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Sichere Garten­ar­beit

Keine Hektik!
Sichere Garten­ar­beit

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Deutsch­land ist das Land der Hobby­gärt­ner. Sie graben, säen und pflan­zen, mähen, schnei­den und hacken – und erlei­den dabei auch immer wieder Unfälle. Sie stür­zen zum Beispiel von der Leiter, verlet­zen sich an Gerä­ten oder bekom­men einen Hitz­schlag. Manch­mal ist einfach zu große Eile schuld. 
Es ist ein alter Comic-Gag: Auf dem Boden liegt eine Harke, mit den Zinken nach oben. Donald tritt darauf, und – boing – schnellt der Stil der Harke an den Kopf. In der Wirk­lich­keit ist das gar nicht lustig und passiert häufi­ger als man denkt. Über 200.000 Menschen erlei­den jedes Jahr Unfälle bei der Garten­ar­beit, wie eine Umfrage der BAuA ergab. Beson­ders häufig verlet­zen sich Hobby­gärt­ner durch scharfe Gegen­stände, zum Beispiel die Hecken­schere, durch Über­an­stren­gung, etwa durch schwe­res Heben oder Ziehen beim Umpflan­zen eines Baumes und, wie in der Arbeits­welt Unfall­ur­sa­che Nr. 1, durch Stürze.
So stol­pern sie über hoch­ste­hende Steine oder herum­lie­gende Gerät­schaf­ten. Oder sie rutschen auf lehmi­gem Boden, nassem Laub oder faulen­dem Obst aus. „In der Höhe ist ein Sturz schnell provo­ziert, wenn eine Steh­lei­ter als Anle­ge­lei­ter genutzt wird, wenn die Leiter uralt und morsch ist oder wenn man sich hoch oben – im Geäst oder auf der Leiter – zu weit nach links oder rechts beugt“, erklärt Dr. Susanne Woelk von der Aktion „Das Sichere Haus“ (DSH), die zusam­men mit dem Gesamt­ver­band der Deut­schen Versi­che­rungs­wirt­schaft (GDV) die Broschüre „Sicher Gärt­nern“ heraus­ge­ge­ben hat.
Oft lohne es sich in Zusatz­ge­räte zu inves­tie­ren, zum Beispiel in Spit­zen, die unter den Füßen der Leiter befes­tigt werden und die dafür sorgen, dass die Leiter auch auf rutschi­gem Unter­grund sicher steht.
Weitere Risi­ken im Garten seien Augen­ver­let­zun­gen zum Beispiel durch kleine Steine, die beim Rasen­mä­hen oder Benut­zen von elek­tri­schen Kanten- oder Frei­schnei­dern hoch­ge­wir­belt werden.
Damit nichts ins Auge geht
