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Sicher und gesund im Büro

Prävention
Sicher und gesund im Büro

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Ein Großteil der Bürobeschäftigten sitzt am Com­put­er und lei­det: Da schmerzt der Rück­en, dort gibt es Stress mit der Kol­le­gin. Doch viele Unternehmer meinen noch immer, dass Präven­tion und Gesund­heits­förderung im Büro nicht nötig seien oder zu viel kosten wür­den. Das muss nicht sein, denn oft sind es kleine Dinge, die zur pos­i­tiv­en Verän­derung beitragen.

Bet­ti­na Brucker

Generell lassen sich im Büro vor­beu­gende Maß­nah­men in den vier Schw­er­punk­t­bere­ichen Gebäude, Ausstat­tung, Ver­hal­ten der Beschäftigten sowie Arbeit­sor­gan­i­sa­tion pla­nen und umsetzen.
Sicheres Gebäude – weniger Unfälle
Ein Drit­tel aller Unfälle sind Stolper- und Sturzun­fälle. Auch in Büro­ge­bäu­den lauern Gefahren­stellen, vor allem in den Bereichen
  • Boden­be­lag,
  • Treppe,
  • Verkehrs- und Fluchtwege sowie
  • Verk­a­belun­gen.
Sicher­heit begin­nt schon vor der Ein­gangstür. Zugangswege im Außen­bere­ich müssen im Win­ter von Schnee geräumt und mit Streugut gegen Glat­teis gesichert wer­den. Im Ein­gangs­bere­ich des Gebäudes soll­ten die Böden und Trep­pen rutschhem­mend sein. Ist Tep­pich ver­legt, muss man darauf acht­en, dass die Kan­ten flach aufliegen und verklebt sind. Wech­selt der Boden­be­lag, darf der Höhe­nun­ter­schied von einem Bere­ich zum anderen nicht mehr als vier Mil­lime­ter betragen.
Viele Flure gle­ichen einem Hin­dernispar­cours: Dort sind Pakete zwis­chen­ge­lagert, Kopier­er und Druck­er aufgestellt, aber auch Dinge ste­hen herum, die im Büro ger­ade nicht gebraucht wer­den. Doch Verkehr­swege soll­ten und Fluchtwege müssen freige­hal­ten wer­den. So ist gewährleis­tet, dass sich nie­mand stoßen kann und dass im Brand­fall schnelle Ret­tung möglich ist. Eine deut­lich sicht­bare und ein­deutige Markierung hil­ft zusät­zlich, den Weg in die Sicher­heit zu find­en. Und auch daran sollte man denken: Räume ohne Tages­licht brauchen eine Notbeleuchtung.
Tech­nis­che Geräte wer­den immer mod­ern­er, kabel­los sind sie aber zumin­d­est noch nicht. Da kommt schnell eine ganze Menge an unter­schiedlich lan­gen, dün­nen oder dick­eren Kabeln zusam­men. Trit­tfeste Kabelka­näle im Gehbere­ich ver­legt und zum Beispiel Spi­ralschläuche an den Arbeit­splätzen selb­st bün­deln die Kabel. So lassen sich Ver­let­zun­gen durch Stolpe­run­fälle, Strom­schlag durch her­aus­geris­sene Kabel und Beschädi­gun­gen der Geräte vermeiden.
Rund um den Computer
Büroar­beit heißt vor allem Bild­schir­mar­beit. Die Com­put­er-Hard­ware sollte deshalb so platziert sein, dass es wed­er zu Sehbeschw­er­den noch zu Ver­renkun­gen kom­men muss:
  • Bild­schirm im 90-Grad Winkel zum Fen­ster aufstellen,
  • je nach Bild­schir­m­größe in einem Abstand von 50 bis 80 Zen­time­tern von den Augen ent­fer­nt. Kör­per­achse, Tas­tatur und Bild­schirm soll­ten in ein­er Lin­ie aus­gerichtet sein.
  • Ide­al ist es bei Schreibar­beit­en, wenn auch die Textvor­lage so ange­ord­net ist, dass der Kopf nicht gedreht wer­den muss.
  • Die ober­ste Bild­schir­mzeile sollte leicht unter­halb der waagerecht­en Sehachse liegen.
Auf dem Bild­schirm dür­fen keine Reflexe oder Spiegelun­gen sicht­bar sein. Die Fen­ster soll­ten mit Son­nen- und Blend­schutz aus­ges­tat­tet sein. Eventuell kön­nen auch Stell­wände Licht­störun­gen abschir­men. Bei einem Hochglanz­mon­i­tor kann eine spezielle Folie Abhil­fe schaf­fen. Hel­ligkeit und Kon­trast des Com­put­er­bild­schirms soll­ten entsprechend der Umge­bungs­beleuch­tung eingestellt wer­den. Für eine klare Sicht sorgt die regelmäßige Reini­gung des Bildschirms.
