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Tipps zum Gefahr­gut­trans­port

Gase in Kraftfahrzeugen sicher transportieren
Tipps zum Gefahr­gut­trans­port

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Der Trans­port von Druck­gas­be­häl­tern für den priva­ten oder den Handwerker-Bedarf in nicht extra dafür ausge­stat­te­ten Kraft­fahr­zeu­gen (Pkw oder Kombi-Fahrzeuge) lässt sich nicht immer vermei­den. Mit einer wich­ti­gen Einschrän­kung: Für giftige oder korro­sive Gase und Gasge­mi­sche ist dies gene­rell verbo­ten! Aber auch das Beför­dern entzünd­ba­rer Gase wie zum Beispiel Acetylen oder Propan ist mit hohen Risi­ken verbun­den.

Die unsach­ge­mäße Durch­füh­rung kann zu sehr schwe­ren Verlet­zun­gen führen. Daher soll­ten beim Trans­port von Druck­gas­be­häl­tern unbe­dingt folgende Grund­sätze beach­tet werden:
Vor dem Trans­port
    • Behälterventil(e) dicht schlie­ßen
    • Schutz­kappe aufset­zen, um unbe­ab­sich­tig­tes Öffnen des Ventils und Beschä­di­gun­gen zu verhin­dern
    • Behäl­ter gegen Umfal­len, Verrut­schen und Bewe­gen sichern (Kurven, Brem­sen)
    • Bei Flüs­sig­gas­be­häl­tern Verschluss­mutter fest auf Ventil­an­schluss schrau­ben
Beim Trans­port
  • Rauchen und Umgang mit offe­nem Feuer ist beim Be- und Entla­den sowie während der Fahrt verbo­ten
  • Die Behäl­ter nicht zusam­men mit leicht entzünd­li­chen Stof­fen trans­por­tie­ren
  • Bei Flüs­sig­ga­sen (Propan, Butan, Kohlen­di­oxid) darf die Innen­raum­tem­pe­ra­tur maxi­mal 60 °C betra­gen
  • Geeig­ne­ten, einsatz­fä­hi­gen Feuer­lö­scher mitfüh­ren (vorge­schrie­ben bei gewerb­li­chem Trans­port)
Aus Sicher­heits­grün­den ist der Einsatz eines offe­nen Anhän­gers (mit Ladungs­si­che­rung) oder eines Service­wa­gens (mit Ladungs­si­che­rung und Lüftungs­ein­rich­tung) vorzu­zie­hen. Ist dies nicht möglich, sollte das Fahr­zeug erst unmit­tel­bar vor der Fahrt bela­den und sofort danach wieder entla­den werden. Längere Park­zei­ten sind unbe­dingt zu vermei­den, Fens­ter und Türen dürfen dabei nicht ganz geschlos­sen sein. Außer­dem ist während der Fahrt der Lade­be­reich, zum Beispiel durch Öffnen der Fens­ter oder Einschal­ten des Geblä­ses auf höchs­ter Stufe (kein Umluft­be­trieb), zu durch­lüf­ten.
1000-Punkte-Regel
Beim Trans­port von klei­nen Gasmen­gen taucht immer wieder die Frage auf, ab wann eine oran­ge­far­bene Tafel zur Kenn­zeich­nung erfor­der­lich ist und der Fahrer einen Gefahr­gut­schein, den so genann­ten „ADR-Führerschein“ (ADR: Euro­päi­sche Richt­li­nie zur inter­na­tio­na­len Beför­de­rung gefähr­li­cher Güter auf der Straße) besit­zen muss. Wenn es sich um einen Gefahr­gut­trans­port handelt, kommen weitere Pflich­ten hinzu: Kenn­zeich­nung des Fahr­zeugs mit Groß­zet­teln (Placards), Mitnahme von Unfall­merk­blät­tern und eine Fahr­zeug­aus­rüs­tung gemäß 8.1.5 ADR (z. B. Mitfüh­ren einer Hand­lampe).
