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Kann sichere Technik menschliches Versagen kompensieren?

Sichere Technik – Sicheres Handeln Teil I
Kann sichere Technik menschliches Versagen kompensieren?

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Absolute Sicher­heit im Zusam­men­spiel von Men­sch und Tech­nik wird es wohl niemals geben. Abso­lut sichere Tech­nik hieße in let­zter Kon­se­quenz, men­schlich­es Ver­sagen in allen Sit­u­a­tio­nen tech­nisch zu ver­hin­dern. Es wäre gle­ichbe­deu­tend mit dem Stre­ichen der Begriffe „Unsicher­heit“ und „Ver­let­zung“ aus dem all­ge­meinen Sprachge­brauch.

Gibt es absolute Sicher­heit?
Abso­lut sich­er hieße beispiel­sweise bei Kraft­fahrzeu­gen, sicher­heits­ge­fährdende Hand­lun­gen eines Fahrers tech­nisch zu kor­rigieren. Ver­schleißteile wür­den sich selb­st überwachen und der Wagen kön­nte selb­ständig die näch­ste Werk­statt ans­teuern, sobald die Tech­nik einen riskan­ten Defekt fest­stellt. Beim Ein­satz ein­er solchen „intel­li­gen­ten“ Tech­nik sind Per­so­n­en­schä­den nahezu aus­geschlossen.
Zwis­chen ein­er ide­alen, abso­lut sicheren und der zumeist einge­set­zten rel­a­tiv sicheren Tech­nik klafft eine Lücke, die es auszu­gle­ichen gilt, damit es bei unsachgemäßer Anwen­dung wed­er zu Unfällen noch zu Betrieb­sstörun­gen kommt.
Ver­schiedene Regel­w­erke wie beispiel­sweise das Arbeitss­chutzge­setz fordern, einzelne Betrieb­sabläufe genau zu unter­suchen, um Gefahren­herde auf­spüren und entsprechende Maß­nah­men fes­tle­gen zu kön­nen. Solche Maß­nah­men kön­nen tech­nis­ch­er, organ­isatorisch­er oder per­sön­lich­er Art sein. Das Auf­spüren von Gefahren sowie das Fes­tle­gen und Ein­hal­ten der Maß­nah­men sind wiederum allein aktive, men­schliche Hand­lun­gen.
Beispiel
An welchen Fak­toren es in der Verbindung von Men­sch und Tech­nik häu­fig man­gelt, ver­an­schaulicht fol­gen­der fik­tiv­er Unfall­her­gang:
Ein Mitar­beit­er bekommt die Auf­gabe, eine Leucht­stof­fröhre zu wech­seln. Er ver­wen­det hier­für eine Stehleit­er aus Holz, weil er Schrauben auf bei­den Seit­en der Röhre lösen muss. Ohne die Leit­er zu ver­set­zen, beugt er sich weit zu ein­er Seite. Bei ein­er vorheri­gen, einge­hen­den Prü­fung wäre ihm aufge­fall­en, dass die Leit­er insta­bil ist. Die Folge: Die Leit­er stürzt samt Mitar­beit­er um und dieser ver­let­zt sich. Eventuell wer­den sog­ar weit­ere Mitar­beit­er in Mitlei­den­schaft gezo­gen.
Die Ursachen:
  • defek­te Leit­er = tech­nis­ch­er Man­gel
  • nicht einge­hal­tene Prüfin­ter­valle = organ­isatorisch­er Man­gel
  • fehlende Prü­fung vor der Benutzung = per­sön­lich­er Man­gel
  • unsachgemäßes Arbeit­en auf ein­er Leit­er = per­sön­lich­er Man­gel
Der ver­ant­wortliche Vorge­set­zte hätte die defek­te Leit­er aus dem Verkehr ziehen müssen. Der Mitar­beit­er hätte wis­sen kön­nen, dass er sich nicht so weit zur Seite neigen darf. Auch hätte er prüfen müssen, ob sich die Leit­er in einem ein­wand­freien Zus­tand befind­et.
Fra­gen und Antworten
Warum treten immer wieder solche Missstände auf? Die Antwort: In der Regel entste­hen Gefahren durch falsches Ver­hal­ten oder durch Nichthandeln. Ver­ant­wortliche in der betrieblichen Hier­ar­chie wis­sen häu­fig nicht, wann sie han­deln müssen und wie sie sich dann zu ver­hal­ten haben. Nun ist das aber let­z­tendlich die unab­d­ing­bare Voraus­set­zung für Sicher­heit.
Meine Erfahrung aus zahlre­ichen Betrieben zeigt mir zusät­zlich, dass obwohl in Unternehmen die meis­ten Arbeits- und Betrieb­sabläufe beschrieben wer­den und auch Unter­weisun­gen stat­tfind­en, es trotz­dem regelmäßig zu der­ar­ti­gen Missstän­den kommt.
Von daher sollte bei ein­er Sicher­heit­s­analyse fol­gen­des geprüft und beachtet wer­den:
  • 1) Welche Möglichkeit­en beste­hen, um sicher­heits­be­wusstes Ver­hal­ten und Han­deln zu bee­in­flussen?
  • 2) Einen Unfall nicht als Einzelfall behan­deln, son­dern grund­sät­zlichere Maß­nah­men ein­leit­en, damit in einem ähn­lichen Fall nicht die gle­ichen Prob­leme auftreten.
  • 3) Um ver­w­ert­bare Ergeb­nisse zu erhal­ten, soll­ten bei Unfal­l­analy­sen die Bedin­gun­gen aus­ge­wogen und mit genü­gend zeitlichem Abstand zum Geschehen betra­chtet wer­den.
In der näch­sten Aus­gabe soll es darum gehen, die Fak­toren zu betra­cht­en, die Ein­fluss auf das Han­deln bzw. das Ver­hal­ten der Mitar­beit­er haben.
Man­fred Löp­ker, SLH GmbH /
UWEB2000
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