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Rehabilitation

Lexikon der Unfallversicherung
Rehabilitation

Die medizinische Rehabilitation umfasst auch Verordnungen für Krankengymnastik. Foto: Walter Luger - Fotolia.com
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Reha­bil­i­ta­tion entstammt dem mit­tel­lateinis­chen Wort reha­bil­i­ta­tio, d.h. Wieder­her­stel­lung. Laut der Def­i­n­i­tion der Welt­ge­sund­heit­sor­gan­i­sa­tion (WHO) sind darunter alle Maß­nah­men zu ver­ste­hen, die darauf abzie­len, den Ein­fluss behin­dern­der oder benachteili­gen­der Umstände zu ver­ringern. Ein­er der sieben Reha­bil­i­ta­tion­sträger in Deutsch­land ist die geset­zliche Unfallversicherung.

Antje Did­laukat

Die geset­zlichen Unfal­lver­sicherungsträger (Unfal­lka­ssen und Beruf­sgenossen­schaften) sind für die gesamte Reha­bil­i­ta­tion bei Arbeit­sun­fällen, Wege­un­fällen und Beruf­skrankheit­en zuständig. Die Unfal­lver­sicherungsträger sind dazu verpflichtet, „mit allen geeigneten Mit­teln“, d.h. mit allen der Reha­bil­i­ta­tion förder­lichen Mit­teln, frühzeit­ig zu han­deln. Vor­rangig ist die best­mögliche medi­zinis­che Ver­sorgung der Ver­let­zten oder Erkrank­ten in Verbindung mit der beru­flichen und sozialen Wiedere­ingliederung. Eine Leis­tung beispiel­sweise in Form ein­er Rente wird grund­sät­zlich erst dann gewährt, wenn alle Reha­bil­i­ta­tion­s­maß­nah­men aus­geschöpft wur­den. Es gilt der Grund­satz: „Reha­bil­i­ta­tion vor Rente.“ Dies schließt selb­stver­ständlich nicht aus, dass weit­ere Reha­bil­i­ta­tion­sleis­tun­gen auch nach Renten­be­ginn erbracht wer­den, falls dies noch oder wieder erforder­lich ist. In der Phase der Reha­bil­i­ta­tion gewähren die Ver­sicherungsträger darüber hin­aus auch Ent­gel­ter­sat­zleis­tun­gen (Ver­let­zten- bzw. Über­gangs­geld). Im Rah­men der Reha­bil­i­ta­tion unter­schei­det man ins­beson­dere drei Bere­iche: die medi­zinis­che, die beru­fliche sowie die soziale Rehabilitation.
Medi­zinis­che Rehabilitation
Die Unfal­lver­sicherungsträger stellen ein leis­tungs­fähiges Sys­tem zur Ver­fü­gung, um die Ver­sicherten in geeigneter Weise nach dem Ein­tritt eines Ver­sicherungs­falls (Arbeit­sun­fall oder Beruf­skrankheit) zu ver­sor­gen. Die Beruf­sgenossen­schaften unter­hal­ten dazu beispiel­sweise Eigenein­rich­tun­gen – die beruf­sgenossen­schaftlichen Unfallkliniken.
In Deutsch­land gibt es neun Unfal­lk­liniken, sieben Son­der­sta­tio­nen, zwei Kliniken für Beruf­skrankheit­en sowie drei Unfall­be­hand­lungsstellen. Diese Ein­rich­tun­gen weisen sowohl bezo­gen auf die medi­zinis­che Qual­i­fika­tion der dort täti­gen Fachkräfte als auch auf die medi­zinisch-tech­nis­che Ausstat­tung einen beson­ders hohen Stan­dard auf. Ver­sicherte, bei denen eine sta­tionäre Behand­lung erforder­lich ist, wer­den daher in eine beruf­sgenossen­schaftliche Unfal­lk­linik oder in Kranken­häuser eingewiesen, die von den Unfal­lka­ssen und Beruf­sgenossen­schaften für die Behand­lung Unfal­lver­let­zter zuge­lassen wor­den sind.
Eine Schlüs­sel­po­si­tion ins­beson­dere bei der ambu­lanten Akutver­sorgung hat der Durch­gangsarzt. Dieser ist auf­grund sein­er unfallmedi­zinis­chen Qual­i­fika­tion und den per­son­ellen sowie tech­nis­chen Voraus­set­zun­gen in beson­der­er Weise auf Unfal­lver­let­zun­gen spezial­isiert. Maß­nah­men der medi­zinis­chen Reha­bil­i­ta­tion kön­nen neben der ärztlichen und zah­närztlichen Behand­lung, unter anderem die Verord­nung von Krankengym­nas­tik, Sprach- oder Bewe­gungs­ther­a­pie, die Ver­sorgung mit orthopädis­chen Hil­f­s­mit­teln, aber auch die häus­liche Krankenpflege sein. Die Kosten für Arznei- und Ver­band­mit­tel wer­den bis zur Höhe der Fes­t­be­träge im Sinne des Krankenkassen­rechts über­nom­men. Die Unfal­lver­sicherungsträger kom­men im Übri­gen auch für die Reisekosten auf.
Beru­fliche Rehabilitation
