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Sicherer Umgang mit Gasflaschen

Füllung für den Eigengebrauch, Maßnahmen im Notfall Teil 3
Sicherer Umgang mit Gasflaschen

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Ob im Gewerbe oder pri­vat in der Freizeit, ob in der indus­triellen Anwen­dung oder im Kranken­haus – Gas­flaschen sind heute ein fes­ter Bestandteil in unserem All­t­ag. Nach­dem der zweite Teil des Artikels sich auf den Trans­port, die Lagerung, Bere­it­stel­lung und Entleerung von Gas­flaschen konzen­tri­erte, bezieht sich der dritte Teil auf die Fül­lung für den Eigenge­brauch und Maß­nah­men im Notfall.

Fül­lung für den Eigenverbrauch
Das Umfüllen von Gasen ist aus betrieb­sin­ter­nen Grün­den in bes­timmten Fällen notwendig oder wünschenswert.
Grund­sät­zlich ist dies auch erlaubt, voraus­ge­set­zt die rechtlichen und sicher­heit­stech­nisch notwendi­gen Rah­menbe­din­gun­gen sind erfüllt. Wer Gas­flaschen befüllt, betreibt eine Fül­lan­lage, auch wenn die Aus­rüs­tung für das Umfüllen nur aus zwei Gas­flaschen und einem Verbindungss­chlauch beste­ht. Das gle­iche gilt für einen Luftverdichter, mit dem Druck­luft in Gas­flaschen gefüllt wird. Die Fül­lan­lage fällt im gewerblichen Bere­ich unter die Betrieb­ssicher­heitsverord­nung Betr­SichV – mit allen dort genan­nten Pflichten.
Auf fol­gende Punk­te sollte aus sicher­heit­stech­nis­ch­er Sicht beson­ders geachtet werden:
  • Mitar­beit­er: Die Mitar­beit­er müssen aus­re­ichend qual­i­fiziert und anhand ein­er erstell­ten Gefährdungs­beurteilung unter­wiesen sein.
  • Die zu befül­lende Gas­flasche: Vor der Fül­lung muss sichergestellt sein, dass die Gas­flasche zuge­lassen und geeignet ist. Diese Prü­fung schließt auch den Zus­tand (z.B. Beschädi­gun­gen und Verun­reini­gun­gen) und die Kennze­ich­nung ein.
  • Fül­lan­lage: Die Fül­lan­lage muss den sicher­heit­stech­nis­chen Anforderun­gen (z.B. Druck­bere­ich, Mate­ri­alan­forderung) entsprechend und geprüft sein.
  • Gasart: Die Beson­der­heit­en beim Umfüllen von Sauer­stoff (z.B. spezielle Rein­heit­san­forderun­gen), Acetylen (gelöst in einem Lösemit­tel) oder druck­ver­flüs­sigten Gasen (gravimetrische Fül­lung mit fest­gelegten Füll­fak­toren) müssen bekan­nt sein und beachtet werden.
Wer die Grund­vo­raus­set­zun­gen nicht zu 100 Prozent sich­er erfüllt, sollte das Um- oder Befüllen von Gas­flaschen dem Experten über­lassen. Vor­fälle, ins­beson­dere aus dem pri­vat­en Bere­ich, zeigen das hohe Gefahrenpotenzial.
Maß­nah­men im Notfall
Das sollte nicht passieren: Eine ungesicherte Gas­flasche ohne Ven­tilschutz fällt um, das Ven­til wird beschädigt oder der Ent­nahmeschlauch reißt ab und Gas strömt unkon­trol­liert aus. Was ist zu tun?
Die richti­gen Antworten soll­ten Ver­ant­wortliche und deren Mitar­beit­er hof­fentlich nicht erst im Ern­st­fall find­en müssen, son­dern präven­tiv im Rah­men ein­er Unter­weisung besprechen und in einem Alarm­plan zusammenfassen.
