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Rehabilitation vor Rente

Lexikon der Unfallversicherung: Reha
Rehabilitation vor Rente

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Trotz aller Bemühun­gen um Arbeitss­chutz ereignen sich jährlich mehr als zwei Mil­lio­nen Arbeit­sun­fälle. Die geset­zlichen Unfal­lver­sicherungsträger (Unfal­lka­ssen und Beruf­sgenossen­schaften) sind dann – soweit erforder­lich – für die gesamte Reha­bil­i­ta­tion der Ver­sicherten zuständig. Ein Grund­satz der Unfal­lver­sicherungsträger lautet dabei: „Reha­bil­i­ta­tion vor Rente“.

Antje Did­laukat

Vor­rangig ist nach einem Arbeit­sun­fall also die best­mögliche medi­zinis­che Ver­sorgung der Ver­let­zten oder Erkrank­ten in Verbindung mit der beru­flichen und sozialen Wiedere­ingliederung. Eine Rente wird grund­sät­zlich erst dann gewährt, wenn alle Reha­bil­i­ta­tion­s­maß­nah­men aus­geschöpft wur­den. Dies schließt selb­stver­ständlich nicht aus, dass weit­ere Reha­bil­i­ta­tion­sleis­tun­gen auch nach Renten­be­ginn erbracht wer­den, falls dies noch oder wieder erforder­lich ist. In der Phase der Reha­bil­i­ta­tion wer­den darüber hin­aus auch Ent­gel­ter­sat­zleis­tun­gen (Ver­let­zten- beziehungsweise Über­gangs­geld) gewährt.

Medizinische Rehabilitation

Maß­nah­men der medi­zinis­chen Reha­bil­i­ta­tion kön­nen u.a. die ärztliche und zah­närztliche Behand­lung, die Ver­sorgung mit Medika­menten und Ver­band­mit­teln, die Verord­nung von Heilmit­teln ein­schließlich Krankengym­nas­tik, Sprach- oder Bewe­gungs­ther­a­pie, die Ver­sorgung mit orthopädis­chen Hil­f­s­mit­teln, die Erprobung der Belas­tung sowie die Pflege umfassen. Die Ver­sicherten müssen sich bei einem Arbeit­sun­fall oder ein­er Beruf­skrankheit zunächst immer einem Durch­gangsarzt vorstellen. Dieser ist auf­grund sein­er unfallmedi­zinis­chen Qual­i­fika­tion und der per­son­ellen sowie tech­nis­chen Voraus­set­zun­gen in beson­der­er Weise auf Unfal­lver­let­zun­gen spezial­isiert und entschei­det, wie die weit­ere Behand­lung ver­läuft, das heißt, ob z.B. eine Über­weisung zu einem Spezial­is­ten erforder­lich ist. Ver­sicherte, bei denen eine sta­tionäre Behand­lung erforder­lich sein sollte, wer­den in eine beruf­sgenossen­schaftliche Unfal­lk­linik oder in Kranken­häuser eingewiesen, die von den Unfal­lka­ssen und Beruf­sgenossen­schaften für die Behand­lung Unfal­lver­let­zter zuge­lassen wor­den sind. Diese Ein­rich­tun­gen weisen sowohl bezo­gen auf die medi­zinis­che Qual­i­fika­tion der dort täti­gen Fachkräfte als auch auf die medi­zinisch-tech­nis­che Ausstat­tung einen beson­ders hohen Stan­dard auf. Bun­desweit ste­hen mehr als 4.300 Bet­ten sowie Ressourcen für die Behand­lung beson­ders schw­er­er Ver­let­zun­gen in beruf­sgenossen­schaftlichen Kliniken zur Ver­fü­gung. Darüber hin­aus ste­ht den Ver­sicherten ein Besuchs­di­enst der Unfal­lver­sicherungsträger zur Ver­fü­gung. Nach eini­gen Tagen im Kranken­haus besuchen dabei Mitar­beit­er der Unfal­lver­sicherungsträger die Ver­sicherten im Kranken­haus und klären erste drin­gende Fra­gen zum weit­eren Verlauf.

Berufliche Rehabilitation

Für die beru­fliche Wiedere­ingliederung der Ver­sicherten sind in den Unfal­lka­ssen und Beruf­sgenossen­schaften speziell aus­ge­bildete Berufshelfer/ Reha-Man­ag­er zuständig. Die Beruf­shelfer berat­en den Ver­sicherten bere­its während des sta­tionären Aufen­thalts über die kün­ftig beste­hen­den beru­flichen Möglichkeit­en und Wege, denn nicht immer kön­nen die Betrof­fe­nen trotz ein­er opti­malen medi­zinis­chen Betreu­ung ohne Weit­eres wieder an ihren alten Arbeit­splatz zurück­kehren. Erre­icht wer­den kann die beru­fliche Wiedere­ingliederung dann dadurch, dass zusät­zliche Vorkehrun­gen am alten Arbeit­splatz getrof­fen wer­den, die es ermöglichen sollen, die Ver­let­zten auf Dauer wieder einzugliedern. So kann beispiel­sweise die Umgestal­tung des Arbeit­splatzes für einen Ver­let­zten, der auf­grund eines Arbeit­sun­falls auf einen Roll­stuhl angewiesen ist, eine Möglichkeit sein, wieder am beru­flichen Leben teilzunehmen. Ver­sicherte, die nach einem Arbeit­sun­fall oder ein­er Beruf­skrankheit nicht wieder an ihren alten Arbeit­splatz zurück­kehren kön­nen, wer­den durch Maß­nah­men zur Berufs­find­ung, Arbeit­ser­probung, aber auch Umschu­lun­gen und Fort- und Aus­bil­dun­gen unter­stützt. Die Kosten für diese Maß­nah­men, d.h. ange­fan­gen von den Reisekosten anlässlich eines Bewer­bungs­ge­sprächs über die Kosten von Umschu­lun­gen, etwaige Umzugskosten bis zu den Aufwen­dun­gen für eine befris­tete Probebeschäf­ti­gung bis zu drei Monat­en oder der Gewährung eines Zuschuss­es für Arbeit­ge­ber übernehmen dann die Unfal­lver­sicherungsträger. Die geset­zliche Grund­lage für Maß­nah­men zur Erlan­gung oder Erhal­tung eines Arbeit­splatzes ist § 35 Abs. 1 Nr. 1 Sozialge­set­zbuch (SGB) VII.

