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Auf den Ernstfall vorbereitet: Notfallmanagement für Unternehmen

Auf den Ernstfall vorbereiten
Notfallmanagement ist für jedes Unternehmen wichtig

Notfallmanagement
Foto: © ErdalTorun - stock.adobe.com
Hun­derte von Men­schen star­ben in den ver­gan­genen Jahren bei Explo­sio­nen oder Brän­den. In jedem dieser Fälle hätte ein pro­fes­sionelles Not­fall­man­age­ment die Fol­gen wesentlich abmildern kön­nen. Und auch bei weniger drama­tis­chen Not­fällen sparen Unternehmen durch Präven­tion, Risiko­analyse und ein Hand­lungskonzept hohe Kosten — sei es bei tech­nis­chen Störun­gen, Umweltkatas­tro­phen, ein­er Pan­demie oder Sabotage.

Autor:  Jens-Chris­t­ian Voss 

Ist Ihren Vorge­set­zten die The­matik „Not­fall­maß­nah­men“ aus­re­ichend bekan­nt? Sind hier­aus Maß­nah­men für das Unternehmen abgeleit­et? Ist jedem Mitar­beit­er das Ver­hal­ten bei Erster Hil­fe, Brand­bekämp­fung und Evakuierung geläu­fig? Existiert in Ihrem Unternehmen ein Evakuierungskonzept und eine Betriebliche Katas­tro­phe­nor­gan­i­sa­tion? Sind entsprechende Ver­ant­wor­tung mit Befug­nis­sen genau benan­nt und bekan­nt? Wer­den Evakuierungs­maß­nah­men in regelmäßi­gen Zeitab­stän­den zusam­men mit den Ret­tungskräften geübt? Sind Meldeket­ten für Krisen­fälle beschrieben?

Notfallmanagement ist auch für kleine Betriebe ein Thema

Ein struk­turi­ertes Not­fall­man­age­ment führt zur Ver­mei­dung oder Min­imierung von Per­so­n­en- und Sach­schä­den, Imageschä­den und daraus resul­tieren­den uner­warteten Kosten für den Unternehmer. Not­fall­man­age­ment umfasst die Bere­iche Präven­tion, Not­fallpla­nung und Notfallbewältigung.
 
Die Vor­bere­itung auf mögliche Not­fälle und unvorherge­se­hene Ereignisse im Betrieb­sablauf, die Ein­schätzung der jew­eili­gen Ein­trittswahrschein­lichkeit möglich­er Risiken und die Ablauf­pla­nung und Sim­u­la­tion der Reak­tio­nen bei Auftreten der Krisen und Not­fälle sind die zen­tralen Aspek­te des Notfallmanagements.
 
Not­fall­man­age­ment ist heute nicht mehr nur ein The­ma für große Unternehmen, die sen­si­ble Ver­fahren ein­set­zen oder mit entsprechen­den Stof­fen arbeit­en, son­dern auch für kleine und mit­tel­ständis­che Betriebe.
 
Zur Vor­bere­itung auf die Erstel­lung eines Not­fal­lkonzepts oder Not­fall­man­age­ments gehört die Bestand­sauf­nahme (Ist-Zus­tand) im Hin­blick auf mögliche Gefahren­poten­ziale im eige­nen Betrieb. Wie sieht bei Ihnen der alltägliche Betrieb­sablauf aus, die Struk­tur Ihres Organ­i­sa­tion­sauf­baus und die Geschäft­sprozesse? Gehen wir die Aspek­te nach und nach durch und fan­gen mit den aus­lösenden Ereignis­sen an.

Auslösende Ereignisse

Welche Ereignisse stellen für unseren Betrieb einen Not­fall dar und müssen daher beherrscht werden?
Typ­is­che Beispiele dafür sind:
  • Brand
  • Bomben­dro­hung
  • Gasaus­tritt
Weit­er­hin sind als aus­lösende Ereignisse zu berücksichtigen:
  • Unfall
  • Tech­nis­che Störungen
  • Umweltkatas­tro­phe
  • IT-Aus­fall
  • Natur­ereignisse
  • Sab­o­tage
  • Pan­demie / Ent­führung / Erpressung
Ich bew­erte diese Ereignisse im Arbeit­skreis „Not­fall­man­age­ment“ auf die Wahrschein­lichkeit des Auftretens und lege für die jew­eili­gen Ereignisse ein eigenes Kapi­tel im Not­fall­hand­buch an.

