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Soziale Verantwortung rechnet sich!

Globalisierung
Soziale Verantwortung rechnet sich!

In der Debat­te um Ver­ant­wor­tung und Glob­al­isierung tauchen zahlre­iche neue Begriffe auf: CSR, SA 8000‚ BSCI, ISO 26 000, ILO-Stan­dards: Alle nehmen für sich in Anspruch, Beiträge zur sozialen Ver­ant­wor­tung in ein­er glob­alen Wirtschaft zu leis­ten. Gle­ichzeit­ig erin­nern uns Bilder asi­atis­ch­er Fab­rikar­beit­er an Arbeits­be­din­gun­gen aus Zeit­en des Frühkap­i­tal­is­mus. Der Dis­counter Kodi bietet Her­renober­hem­den für 2,50 Euro an. Und wenn wir für 100 Euro Turn­schuhe kaufen, erhält die Näherin davon ger­ade ein­mal ca. 40 Cent.

T . O . P GmbH Dr.-Ing. Detlef Ren­sner Köb­bing­hof 14 48653 Coesfeld

Sozial- und Lohn­dump­ing: Wo soll da noch Platz für soziale Stan­dards, geschweige denn für Arbeits- oder Gesund­heitss­chutz sein? Für Arbeits- und Gesund­heitss­chutz erwach­sen aus dieser Sit­u­a­tion neue Ansprüche und Auf­gaben. Sowohl was Grund­la­gen, beste­hende Meth­o­d­en und Werkzeuge bet­rifft, als auch neue Her­aus­forderun­gen und Chancen.
Cor­po­rate Social Responsibility
Die Begriffe Cor­po­rate Social Respon­si­bil­i­ty (CSR) bzw. „Unternehmerische Sozialver­ant­wor­tung“ sind nicht fest definiert. Vielmehr wer­den sie ver­wen­det, um frei­willige Beiträge von Unternehmen zu ein­er nach­halti­gen Entwick­lung zu bezeichnen.
Die Ein­hal­tung geset­zlich­er Forderun­gen ist dabei eine notwendi­ge Basis, die eigentliche Sozialver­ant­wor­tung geht deut­lich über Geset­ze hin­aus. Sozialver­ant­wor­tung im Sinne von CSR ist vielfältig. Zusam­men­fassen lassen sich die Merk­male am ehesten unter der Trias der Nach­haltigkeit der Unternehmens­beiträ­gen zu:
  • Wirtschaftlichem Wohl­stand
  • Umweltqual­ität und
  • Sozialka­p­i­tal.
Ins­beson­dere stellt das Ver­ständ­nis Unternehmerisch­er Sozialver­ant­wor­tung keine spez­i­fis­chen Forderun­gen zu Pro­duk­tions­be­din­gun­gen in Schwellen- oder Entwick­lungslän­dern. Vielmehr bleibt dies dem Selb­stver­ständ­nis der Unternehmen überlassen.
Let­ztlich definiert das Unternehmen selb­st, was es tat­säch­lich unter sozialer Ver­ant­wor­tung ver­ste­ht, wie diese gemessen, verbessert und gegenüber Zulief­er­ern umge­set­zt wird. Ob ein Unternehmen Ver­ant­wor­tung tat­säch­lich lebt oder nur proklamiert, bleibt der Auf­fas­sung der Beteiligten über­lassen. Entsprechend ste­ht CSR – oft zu Unrecht, gele­gentlich vielle­icht auch zu Recht – im Ruf mehr Mar­ket­ing als Man­age­ment zu sein. Einen über­prüf­baren Stan­dard stellt der Begriff CSR nicht dar.
