Startseite » Fachbeiträge » Archiv SB »

Auf den Ernstfall vorbereitet: Notfallmanagement für Unternehmen

Auf den Ernstfall vorbereiten
Notfall­ma­nage­ment ist für jedes Unter­neh­men wich­tig

Notfallmanagement
Foto: © ErdalTorun - stock.adobe.com
Anzeige
Hunderte von Menschen star­ben in den vergan­ge­nen Jahren bei Explo­sio­nen oder Brän­den. In jedem dieser Fälle hätte ein profes­sio­nel­les Notfall­ma­nage­ment die Folgen wesent­lich abmil­dern können. Und auch bei weni­ger drama­ti­schen Notfäl­len sparen Unter­neh­men durch Präven­tion, Risi­ko­ana­lyse und ein Hand­lungs­kon­zept hohe Kosten – sei es bei tech­ni­schen Störun­gen, Umwelt­ka­ta­stro­phen, einer Pande­mie oder Sabo­tage.

Autor:  Jens-Christian Voss 

Ist Ihren Vorge­setz­ten die Thema­tik „Notfall­maß­nah­men“ ausrei­chend bekannt? Sind hier­aus Maßnah­men für das Unter­neh­men abge­lei­tet? Ist jedem Mitar­bei­ter das Verhal­ten bei Erster Hilfe, Brand­be­kämp­fung und Evaku­ie­rung geläu­fig? Exis­tiert in Ihrem Unter­neh­men ein Evaku­ie­rungs­kon­zept und eine Betrieb­li­che Kata­stro­phen­or­ga­ni­sa­tion? Sind entspre­chende Verant­wor­tung mit Befug­nis­sen genau benannt und bekannt? Werden Evaku­ie­rungs­maß­nah­men in regel­mä­ßi­gen Zeit­ab­stän­den zusam­men mit den Rettungs­kräf­ten geübt? Sind Melde­ket­ten für Krisen­fälle beschrie­ben?

Notfall­ma­nage­ment ist auch für kleine Betriebe ein Thema

Ein struk­tu­rier­tes Notfall­ma­nage­ment führt zur Vermei­dung oder Mini­mie­rung von Personen- und Sach­schä­den, Image­schä­den und daraus resul­tie­ren­den uner­war­te­ten Kosten für den Unter­neh­mer. Notfall­ma­nage­ment umfasst die Berei­che Präven­tion, Notfall­pla­nung und Notfall­be­wäl­ti­gung.
 
Die Vorbe­rei­tung auf mögli­che Notfälle und unvor­her­ge­se­hene Ereig­nisse im Betriebs­ab­lauf, die Einschät­zung der jewei­li­gen Eintritts­wahr­schein­lich­keit mögli­cher Risi­ken und die Ablauf­pla­nung und Simu­la­tion der Reak­tio­nen bei Auftre­ten der Krisen und Notfälle sind die zentra­len Aspekte des Notfall­ma­nage­ments.
 
Notfall­ma­nage­ment ist heute nicht mehr nur ein Thema für große Unter­neh­men, die sensi­ble Verfah­ren einset­zen oder mit entspre­chen­den Stof­fen arbei­ten, sondern auch für kleine und mittel­stän­di­sche Betriebe.
 
Zur Vorbe­rei­tung auf die Erstel­lung eines Notfall­kon­zepts oder Notfall­ma­nage­ments gehört die Bestands­auf­nahme (Ist-Zustand) im Hinblick auf mögli­che Gefah­ren­po­ten­ziale im eige­nen Betrieb. Wie sieht bei Ihnen der alltäg­li­che Betriebs­ab­lauf aus, die Struk­tur Ihres Orga­ni­sa­ti­ons­auf­baus und die Geschäfts­pro­zesse? Gehen wir die Aspekte nach und nach durch und fangen mit den auslö­sen­den Ereig­nis­sen an.

