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Im Notfall recht­zei­tige Rettung und Erste Hilfe sicher­stel­len

Personen-Notsignal-Anlagen
Im Notfall recht­zei­tige Rettung und Erste Hilfe sicher­stel­len

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Ein allein­ar­bei­ten­der Mitar­bei­ter hat einen Unfall, und keiner bekommt es mit. Das kann und darf nicht sein. Absi­chern lässt sich ein solcher Notfall mit einer Personen-Notsignal-Anlage. Vorher muss jedoch durch eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung geklärt werden, ob Allein­ar­beit über­haupt erlaubt ist.

S. 6 3 Belege BGN Dr. Matthias Dürschlag Dyna­mo­straße 7–11 68165 Mann­heim

Nacht­schicht in der Mühle. Alles läuft auto­ma­tisch. Ein einzi­ger Mitar­bei­ter ist vor Ort, steu­ert und kontrol­liert den Ablauf des Produk­ti­ons­pro­zes­ses. Außer ihm ist nur noch der Pfört­ner im Betrieb. Plötz­lich bleibt die Anlage stehen. Eine Förder­schne­cke ist verstopft. Der Mitar­bei­ter eilt zur Störungs­stelle, über­blickt in einer Sekunde das Ausmaß des Scha­dens – und rutscht plötz­lich auf dem ausge­tre­te­nen Getreide aus …
Hält man das Gesche­hen hier wie einen Film an und will wissen, wie es weiter­geht, dann erge­ben sich sicher ein paar span­nende Fragen: Wird der Mitar­bei­ter hinfal­len? Wird er sich verlet­zen? Wenn ja, wie schwer? Und vor allem:
Wer bekommt von dem Unfall etwas mit? Wer kann dem verletz­ten Mitar­bei­ter noch helfen, wenn er sich selbst nicht mehr helfen kann? Eine mögli­che Antwort auf die letz­ten beiden Fragen heißt: Personen-Notsignal-Anlage. Mit einer Personen-Notsignal-Anlage (PNA) kann sicher­ge­stellt werden, dass allein­ar­bei­tende Mitar­bei­ter bei Notfäl­len recht­zei­tig Erste Hilfe erhal­ten. Das Prin­zip der PNA klingt simpel: Der allein­ar­bei­tende Mitar­bei­ter trägt einen draht­lo­sen, mit Senso­ren bestück­ten Signal­ge­ber. Dieser löst auto­ma­tisch in einer Empfangs­zen­trale einen Alarm aus, wenn sich der Allein­ar­bei­tende wegen einer Verlet­zung plötz­lich nicht mehr bewegt oder wenn er flach auf dem Boden liegt oder wenn er eine Quit­tie­rung vergisst. Die alar­mierte Person muss dann unver­züg­lich alle notwen­di­gen Rettungs- und Erste-Hilfe-Maßnahmen einlei­ten.
Allein­ar­beit erlaubt? Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung klärt
Bevor jedoch eine Personen-Notsignal-Anlage beschafft wird und zum Einsatz kommt, muss eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung durch­ge­führt werden. Alle Tätig­kei­ten, die der allein­ar­bei­tende Mitar­bei­ter ausfüh­ren soll, müssen genau ermit­telt und beschrie­ben werden. Stellt man fest, dass Tätig­kei­ten durch­ge­führt werden sollen, bei denen die Vorschrif­ten zwin­gend einen Aufsicht­füh­ren­den fordern – z. B. beim Einfah­ren in Silos oder bei Arbei­ten in engen Behäl­tern – dann ist Allein­ar­beit verbo­ten.
Ist Allein­ar­beit erlaubt, dann müssen im nächs­ten Schritt für die einzel­nen Tätig­kei­ten die mögli­chen Gefähr­dun­gen ermit­telt werden: z. B. unge­schützte bewegte Maschi­nen­teile, Sturz, Absturz, gefähr­li­che Stoffe, Verbren­nung. Anschlie­ßend wird jede dieser Gefähr­dun­gen bewer­tet, indem ein Risiko-Wert (R‑Wert) ermit­telt wird (siehe Kasten unten). Ergibt sich ein R‑Wert höher als 30, so sind zunächst weitere Maßnah­men erfor­der­lich, um das Risiko zu verrin­gern.
Eine Risi­ko­mi­ni­mie­rung kann z. B. durch die Instal­la­tion zusätz­li­cher tech­ni­scher Schutz­ein­rich­tun­gen, die Erhö­hung der System­zu­ver­läs­sig­keit oder durch weiter­ge­hende orga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men erreicht werden. Erge­ben auch diese Maßnah­men keine ausrei­chende Absen­kung des Risi­kos, so ist Allein­ar­beit nicht zuläs­sig. Die Tätig­kei­ten müssen dann von mindes­tens zwei Perso­nen ausge­führt werden.
PNA: Was muss sie können?
Ist Allein­ar­beit aber grund­sätz­lich erlaubt, dann kann eine Personen- Notsignal- Anlage (PNA) die notwen­dige Erste-Hilfe-Leistung im Notfall sicher­stel­len.
Eine PNA besteht aus mindes­tens einer Sende­ein­heit, dem so genann­ten Personen-Notsignal- Gerät (PNG), und der Empfangs­zen­trale. Der Herstel­ler versieht das Personen-Notsignal-Gerät mit einem oder mehre­ren Senso­ren, sodass unter bestimm­ten Bedin­gun­gen (siehe Tabelle »Alar­mar­ten«) ein willens­un­ab­hän­gi­ger Alarm in der Empfangs­zen­trale ausge­löst wird. Die Auswahl dieser Senso­ren muss immer kunden­spe­zi­fisch erfol­gen. Sie hängt davon ab, welche Aufga­ben bei der Allein­ar­beit ausge­führt werden müssen und wie sich ein Notfall bemerk­bar macht. Zusätz­lich hat der Allein­ar­bei­tende die Möglich­keit, mit dem Personen-Notsignal-Gerät selbst einen Alarm auszu­lö­sen. Einige Personen-Notsignal-Geräte ermög­li­chen außer­dem eine Sprech­ver­bin­dung mit der Empfangs­zen­trale.
PNA wich­tig, aber kein Allroun­der
Natür­lich ist eine PNA nur die Basis für eine wirkungs­volle Rettung und Erste Hilfe bei Allein­ar­beit. Über die tech­ni­schen Aspekte wie z. B. die Anla­gen­kon­fi­gu­ra­tion und die zuver­läs­sige Signal­über­mitt­lung hinaus müssen notwen­dige orga­ni­sa­to­ri­sche Voraus­set­zun­gen geschaf­fen werden. Beispiels­weise ist zu über­le­gen, wie der allein­ar­bei­tende Mitar­bei­ter im Notfall schnell loka­li­siert werden kann. Hierzu kann man ein PNG einset­zen, das akus­ti­sche Signale abgibt. Mögli­che Lösun­gen sind auch, den Allein­ar­bei­ten­den mit einem Orts­ken­nungs­sen­der zu erfas­sen oder dass der Allein­ar­bei­tende regel­mä­ßig Quit­tier­stel­len anlau­fen muss.
Wich­tig: gute Notfall-Organisation
Ein weite­rer Punkt: Die Notfall­orga­ni­sa­tion muss effek­tiv und wirkungs­voll sein. Dazu muss insbe­son­dere die Empfangs­zen­trale stän­dig besetzt sein. Außer­dem muss sicher­ge­stellt sein, dass die Hilfs­maß­nah­men am Ort des Gesche­hens möglichst schnell einge­lei­tet werden – spätes­tens 15 Minu­ten nach der Alar­mie­rung.
Nicht zuletzt ist darauf zu achten, dass die PNA regel­mä­ßig fach­ge­recht gewar­tet und geprüft wird.
Denn die PNA hat für den Allein­ar­bei­ten­den die glei­che Bedeu­tung wie für den Berg­stei­ger die Seil­si­che­rung: Wenn sie im Notfall gebraucht wird, muss sie zuver­läs­sig und fehler­frei funk­tio­nie­ren.
Dipl.-Ing. Jörg Berg­mann
BG Nahrungs­mit­tel und Gast­stät­ten
Präven­tion, Mann­heim
Abtei­lung Sicher­heit
BGN akzente