Social Accoun­tibil­i­ty International
Die Ini­tia­tive zur Sozialen Ver­ant­wor­tung wurde 1997 in New York durch Vertreter von Gew­erkschaften, der UN, von Ratin­ga­gen­turen, Unternehmen und Nicht-Regierung­sor­gan­i­sa­tio­nen gegrün­det. Um verbindliche Stan­dards zu Arbeits- und Sozialbe­din­gun­gen in Her­stel­l­län­dern von Kon­sumente­nar­tikeln zu etablieren wurde mit der SA 8000 eine audi­tierungs­fähige Norm entwick­elt. Sie stellt die weltweit anerkan­nteste Grund­lage zur Beurteilung von Sozial- und Arbeits­be­din­gun­gen in Pro­duk­tion­s­stan­dorten dar. Ihre wesentlichen Forderun­gen sind:
  • Ver­bot der Kinder­ar­beit – d. h. keine Mitar­beit­er unter 15 Jahren
  • Ver­bot der Zwangs- und Sklavenarbeit
  • Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • Ver­samm­lungs- und Vereinigungsfreiheit
  • Ver­bot von Diskriminierung
  • Ver­bot kör­per­lich­er Strafen und Herabwürdigungen
  • Arbeit­szeit­be­gren­zung – max­i­mal 48 Wochenarbeitsstunden
  • Exis­ten­zsich­ernde Löhne
  • Man­age­mentsys­tem: Doku­men­tierte Anweisun­gen und Kon­trollen mit klar­er Zuweisung von Auf­gaben und Verantwortlichkeiten. .
Weltweit dürften ca. 1000 Fab­riken mit ins­ge­samt etwa 1 Mil­lio­nen Arbeit­nehmern nach den SAI-Stan­dards zer­ti­fiziert sein. Schw­er­punkt der erteil­ten Zer­ti­fikate sind Schwellen- und Entwicklungsländer.
Busi­ness Social Con­duct Initiative
Die Busi­ness Social Con­duct Initiative1, kurz BSCI ist die bedeu­tend­ste europäis­che Ini­tia­tive von Einzel­han­del­sun­ternehmen und Pro­duzen­ten zu Sozial­stan­dards bei der Her­stel­lung von Kon­sumgütern in Schwellen- und Entwicklungsländern.
Unter den mehr als 1502 Mit­gliedern befind­en sich Aldi, Coop, Esprit, Metro-Gruppe, Migro, Obi, Otto und Rewe. Alle haben sich verbindlich zur Ein­hal­tung anerkan­nter Stan­dards – ins­beson­dere zur Durch­set­zung dieser Stan­dards bei ihren Zulief­er­ern – verpflichtet. Als Mit­glied der von Kofi Annan ins Leben gerufe­nen Glob­al Com­pact Ini­tia­tive verpflicht­en sich BSCI Mit­glieder, zu einem ein­heitlichem Ver­hal­tenskodex. Er beruht auf der UN-Dekla­ra­tion der Men­schen­rechte, den grundle­gen­den Arbeit­srecht­en der Inter­na­tion­al Labor Organ­i­sa­tion (ILO) und den UN-Kon­ven­tio­nen zu Kinder­recht­en und der Abschaf­fung jeglich­er Diskri­m­inierung. Konkret wer­den von Unternehmen in Her­steller­län­dern Min­dest­stan­dards gefordert zu:
  • Ein­hal­tung von Geset­zen, Ver­samm­lungs­frei­heit und Recht auf Kollek­tivver­hand­lun­gen (ILO-Kon­ven­tio­nen 87, 98, 135 und 154)
  • Diskri­m­inierungsver­bot (ILO-Kon­ven­tio­nen 100, 111, 143,159 und 158)
  • Exis­ten­zsich­ernde Löhne – Regelun­gen zu u. a. Min­destlöh­nen, Über­stun­den etc. (ILO-Kon­ven­tio­nen 26 und 131)
  • Arbeit­szeit (ILO-Kon­ven­tio­nen 1 und 14)
  • Gesund­heit und Sicher­heit am Arbeit­splatz – u. a. Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tun­gen, Hygiene, Schu­lung und Train­ing von Mitar­beit­ern, Brand­schutz, Flucht- und Ret­tungswege, etc. (ILO-Kon­ven­tio­nen 155 und ILO-Empfehlun­gen 164 und 190)
  • Ver­bot von Kinder­ar­beit (ILO-Kon­ven­tio­nen 79, 138, 142, 182 und ILO-Empfehlung 146)
  • Ver­bot von Zwangsar­beit und Diszi­pli­n­ar­maß­nah­men (ILO-Kon­ven­tio­nen 29 und 105)
  • Umwelt- und Sicher­heits­fra­gen – u. a. Umgang mit Chemikalien, Abfällen, etc.