Auslö­sende Ereig­nisse

Welche Ereig­nisse stel­len für unse­ren Betrieb einen Notfall dar und müssen daher beherrscht werden?
Typi­sche Beispiele dafür sind:
  • Brand
  • Bomben­dro­hung
  • Gasaus­tritt
Weiter­hin sind als auslö­sende Ereig­nisse zu berück­sich­ti­gen:
  • Unfall
  • Tech­ni­sche Störun­gen
  • Umwelt­ka­ta­stro­phe
  • IT-Ausfall
  • Natur­er­eig­nisse
  • Sabo­tage
  • Pande­mie / Entfüh­rung / Erpres­sung
Ich bewerte diese Ereig­nisse im Arbeits­kreis „Notfall­ma­nage­ment“ auf die Wahr­schein­lich­keit des Auftre­tens und lege für die jewei­li­gen Ereig­nisse ein eige­nes Kapi­tel im Notfall­hand­buch an.

Beispiele für Notfall­si­tua­tio­nen

Wenn Sie regel­mä­ßig die Tages- oder Fach­presse verfol­gen, lesen Sie häufig von Notfäl­len. Hier sind einige ausge­wählte Beispiele, die schon wieder in Verges­sen­heit gera­ten sind, uns aber mahnend die Notwen­dig­keit von Krisen- und Notfall­ma­nage­ment aufzei­gen soll­ten:
  • 01.02.1974: Hoch­haus­brand in Sao Paulo, Brasi­lien (Joelmo-Gebäude). 227 Tote und 250 Schwer­ver­letzte; fehlende bzw. nicht umge­setzte Brand­schutz­vor­ga­ben: zu geringe Anzahl von Notaus­gän­gen, fehlende Rauch­mel­der, gesamte Innen­aus­stat­tung aus leicht brenn­ba­ren Mate­ria­lien.
  • 06.02.1979: Explo­sion in einer Bremer Mehl­fa­brik (Roland­mühle). Aufgrund eines klei­nen Brands entste­hen mehrere kleine und größere Explo­sio­nen. Sie enden in einer großen Explo­sion, die 14 Menschen tötet; über 50 Mio. Euro Sach­scha­den.
  • 11.05.1985: Brand im Fußball­sta­dion Brad­ford, Großbri- tannien. 56 Tote und über 250 zum Teil schwer verletzte Perso­nen aufgrund eines Brands, ausge­löst durch eine Ziga­rette, begüns­tigt durch eine brenn­bare Holz­tri­büne und ein brenn­ba­res Regen­schutz­dach.
  • 06.07.1988 : Gasex­plo­sion auf der Ölplatt­form „Piper Alpha“ (Nord­see). 167 Menschen ster­ben, die Ölplatt­form brennt noch drei Wochen.
  • 11.04.1996 : Brand am Düssel­dor­fer Flug­ha­fen. Durch Heiß­ar­bei­ten an einer Dehnungs­fuge wird eine Brand­ka­ta­stro­phe ausge­löst, die ihre Schwere in etwa 40 wesent­li­chen Verstö­ßen begrün­det findet: 17 Tote, 150 Millio­nen Euro reiner Brand­scha­den.
  • 30.10.1998 : Brand­stif­tung in Disko­thek in Göte­borg, Schwe­den. Ein für 150 Menschen zuge­las­se­ner Saal ist mit 400 Menschen über­füllt, Notaus­gänge versperrt, 63 Tote.
  • 03.12.1998: Elek­tri­scher Kurz­schluss führt zu Brand in einem Waisen­haus in Manila, Phil­ip­pi­nen. Obwohl die Feuer­wa­che nur 500 m entfernt ist, vergeht eine Stunde bis zur Ankunft der Retter
  • 11.11.2000: Brand in der Kitzsteinhorn-Bahn in Kaprun, Öster­reich, Tech­ni­scher Defekt, 155 Tote.
Bei dieser Auflis­tung wurde extra auf die bekann­ten Notfälle in deut­schen Unter­neh­men weitest­ge­hend verzich­tet, nicht zuletzt, um die breite Facette von mögli­chen Notfall­sze­na­rien aufzu­zei­gen. Aber eins haben alle beschrie­be­nen Notfälle gemein­sam: Sicher­lich hat auch mit diesen Brän­den und Explo­sio­nen niemand gerech­net.

Warum Notfall­ma­nage­ment?

