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Mehr­ar­beit oft unbe­zahlt

Trend zu längeren Arbeitszeiten ist ungebrochen
Mehr­ar­beit oft unbe­zahlt

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Im Aufschwung der vergan­ge­nen Jahre haben zahl­rei­che Betriebe ihre Arbeits­zei­ten verlän­gert. Doch nur ein Teil der Beschäf­tig­ten bekommt für mehr Arbeit auch mehr Geld.

Dass die Wirt­schaft brummt, merken viele Arbeit­neh­mer in letz­ter Zeit vor allem beim Blick auf die Uhr. Ein Vier­tel der Betriebe mit mehr als 20 Beschäf­tig­ten und Betriebs­rat hat zwischen Anfang 2005 und Herbst 2007 die Arbeits­zeit ausge­wei­tet – deut­lich mehr als in den zwei Jahren zuvor. Das ergibt die neue Betriebs­rä­te­be­fra­gung des WSI. Paral­lel sank nach Anga­ben der gut 2.000 befrag­ten Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter der Anteil der Betriebe, in denen die Arbeits­zeit verkürzt wurde, von fast zwölf auf knapp acht Prozent.
Die Unter­neh­mens­lei­tung muss mit dem Betriebs­rat eine Verein­ba­rung tref­fen, wenn sie die Arbeits­zeit verän­dern will. „Häufig argu­men­tiert das Manage­ment mit einer verschärf­ten Wett­be­werbs­si­tua­tion“, sagt Hart­mut Seifert, Leiter des WSI. Die Arbeits­zeit auf diese Weise auszu­wei­ten, sei für Arbeit­ge­ber sehr attrak­tiv. Denn dabei handele es sich nicht um Über­stun­den, für die Zuschläge bezahlt werden müssen, sondern um längere „normale“ Arbeits­zei­ten, so Seifert.
Betriebe können kurz­fris­tig ihre Produk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten ausdeh­nen, ohne Über­stun­den anzu­ord­nen oder neue Mitar­bei­ter einzu­stel­len. Das spart Kosten. Insbe­son­dere, wenn Unter­neh­men ihren Beschäf­tig­ten für die Mehr­ar­beit keinen Lohn­aus­gleich zahlen. So verfährt nach den WSI-Daten fast die Hälfte der Betriebe. Ledig­lich rund 53 Prozent der Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter, in deren Betrieb die Arbeits­zeit verlän­gert wurde, berich­ten auch über einen voll­stän­di­gen oder parti­el­len Lohn­aus­gleich. Etwas güns­ti­ger für die Beschäf­tig­ten sieht es bei Arbeits­zeit­ver­kür­zun­gen aus: Zwei Drit­tel der Betriebe zahlen einen Ausgleich.
Der Trend zu länge­ren Arbeits­zei­ten ist seit gut fünf Jahren unge­bro­chen und ein Teil davon taucht in keiner Statis­tik auf: „So zeigt unsere Unter­su­chung auch, dass jeder Beschäf­tigte pro Woche 0,7 Über­stun­den leis­tet, die nicht vergü­tet werden.“ Das Insti­tut für Arbeitsmarkt- und Berufs­for­schung schätzt, dass auf jede bezahlte Über­stunde eine unbe­zahlte kommt. Auch von Mehr­ar­beit, die auf betrieb­li­chen Arbeits­zeit­kon­ten gespei­chert wird, haben die Beschäf­tig­ten nicht immer etwas: In jedem vier­ten Betrieb mit solchen Konten verfal­len Zeit­gut­ha­ben, so die Betriebs­rä­te­be­fra­gung. „Die Arbeits­zeit wird zuneh­mend zum Einfalls­tor für indi­rekte Lohn­sen­kun­gen“, sagt Seifert. „Würde hinge­gen die tatsäch­lich geleis­tete Arbeits­zeit voll bezahlt, würden die Einkom­men nicht unbe­trächt­lich stei­gen.“
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