Hinweise und Beispiel­samm­lung
Ausführ­li­che Hinweise zu PNA: BG-Regel
»Einsatz von Personen-Notsignal-Anlagen« (BGR 139).
Häufig gestellte Fragen und Antwor­ten zu PNA:
Beispiel­samm­lung zum Einsatz von PNA mit Berech­nun­gen zur Risi­ko­er­mitt­lung, u. a. eine ausführ­li­che Risi­ko­be­ur­tei­lung für das Beispiel „Steue­rung und Über­wa­chung einer Mühle während der Nacht­schicht“: www.hvbg.de/d/ fa_psa/service/bgregel1/lpna.pdf

Risi­ko­be­ur­tei­lung
Risi­ko­be­ur­tei­lung nach BGR 139, 3.3.1 :
Wird der Beschäf­tigte bei einem Notfall noch hand­lungs­fä­hig, einge­schränkt hand­lungs­fä­hig oder gege­be­nen­falls nicht mehr hand­lungs­fä­hig sein?
Bewer­ten Sie den Gefähr­dungs­grad mit einer Gefähr­dungs­zif­fer GZ zwischen 1 und 10 (1 ist nied­rig, 10 ist hoch).
Ist ein Notfall unwahr­schein­lich bzw. möglich oder muss sogar mit Notfäl­len gerech­net werden?
Bewer­ten Sie die Notfall­wahr­schein­lich­keit NW mit einer Ziffer zwischen 1 und 10.
Wie lang ist die Zeit zwischen der Alarm­aus­lö­sung und dem Beginn der Rettungs- bzw. Erste-Hilfe-Maßnahmen vor Ort?
Bewer­ten Sie die Zeit für die Einlei­tung von Hilfs­maß­nah­men EV mit einer Ziffer zwischen 0 und 2.
Berech­nen Sie jetzt mit den Werten Gefähr­dungs­zif­fer (GZ), Notfall­wahr­schein­lich­keit (NW) und Einlei­tung von Hilfs­maß­nah­men (EV) den Risiko-Wert R:
R = (GZ + EV) x NW
Bei einem R‑Wert > 30 ist Allein­ar­beit unzu­läs­sig. Es sind zunächst weitere Maßnah­men erfor­der­lich, um das Risiko zu verrin­gern.
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