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Infor­ma­tio­nen finden und verste­hen

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Infor­ma­tio­nen finden und verste­hen

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Wolf­gang P. ist Sicher­heits­be­auf­trag­ter in seiner Firma. Schon vor zwei Jahren hat er dieses Amt über­nom­men. Er macht es gerne, denn die Sicher­heit und Gesund­heit seiner Kolle­gen liegen ihm am Herzen. Sein Vorge­setz­ter schätzt ihn als zuver­läs­sig und gewis­sen­haft, seine Kolle­gen vertrauen ihm. Er ist ein prak­ti­scher Typ, der gerne mit anpackt und für fast alles eine Lösung weiß. Für seine Aufga­ben als Sicher­heits­be­auf­trag­ter muss er sich über Neuig­kei­ten und Vorschrif­ten infor­mie­ren. Doch zum Lesen langer Texte fehlen ihm Ruhe und Zeit.

So wie Wolf­gang P. geht es vielen. Nach Schule und Ausbil­dung spielt das Lesen kaum noch eine Rolle. Viele lesen wohl am ehes­ten die Sport­er­geb­nisse und Berichte von Fußball­spie­len in der Zeitung. Doch im Beruf gibt es immer wieder schrift­li­che Infor­ma­tio­nen. Fach­li­che oder wissen­schaft­li­che Texte füllen Seiten und Bücher. Oft sind sie wegen der Fach­be­griffe oder Fremd­wör­ter schwer verständ­lich. Da macht das Lesen keinen Spaß, sondern es ist anstren­gend. Und hängen blei­ben will auch nichts.
Nicht nur die Flut an Infor­ma­tio­nen ist riesig. Auch die Darstel­lungs­for­men sind viel­fäl­tig: Reine Text­sei­ten, Texte mit Schau­bil­dern oder Fotos, gedruckt oder digi­tal. Zudem gibt es Hörtexte, Filme und PowerPoint-Präsentationen, inter­ak­tive Soft­ware, Apps etwa für iPhone oder iPad zur Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, Blogs, Foren oder Podcasts. Wer sich über ein Thema infor­mie­ren will, muss sich entschei­den, wo er recher­chie­ren will. Doch was heißt recher­chie­ren genau und wie geht man dabei am besten vor? Recher­che bedeu­tet die gezielte Suche nach Infor­ma­tio­nen egal mit welchem Medium.
Infor­ma­ti­ons­su­che im Inter­net
Die bekann­teste und meist­be­nutzte Such­ma­schine ist google.de. Eine Alter­na­tive ist ixquick.com. Dort werden keine IP-Daten gespei­chert. Eine Recher­che im Inter­net kann man jeder­zeit durch­füh­ren. Zu den Nach­tei­len zählt, dass man nicht immer sicher sein kann, ob die Anga­ben korrekt und wahr sind. Deshalb empfiehlt es sich, ausschließ­lich seriöse Quel­len zu nutzen und eine Infor­ma­tion im Zwei­fels­fall durch eine zweite Quelle abzu­si­chern.
Doch zunächst stößt man auf ein ganz ande­res Problem. Wer schon einmal im Inter­net einen Begriff gegoo­gelt hat, kennt die gigan­ti­schen Tref­fer­quo­ten. So bringt beispiels­weise das Stich­wort „Sicher­heits­be­auf­trag­ter“ 816.000 Tref­fer. Damit ist einem wenig gehol­fen. Man muss die Suche verfei­nern. Doch Achtung: Nicht jeder weitere Begriff verrin­gert die Tref­fer­zahl. Gibt man „Sicher­heits­be­auf­trag­ter Aufga­ben“ ein, liegt das Ergeb­nis sogar bei 831.000. Die Kombi­na­tion aus „Sicher­heits­be­auf­trag­ter Zeit­schrift“ bringt dage­gen 31.000 Tref­fer und „Sicher­heits­be­auf­trag­ter Aufga­ben Elek­tro­hand­werk Leit­fa­den“ nur 15.900. Beschränkt man diese kombi­nierte Auswahl noch zeit­lich auf die letz­ten drei Jahre, erhält man 330 aktu­elle Einträge. An diesem Beispiel wird deut­lich, dass man ein Thema als Erstes eingren­zen muss, bevor man mit der Suche nach Infor­ma­tio­nen beginnt.
Quel­len­an­ga­ben und Links nutzen
Infor­ma­ti­ons­re­cher­che ist ein Kreis­lauf. Zunächst beschäf­tigt man sich mit einem Thema allge­mein, liest sich ein biss­chen ein, spricht mit ande­ren darüber oder über­legt sich ein paar Fragen dazu. So baut man ein Grund­la­gen­wis­sen auf. Damit kann man einschät­zen, welchen Infor­ma­ti­ons­be­darf man hat. Die notwen­di­gen Infor­ma­tio­nen sucht man dann zum Beispiel in einer Biblio­thek oder im Inter­net am besten in Fach­por­ta­len zusam­men. Anschlie­ßend werden sie bear­bei­tet. Für Texte bedeu­tet das, sie zu lesen und dabei die wich­ti­gen Stel­len zu markie­ren. Danach lässt sich bewer­ten, ob die Infor­ma­tio­nen ausrei­chen und verständ­lich sind. Ist das der Fall, kann man den Inhalt weiter verar­bei­ten, aufbe­rei­ten, sammeln oder gezielt anwen­den. Wenn nicht, beginnt der Recher­che­pro­zess von vorne.
Für eine erwei­terte oder tiefer gehende Recher­che sind vor allem Quel­len­an­ga­ben und Link­lis­ten hilf­reich, die man am Ende von Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­lien oder auch in einer geson­der­ten Rubrik auf einer Inter­net­seite findet.
Recher­chie­ren vor dem Kauf
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie der Recher­che­kreis­lauf vom Bedarf zur Anwen­dung führt: Sie wollen eine neue Bohr­ma­schine für den Betrieb kaufen. Das ist die Phase, in der Sie Infor­ma­ti­ons­be­darf haben. Sie über­le­gen, wofür sie die Maschine einset­zen wollen. Sie machen sich Noti­zen zu spezi­el­len Anfor­de­run­gen, zum Preis oder etwa zu Zusatz­funk­tio­nen. Jetzt folgt die Phase, in der Sie Infor­ma­ti­ons­quel­len „anzap­fen“ wollen. Sie über­le­gen, wo und wie Sie sich am besten infor­mie­ren können. Infrage kommen u. a. Test­sei­ten im Inter­net, Prospekte, Fach­ge­schäfte sowie Auskünfte von Kolle­gen oder Freun­den, die sich mit Bohr­ma­schi­nen ausken­nen. Die Quali­tät der Infor­ma­tio­nen, die sie erhal­ten, kann sehr unter­schied­lich sein. So ist der Händ­ler daran inter­es­siert, ein bestimm­tes Modell zu verkau­fen. Ein Freund dage­gen nutzt die Bohr­ma­schine viel­leicht nur privat und hat deshalb gerin­gere Anfor­de­run­gen daran, als Sie, der die Maschine täglich für profes­sio­nel­les Arbei­ten einset­zen muss. Sie müssen also die einzel­nen Infor­ma­tio­nen bewer­ten und dann entschei­den, welche für Sie wich­tig ist, damit Sie die passende Bohr­ma­schine zu einem guten Preis kaufen können.