Grund­sät­zlich gilt: Per­so­n­en dür­fen sich keinem unnötig hohen Risiko aus­set­zen. Die Feuer­wehr ist zu alarmieren, wenn die Gefahren­lage unklar ist, wenn fach­liche Voraus­set­zun­gen zur Ein­schätzung der Sit­u­a­tion und/oder das entsprechende Equip­ment fehlen. Es gilt: Im Zweifels­fall ist die Feuer­wehr zu ver­ständi­gen, da sie auf solche Ein­sätze bestens vor­bere­it­et ist. Die Gaseigen­schaft entschei­det über das richtige Vorge­hen bei einem unkon­trol­lierten Gasaustritt.
Für nicht brennbare Gase gilt: Den Raum inten­siv durch Öff­nen der Fen­ster und Türen lüften und die Zugänge sper­ren. Den Gefahren­bere­ich nur betreten, falls eine Anre­icherung der Umge­bungsluft in Gefahr dro­hen­den Men­gen aus­geschlossen wer­den kann. Eventuell muss die Sauer­stof­fkonzen­tra­tion mit Gaswarngeräten über­prüft wer­den. Falls die Sauer­stof­fkonzen­tra­tion unter 17 % fällt (CO2 …), darf der Bere­ich nur mit umluftun­ab­hängigem Atem­schutz betreten wer­den. Falls gefahr­los möglich, Flaschen­ven­til schließen – ist dies nicht möglich, die Gas­flasche ins Freie brin­gen oder den Raum weit­er sper­ren und das Gas abblasen lassen.
Im Freien ist der Gefahren­bere­ich weiträu­mig zu sper­ren. Beim Abblasen von schw­eren Gasen ist auf tiefer gele­gene Bere­iche (z.B. Kanalein­läufe) zu achten.
Für brennbare Gase (Son­der­fall Acetylen beacht­en) gilt:
Treten brennbare Gase aus, die sich nicht entzün­det haben, liegt das Augen­merk auf der Ver­mei­dung von Zündquellen. Im Ide­al­fall kann der Raum strom­los geschal­tet wer­den. Auf jeden Fall dür­fen keine elek­trischen Geräte/Einrichtungen bedi­ent wer­den. Anson­sten ist wie bere­its beschrieben vorzuge­hen, wobei die Gas­flasche z.B. durch Berühren im unteren Teil geerdet wer­den sollte.
Hat sich das aus­tre­tende Gas bere­its entzün­det und kann das Flaschen­ven­til nicht gefahr­los geschlossen wer­den, muss entsch­ieden wer­den: Löschen oder nicht?
Experten empfehlen: Flamme nur wenn unbe­d­ingt notwendig (z.B. bei Unter­feuerung weit­er­er Gas­flaschen) löschen und nur, falls durch inten­sive Lüf­tung des Raumes die Bil­dung eines explo­sions­fähi­gen Gemis­ches sich­er aus­geschlossen wer­den kann (Explo­sion­s­ge­fahr). Nach dem Löschen oder Ver­löschen der Flamme, die Gas­flasche, wenn gefahr­los möglich, ins Freie brin­gen und das Gas in einem sicheren, abges­per­rten Bere­ich abblasen lassen oder den Raum weit­er inten­siv lüften und Zugänge sperren.
Für tox­is­che und ätzende Gase (oder wenn nicht auss­chließbar) gilt: Die wichtig­ste Maß­nahme ist die sofor­tige Sper­rung des Gefahren­bere­ich­es (Zutritt unterbinden) und die Alarmierung sämtlich­er eventuell gefährde­ter Per­so­n­en. Maß­nah­men soll­ten nur durch sachkundi­ges Per­son­al mit fundierten Gaseken­nt­nis­sen und nur mit entsprechen­dem Not­fall­e­quip­ment (z.B. umluftun­ab­hängigem Atem­schutz) durchge­führt wer­den. Anson­sten ist immer die Feuer­wehr mit entsprechen­den Hin­weisen auf die Gasart zu alarmieren und einzuweisen.