Hektik und fehlende Zeit­pla­nung führen nach Ansicht von Dr. Woelk zu Unfäl­len im Garten: „Wer sich am Feier­abend noch vornimmt, den komplet­ten Rasen zu mähen und auch noch die Kanten zu schnei­den, hat viel­leicht nicht so viel Lust, die Rasen­flä­che zuerst nach Stein­chen abzu­su­chen – obwohl das vernünf­tig ist“, sagt sie. Manche Dinge muss man einfach wissen: So, dass man einen elek­tri­schen Rasen­mä­her wie alle elek­tri­schen Geräte auf keinen Fall bei Nässe oder feuch­ter Witte­rung benut­zen darf. Vor dem Trans­por­tie­ren, Verstel­len der Schnitt­höhe oder Säubern muss er ausge­schal­tet sein und der Rotor still stehen. Damit er nicht wieder anläuft, zieht man am besten den Netz­ste­cker.
Fehlende Schutz­aus­rüs­tung sei ein weite­rer häufi­ger Grund für Unfälle, so Dr. Woelk. Ohren- und Augen­schutz sowie festes Schuh­werk sehe man leider nicht bei allen Hobby­gärt­nern. Arbeits­hand­schuhe soll­ten selbst­ver­ständ­lich sein. Da man sich auch durch kleinste Wunden infi­zie­ren kann, empfiehlt es sich, den Tetanus-Impfschutz regel­mä­ßig zu über­prü­fen.
„Wer bei Hitze zu wenig trinkt und keine Pausen macht, erhöht eben­falls die Unfall­ge­fahr, weil seine Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit sinkt“, fügt Dr. Woelk hinzu. Wer unbe­dingt in der Sonne arbei­ten muss, sollte auf jeden Fall einen Hut tragen. Lange Hosen und Ärmel schüt­zen vor Zecken.
Repa­ra­tur nur in der Fach­werk­statt
„Die wesent­lichs­ten Unfall­ur­sa­chen beim Umgang mit elek­tri­schen Gerä­ten sind defekte Zulei­tun­gen und unsach­ge­mäße Repa­ra­tu­ren!“, heißt es in der Broschüre „Sichere Garten­ar­beit“, heraus­ge­ge­ben vom Thürin­ger Minis­te­rium für Sozia­les, Fami­lie und Gesund­heit. Und weiter: „Kabel müssen immer umsich­tig geführt werden. Ist ein Kabel an- oder durch­ge­schnit­ten, zuerst den Netz­ste­cker aus der Steck­dose ziehen. Vorher das Kabel nicht berüh­ren!“
Vorsicht ist beim Kauf gebrauch­ter Garten­ge­räte gebo­ten. So erläu­tert die DSH-Zeitschrift „Sicher zuhause & unter­wegs“ etwa, dass für Garten­häcks­ler seit dem Jahr 2003 beson­dere Sicher­heits­be­stim­mun­gen bestehen. Der Trich­ter muss so lang sein, dass die Hand nicht in das Schneid­werk gelan­gen kann. Bei älte­ren Gerä­ten seien diese Sicher­heits­de­tails nicht immer berück­sich­tigt. Wer am Häcks­ler arbei­tet, muss Schutz­brille, Ohren­schutz und Hand­schuhe tragen. Gefähr­lich sind Bänder oder lose Schnüre an der Klei­dung, die in die Häck­sel­vor­rich­tung gelan­gen können. Außer­dem sollte man beach­ten, dass das Häck­sel­gut zurück­schla­gen kann.