Beispiele für Notfallsituationen

Wenn Sie regelmäßig die Tages- oder Fach­presse ver­fol­gen, lesen Sie häu­fig von Not­fällen. Hier sind einige aus­gewählte Beispiele, die schon wieder in Vergessen­heit ger­at­en sind, uns aber mah­nend die Notwendigkeit von Krisen- und Not­fall­man­age­ment aufzeigen sollten:
  • 01.02.1974: Hochhaus­brand in Sao Paulo, Brasilien (Joel­mo-Gebäude). 227 Tote und 250 Schw­erver­let­zte; fehlende bzw. nicht umge­set­zte Brand­schutzvor­gaben: zu geringe Anzahl von Notaus­gän­gen, fehlende Rauch­melder, gesamte Innenausstat­tung aus leicht brennbaren Materialien.
  • 06.02.1979: Explo­sion in ein­er Bre­mer Mehlfab­rik (Roland­müh­le). Auf­grund eines kleinen Brands entste­hen mehrere kleine und größere Explo­sio­nen. Sie enden in ein­er großen Explo­sion, die 14 Men­schen tötet; über 50 Mio. Euro Sachschaden.
  • 11.05.1985: Brand im Fußball­sta­dion Brad­ford, Großbri- tan­nien. 56 Tote und über 250 zum Teil schw­er ver­let­zte Per­so­n­en auf­grund eines Brands, aus­gelöst durch eine Zigarette, begün­stigt durch eine brennbare Holztribüne und ein brennbares Regenschutzdach.
  • 06.07.1988 : Gas­ex­plo­sion auf der Ölplat­tform „Piper Alpha“ (Nord­see). 167 Men­schen ster­ben, die Ölplat­tform bren­nt noch drei Wochen.
  • 11.04.1996 : Brand am Düs­sel­dor­fer Flughafen. Durch Heißar­beit­en an ein­er Dehnungsfuge wird eine Brand­katas­tro­phe aus­gelöst, die ihre Schwere in etwa 40 wesentlichen Ver­stößen begrün­det find­et: 17 Tote, 150 Mil­lio­nen Euro rein­er Brandschaden.
  • 30.10.1998 : Brand­s­tiftung in Diskothek in Göte­borg, Schwe­den. Ein für 150 Men­schen zuge­lassen­er Saal ist mit 400 Men­schen über­füllt, Notaus­gänge versper­rt, 63 Tote.
  • 03.12.1998: Elek­trisch­er Kurz­schluss führt zu Brand in einem Waisen­haus in Mani­la, Philip­pinen. Obwohl die Feuerwache nur 500 m ent­fer­nt ist, verge­ht eine Stunde bis zur Ankun­ft der Retter
  • 11.11.2000: Brand in der Kitzstein­horn-Bahn in Kaprun, Öster­re­ich, Tech­nis­ch­er Defekt, 155 Tote.
Bei dieser Auflis­tung wurde extra auf die bekan­nten Not­fälle in deutschen Unternehmen weitest­ge­hend verzichtet, nicht zulet­zt, um die bre­ite Facette von möglichen Not­fall­szenar­ien aufzuzeigen. Aber eins haben alle beschriebe­nen Not­fälle gemein­sam: Sicher­lich hat auch mit diesen Brän­den und Explo­sio­nen nie­mand gerechnet.

Warum Notfallmanagement?

Die Begrün­dung für effek­tive Krisen- und Not­fall­man­age­mentsys­teme sind vielfältig und gel­ten sicher­lich auch für Ihr Unternehmen:
  • Exis­ten­zsicherung des Unternehmens
  • Ver­füg­barkeit der wichti­gen Geschäftsfunktionen
  • Ziel­sichere Reak­tion in Notfällen
  • Schnelle Behe­bung von Unterbrechungen
  • Funk­tion­ierende Notfallorganisation
  • Voll­ständi­ge, revi­sions­fähige Dokumentation

Notfallsituationen in den einzelnen Arbeitsbereichen

In einem näch­sten Schritt sollte der durch die Geschäft­sleitung neu einge­set­zte Arbeit­skreis „Not­fall­man­age­ment“ mit den Abteilungsleit­ern konkret fes­tle­gen, welche Risiken in deren Arbeits­bere­ichen jew­eils auftreten kön­nten und wie diesen konkret vorzubeu­gen bzw. dann konkret zu reagieren wäre („Risiko­analyse“). Als möglich­es Arbeits­doku­ment emp­fiehlt sich hier eine vere­in­heitlichte Checkliste.
So kön­nte ein Abteilungsleit­er für seine Abteilung z. B. bew­erten, dass Brand, tech­nis­che Störung und IT-Aus­fall konkrete Prob­leme für ihn darstellen könnten.
 