Die Begrün­dung für effek­tive Krisen- und Notfall­ma­nage­ment­sys­teme sind viel­fäl­tig und gelten sicher­lich auch für Ihr Unter­neh­men:
  • Exis­tenz­si­che­rung des Unter­neh­mens
  • Verfüg­bar­keit der wich­ti­gen Geschäfts­funk­tio­nen
  • Ziel­si­chere Reak­tion in Notfäl­len
  • Schnelle Behe­bung von Unter­bre­chun­gen
  • Funk­tio­nie­rende Notfall­orga­ni­sa­tion
  • Voll­stän­dige, revi­si­ons­fä­hige Doku­men­ta­tion

Notfall­si­tua­tio­nen in den einzel­nen Arbeits­be­rei­chen

In einem nächs­ten Schritt sollte der durch die Geschäfts­lei­tung neu einge­setzte Arbeits­kreis „Notfall­ma­nage­ment“ mit den Abtei­lungs­lei­tern konkret fest­le­gen, welche Risi­ken in deren Arbeits­be­rei­chen jeweils auftre­ten könn­ten und wie diesen konkret vorzu­beu­gen bzw. dann konkret zu reagie­ren wäre („Risi­ko­ana­lyse“). Als mögli­ches Arbeits­do­ku­ment empfiehlt sich hier eine verein­heit­lichte Check­liste.
So könnte ein Abtei­lungs­lei­ter für seine Abtei­lung z. B. bewer­ten, dass Brand, tech­ni­sche Störung und IT-Ausfall konkrete Probleme für ihn darstel­len könn­ten.
 
Sehr wich­tig ist nun fest­zu­le­gen, welche Maßnah­men vorher bereits geklärt sein soll­ten, damit bei Auftre­ten der Notfall­si­tua­tion der Produk­ti­ons­aus­fall / Scha­den weitest­ge­hend mini­miert bleibt. Das kann wiederum der betrof­fene Abtei­lungs­lei­ter am besten beur­tei­len. Von daher wird hier seine aktive Mithilfe sehr wich­tig. Je genauer die Maßnah­men fest­ge­legt werden, umso besser klappt es im Notfall.

Präven­ti­ons­ar­beit

Nun gehen wir, schein­bar, wieder einen Schritt zurück: zur Präven­ti­ons­ar­beit. Präven­tion steht vor allem!
 
Durch vorbeu­gende Maßnah­men soll weitest­ge­hend ausge­schlos­sen werden, dass es zu den beschrie­be­nen Notfall­si­tua­tio­nen kommt.
Diese Maßnah­men soll­ten syste­ma­tisch zusam­men­ge­schrie­ben und regel­mä­ßig „auf ihre Wirk­sam­keit“ kontrol­liert werden. So können z. B. für Maßga­ben in der Arbeits­stätte die Sicher­heits­be­auf­trag­ten oder die Brand­schutz­hel­fer mit einer vorge­ge­be­nen Check­liste aufge­for­dert werden, diesen beschrie­be­nen Sicher­heits­stan­dard einmal monat­lich in ihrem Arbeits­be­reich abzu­lau­fen und zu gewähr­leis­ten.
 
In der Präven­tion soll­ten auf jeden Fall die betrof­fe­nen Arbeits­be­rei­che aktiv einge­bun­den werden, nicht zuletzt, damit sich die Arbeits­be­rei­che selbst mit den Notfall­si­tua­tio­nen offen­siv ausein­an­der­set­zen.

Evaku­ie­rungs­kon­zept – ein Teil der Präven­ti­ons­ar­beit

Bei einer Viel­zahl der Notfall­si­tua­tio­nen wird eine Räumung oder Evaku­ie­rung der betrof­fe­nen Berei­che erfor­der­lich. Daher ist ein funk­ti­ons­tüch­ti­ges Evaku­ie­rungs­kon­zept Bestand­teil eines Krisen- und Notfall­ma­nage­ments.
 