Eine ergonomisch geformte Maus oder der Wech­sel mit einem anderen Eingabegerät wie einem Stift mit Tablett wirken sich pos­i­tiv auf die Armhal­tung und das kör­per­liche Befind­en all­ge­mein aus.
Wo geschrieben wird, wird auch gedruckt. Alte Fotokopier­er und Laser­druck­er sind oft Dreckschleud­ern. Ton­er, Ton­er­staub sowie andere Bürostäube sind die Ursache dafür. Deshalb sollte man immer darauf acht­en, dass die Abluftöff­nun­gen nicht auf Per­so­n­en gerichtet sind. Aber auch ein neues Mod­ell muss regelmäßig gere­inigt und die Umge­bung feucht gewis­cht wer­den. Ide­al ist es, Druck­er und Kopier­er in einem sep­a­rat­en Raum aufzustellen. Das Ton­er­sys­tem sollte zudem eine geschlossene Ein­heit darstellen. Beim Auswech­seln der Ton­erkas­sette emp­fiehlt es sich, Ein­weghand­schuhe zu tragen.
Ergonomis­che Büromöbel
Die Basis der meis­ten Bild­schir­mar­beit­splätze ist ein star­rer Arbeit­stisch. Wer daran ein­mal Platz genom­men hat, ste­ht meist nur für die Mit­tagspause auf oder um am Feier­abend nach Hause zu gehen. Doch Ärzte und Arbeitsmedi­zin­er empfehlen zwei bis vier Posi­tion­swech­sel pro Stunde. Wer also einen Bild­schir­mar­beit­splatz ergonomisch ein­richt­en will, sollte den Arbeit­stisch zum Steh-Sitz-Arbeit­splatz umrüsten oder ein Steh­pult dazustellen. Für die Sitzphasen eignet sich am besten ein vielfältig ver­stell­bar­er Büros­tuhl. So ein Stuhl kann auf den jew­eili­gen Benutzer und die Arbeit­sauf­gabe eingestellt wer­den. Denn nur wer richtig sitzt, tut dies über einen län­geren Zeitraum gesund und leistungsfähig.
Nach fol­gen­den Kri­te­rien sollte der Büros­tuhl aus­gewählt werden:
  • Ein Büros­tuhl ist nicht starr, son­dern fol­gt der Bewe­gung des Kör­pers. Lehnt man sich bei der Arbeit zurück, neigt sich die Rück­en­lehne nach hinten.
  • Die höhen­ver­stell­bare Rück­en­lehne geht min­destens bis zu den Schul­terblät­tern. Im Lenden­bere­ich ist die Lehne regulierbar.
  • Die Sitzfläche lässt sich in der Höhe ver­stellen. Außer­dem fed­ert sie beim Hin­set­zen leicht nach.
  • Arm­lehnen soll­ten höhen­ver­stell­bar, aber auch in der Bre­ite ein­stell­bar sein.
Beim Ein­satz von Com­put­ern ger­at­en klas­sis­che Büromöblierung wie Regale oder Schubladen­schränke fast in Vergessen­heit. Doch auch für sie gel­ten vor­beu­gende Sicher­heits­maß­nah­men. So soll­ten sie immer an der Wand oder Decke befes­tigt sein, damit sie nicht umkip­pen kön­nen. Da Papi­er und Akten schw­er sind, sollte man regelmäßig das Gewicht berech­nen und über­prüfen, ob die Regale und deren Böden für die jew­eilige Belas­tung zuge­lassen sind. Und für die Schubladen gilt: Nach Gebrauch sofort wieder schließen, damit nie­mand daran hän­gen bleiben oder sich stoßen kann.
Pri­ma Klima
Ide­al sind im Büro 40 bis 60 Prozent Luft­feuchtigkeit. Das tut den Schleimhäuten gut, stärkt die Immunab­wehr, schont die Stimme und ist angenehm für die Augen. Zudem ver­ringern sich elek­tro­sta­tis­che Aufladun­gen, die beim Kon­takt mit Com­put­ern zu Daten­ver­lust führen kön­nen. Heizung und Kli­maan­lage ermöglichen zu jed­er Jahreszeit eine Raumtem­per­atur von 20 bis 22 Grad Cel­sius. Nur im Hochsom­mer darf es drin­nen laut Arbeitsstät­ten­verord­nung auch ein­mal wärmer wer­den. Bei tech­nis­chen Kli­maan­la­gen ist darauf zu acht­en, dass sie keine Zugluft erzeu­gen. Die regelmäßige Wartung ist selbstverständlich.