Sehr wichtig ist nun festzule­gen, welche Maß­nah­men vorher bere­its gek­lärt sein soll­ten, damit bei Auftreten der Not­fall­si­t­u­a­tion der Pro­duk­tion­saus­fall / Schaden weitest­ge­hend min­imiert bleibt. Das kann wiederum der betrof­fene Abteilungsleit­er am besten beurteilen. Von daher wird hier seine aktive Mith­il­fe sehr wichtig. Je genauer die Maß­nah­men fest­gelegt wer­den, umso bess­er klappt es im Notfall.

Präventionsarbeit

Nun gehen wir, schein­bar, wieder einen Schritt zurück: zur Präven­tion­sar­beit. Präven­tion ste­ht vor allem!
 
Durch vor­beu­gende Maß­nah­men soll weitest­ge­hend aus­geschlossen wer­den, dass es zu den beschriebe­nen Not­fall­si­t­u­a­tio­nen kommt.
Diese Maß­nah­men soll­ten sys­tem­a­tisch zusam­mengeschrieben und regelmäßig „auf ihre Wirk­samkeit“ kon­trol­liert wer­den. So kön­nen z. B. für Maß­gaben in der Arbeitsstätte die Sicher­heits­beauf­tragten oder die Brand­schutzhelfer mit ein­er vorgegebe­nen Check­liste aufge­fordert wer­den, diesen beschriebe­nen Sicher­heits­stan­dard ein­mal monatlich in ihrem Arbeits­bere­ich abzu­laufen und zu gewährleisten.
 
In der Präven­tion soll­ten auf jeden Fall die betrof­fe­nen Arbeits­bere­iche aktiv einge­bun­den wer­den, nicht zulet­zt, damit sich die Arbeits­bere­iche selb­st mit den Not­fall­si­t­u­a­tio­nen offen­siv auseinandersetzen.

Evakuierungskonzept – ein Teil der Präventionsarbeit

Bei ein­er Vielzahl der Not­fall­si­t­u­a­tio­nen wird eine Räu­mung oder Evakuierung der betrof­fe­nen Bere­iche erforder­lich. Daher ist ein funk­tion­stüchtiges Evakuierungskonzept Bestandteil eines Krisen- und Notfallmanagements.
 
Erfahrungs­gemäß hät­ten über 80 Prozent der Fehler, die sich im Not­fall zeigen, durch ein vernün­ftiges Evakuierungskonzept und daraus abgeleit­ete Übun­gen ver­hin­dert wer­den kön­nen. Sie wollen doch auch nicht erst nachträglich aus Ihren Fehlern ler­nen? Die The­matik „Evakuierung“ ist ein eigenes umfassendes The­ma; zusam­menge­fasst sind für ein Evakuierungskonzept ins­beson­dere fol­gende Aspek­te zu klären bzw. zu beherrschen:
  • Flucht- und Rettungswege
  • Kennze­ich­nun­gen am Arbeitsplatz
  • Aufzüge
  • Sicher­heits­beleuch­tung
  • Sam­mel­stelle / Sammelraum
  • Ret­tungs­kette, Notruftelefon
  • Alarmierung
  • Unter­weisung der Mitarbeiter
  • Ein­weisung von Fremdfirmen
  • Beson­ders schutzbedürftige Beschäftigtengruppen
  • Brand­schutzhelfer / Löschselbsthilfekräfte
  • Evakuierung­shelfer
  • Schu­lung der Vorgesetzten
  • Zusam­me­nar­beit mit Feuer­wehr und Polizei
  • Beson­der­heit­en für die Übung, Regieanweisung
Zu den „Beson­der­heit­en“ gehören u. a. der Umgang mit schw­er evakuier­barem Per­son­al, die Ein­bindung des Betrieb­srats in das Konzept, die Ein­spielung von Ein­la­gen und die Art der Alarmierung. Unge­fähr 10 % der im Gebäude befind­lichen Per­so­n­en bilden hin­sichtlich ihrer kör­per­lichen Ver­fas­sung ein nicht vorherse­hbares Risiko. Zu dem betrof­fe­nen Per­so­n­enkreis gehören:
  • Asthma­p­a­tien­ten, schwan­gere Frauen, Men­schen mit Behin­derun­gen, und Per­so­n­en mit Verletzungen
 
Um nach der Übung einen voll­ständi­gen Überblick über das Gesamt­geschehen des Evakuierungsvor­gangs zu haben, erhält das Funk­tion­sper­son­al eine Frage­liste. Diese dient dazu und ermöglicht es, alle zu Tage getrete­nen Män­gel zu erken­nen und nach Auswer­tung der Erfahrun­gen die erforder­lichen Verbesserun­gen durchzuführen. Deshalb nimmt das Funk­tion­sper­son­al unmit­tel­bar nach der Übung auch an der Manöverkri­tik teil, die zu jed­er Evakuierungsübung dazu gehört, um Verbesserungspoten­ziale aufzuzeigen.
 