  • Man­age­mentsys­teme – doku­men­tiert mit klarem Com­mit­ment der Geschäft­sleitung und Benen­nung von Verantwortlichkeiten.
Wesentlich bei der prak­tis­chen Umset­zung des Ver­hal­tenskodex­es sind Audits und Kon­trollen. Sie wer­den in den Her­stel­l­län­dern durch unab­hängige, akkred­i­tierte Audi­toren durchge­führt. Diese gel­ten auch für Zulief­er­er und Sub­un­ternehmen. Her­steller und Zulief­er­er, die auch nach Re-Audits die Stan­dards nach BSCI nicht erfüllen, kön­nen aus­ge­lis­tet werden.
BSCI gibt an, mehr als 3200 Audits und 800 Re-Audits durchge­führt zu haben. Betrof­fen waren davon Unternehmen mit ins­ge­samt ca. 1,8 Mio. Mitar­beit­ern. Ergeb­nisse: Waren bei den Erstau­dits nur 8 % der Fab­riken als „gut“, 19 % als „verbesserungs­bedürftig“ und 73 % als „non compliant“3 eingestuft, so zeigen die Re-audits mit 35 % „gut“, 18 % „verbesserungs­bedürftig“ und 47 % „non com­pli­ant“ deut­liche Verbesserun­gen. Anzumerken bleibt das geringe Niveau, von dem aus diese Verbesserun­gen stattfinden.
ISO 26000
Soziale Ver­ant­wor­tung von Unternehmen in den Sta­tus ein­er inter­na­tion­al gülti­gen ISO-Norm zu heben, ist der grundle­gend­ste Ver­such, anerkan­nte und verbindliche Grund­la­gen zu schaf­fen. Zurück­ge­hend auf die „ISO-Kon­sumenten­gruppe“ 2001 ist inten­siv an der Norm gear­beit­et wor­den. Mit der Etablierung der ISO 26000 ist jedoch nicht vor 2012 zu rechnen.
Soziale Stan­dards wirken
Dass soziale Ver­ant­wor­tung sich rech­net, zeigen zwei Beispiele: Die Stiftung War­entest hat 2006 bei Her­renober­hem­den nicht nur die Pro­duk­tqual­ität unter­sucht, son­dern auch die Ver­ant­wor­tung ihrer Her­stel­lun­ternehmen für Soziales und Umwelt. Dabei wur­den die Her­steller eingeteilt in „stark engagiert“, „engagiert“, bis „beschei­dene Ansätze“ und „Auskun­ft ver­weigert“. Ergeb­nis: Schlechte Hem­den (bis „man­gel­haft“) her­stellen kann jed­er – egal ob sozial engagiert oder nicht. Gute Hem­den lieferte jedoch nur, wer auch sozial „stark engagiert“ war. Wer nur beschei­denes soziales Engage­ment leis­tete, lieferte auch nur man­gel­hafte Hemden.
Der Dow Jones Sus­tain­abil­i­ty Index küm­mert sich seit 1999 um die Berück­sich­ti­gung ökonomis­ch­er, ökol­o­gis­ch­er und sozialer Inter­essen börsen­notiert­er Unternehmen. Unternehmen, die auch soziale und ökol­o­gis­che Aspek­te bewusst, nachvol­lziehbar und nach anerkan­nten Stan­dards über­prüf­bar man­a­gen, entwicklen sich bess­er als diejeni­gen, die dies nicht tun. Auch im direk­ten Ver­gle­ich lag ihre Wer­ten­twick­lung durchge­hend höher.