Umfas­sen­des Ange­bot
Die meis­ten Texte, die wir lesen, sind immer noch auf Papier gedruckt. Zu diesen so genann­ten Print­me­dien zählen Fach­zeit­schrif­ten, wie zum Beispiel „Sicher­heits­be­auf­trag­ter“, Bücher oder Broschü­ren. Ein umfas­sen­des Ange­bot an fach­li­chen Schrif­ten für Bran­chen oder einzelne Berufe bieten Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten (BGen), Unfall­ver­si­che­run­gen (mit ihrem Spit­zen­ver­band Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung, DGUV) oder die Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA). Hier können Sicher­heits­fach­kräfte und Sicher­heits­be­auf­tragte wich­tige Infor­ma­tio­nen finden.
Um Infor­ma­tio­nen zu verste­hen, muss man sich aktiv mit ihnen ausein­an­der setzen. Es genügt nicht, sich Texte oder Bilder „rein­zu­zie­hen“. Damit das Gehirn die notwen­di­gen Verknüp­fun­gen herstel­len kann, müssen Metho­den wie die 5‑Schritte-Lesemethode (siehe Kasten) ange­wandt werden. Denn Handeln unter­stützt das Behal­ten und Verste­hen. Und im Begriff Handeln steckt übri­gens das Wort Hand. Beim Lesen sind hilf­rei­che Formen des Handelns Text­stel­len markie­ren und heraus­schrei­ben. Auch darüber reden trägt dazu bei, sich den Inhalt eines Infor­ma­ti­ons­tex­tes zu merken.
Tipp: Lese­zei­chen
Hat man früher etwas gele­sen, das man sich merken wollte, hat man einfach die Seite aus dem Heft heraus­ge­ris­sen oder die Stelle im Buch mit einem Lese­zei­chen markiert. Lese­zei­chen gibt es auch bei der Inter­net­re­cher­che. Damit kann man Infor­ma­tio­nen schnell wieder­fin­den und verwal­ten. Hier ein einfa­ches Beispiel dazu:
Sie recher­chie­ren im Inter­net über das Thema Hygiene am Arbeits­platz und stoßen auf eine inter­es­sante Inter­net­seite. Diese wollen Sie sich gerne merken. So geht’s, wenn Sie den Inter­net Explo­rer benut­zen: Klicken Sie in der Menü­leiste des Brow­sers auf „Favo­ri­ten“. Beim Inter­net Explo­rer heißen Lese­zei­chen nämlich „Favo­ri­ten“. Dann legen Sie sich am besten zunächst einen Ordner an, in dem Sie die Seite später able­gen können. Dafür klicken Sie auf „Favo­ri­ten verwal­ten“ und dann auf „Ordner erstel­len“. Geben Sie einen passen­den Ordner­na­men ein, z. B. „Hygiene“. Schlie­ßen Sie das Dialog­feld. Nun klicken Sie auf „Hinzu­fü­gen“. Ein neues Dialog­feld öffnet sich. Wählen Sie den Ordner „Hygiene“ aus und bestä­ti­gen Sie Ihre Auswahl mit „OK“. So haben Sie die Inter­net­seite gesi­chert und können immer wieder dort­hin zurück­keh­ren. Ihre Favo­ri­ten können Sie auch verwal­ten.
Wich­ti­ges markie­ren
Man kann verschie­dene Metho­den des Markie­rens und der Hervor­he­bung anwen­den. Diese helfen Wich­ti­ges von Unwich­ti­gem zu tren­nen. Der eine unter­streicht Text­pas­sa­gen am liebs­ten mit Blei­stift und Lineal. Ein ande­rer bevor­zugt farbige Hervor­he­bun­gen und benutzt dafür einen oder mehrere Text­mar­ker. Auch mit klei­nen Klebe­zet­tel­chen können Schlüs­sel­wör­ter gekenn­zeich­net werden. Je nach Größe lassen sich darauf noch zusätz­li­che Hinweise notie­ren.
Nach­fra­gen
Sucht man Antwor­ten auf bestimmte Fragen, ist der schnellste Weg oft der, einen Fach­mann zu befra­gen. Durch den Compu­ter gerät dieser direkte Kontakt zu einem kompe­ten­ten Ansprech­part­ner leider immer mehr in den Hinter­grund. Dabei ist ein Anruf schnell erle­digt und kann meist sofort getä­tigt werden. Fach­leute gibt es im eige­nen Betrieb, bei Orga­ni­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen oder etwa bei einem Herstel­ler.
Etwas zeit­auf­wän­di­ger ist die Anfrage zu einem Problem in einem Spezia­lis­ten­fo­rum im Inter­net. Der Vorteil davon ist, dass man oft mehrere kompe­tente und quali­ta­tiv hoch­wer­tige Antwor­ten erhält.
Infos per Film und DVD
Weit verbrei­tet sind inzwi­schen digi­tale Medien. Hier kann sich auch der infor­mie­ren, der nicht gerne liest oder zusätz­li­che Infor­ma­ti­ons­for­men möchte. Medien wie CD oder DVD können direkt im Handel gekauft oder im Fach­han­del bestellt werden. Soft­ware, Hörbü­cher, Filme etc. lassen sich oft auch im Inter­net herun­ter­la­den, manche sogar kosten­los.
Und auch als App gibt es bereits zahl­rei­che Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­lien zu den unter­schied­lichs­ten Themen. Die Ange­bote in diesem Bereich nehmen von Monat zu Monat zu. Auch Bundes­mi­nis­te­rien, Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten oder Fach­ver­lage gehö­ren mitt­ler­weile zu den Anbie­tern. Doch auch hier gilt: Um sich die Infor­ma­tio­nen merken zu können, muss man sie verste­hen und even­tu­ell mehr­fach darauf zurück­grei­fen können.