Erfah­rungs­ge­mäß hätten über 80 Prozent der Fehler, die sich im Notfall zeigen, durch ein vernünf­ti­ges Evaku­ie­rungs­kon­zept und daraus abge­lei­tete Übun­gen verhin­dert werden können. Sie wollen doch auch nicht erst nach­träg­lich aus Ihren Fehlern lernen? Die Thema­tik „Evaku­ie­rung“ ist ein eige­nes umfas­sen­des Thema; zusam­men­ge­fasst sind für ein Evaku­ie­rungs­kon­zept insbe­son­dere folgende Aspekte zu klären bzw. zu beherr­schen:
  • Flucht- und Rettungs­wege
  • Kenn­zeich­nun­gen am Arbeits­platz
  • Aufzüge
  • Sicher­heits­be­leuch­tung
  • Sammel­stelle / Sammel­raum
  • Rettungs­kette, Notruf­te­le­fon
  • Alar­mie­rung
  • Unter­wei­sung der Mitar­bei­ter
  • Einwei­sung von Fremd­fir­men
  • Beson­ders schutz­be­dürf­tige Beschäf­tig­ten­grup­pen
  • Brand­schutz­hel­fer / Lösch­selbst­hil­fe­kräfte
  • Evaku­ie­rungs­hel­fer
  • Schu­lung der Vorge­setz­ten
  • Zusam­men­ar­beit mit Feuer­wehr und Poli­zei
  • Beson­der­hei­ten für die Übung, Regie­an­wei­sung
Zu den „Beson­der­hei­ten“ gehö­ren u. a. der Umgang mit schwer evaku­ier­ba­rem Perso­nal, die Einbin­dung des Betriebs­rats in das Konzept, die Einspie­lung von Einla­gen und die Art der Alar­mie­rung. Unge­fähr 10 % der im Gebäude befind­li­chen Perso­nen bilden hinsicht­lich ihrer körper­li­chen Verfas­sung ein nicht vorher­seh­ba­res Risiko. Zu dem betrof­fe­nen Perso­nen­kreis gehö­ren:
  • Asth­ma­pa­ti­en­ten, schwan­gere Frauen, Menschen mit Behin­de­run­gen, und Perso­nen mit Verlet­zun­gen
 
Um nach der Übung einen voll­stän­di­gen Über­blick über das Gesamt­ge­sche­hen des Evaku­ie­rungs­vor­gangs zu haben, erhält das Funk­ti­ons­per­so­nal eine Frage­liste. Diese dient dazu und ermög­licht es, alle zu Tage getre­te­nen Mängel zu erken­nen und nach Auswer­tung der Erfah­run­gen die erfor­der­li­chen Verbes­se­run­gen durch­zu­füh­ren. Deshalb nimmt das Funk­ti­ons­per­so­nal unmit­tel­bar nach der Übung auch an der Manö­ver­kri­tik teil, die zu jeder Evaku­ie­rungs­übung dazu gehört, um Verbes­se­rungs­po­ten­ziale aufzu­zei­gen.
 
Ziel der Manö­ver­kri­tik soll es sein, posi­tive und nega­tive Aspekte aufzu­zei­gen und das bestehende Evakuierungs-/Notfallkonzept entspre­chend zu verbes­sern.
 
Teil­neh­mer bei der Manö­ver­kri­tik sind übli­cher­weise:
  • Mitglie­der des Arbeits­krei­ses „Notfall­ma­nage­ment“ und des Krisen­stabs
  • Funk­ti­ons­per­so­nal (Evaku­ie­rungs­hel­fer, Sammel­platz­be­auf­tragte)
  • Schieds­rich­ter / Beob­ach­ter
  • Externe Hilfs­kräfte (Feuer­wehr, Poli­zei)
Über die Ergeb­nisse der Manö­ver­kri­tik werden die Führungs­kräfte und die Mitar­bei­ter (gekürzte Version) infor­miert. Typi­sche Auszüge aus Manö­ver­kri­ti­ken sind:
  • Keine Beauf­trag­ten für die einzel­nen Etagen
  • Doppel­tü­ren waren Engstel­len
  • Wich­tige Stel­len nicht infor­miert
  • herab­ge­las­sene Schranke behin­dert Feuer­wehr
  • Voll­zäh­lig­keits­mus­te­rung am Sammel­platz fehlt
  • Besu­cher werden weiter­hin am Haupt­tor abge­holt
  • LKW fahren weiter auf das Gelände
  • zöger­li­ches Anlau­fen der Übung
  • Feuer­wehr­zu­fahr­ten verstellt
  • Werk­schutz / Pforte sind nicht über das Übungs­ende infor­miert
Alles span­nende Ansätze, das bestehende Konzept zu hinter­fra­gen und konti­nu­ier­lich zu verbes­sern.