Für die beru­fliche Wiedere­ingliederung der Ver­sicherten sind in den Unfal­lka­ssen und Beruf­sgenossen­schaften speziell aus­ge­bildete Berufshelfer/ Reha­bil­i­ta­tions­ber­ater (Reha-Berater) zuständig. Sie berat­en den Ver­sicherten bere­its während des sta­tionären Aufen­thalts über die kün­ftig beste­hen­den beru­flichen Möglichkeit­en und Wege. Ein­rich­tun­gen mit mehr als 100 Schw­erver­let­zten im Jahr wer­den regelmäßig ein­mal pro Woche von einem Berufshelfer/ Reha-Berater besucht (Regelbe­such). Ist die Anzahl der Schw­erver­let­zten geringer, erfol­gt der Besuch bei beson­deren Anlässen (Anlass­be­such). Erre­icht wer­den kann die beru­fliche Wiedere­ingliederung durch zusät­zliche Vorkehrun­gen, die am alten Arbeit­splatz getrof­fen wer­den und es ermöglichen sollen, die Ver­let­zten auf Dauer wieder einzugliedern. Ist die Rück­kehr an den alten Arbeit­splatz nicht mehr möglich, wer­den Maß­nah­men zur Berufs­find­ung, die Arbeit­ser­probung, aber auch Umschu­lun­gen und Fort- und Aus­bil­dun­gen ange­boten, um dem Ver­sicherten entsprechend sein­er Leis­tungs­fähigkeit und unter Berück­sich­ti­gung von Eig­nung und Nei­gung wieder beru­fliche Per­spek­tiv­en zu eröff­nen. Seit dem 01.08.2009 stellen die sechs Lan­desver­bände der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung mit „job.bg“ eine spezielle Arbeitsver­mit­tlung für Reha­bil­i­tanden zur Ver­fü­gung. Die Ver­sicherten wer­den indi­vidu­ell betreut und die Arbeit der einzel­nen Träger der Unfal­lver­sicherung u.a. durch den Ser­vice ein­er soft­waregestützten Inter­net­stel­len­suche unter­stützt. Die poten­tiellen Arbeit­ge­ber wer­den hier schon frühzeit­ig über finanzielle Förderung – wie Eingliederung­shil­fen oder Lohnkosten­zuschüsse – informiert. Die Anlauf­stellen gibt es bei allen Lan­desver­bän­den der Deutschen Geset­zlichen Unfal­lver­sicherung in Düs­sel­dorf, Mainz, Hei­del­berg, Han­nover, Berlin und München. Für Ver­sicherte und Arbeit­ge­ber ist der Ser­vice von job.bg übri­gens kostenfrei.
Soziale Reha­bil­i­ta­tion
Eine ganz entschei­dende Bedeu­tung für die Ver­let­zten hat die Rück­kehr in ihren All­t­ag und ihr soziales Umfeld. Auch dabei unter­stützen die Träger der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung die Ver­sicherten. Das Leis­tungsspek­trum umfasst z.B. auch die Woh­nung­shil­fe. Sie ist grund­sät­zlich zu gewähren, wenn der Ver­sicherte in der bish­eri­gen Woh­nung die Ver­rich­tun­gen des täglichen Lebens nicht bzw. nur unter unzu­mut­baren Erschw­ernissen aus­führen oder seine Woh­nung nicht oder nur mit unzu­mut­baren Erschw­ernissen erre­ichen oder ver­lassen kann. Die vorhan­dene Woh­nung kann den Bedürfnis­sen des Ver­sicherten angepasst oder aber auch eine behin­derten­gerechte Woh­nung zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Es beste­ht bei Vor­liegen der geset­zlichen Voraus­set­zun­gen außer­dem ein Anspruch auf Kraft­fahrzeughil­fe, d.h. die Über­nahme der Kosten für den Umbau eines KFZ, für die Beschaf­fung eines neuen bzw. die Kosten zur Erlan­gung der Fahrerlaub­nis. Eine weit­ere ergänzende Leis­tung der Reha­bil­i­ta­tion ist auch der Reha­bil­i­ta­tion­ss­port. Hier wird ver­sucht mit Sport die Aus­dauer, Koor­di­na­tion, Flex­i­bil­ität, Kraft oder auch psy­chis­che Leis­tungs­fähigkeit des Ver­sicherten zu verbessern. Für die Reha­bil­i­ta­tion der Betrof­fe­nen ist Sport sowohl physisch als auch men­tal ganz beson­ders wichtig.
Per­sön­lich­es Budget
Ver­sicherte kön­nen Leis­tun­gen zur medi­zinis­chen Reha­bil­i­ta­tion, zur Teil­habe am Arbeit­sleben und zur Teil­habe am Leben in der Gemein­schaft grund­sät­zlich auch als Per­sön­lich­es Bud­get erhal­ten. Diese andere Form der Leis­tungser­bringung dient der Förderung der Selb­st­bes­tim­mung. Voraus­set­zung ist, dass ein Bedarf für die Leis­tun­gen beste­ht, diese bud­get­fähig sind und eine Erbringung in Form von Geld sin­nvoll ist. Dies prüfen die zuständi­gen Unfal­lver­sicherungsträger nach der Antragsstel­lung durch den Ver­sicherten. Bei Leis­tun­gen der medi­zinis­chen Reha­bil­i­ta­tion wird in der Regel die Gewährung eines Per­sön­lichen Bud­gets nicht sachgerecht sein. Bei Fra­gen zum Per­sön­lichen Bud­get kann der Reha-Man­ag­er oder Beruf­shelfer Auskün­fte erteilen.
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