Wer auf ein natür­lich­es Raumk­li­ma ste­ht, sollte es mit Pflanzen pro­bieren. Sie verbessern die Luft­feuchtigkeit. Einige kön­nen Schad­stoffe wie Formalde­hyd, Ace­ton oder Tolu­ol aus der Luft fil­tern. Und als Pflanzen­wand schützen sie zudem gegen Zugluft.
Von Tages­licht kön­nen wir gar nicht genug bekom­men. Denn zu wenig kann krank machen. Aber auch zu viel kann belas­tend sein. Wenn die Beleuch­tung nicht stimmt, ist oft auch die Stim­mung schlecht. Falsche Beleuch­tung schadet nicht nur den Augen, son­dern fördert auch Rück­en­prob­leme oder Winterdepressionen.
  • Die Licht­in­ten­sität am Büroar­beit­splatz sollte für PC-Arbeit rund 300 Lux und für Schreib- und Lesetätigkeit min­destens 500 Lux betragen.
  • Eine indi­rek­te gle­ich­mäßige Deck­en­beleuch­tung liefert die Grund­hel­ligkeit im Raum und ver­hin­dert Schat­ten. Das macht die Arbeit angenehm und stressfrei.
  • Mit ein­er indi­vidu­ell ein­stell­baren Tis­chleuchte kann jed­er selb­st entschei­den, wie hell er es am Arbeit­splatz haben möchte.
  • Ältere Mitar­beit­er wollen es oft heller.
Sich bewe­gen …
Beschäftigte in Büroberufen sitzen ins­ge­samt durch­schnit­tlich 14 Stun­den am Tag. Einen Großteil davon sitzen sie am Schreibtisch. Hinzukom­men die Stun­den im Auto oder in der Bahn, zu Hause am Esstisch oder vor dem Fernse­her. Bewe­gungs­man­gel ist eines der größten Gesund­heit­sprob­leme in deutschen Büros.
Bewe­gung in den Büroall­t­ag brin­gen beispielsweise
  • Steh­pulte oder höhen­ver­stell­bare Arbeitstische,
  • zen­tral organ­isierte PC-Periph­erie (Druck­er etc.),
  • regelmäßige Bewe­gungspausen,
  • Trep­pen­steigen statt Aufzugfahren,
  • ein Spazier­gang in der Mittagspause,
  • der Weg zur Arbeit und nach Hause mit dem Fahrrad.
Wer bei sein­er Büroar­beit Post oder Akten trans­portieren muss, sollte das mit geeigneten Hil­f­s­mit­teln wie Roll­wa­gen machen. Beim Heben und Tra­gen ist darauf zu acht­en, dass der Rück­en ger­ade bleibt, die Last aus den Beinen her­aus ange­hoben und kör­per­nah getra­gen wird.
Gesunde Arbeit­sor­gan­i­sa­tion
Nicht zulet­zt hält eine gute Arbeit­sor­gan­i­sa­tion den Betrieb zusam­men und fördert und fordert die Beschäftigten angemessen. Prob­lema­tisch wird es immer wieder, wenn es um Zeit­man­age­ment, Kom­pe­ten­zen, Kom­mu­nika­tion, Wertschätzung oder Kon­flik­te geht.
Wie weitre­ichend diese Bere­iche sind, zeigt sich an einem Beispiel zum Zeit­man­age­ment: Bei der Com­put­er­ar­beit kann es schon ein­mal passieren, dass man die Zeit ver­gisst. Deshalb ist es wichtig, die Arbeit­szeit­en zu erfassen und geset­zlich vere­in­barte Zeit­en einzuhal­ten. Nur wer auf aus­re­ichend Pausen – jede Stunde etwa fünf Minuten – und Ruhezeit­en – min­destens 11 aufeinan­der fol­gende Stun­den pro Tag – achtet und diese auch wirk­lich zur Erhol­ung nutzt, bleibt auf Dauer gesund. Immer wieder übers Lim­it zu gehen macht krank und kann über län­gere Zeit zum Burnout oder zu Depres­sio­nen führen.
Zur Gefährdungs­beurteilung eines Büroar­beit­splatzes gehören unbe­d­ingt auch The­men rund um psy­chis­che Belas­tungs­fak­toren von A wie Arbeits­menge über M wie Mob­bing bis hin zu Z wie Zeit­druck. Im Bere­ich der psy­chis­chen Belas­tun­gen hat Präven­tion eine hohe Bedeu­tung, die bish­er oft noch zu sel­ten und zu wenig berück­sichtigt wird.

Weitere Infos:
Bei der VBG gibt es aus­führliche Infor­ma­tio­nen unter dem Stich­wort „Büroar­beit – sich­er, gesund und erfol­gre­ich – BGI 5001“.
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