Grund­lage für dauer­haften Erfolg: Arbeits- und Gesundheitsschutz
Was nun für diese Zusam­men­hänge ursäch­lich ist, darüber ließe sich lange forschen. Festzuhal­ten bleibt: Wer bestes Man­age­ment lebt, steuert seine Prozesse in jed­er Hin­sicht trans­par­ent und nachvol­lziehbar. Wed­er soziale Belange, noch Arbeits- und Gesund­heitss­chutz machen davor Halt. Sie allein sind keine Erfol­gs­garantie, wohl aber notwendi­ge Grund­la­gen und Bestandteil dauer­haften Erfol­gs. Fundierte Exper­tise im Arbeits- und Gesund­heitss­chutz spielt eine zen­trale Rolle beim Man­age­ment sozialer Ver­ant­wor­tung. Unternehmen, die ihr Wis­sen und ihre Erfahrung bei Beurteilung und Entwick­lung ihrer Zulief­er­er ein­brin­gen, sind klar im Vorteil.
Für Arbeitss­chützer erwach­sen konkrete Auf­gaben bei der Beurteilung, Audi­tierung, Kor­rek­tur und Betreu­ung von Her­stellern. Her­vorzuheben sind: Brand­schutz, Gefährdungser­mit­tlung, Flucht- und Ret­tungswege, Mitar­beit­er­hy­giene und Gesund­heits­be­treu­ung, Maschi­nen­schutz, per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung, Umgang mit Gefahrstof­fen, Train­ing und Unter­weisung, Report­ing und Verbesserung. Eigentlich nichts Neues – wohl allerd­ings Über­tra­gung bewährter Ver­fahren unter anderen Randbe­din­gun­gen. Und für manche von uns über­raschend: Die Forderun­gen, die wir an unsere Part­ner stellen, erwarten diese auch von uns erfüllt zu haben. Dies ist ein wichtiger Aspekt, und Teil unser­er Glaubwürdigkeit.
Glaub­würdig nur mit inter­na­tionalen Standards
Oft trifft man die Mei­n­ung an, unser duales Sys­tem staatlich­er Auf­sicht und Beruf­sgenossen­schaft leiste so her­vor­ra­gen­den Arbeits- und Gesund­heitss­chutz, dass weit­ere Maß­nah­men über­flüs­sig seien. Das mag nation­al noch zutr­e­f­fen. Ver­ant­wortlich­es glob­ales Han­deln erfordert mehr. Es schließt trans­par­ente Kon­trolle, sys­tem­a­tis­che Kor­rek­tur­maß­nah­men und wahrheits­gemäßes Con­trol­ling und Report­ing ein. Durch­führbar und glaub­würdig bleibt dies let­z­tendlich nur, wenn inter­na­tion­al anerkan­nte Stan­dards zugrunde liegen.
Faz­it
Wir ste­hen am Beginn ein­er neuen Entwick­lung. Weil Nor­men für soziales Man­age­ment bei Mark­t­führern mit­tler­weile Ver­trags­grund­lage sind, nimmt ihre Bedeu­tung zu. Kleinere Unternehmen ziehen nach. Für Her­steller wer­den Zer­ti­fikate zu einem Ele­ment im Wet­tbe­werb. Die Trag­weite dieser Entwick­lung ist noch nicht vol­lends abzusehen.
  • 1 Eine offizielle Über­set­zung ins Deutsche existiert für BSCI nicht. Sie ist ja angesichts der inter­na­tionalen Ori­en­tierung auch gar nicht notwendig. „ Ini­tia­tive zur Durch­führung sozialer Stan­dards in Unternehmen“ kön­nte wohl eine tre­f­fende Über­set­zung sein.
  • 2 Stand 15. Mai 2008
  • 3 Unter „non com­pli­ance“ sind solche Abwe­ichun­gen zu ver­ste­hen, die nach deutschem Recht als Ord­nungswidrigkeit­en oder Geset­zesver­stöße gelten.

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