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Hier spielt die Musik – zu laut

Gehörschäden durch Lärm
Hier spielt die Musik – zu laut

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Mehr als fünf Mil­lio­nen Beschäftigte in Deutsch­land sind täglich unweiger­lich Neben- oder Dauerg­eräuschen sowie gesund­heitss­chädi­gen­dem Lärm aus­ge­set­zt. Berufs­be­d­ingte Lärm­schw­er­hörigkeit trifft beson­ders oft Beruf­s­musik­er. Der Ver­band Deutsch­er Betriebs- und Werk­särzte (VDBW) fordert, das Gehör zu schützen und bewusster mit dem empfind­lichen Sin­nesor­gan umzugehen.

Absolute Stille herrscht an keinem Arbeit­splatz. Doch einige Beruf­s­grup­pen sind gefährde­ter als andere, an Lärm­schw­er­hörigkeit zu erkranken. Neben Arbeit­ern in der Stahl- und Auto­pro­duk­tion, in Brauereien und in der Holzwirtschaft gehören ger­ade Musik­er zu den am häu­fig­sten betrof­fe­nen Beruf­s­grup­pen. Von Klas­sik bis Tech­no: Nach zehn Jahren Beruf­stätigkeit lei­det fast jed­er dritte Musik­er unter Lärm­schw­er­hörigkeit. „Musik­er haben oft im wahrsten Sinne des Wortes kein leicht­es Spiel. Im Orch­ester­graben, auf der Bühne oder auch als DJ kön­nen sie mas­siv­en Geräuschen nicht ein­fach auswe­ichen. Was bei dieser Beruf­s­gruppe zusät­zlich ins Gewicht fällt, sind die viel­seit­i­gen und gle­ichzeit­i­gen Hörein­drücke durch andere Instru­mente und Sänger­stim­men“, erk­lärt Dr. Anette Wahl-Wachen­dorf, Betrieb­särztin und Prä­sid­i­umsmit­glied des VDBW.

Mit Pauken und Trompeten
Die Gren­zw­erte zum Schutz der Arbeit­nehmer sind in der Lärm- und Vibra­tions-Arbeitss­chutzverord­nung fest­gelegt. Danach darf der Lärm­ex­po­si­tion­spegel 80 Dez­i­bel (durch­schnit­tliche Geräuschim­mis­sion am Arbeit­splatz) grund­sät­zlich nicht über­schre­it­en. „Die Musik­er sind während ein­er Auf­führung einem ständi­gen Geräusch­pegel von mehr als 85 Dez­i­bel aus­ge­set­zt. Ab diesem Lärm­pegel ist das Tra­gen von Gehörschutz Pflicht“, erk­lärt Dr. Wahl-Wachen­dorf. Die Schmerz­gren­ze von 120 Dez­i­bel erre­ichen Schlagzeuger und Trompeter, die Pauke kommt sog­ar auf 140 Dez­i­bel. Das entspricht dem Lärm eines star­tenden Flugzeuges. Doch lei­der nutzen noch nicht alle Musik­er aus­re­ichen­den Gehörschutz. Ihr Argu­ment: Dadurch wer­den sie in ihrer Arbeit beein­trächtigt. Dabei gibt es heute kleine und ele­gante Lösun­gen wie Kapseln oder Stöpsel, die bes­timmte Fre­quen­zen dämpfen, ohne dabei das Hörver­mö­gen einzuschränken.
Ein Spiel mit Folgen
Nicht nur lästig: Bere­its bei niedrigeren Laut­stärkepegeln verur­sacht Lärm Stress, stört den Schlaf, beein­trächtigt Konzen­tra­tion und Kom­mu­nika­tion und kann auch dauer­haft die Gesund­heit schädi­gen. Eine Schädi­gung des Gehörs tritt im All­ge­meinen erst dann ein, wenn man regelmäßig hohen Lärm­be­las­tun­gen aus­ge­set­zt ist. „Ger­ade Musik­ern sollte bewusst sein, wie wichtig ein intak­tes Hörver­mö­gen ist. Ein Hörschaden kann die Wahrnehmung leis­er Töne sowie des Orch­esterk­langes und damit ihre Arbeit beein­trächti­gen“, so Dr. Wahl-Wachen­dorf. „Frühzeit­ig han­deln“ laute daher die Devise: Wichtig sei es, so die Arbeitsmedi­ziner­in weit­er, dass die Betrof­fe­nen die ersten Anze­ichen der Schw­er­hörigkeit rechtzeit­ig erken­nen. Umso bess­er lassen sie sich in den Griff bekom­men. Diese machen sich allerd­ings meist sehr schle­ichend bemerk­bar. Daher weist der VDBW darauf hin, die regelmäßi­gen Kon­trol­lun­ter­suchun­gen bei dem zuständi­gen Betrieb­sarzt in Anspruch zu nehmen.
Regelmäßig Gehörtest machen
Aber nicht nur Musik­er müssen ihr Gehör schützen. Betrieb­särzte haben es sich zur Auf­gabe gemacht, Beschäftigte aller Beruf­s­grup­pen und jeden Alters über die Gefahren durch Lärm zu informieren. Und sie plädieren für umsichtige Pro­phy­laxe: „Lär­m­min­derung ist die beste Präven­tion. Jed­er hat es selb­st in der Hand, etwas Gutes für seine Ohren zu tun, ihnen ein­mal eine Auszeit zu gön­nen“, emp­fiehlt die Arbeitsmedi­ziner­in. Beschäftige soll­ten außer­dem die regelmäßi­gen kosten­losen Hörtests beim Betrieb­sarzt wahrnehmen. So kön­nen Anze­ichen von Lärm­schw­er­hörigkeit rechtzeit­ig erkan­nt und notwendi­ge Maß­nah­men ein­geleit­et wer­den, um ein Fortschre­it­en ein­er chro­nis­chen Erkrankung zu verhindern.
Fol­gende Maß­nah­men sind zu tre­f­fen, um den Ohren etwas Gutes zu tun:
  • Beschäftigte sind über die Gefahren durch Lärm zu informieren.
  • Zur Lär­m­min­derung sind geeignete Gehörschutzmit­tel wie Gehörschutzstöpsel oder Kapsel­ge­hörschützer bere­itzustellen, mit dem Ziel, Unter‑, aber auch Über­pro­tek­tion zu vermeiden.
  • Beschäftigten muss eine arbeitsmedi­zinis­che Vor­sorge­un­ter­suchung „Lärm“ ange­boten werden.
  • Eine Belas­tung von 85 Dez­i­bel verpflichtet den Arbeit­ge­ber, Lärm­bere­iche zu kennze­ich­nen oder den Zugang zu beschränken.
  • Ab ein­er Belas­tung von 85 Dez­i­bel müssen Beschäftigte Gehörschutz tra­gen und regelmäßige arbeitsmedi­zinis­che Lärm-Vor­sorge­un­ter­suchun­gen wahrnehmen.
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