Notfall­pla­nung

Nach der Risi­ko­ana­lyse mit den Abtei­lungs­lei­tern folgt die Notfall­pla­nung; sie ist Teil des Krisen- und Notfall­ma­nage­ments. Sie ist betriebs­spe­zi­fisch unter­schied­lich und somit indi­vi­du­ell. Der Notfall­plan enthält konkrete Maßnah­men bzw. Prozesse, legt deren Reihen­folge und Ablauf in Plänen fest und visua­li­siert sie. Auf diese Art und Weise entsteht ein Notfall­hand­buch aus den einzel­nen Notfall­plä­nen, welches die einzel­nen Reak­ti­ons­schritte in den benann­ten Ausnah­me­si­tua­tio­nen auflis­tet. Diese müssen dahin­ge­hend opti­miert werden, dass sie in möglichst kürzes­tem Zeit­rah­men ermög­li­chen, den norma­len Betriebs­ab­lauf wieder aufzu­neh­men („Wieder­an­lauf­klasse“).
 
Die Notfall­pläne müssen für den Anwen­der über­sicht­lich sein, damit sie im Notfall ein effek­ti­ves Arbei­ten ermög­li­chen. Denn eins haben wir in Notfall­si­tua­tio­nen nicht: Zeit. Zeit, um Dinge zu disku­tie­ren. Zeit, um Maßnah­men zu koor­di­nie­ren. Zeit, um mitein­an­der Aspekte abzu­wä­gen. Hier sind jetzt Entschei­dun­gen, insbe­son­dere des Krisen­stabs zu tref­fen.

Krisen­stab

Mögli­che Teil­neh­mer des Krisen­stabs sind:
  • Geschäfts­lei­tung, Brand­schutz­be­auf­trag­ter, Pres­se­spre­cher
  • Leiter Tech­nik, Einkauf, Perso­nal, Faci­lity Manage­ment
Dabei sollte darauf geach­tet werden, dass die wesent­li­chen Funk­tio­nen abge­deckt sind, der Krisen­stab aber von der Anzahl der beisit­zen­den Köpfe nicht zu groß wird.

Aufga­ben des Krisen­stabs

Die Aufga­ben des Krisen­stabs sind sehr umfas­send und soll­ten vorher auch genau beschrie­ben sein.
Wesent­li­che Aufga­ben sind:
  • Einsatz­lei­tung und Leitung des Rettungs- und Lösch­ein­sat­zes bis zum Eintref­fen der Feuer­wehr
  • Alar­mie­rung der Sicherheits- und Etagen­be­auf­trag­ten
  • Lage­be­ur­tei­lung
  • Entschei­dung über Alarmierungs-/ u. Räumungs­um­fang
  • Veran­las­sen des Ab- und Umschal­tens von Gas, Dampf, Wasser, Strom, usw.
  • Verstän­di­gung der Behör­den (Umwelt­amt, Gewer­be­auf­sichts­amt etc.)
  • Annahme und Weiter­lei­tung von Nach­rich­ten und Meldun­gen
Da im Ernst­fall wenig Zeit bleibt, Aufga­ben und Vorge­hens­wei­sen fest­zu­le­gen, sollte dies bereits vorher passiert sein. Auch ist es erfor­der­lich, Fach­be­rei­che mit ihren wich­ti­gen Aufga­ben bereits vorher zu bele­gen, damit diese im Ernst­fall paral­lel sofort losar­bei­ten – und nicht auf Anwei­sun­gen warten, die in der stres­si­gen Notsi­tua­tion viel­leicht nicht erfol­gen. So werden die Maßnah­men bereits dezi­diert vorher fest­ge­legt und den einzel­nen Funk­tio­nen eindeu­tig zuge­ord­net.