Die Antwort auf diese Fragen findet sich im euro­päi­schen Gefahr­gut­trans­port­recht ADR: Regel 1.1.3.6 ADR, die „1000-Punkte-Regel“ zeigt, wie sich ohne großen Aufwand fest­stel­len lässt, ob ein Trans­port kenn­zeich­nungs­pflich­tig ist oder nicht.
Die 1000-Punkte-Regel bedeu­tet, dass ein Trans­port immer dann von eini­gen Vorschrif­ten des Gefahr­gut­rechts befreit ist, wenn der für den Trans­port errech­nete Punk­te­wert unter 1000 liegt. Dazu werden die Punkte wie folgt berech­net:
  • Gesamt­menge pro Gefahr­gut (Anzahl Behäl­ter x Menge pro Behäl­ter) bestim­men
  • Beför­de­rungs­ka­te­go­rie („2“ oder „3“) pro Gefahr­gut ermit­teln
  • Menge pro Gefahr­gut mit der Beför­de­rungs­ka­te­go­rie multi­pli­zie­ren. Daraus erge­ben sich die Einzel­punkte pro Gefahr­gut
  • Einzel­punkte aller trans­por­tier­ten Gefahr­gü­ter summie­ren
Wie lässt sich die Menge eines Gefahr­guts bestim­men?
Bei verflüs­sig­ten Gasen ist damit die Netto­masse in Kilo­gramm gemeint; z. B.: 2 x 10-l-Zylinder mit Kohlen­di­oxid à 7,5 kg = 15 kg oder 3 x 19-l-Propanzylinder à 11 kg = 33 kg.
Bei verdich­te­ten Gasen ist mit dieser Menge der Nennin­halt des Behäl­ters in Litern gemeint; z. B.: 12 x 50-l-Zylinder Sauer­stoff (verdich­tet) = 600 Liter.
Was ist eine Beför­de­rungs­ka­te­go­rie?
Die Beför­de­rungs­ka­te­go­rie ist abhän­gig vom Gefah­ren­po­ten­zial eines Gases. Im Gefahr­gut­recht gibt es fünf dieser Kate­go­rien, wobei für diese Art von Trans­por­ten nur zwei rele­vant sind:
Beför­de­rungs­ka­te­go­rie 2
Klas­si­fi­zie­rungs­code: F
Entzünd­bare Gase: Propan, Butan, Acetylen, Wasser­stoff
Multi­pli­ka­ti­ons­fak­tor: 3
Beför­de­rungs­ka­te­go­rie 3
Klas­si­fi­zie­rungs­code: A oder O
Ersti­ckende oder oxidie­rende Gase: Stick­stoff, Kohlen­di­oxid, Sauer­stoff
Multi­pli­ka­ti­ons­fak­tor: 1
Leer­gut, d. h. leere, unge­rei­nigte Gefäße gehö­ren zur Beför­de­rungs­ka­te­go­rie 4 und finden bei der Punkte-Berechnung keine Berück­sich­ti­gung.
Transport-Beispiel
  • 3 Druck­gas­zy­lin­der (à 33 kg) Propan = 99 kg, Beför­de­rungs­ka­te­go­rie „2“ -> Faktor 3
  • 6 Druckgaszylinder(à 50 Liter) Sauer­stoff (verdich­tet) = 300 Liter, Beför­de­rungs­ka­te­go­rie „3“ -> Faktor 1
Propan: 99 x 3 = 297 Punkte
Sauer­stoff: 300 x 1 = 300 Punkte
Summe = 597 Punkte -> Der Trans­port ist nicht kenn­zeich­nungs­pflich­tig!
Auch bei nicht kenn­zeich­nungs­pflich­ti­gen Trans­por­ten sind jedoch einige grund­sätz­li­che Bestim­mun­gen immer zu beach­ten:
  • Ladungs­si­che­rung
  • Nur dichte Gasbe­häl­ter trans­por­tie­ren
  • Gaszy­lin­der nur mit Ventil­schutz (z. B. Schutz­kappe) verla­den
Air Liquide Deutsch­land GmbH
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