Soziale Rehabilitation

Eine ganz entschei­dende Bedeu­tung für die Ver­let­zten hat die Rück­kehr in ihren All­t­ag und ihr soziales Umfeld. Auch dabei unter­stützen die Träger der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung die Betrof­fe­nen. Das Leis­tungsspek­trum umfasst dabei z.B. auch die Woh­nung­shil­fe. Woh­nung­shil­fe ist grund­sät­zlich zu gewähren, wenn der Ver­sicherte in der bish­eri­gen Woh­nung die Ver­rich­tun­gen des täglichen Lebens nicht bzw. nur unter unzu­mut­baren Erschw­ernissen aus­führen oder seine Woh­nung nicht oder nur mit unzu­mut­baren Erschw­ernissen erre­ichen oder ver­lassen kann. Dabei kann die vorhan­dene Woh­nung den Bedürfnis­sen des Ver­sicherten angepasst oder aber auch eine behin­derten­gerechte Woh­nung zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Es beste­ht bei Vor­liegen der geset­zlichen Voraus­set­zun­gen außer­dem ein Anspruch auf Kraft­fahrzeughil­fe, d.h. die Über­nahme der Kosten für den Umbau eines Kraft­fahrzeugs, für die Beschaf­fung eines neuen bzw. die Kosten zur Erlan­gung der Fahrerlaub­nis. Eine weit­ere ergänzende Leis­tung der Reha­bil­i­ta­tion ist auch der Reha­bil­i­ta­tion­ss­port. Hier wird ver­sucht mit den Mit­teln des Sports die Aus­dauer, Koor­di­na­tion, Flex­i­bil­ität, Kraft oder auch psy­chis­che Leis­tungs­fähigkeit des Ver­sicherten zu verbessern.

Reha-Management

In bes­timmten Fällen, ins­beson­dere dann, wenn die Arbeit­sun­fähigkeit voraus­sichtlich länger als 112 Tage dauert, greift ein spezielles Reha-Man­age­ment der Unfal­lver­sicherungsträger. Dafür hat die Arbeits­gruppe „Reha-Man­age­ment“ der Deutschen Geset­zlichen Unfal­lver­sicherung (DGUV) einen Hand­lungsleit­faden entwick­elt, der als Basis für eine erfol­gre­iche Reha­bil­i­ta­tion dient und in dem die Erfahrun­gen der Unfal­lver­sicherungsträger zusam­menge­fasst wur­den. Neben den Fällen, die über die Arbeit­sun­fähigkeit­sprog­nose für ein spezielles Reha-Man­age­ment aus­gewählt wer­den, sind selb­stver­ständlich auch andere Fälle einzubeziehen, bei denen Schwierigkeit­en bei der beru­flichen oder sozialen Reha­bil­i­ta­tion zu erwarten sind (medi­zinis­che Kom­p­lika­tio­nen, beru­fliche oder soziale Prob­leme). Beim Reha-Man­age­ment wer­den Maß­nah­men der medi­zinis­chen Reha­bil­i­ta­tion, der Leis­tun­gen zur Teil­habe am Arbeit­sleben und am Leben in der Gemein­schaft auf der Grund­lage des indi­vidu­ellen Reha-Plans durch einen Reha-Man­ager/-in in Zusam­me­nar­beit mit allen Beteiligten (Versicherten/Angehörigen, Ärzten, Ther­a­peuten, Arbeit­ge­bern) koor­diniert. Der Reha-Plan ist in der Regel inner­halb eines Monats nach dem Unfall zu erstellen.
Für eine erfol­gre­iche Reha­bil­i­ta­tion des Ver­let­zten oder Erkrank­ten sind das Ineinan­der­greifen der einzel­nen Leis­tungser­bringer und die Koor­di­na­tion der Leis­tun­gen ange­fan­gen von der ärztlichen Behand­lung bis zur beru­flichen und sozialen Eingliederung von entschei­den­der Bedeu­tung. Damit gewin­nen die Ver­sicherten wieder mehr Leben­squal­ität zurück, die Unternehmen kön­nen so früh wie möglich auf ihre erfahre­nen Mitar­beit­er zurück­greifen und die Unfal­lver­sicherungsträger ver­ringern u.a. durch die Verkürzung der Arbeit­sun­fähigkeit­szeit­en die Ver­let­zten­geldzahlun­gen und hal­ten damit die Kosten für die Unternehmen ins­ge­samt auf einem gün­sti­gen Niveau.
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