Bettina Brucker

Recher­che­tipps zum Arbeits­schutz im Inter­net

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News­let­ter von
Fach­bei­träge, Arbeits­wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nisse, Broschü­ren etc. bei der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) unter
Filme der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) unter

Die 5‑Schritt-Lesemethode
Die 5‑Schritt-Lesemethode wurde von Fran­cis Robin­son als so genannte SQ3R-Methode entwi­ckelt. Sie ermög­licht es, in Teil­schrit­ten wich­tige Infor­ma­tio­nen eines Sach­tex­tes heraus­zu­ar­bei­ten, den Inhalt zu erfas­sen und auch zu behal­ten.
  • 1. Über­blick gewin­nen: Das Inhalts­ver­zeich­nis anschauen und den Text einmal über­flie­gen.
  • 2. Sich selbst Fragen stel­len: Was weiß ich schon? Was will ich wissen? Muss ich dafür alles lesen oder reicht ein Abschnitt?
  • 3. Den ausge­wähl­ten Text lesen: Wich­tige Wörter markie­ren. Unbe­kannte Wörter heraus­schrei­ben und klären.
  • 4. Die Fragen von Punkt 2 zur Verständ­nis­über­prü­fung beant­wor­ten: eine Zusam­men­fas­sung schrei­ben oder jeman­dem den Inhalt erzäh­len oder den Inhalt als Schau­bild darstel­len.
  • 5. Noch einmal lesen: Nach ein oder zwei Tagen den Text noch einmal zügig durch­le­sen. Even­tu­ell Unter­ti­tel an den Rand schrei­ben oder Schlüs­sel­stel­len hervor­he­ben.
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