Ziel der Manöverkri­tik soll es sein, pos­i­tive und neg­a­tive Aspek­te aufzuzeigen und das beste­hende Evakuierungs-/Not­fal­lkonzept entsprechend zu verbessern.
 
Teil­nehmer bei der Manöverkri­tik sind üblicherweise:
  • Mit­glieder des Arbeit­skreis­es „Not­fall­man­age­ment“ und des Krisenstabs
  • Funk­tion­sper­son­al (Evakuierung­shelfer, Sammelplatzbeauftragte)
  • Schied­srichter / Beobachter
  • Externe Hil­f­skräfte (Feuer­wehr, Polizei)
Über die Ergeb­nisse der Manöverkri­tik wer­den die Führungskräfte und die Mitar­beit­er (gekürzte Ver­sion) informiert. Typ­is­che Auszüge aus Manöverkri­tiken sind:
  • Keine Beauf­tragten für die einzel­nen Etagen
  • Dop­peltüren waren Engstellen
  • Wichtige Stellen nicht informiert
  • her­abge­lassene Schranke behin­dert Feuerwehr
  • Vol­lzäh­ligkeitsmusterung am Sam­melplatz fehlt
  • Besuch­er wer­den weit­er­hin am Haupt­tor abgeholt
  • LKW fahren weit­er auf das Gelände
  • zöger­lich­es Anlaufen der Übung
  • Feuer­wehrz­u­fahrten verstellt
  • Werkschutz / Pforte sind nicht über das Übungsende informiert
Alles span­nende Ansätze, das beste­hende Konzept zu hin­ter­fra­gen und kon­tinuier­lich zu verbessern.

Notfallplanung

Nach der Risiko­analyse mit den Abteilungsleit­ern fol­gt die Not­fallpla­nung; sie ist Teil des Krisen- und Not­fall­man­age­ments. Sie ist betrieb­sspez­i­fisch unter­schiedlich und somit indi­vidu­ell. Der Not­fallplan enthält konkrete Maß­nah­men bzw. Prozesse, legt deren Rei­hen­folge und Ablauf in Plä­nen fest und visu­al­isiert sie. Auf diese Art und Weise entste­ht ein Not­fall­hand­buch aus den einzel­nen Not­fallplä­nen, welch­es die einzel­nen Reak­tion­ss­chritte in den benan­nten Aus­nahme­si­t­u­a­tio­nen auflis­tet. Diese müssen dahinge­hend opti­miert wer­den, dass sie in möglichst kürzestem Zeitrah­men ermöglichen, den nor­malen Betrieb­sablauf wieder aufzunehmen („Wieder­an­laufk­lasse“).
 
Die Not­fallpläne müssen für den Anwen­der über­sichtlich sein, damit sie im Not­fall ein effek­tives Arbeit­en ermöglichen. Denn eins haben wir in Not­fall­si­t­u­a­tio­nen nicht: Zeit. Zeit, um Dinge zu disku­tieren. Zeit, um Maß­nah­men zu koor­dinieren. Zeit, um miteinan­der Aspek­te abzuwä­gen. Hier sind jet­zt Entschei­dun­gen, ins­beson­dere des Krisen­stabs zu treffen.

Krisenstab

Mögliche Teil­nehmer des Krisen­stabs sind:
  • Geschäft­sleitung, Brand­schutzbeauf­tragter, Pressesprecher
  • Leit­er Tech­nik, Einkauf, Per­son­al, Facil­i­ty Management
Dabei sollte darauf geachtet wer­den, dass die wesentlichen Funk­tio­nen abgedeckt sind, der Krisen­stab aber von der Anzahl der beisitzen­den Köpfe nicht zu groß wird.