Wie bere­its in dem Kapi­tel Lagerung beschrieben, ist die mas­sive Hitzeein­wirkung auf Gas­flaschen, z.B. durch einen Umge­bungs­brand, eine der wesentlichen Gefahren auf die mit entsprechen­den Maß­nah­men, zur Schaden­sre­duzierung reagiert wer­den muss.
Auch in dieser Not­fall­si­t­u­a­tion ist das weit­ere Vorge­hen für Beteiligte vor Ort und ins­beson­dere für Ein­satzkräfte von der Gasart abhängig. Die entschei­dende Frage lautet: Han­delt es sich bei den brand­beauf­schlagten Gas­flaschen um solche, die mit Acetylen gefüllt sind?
Wenn sich­er aus­geschlossen wer­den kann, dass keine Acetylen­flaschen betrof­fen sind, wird im Brand­fall fol­gende Vorge­hensweise empfohlen:
  • Fir­menin­terne und ‑externe Ein­satzkräfte sind zu alarmieren. Der gefährdete Bere­ich ist weiträu­mig zu evakuieren und zu sperren.
  • Die Anzahl, der Inhalt und die Lage der Gas­flaschen ist zu ermit­teln und für die Ein­satzkräfte festzuhalten.
  • Wenn gefahr­los möglich (Selb­stschutz hat immer Vor­rang!), sind die Ven­tile zu schließen und die Gas­flaschen aus dem Gefahren­bere­ich zu ent­fer­nen, sofern diese mit bloßen Hän­den berührt wer­den kön­nen. Danach ist die Dichtheit stets zu prüfen.
  • Die Gas­flaschen, die nicht gefahr­los aus dem Gefahren­bere­ich ent­fer­nt wer­den kön­nen, sind aus gedeck­ter Stel­lung mit Wass­er zu kühlen bis der Brand gelöscht ist und kein Wass­er mehr an den Gas­flaschen verdampft.
Acetylen­flaschen sind im Brand­fall beson­ders zu behan­deln: Durch die Hitzeein­wirkung kann ein Zer­fall des Acetylens in der Gas­flasche eintreten.
In diesem Fall kann die Gas­flasche explodieren – dies auch mit erhe­blich­er Zeitverzögerung, wenn der verur­sachende Brand schon gelöscht ist. Auf­grund dieser Beson­der­heit gilt: Die Feuer­wehr ist zu alarmieren, sofern Gefahren nicht zweifels­frei aus­geschlossen wer­den können.
Bis zum Ein­tr­e­f­fen der Feuer­wehr soll­ten fol­gende Maß­nah­men durchge­führt werden:
  • Gefährdete Per­so­n­en sind zu war­nen, der Bere­ich ist weiträu­mig zu evakuieren und der Zutritt ist durch das Absper­ren wirkungsvoll zu verhindern.
  • Wenn gefahr­los möglich, sind die Acetylen­flaschen sofort aus sicher­er Entfernung/Deckung, z.B. hin­ter mas­siv­en Betrieb­sein­rich­tun­gen oder ein­er fes­ten Wand mit reich­lich Wass­er, zu kühlen.
  • Die Anzahl, die genaue Lage und die Ven­til­stel­lung der Acetylen­flaschen ist zu ermit­teln und für die Ein­satzkräfte festzuhalten.
Für die Ein­satzkräfte hat der Indus­tr­ie­ga­se­ver­band e.V. neben­ste­hende Empfehlung für das weit­ere Vorge­hen erarbeitet.
Nach dem Brand gilt: Alle Gas­flaschen, die ein­er Erwär­mung aus­ge­set­zt waren, müssen dementsprechend und trans­port­fest gekennze­ich­net sein. Die Trans­port­fähigkeit ist, im Zweifels­fall, vor­ab mit dem Gaseliefer­an­ten zu klären.
Zusam­men­fas­sung
Der sichere Umgang mit Gas­flaschen ist möglich, wenn die notwendi­gen tech­nis­chen, organ­isatorischen und per­sön­lichen Voraus­set­zun­gen getrof­fen sind.