Typi­sche Mängel im Notfall­kon­zept

Typi­sche Mängel im Notfall­kon­zept, die wieder­holt auffal­len, sind nach­fol­gend aufge­lis­tet. Frei nach dem Motto „Lernen aus Fehlern von Ande­ren“, soll­ten Sie die Fehler für sich ausschlie­ßen.
  • Krisen­stab muss mit seinen konkre­ten Aufga­ben benannt werden (mit genauer Benen­nung der Legi­ti­ma­tio­nen)
  • Geschäfts­lei­tung muss Notfall­kon­zept in Kraft setzen
  • Es fehlen Sicherheits- und Etagen­be­auf­tragte, Räumungs­hel­fer und Sammel­platz­be­auf­tragte zur Umset­zung der Räumung der Gebäu­de­teile (diese soll­ten geson­dert geschult werden)
  • Weisungs­be­fug­nis an bestimmte Perso­nen muss noch erteilt werden
  • Vorge­setzte / Mitar­bei­ter müssen über das Notfall­kon­zept unter­rich­tet werden
  • Üben – und erkannte Mängel nach­bes­sern

Umgang mit der Presse in Notfall­si­tua­tio­nen

Presse- und Öffent­lich­keits­ar­beit beein­flus­sen das Bild des Unter­neh­mens in Öffent­lich­keit und Markt. Die Infor­ma­tion über das Unter­neh­men und seine Produkte ist in jedem Falle eine Bring­schuld: Nur die Infor­ma­tion der Öffent­lich­keit durch das Unter­neh­men stellt sicher, dass nicht über unkon­trol­lierte Kanäle nach außen dringt, was uner­wünscht, falsch oder schäd­lich für das Unter­neh­men ist.
Sie wissen, was in Ihrem Unter­neh­men bei Stör­fäl­len, Unfäl­len, Brän­den, tech­ni­schen Störun­gen in der Produk­tion oder Natur­er­eig­nis­sen gesche­hen kann und Sie wissen, was Sie zur raschen Krisen-Bewältigung tun müssen. Dafür haben Sie Pläne in der Schub­lade.
 
Vorfor­mu­lierte Meldun­gen an die Behör­den gehö­ren zum einge­üb­ten Krisen-Management. Und was sagen Sie den Medien, Ihren Mitar­bei­tern, der Bevöl­ke­rung in Ihrem Umfeld? Krisen-Kommunikation ist plan­bar. Gene­rell sollte beim Umgang mit der Presse immer beach­tet werden:
  • Infor­mie­ren – bevor Sie gefragt werden! Das verhilft Ihnen zu möglichst vorur­teils­freier Bericht­erstat­tung und schafft bei Mitar­bei­tern und im Wohn­um­feld Vertrauen.
  • diplo­ma­ti­scher Umgang, stets freund­lich sein! Der Pres­se­spre­cher als „opti­ma­ler Dienst­leis­ter“: höflich, bestimmt, zuver­läs­sig, schnell, konti­nu­ier­lich (auch nach innen)
  • Desin­for­ma­tion / Über­in­for­ma­tion vermei­den
Vorbe­rei­tet sein soll­ten folgende Aspekte:
  • Wer ist die wich­tige Lokal‑, Regional- oder Überregional-Presse?
  • Vorfor­mu­lierte Schrei­ben / Faxe
  • Vorfor­mu­lier­ter Text für das Inter­net / Home­page
  • auch wich­tig: Sind die Mitar­bei­ter ange­hal­ten, sich zu der Notfall­si­tua­tion nach außen nicht äußern zu dürfen (auch nicht zu Kunden, Nach­barn, etc.) – ggf. Verfahrensan- weisung „Umgang mit der Presse“ formu­lie­ren und den Mitar­bei­tern bekannt machen

Abspra­chen mit Feuer­wehr und Poli­zei

Das bestehende Krisen- und Notfall­ma­nage­ment sollte mit den Behör­den und außen­ste­hen­den Stel­len abge­spro­chen sein. Insbe­son­dere die gemein­sa­men, „über­lap­pen­den“ Ansatz­punkte, damit es im Ernst­fall nicht zu Infor­ma­ti­ons­de­fi­zi­ten und unnö­ti­ger Zeit­ver­schlep­pung kommt.
 