Aufgaben des Krisenstabs

Die Auf­gaben des Krisen­stabs sind sehr umfassend und soll­ten vorher auch genau beschrieben sein.
Wesentliche Auf­gaben sind:
  • Ein­sat­zleitung und Leitung des Ret­tungs- und Löschein­satzes bis zum Ein­tr­e­f­fen der Feuerwehr
  • Alarmierung der Sicher­heits- und Etagenbeauftragten
  • Lage­beurteilung
  • Entschei­dung über Alarmierungs-/ u. Räumungsumfang
  • Ver­an­lassen des Ab- und Umschal­tens von Gas, Dampf, Wass­er, Strom, usw.
  • Ver­ständi­gung der Behör­den (Umweltamt, Gewer­beauf­sicht­samt etc.)
  • Annahme und Weit­er­leitung von Nachricht­en und Meldungen
Da im Ern­st­fall wenig Zeit bleibt, Auf­gaben und Vorge­hensweisen festzule­gen, sollte dies bere­its vorher passiert sein. Auch ist es erforder­lich, Fach­bere­iche mit ihren wichti­gen Auf­gaben bere­its vorher zu bele­gen, damit diese im Ern­st­fall par­al­lel sofort losar­beit­en – und nicht auf Anweisun­gen warten, die in der stres­si­gen Not­si­t­u­a­tion vielle­icht nicht erfol­gen. So wer­den die Maß­nah­men bere­its dezi­diert vorher fest­gelegt und den einzel­nen Funk­tio­nen ein­deutig zugeordnet.

Typische Mängel im Notfallkonzept

Typ­is­che Män­gel im Not­fal­lkonzept, die wieder­holt auf­fall­en, sind nach­fol­gend aufge­lis­tet. Frei nach dem Mot­to „Ler­nen aus Fehlern von Anderen“, soll­ten Sie die Fehler für sich ausschließen.
  • Krisen­stab muss mit seinen konkreten Auf­gaben benan­nt wer­den (mit genauer Benen­nung der Legitimationen)
  • Geschäft­sleitung muss Not­fal­lkonzept in Kraft setzen
  • Es fehlen Sicher­heits- und Eta­gen­beauf­tragte, Räu­mung­shelfer und Sam­melplatzbeauf­tragte zur Umset­zung der Räu­mung der Gebäude­teile (diese soll­ten geson­dert geschult werden)
  • Weisungs­befug­nis an bes­timmte Per­so­n­en muss noch erteilt werden
  • Vorge­set­zte / Mitar­beit­er müssen über das Not­fal­lkonzept unter­richtet werden
  • Üben – und erkan­nte Män­gel nachbessern

Umgang mit der Presse in Notfallsituationen

Presse- und Öffentlichkeit­sar­beit bee­in­flussen das Bild des Unternehmens in Öffentlichkeit und Markt. Die Infor­ma­tion über das Unternehmen und seine Pro­duk­te ist in jedem Falle eine Bringschuld: Nur die Infor­ma­tion der Öffentlichkeit durch das Unternehmen stellt sich­er, dass nicht über unkon­trol­lierte Kanäle nach außen dringt, was uner­wün­scht, falsch oder schädlich für das Unternehmen ist.
Sie wis­sen, was in Ihrem Unternehmen bei Stör­fällen, Unfällen, Brän­den, tech­nis­chen Störun­gen in der Pro­duk­tion oder Natur­ereignis­sen geschehen kann und Sie wis­sen, was Sie zur raschen Krisen-Bewäl­ti­gung tun müssen. Dafür haben Sie Pläne in der Schublade.
 
Vor­for­mulierte Mel­dun­gen an die Behör­den gehören zum eingeübten Krisen-Man­age­ment. Und was sagen Sie den Medi­en, Ihren Mitar­beit­ern, der Bevölkerung in Ihrem Umfeld? Krisen-Kom­mu­nika­tion ist plan­bar. Generell sollte beim Umgang mit der Presse immer beachtet werden:
  • Informieren – bevor Sie gefragt wer­den! Das ver­hil­ft Ihnen zu möglichst vorurteils­freier Berichter­stat­tung und schafft bei Mitar­beit­ern und im Wohnum­feld Vertrauen.
  • diplo­ma­tis­ch­er Umgang, stets fre­undlich sein! Der Press­esprech­er als „opti­maler Dien­stleis­ter“: höflich, bes­timmt, zuver­läs­sig, schnell, kon­tinuier­lich (auch nach innen)
  • Desin­for­ma­tion / Über­in­for­ma­tion vermeiden
Vor­bere­it­et sein soll­ten fol­gende Aspekte:
  • Wer ist die wichtige Lokal‑, Region­al- oder Überregional-Presse?
  • Vor­for­mulierte Schreiben / Faxe
  • Vor­for­muliert­er Text für das Inter­net / Homepage
  • auch wichtig: Sind die Mitar­beit­er ange­hal­ten, sich zu der Not­fall­si­t­u­a­tion nach außen nicht äußern zu dür­fen (auch nicht zu Kun­den, Nach­barn, etc.) – ggf. Ver­fahren­san- weisung „Umgang mit der Presse“ for­mulieren und den Mitar­beit­ern bekan­nt machen