Die Erfahrun­gen haben gezeigt, dass die Sen­si­bil­isierung und Unter­weisung von Mitar­beit­ern hier eine zen­trale Rolle ein­nimmt. Ein großer Anteil der bekan­nten Ereignisse mit Gas­flaschen ist unmit­tel­bar durch den betrof­fe­nen Mitar­beit­er verur­sacht. Dies in der Regel durch ein Wis­sens­de­fiz­it oder durch man­gel­nde Umset­zung bekan­nter Regeln. Gase­hersteller bieten hier mit­tler­weile Unter­stützung durch prax­is­be­zo­gene, teil­weise mit Vor­führun­gen ergänzte Unter­weisungsmod­ule (z.B. www.liprotect.de) an.
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Dipl.-Ing. Klaus Tech

Druckgasbehälter

Testen Sie Ihr Fachwissen

„Pass’ bloß mit den Gas­flaschen auf!“ – kein Satz von Sel­tenheit. Ob der richtige Umgang, die richtige Lagerung, die richtige Kennze­ich­nung oder vieles mehr – manch ein­er denkt, er weiß bestens Bescheid. Der nach­fol­gende Test wird es zeigen.
Gefahrstoff­ber­atung Dr. Peter Krommes Dr. Ried­straße 5 92318 Neu­markt i.d.Opf.
Beant­worten Sie dazu die fol­gen­den elf Fragen:
  • 1. Die Flaschen­farbe ist das ein­deutige Merk­mal für die enthal­tene Gasart?ja nein
  • 2. Die Ein­prä­gung der TÜV-Laufzeit sagt, wie lange die Gas­flasche noch entleert wer­den darf?ja nein
  • 3. Das Gewicht von Gas­flaschen kann bis zu 20 50 80 kg betragen
  • 4. Der manuelle Trans­port von Gas­flaschen erfol­gt am besten durch?Rollen durch seitlich­es Kip­pen Tra­gen Flaschenkarre
  • 5. Welche Grun­dregeln sind beim Trans­port von Klein­men­gen in Kraft­fahrzeu­gen zu beacht­en? (mehrere Antworten richtig) Gas­flaschen dür­fen nur mit Flaschenkap­pen trans­portiert wer­den Gas­flaschen müssen immer gesichert wer­den (Ladungssicherung) Gas­flaschen kurz vor der Fahrt beladen und sofort nach der Fahrt ent­laden Lader­aum aus­re­ichend lüften und absolutes Rauchverbot
  • 6. Bei der Lagerung von Gas­flaschen beste­ht die größte Gefährdung durch Ein­wirkung großer Hitze?ja nein
  • 7. Bei der Lagerung im Freien ist ein Schutz­ab­stand zu größeren Brand­las­ten gefordert. Dieser beträgt2 Meter 5 Meter 8 Meter
  • 8. Auf welche drei Para­me­ter ist immer zu acht­en, wenn Gas­flaschen zur Ent­nahme angeschlossen werden?
  • 9. Welche Prü­fung muss immer durchge­führt wer­den, wenn eine Gas­flasche neu in Betrieb genom­men wird?Festigkeitsprüfung Dichtheit­sprü­fung Ordnungsprüfung
  • 10. Hat sich in einem Not­fall aus­tre­tendes Gas in einem Raum entzün­det und kann das Flaschen­ven­til nicht gefahr­los geschlossen wer­den, muss immer sofort gelöscht werden?ja nein
  • 11. Für welche Gasart gel­ten im Brand­fall ganz beson­dere Sicherheitsregeln?
Wis­senstest „Druck­gas­be­häl­ter“
  • 1. Nein!
  • 2. Nein!
  • 3. 80 kg!
  • 4. Flaschenkarre!
  • 5. Alle Regeln sind richtig!
  • 6. Ja!
  • 7. 5 m!
  • 8. Gasart, Betrieb­s­druck, Aggregatzustand!
  • 9. Dichtheit­sprü­fung!
  • 10. Nein!
  • 11. Acetylen
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