Auch können Feuer­wehr und Poli­zei Ihnen ggf. hilf­rei­che Aspekte und Ideen für Ihr Notfall­ma­nage­ment nennen, die Sie in Ihrem Konzept bisher nicht oder nur unzu­rei­chend berück­sich­tigt haben. Am Ende jeder guten Abspra­che sollte auch die gemein­same Übung stehen, die hier veran­lasst werden sollte. Denn jedes Notfall­ma­nage­ment muss „seinen Mann“ stehen und seine Wirk­sam­keit nach­wei­sen – und dieses hoffent­lich nicht das erste Mal im Ernst­fall. Erst durch das inten­sive Üben werden Schwach­stel­len im Konzept, aber auch in der gemein­sa­men Bewäl­ti­gung von Krise und Notfall offen­sicht­lich, damit die Schwach­stel­len sinn­voll abge­ar­bei­tet und für den Ernst­fall weitest­ge­hend ausge­schlos­sen werden können.

Krisen profes­sio­nell bewäl­ti­gen

Zwei­drit­tel aller Unter­neh­men haben keinen Krisen­plan und fragen sich erst nach Eintritt der Krise, wie sie in dieser Situa­tion reagie­ren sollen. Ein Notfall muss jedoch nicht in eine Kata­stro­phe münden, und Schä­den durch „unvor­her­ge­se­hene“ Vorfälle lassen sich begren­zen. Durch inten­sive Vorbe­rei­tung können Krisen profes­sio­nell bewäl­tigt werden. So lässt sich zwar nicht die Krise selbst, wohl aber ihre Auswir­kun­gen lassen sich steu­ern und kontrol­lie­ren. Pfle­gen Sie lang­fris­ti­gen und regel­mä­ßi­gen Austausch mit Arbeits­be­rei­chen, um Krisen vorzu­beu­gen oder Auswir­kun­gen durch glaub­wür­dige Kommu­ni­ka­tion zu verhin­dern.
 
Ein Krisen- und Notfall­ma­nage­ment sieht als erstes die Präven­tion vor, damit es nicht zur Notfall­si­tua­tion kommt. Wenn diese aber doch eintritt, müssen Notfall­pla­nung und Notfall­be­wäl­ti­gung beherrscht werden.
 
Je genauer und detail­ge­treuer Sie diese Aspekte vorbe­rei­tet und den einzel­nen Notfall­funk­tio­nen / Abtei­lun­gen zuge­ord­net haben, umso eher wird der geord­nete Ablauf klap­pen. Dabei sollte aber auch die geord­nete Evaku­ie­rung berück­sich­tigt werden, die bei einer Viel­zahl der Notfall­si­tua­tio­nen durch­ge­führt werden muss. Der Aufwand, um effek­ti­ves Notfall­ma­nage­ment zu schaf­fen und zu betrei­ben, ist vergli­chen mit dem Scha­den, der in einem Betrieb ohne Notfall­pla­nung entste­hen kann, als gering anzu­se­hen. Wagen Sie sich dran – es lohnt sich!

Frage­liste (Auszug):
  • War das Alarm­si­gnal gut vernehm­bar?
  • Verlie­ßen die Betriebs­an­ge­hö­ri­gen ihren Arbeits­be­reich unver­züg­lich (Verwei­ge­rung)?
  • Sind alle Fens­ter und Türen geschlos­sen worden?
  • Wurden auf den Rettungs­we­gen Hinder­nisse, Engpässe oder Stau­un­gen fest­ge­stellt?
  • Waren ggf. genü­gend Helfer für Behin­derte vorhan­den?
  • Ist der Aufzug benutzt worden?
Anzeige
News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs
Sicher­heits­be­auf­trag­ter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 6
Ausgabe
6.2020
ABO
Sicher­heits­in­ge­nieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 6
Ausgabe
6.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de