mit den Forderun­gen des Anwen­ders an das Schutzpro­dukt und den Eigen­schaften der auf dem Markt erhältlichen Schutzpro­duk­te abzus­tim­men.
Grund­lage bildet die Stof­fliste, in der fol­gen­des ver­merkt wer­den sollte:
  • Beze­ich­nung der Chemikalie
  • CAS (Chem­i­cal Abstracts)-Nummer
  • Liefer­ant
  • Sicher­heits­daten­blatt
  • Gefahren­sym­bol, R- und S‑Sätze
  • Ver­wen­dung im Betrieb
Was das The­ma „Schutz der Hände“ anbe­langt, so sind die wichtig­sten Schritte vorgegeben:
  • Infor­ma­tio­nen beschaf­fen – ver­wen­dete Arbeitsstoffe – Arbeitsver­fahren – detail­lierte Arbeit­splatz­dat­en – Arbeit­nehmerver­hal­ten
  • Risiko / Gefahr spez­i­fizieren – Ver­hal­ten der Arbeit­nehmer – Arbeitsver­fahren – ver­wen­dete Stoffe
  • Sicher­heits­daten­blät­ter nutzen
Hautschutz oder Schutzhand­schuhe?
Um eine geeignete Auswahl an Haut­mit­teln und Schutzhand­schuhen tre­f­fen zu kön­nen, müssen die in Gebrauch befind­lichen Arbeitsstoffe zunächst gelis­tet wer­den. Anhand der Kennze­ich­nung (Gefahren­sym­bole, Risiko ®-Sätze) kann entsch­ieden wer­den, ob es sich um einen Gefahrstoff oder „nur“ um einen an sich harm­losen Arbeitsstoff han­delt. Sind die Arbeitsstoffe mit Gefahren­sym­bol­en und Risiko-Sätzen gelis­tet und die mögliche Kon­tak­tart bes­timmt, so kann entsch­ieden wer­den, welche Art von Hand-/Hautschutzmit­teln wann, wie oft und bei welch­er Tätigkeit einge­set­zt wer­den sollen. Es wird eine Vor­ab-Auswahl getrof­fen, die durch weit­ere arbeit­splatzspez­i­fis­che Kri­te­rien weit­er einge­gren­zt wer­den kann.
Festzule­gen ist dann die Art des Kon­tak­tes: Han­delt es sich um einen großflächi­gen Kon­takt oder sind nur „Spritzer“ zu erwarten? Wie oft ist der Kon­takt zu erwarten und welche Anforderun­gen sind noch wichtig? Ist ein mech­a­nis­ch­er Schutz erforder­lich? Beste­ht die Möglichkeit von Schnittver­let­zun­gen? Welche Anforderun­gen müssen an die Arbeit­sprozesse (z.B. Abdruck­frei­heit bei Lack­ier­ar­beit­en, Duft­stoff­frei­heit im Lebens­mit­tel­bere­ich) und die Umge­bung (z.B. Tem­per­atur) getrof­fen wer­den?
Schließlich ist es auch wichtig, sub­jek­tive Kri­te­rien der Anwen­der zu beacht­en. Liegt bei dem Anwen­der beispiel­sweise eine Sen­si­bil­isierung vor, so ist ein Pro­dukt auszuwählen, das diesen Stoff nicht enthält. Weit­er­hin spielt die Akzep­tanz des Anwen­ders eine wichtige Rolle. Eine geringe Akzep­tanz ist gle­ichzuset­zen mit ein­er ver­min­derten qual­i­ta­tiv­en und quan­ti­ta­tiv­en Anwen­dung. Das Pro­dukt wird dann nicht oder zu sel­ten ver­wen­det, so dass kein dauer­hafter Schutz gewährleis­tet wer­den kann. Wird ein Hand­schuh zu sel­ten gewech­selt oder ein Haut­mit­tel zu sel­ten oder zu dünn aufge­tra­gen, so kön­nen die „opti­malen“ Leis­tungswerte nicht erre­icht wer­den. Demge­genüber fördert eine hohe Akzep­tanz die Anwen­dung und sichert den opti­malen Schutz.
Akzep­tanzkri­te­rien sind viel­seit­ig und wer­den vom Anwen­der indi­vidu­ell gew­ertet. Bei Schutzhand­schuhen sind es beispiel­sweise der Tragekom­fort, die Fin­ger­fer­tigkeit, die Grif­figkeit. Bei Haut­mit­teln spie­len der Geruch, die Verteil­barkeit, das Einziehver­mö­gen, das Fettge­fühl, die Kle­brigkeit, das Abdruck­ver­hal­ten, das Grif­fge­fühl und die Bequem­lichkeit bei der Anwen­dung im Vorder­grund. Sich­er ist es schwierig, die sub­jek­tiv­en Kri­te­rien eines jeden Mitar­beit­ers im Betrieb hun­dert­prozentig gerecht wer­den zu kön­nen. Hand- und Hautschutz ist jedoch – wie jede PSA – ein Kom­pro­miss und es ist daher bere­its ein Erfolg, wenn die meis­ten Mitar­beit­er zum größten Teil zufrieden sind. Für spezielle Fälle ist es sin­nvoll, hin­sichtlich der Pro­duk­tauswahl Son­der­lö­sun­gen zu find­en.
In Teil 2 des Beitrages lesen Sie, wann Hand-/Hautschutz­maß­nah­men umge­set­zt wer­den müssen, wie Hand- und Hautschutzmit­tel bere­it­gestellt und angewen­det wer­den müssen sowie grund­sät­zlich­es zur Erstel­lung von Hand- und Hautschutz­plä­nen.
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