Absprachen mit Feuerwehr und Polizei

Das beste­hende Krisen- und Not­fall­man­age­ment sollte mit den Behör­den und außen­ste­hen­den Stellen abge­sprochen sein. Ins­beson­dere die gemein­samen, „über­lap­pen­den“ Ansatzpunk­te, damit es im Ern­st­fall nicht zu Infor­ma­tions­de­fiziten und unnötiger Zeitver­schlep­pung kommt.
 
Auch kön­nen Feuer­wehr und Polizei Ihnen ggf. hil­fre­iche Aspek­te und Ideen für Ihr Not­fall­man­age­ment nen­nen, die Sie in Ihrem Konzept bish­er nicht oder nur unzure­ichend berück­sichtigt haben. Am Ende jed­er guten Absprache sollte auch die gemein­same Übung ste­hen, die hier ver­an­lasst wer­den sollte. Denn jedes Not­fall­man­age­ment muss „seinen Mann“ ste­hen und seine Wirk­samkeit nach­weisen – und dieses hof­fentlich nicht das erste Mal im Ern­st­fall. Erst durch das inten­sive Üben wer­den Schwach­stellen im Konzept, aber auch in der gemein­samen Bewäl­ti­gung von Krise und Not­fall offen­sichtlich, damit die Schwach­stellen sin­nvoll abgear­beit­et und für den Ern­st­fall weitest­ge­hend aus­geschlossen wer­den können.

Krisen professionell bewältigen

Zwei­drit­tel aller Unternehmen haben keinen Krisen­plan und fra­gen sich erst nach Ein­tritt der Krise, wie sie in dieser Sit­u­a­tion reagieren sollen. Ein Not­fall muss jedoch nicht in eine Katas­tro­phe mün­den, und Schä­den durch „unvorherge­se­hene“ Vor­fälle lassen sich begren­zen. Durch inten­sive Vor­bere­itung kön­nen Krisen pro­fes­sionell bewältigt wer­den. So lässt sich zwar nicht die Krise selb­st, wohl aber ihre Auswirkun­gen lassen sich steuern und kon­trol­lieren. Pfle­gen Sie langfristi­gen und regelmäßi­gen Aus­tausch mit Arbeits­bere­ichen, um Krisen vorzubeu­gen oder Auswirkun­gen durch glaub­würdi­ge Kom­mu­nika­tion zu verhindern.
 
Ein Krisen- und Not­fall­man­age­ment sieht als erstes die Präven­tion vor, damit es nicht zur Not­fall­si­t­u­a­tion kommt. Wenn diese aber doch ein­tritt, müssen Not­fallpla­nung und Not­fall­be­wäl­ti­gung beherrscht werden.
 
Je genauer und detail­ge­treuer Sie diese Aspek­te vor­bere­it­et und den einzel­nen Not­fall­funk­tio­nen / Abteilun­gen zuge­ord­net haben, umso eher wird der geord­nete Ablauf klap­pen. Dabei sollte aber auch die geord­nete Evakuierung berück­sichtigt wer­den, die bei ein­er Vielzahl der Not­fall­si­t­u­a­tio­nen durchge­führt wer­den muss. Der Aufwand, um effek­tives Not­fall­man­age­ment zu schaf­fen und zu betreiben, ist ver­glichen mit dem Schaden, der in einem Betrieb ohne Not­fallpla­nung entste­hen kann, als ger­ing anzuse­hen. Wagen Sie sich dran – es lohnt sich!

Frageliste (Auszug):
  • War das Alarm­sig­nal gut vernehmbar?
  • Ver­ließen die Betrieb­sange­höri­gen ihren Arbeits­bere­ich unverzüglich (Ver­weigerung)?
  • Sind alle Fen­ster und Türen geschlossen worden?
  • Wur­den auf den Ret­tungswe­gen Hin­dernisse, Eng­pässe oder Stau­un­gen festgestellt?
  • Waren ggf. genü­gend Helfer für Behin­derte vorhanden?
  • Ist der Aufzug benutzt worden?
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