Wenn die Motor­säge fest klemmt

Inter­view: Siche­rer Umgang mit Garten­ge­rä­ten

Frank Gutheil, Präven­ti­ons­lei­ter der Gartenbau-Berufsgenossenschaft in Kassel, weiß, welche schlim­men Unfälle durch den falschen Umgang mit Gerä­ten und Maschi­nen passie­ren können. Auch Klein­gärt­ner nutzen Hecken­schere, Leiter und Motor­säge – und oft recht sorg­los, wie Frank Gutheil bemerkt hat. Im Gespräch mit „Sicher­heits­be­auf­trag­ter“ weist er auf die größ­ten Gefah­ren hin.
Mit welchen Garten­ge­rä­ten gesche­hen beson­ders viele Unfälle?
Frank Gutheil: Bei uns steht als Unfall­ver­ur­sa­cher die Hecken­schere an erster Stelle, und die benut­zen ja auch viele Hobby­gärt­ner. Hier gibt es schlimme Verlet­zun­gen durch nach­lau­fen­des Schneid­werk­zeug. Eigent­lich muss die Schere, wenn sie nicht mehr betä­tigt wird, inner­halb von einer Sekunde still stehen. Bei mangel­haf­ter Wartung tut sie das aber nicht. Unfälle passie­ren dadurch, dass die Leute nach vorne grei­fen, um das Schnitt­gut wegzu­neh­men. Wenn dann die Schere noch nach­läuft, verlet­zen sie sich daran. Bei motor­be­trie­be­nen Hecken­sche­ren ist nach­lau­fen­des Schneid­werk­zeug zum Beispiel gefähr­lich, wenn der Gärt­ner bei dickem Busch­werk, wie Holun­der, stär­ker drückt, abrutscht und mit der Schere an den Ober­schen­kel kommt. In regel­mä­ßi­gen Abstän­den sollte man über­prü­fen, ob das Schneid­werk­zeug der Hecken­schere sofort still steht – das kann man sogar selber machen. Falls es nicht funk­tio­niert, muss man die Schere durch eine Fach­werk­statt rich­tig einstel­len lassen.
Was sollte man bei der Benut­zung von Hecken­sche­ren noch beach­ten?
Frank Gutheil: Niemals die Schere mit nur einer Hand halten. Auch bei Klein­gärt­nern habe ich schon gese­hen, dass sie die Sicher­heits­ein­rich­tung mani­pu­liert haben – das darf man auf keinen Fall. Sich mit einer Hand an der Leiter fest­hal­ten und mit der ande­ren Hand die Hecken­schere benut­zen geht nicht. Bei hohen Hecken muss man das rich­tige Arbeits­mit­tel einset­zen, wie beispiels­weise eine Schere mit einem langem Schaft oder eine roll­bare Podest­lei­ter bezie­hungs­weise ein Bock­ge­rüst.
Viele scheuen wohl die Ausga­ben für ein Gerüst?
Frank Gutheil: Natür­lich, es ist ja auch teuer. Aber es lohnt sich, 150 bis 200 Euro für ein Gerüst auszu­ge­ben. Steh­lei­tern sind sehr unfall­träch­tig. Gerade ältere Menschen, und zwar schon ab 45 Jahren, verun­glü­cken damit. Sie brechen sich viel schnel­ler etwas als jüngere und die Heilungs­chan­cen sind viel gerin­ger. Außer­dem wird ihnen bei Über­kopf­ar­bei­ten leich­ter schwind­lig und sie fallen dann. Gerade weil es so schnell geht und man sich nicht abstüt­zen kann, kommt es auch bei Stür­zen aus rela­tiv gerin­ger Höhe zu schlimms­ten Verlet­zun­gen, etwa am Kopf oder am Rücken. Deshalb sollte man sich auf der Leiter immer sichern. Damit die Leiter fest steht, kann man eine Fußpunkt­si­che­rung anbrin­gen, das sind Spit­zen, die sich in die Erde bohren. Mit einem Leiter­gurt kann man sie oben am Baum befes­ti­gen. Bei unebe­nem Unter­grund glei­chen auszieh­bare Holme oder Traver­sen unglei­che Höhen aus.
In größe­ren Gärten oder zum Schnei­den von Brenn­holz nutzen Privat­leute auch Motor­sä­gen. Was gilt es hier zu berück­sich­ti­gen?
Frank Gutheil: Grund­sätz­lich: Zum Bedie­nen einer Motor­säge sollte man immer einen Motor­sä­gen­lehr­gang besu­chen. Außer­dem müssen Schnitt­schutz­hose und ‑schuhe, ein Helm, Gehör- und Gesichts­schutz sowie Hand­schuhe getra­gen werden. In der Praxis gibt es aber die aben­teu­er­lichs­ten Dinge. So wissen viele Hobby­gärt­ner nicht, wie ein Baum­stamm rich­tig abge­schnit­ten wird, damit der Baum in eine bestimmte Rich­tung fällt. Oder sie sägen von einer Leiter aus, was grund­sätz­lich verbo­ten ist. Außer­dem kann beim Absä­gen von Ästen die Hobel­zahn­kette an einen ande­ren Ast kommen oder sich darin verklem­men. Beim Versuch, sie zu halten oder raus­zu­zie­hen, verletzt man sich dann im Gesicht.
Das Inter­view führte SB-Redakteurin
Verena Manek.

Viele Tipps
Viele prak­ti­sche Tipps enthält die kosten­lose Broschüre der Aktion „Das Sichere Haus“: „Sicher Gärt­nern“. Sie kann bestellt werden unter Tel.: 040–29810461 oder im Inter­net unter www.das-sichere-haus.de herun­ter­ge­la­den werden.
Ausführ­li­che Infor­ma­tio­nen zum Umgang mit Garten­ge­rä­ten gibt die Broschüre „Sichere Garten­ar­beit“ des Thürin­ger Minis­te­ri­ums für Sozia­les, Fami­lie und Gesund­heit. Sie steht zum Down­load unter:
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