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Virus kann aggressiver werden

Interview mit IAS-Vorstand Dr. Dirk-Matthias Rose über die neue Grippe A/H1N1 (sog. Schweinegrippe)
Virus kann aggressiver werden

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Seit Aus­ru­fung der Pan­demie am 11. Juni 2009 bis Ende Juli haben sich weltweit über 183.000 Men­schen mit der soge­nan­nten Schweine­grippe infiziert, darunter waren 1.140 Todes­fälle. Den derzeit milden Ver­lauf der Pan­demie soll­ten Unternehmen nutzen, um sich umfassend auf einen möglicher­weise fol­gen­schw­er­eren Ver­lauf im Win­ter vorzu­bere­it­en. Darauf weist Prof. Dr. Dirk-Matthias Rose hin, Vor­stand der IAS Insti­tut für Arbeits- und Sozial­hy­giene Stiftung in Karlsruhe.

IAS Insti­tut für Arbeits- und Sozial­hy­giene Stiftung Press­es­telle Frau Ari­ane Sodtke Stein­häuser­straße 19 76135 Karlsruhe

Prof. Dr. Rose, wie gefährlich ist die Neue Grippe?
Rose: Im Moment ist die Todesrate bei der Neuen Grippe sog­ar niedriger als bei der nor­malen Grippe. Gott sei Dank. Aktuell verän­dert sich das Virus jedoch ständig. Aus diesem Grund bleibt das Restrisiko beste­hen, dass dieser vari­able Virus mit Beginn der nor­malen Grippe­sai­son im Win­ter vir­u­len­ter und damit aggres­siv­er wird.
Bei welchen Symp­tomen sollte ich vor­sicht­shal­ber zum Arzt gehen?
Rose: Die Anze­ichen sind in der Regel der nor­malen Grippe sehr ähn­lich, also plöt­zlich­es hohes Fieber, trock­en­er Reizhus­ten, Muskel- und Glieder­schmerzen und Kopf­schmerzen. Hinzu kön­nen Halss­chmerzen, Schnupfen oder Übelkeit kom­men. Am besten kon­sul­tieren Sie Ihren Arzt tele­fonisch und set­zen sich nicht ins Wartez­im­mer, so wer­den andere Patien­ten nicht angesteckt. Bei leicht­en Beschw­er­den reichen derzeit Ruhe und eine symp­to­ma­tis­che Therapie.
Wann merke ich, dass ich mich infiziert habe?
Rose: Es wird angenom­men, dass, ähn­lich der saisonalen Grippe, die Zeit zwis­chen Ansteck­ung und Aus­bruch ein bis vier Tage beträgt. Dabei kann die Fähigkeit andere anzusteck­en bere­its am Tag vor Symp­tombe­ginn beste­hen und bis zu ein­er Woche andauern.
Was kann ich per­sön­lich tun, um mich vor ein­er Ansteck­ung zu schützen?
Rose: An erster Stelle ste­hen nach wie vor Hygien­e­maß­nah­men, wie regelmäßiges Hän­de­waschen mit Seife über 20 bis 30 Sekun­den und das Fern­hal­ten der Hände vom Gesicht, da Viren leicht über Schleimhäute von Augen, Mund und Nase in den Organ­is­mus ein­drin­gen kön­nen. Auch regelmäßiges Lüften von geschlosse­nen Räu­men senkt die Ansteck­ungs­ge­fahr. Darüber hin­aus sollte man im Moment große Men­schenansamm­lun­gen bess­er meiden.
Welche Gefahr birgt eine Pan­demie für Unternehmen und wie kön­nen sie sich davor schützen?
Rose: Die größte Gefahr beste­ht darin, dass ein großer Teil der Belegschaft, schätzungsweise bis zu 25 Prozent, der Arbeit fern bleibt und das Unternehmen dadurch hand­lung­sun­fähig macht. Aus diesem Grund empfehle ich Unternehmen, einen auf ihre Bedürfnisse zugeschnit­te­nen Krisen­plan einzuset­zen. Dieser bein­hal­tet als ersten Schritt die Bil­dung eines Krisen­stabes, dem sin­nvoller­weise und sofern vorhan­den, auch ein Betrieb­sarzt ange­hört. Der Krisen­stab legt gemein­sam mit der Unternehmensleitung fest, welche Mitar­beit­er bzw. Prozesse notwendig sind, um die Hand­lungs­fähigkeit des Unternehmens aufrechtzuer­hal­ten. Danach sollte ermit­telt wer­den, welch­er dieser Mitar­beit­er auch im Not­fall von zu Hause aus arbeit­en kön­nte. Ver­fügt er beispiel­sweise über einen Lap­top mit Zugang zum Fir­men­net­zw­erk? Dann soll­ten Unternehmen prüfen, welche Dien­streisen unbe­d­ingt notwendig sind und welche Kun­denkon­tak­te durch Video- oder Tele­fonkon­feren­zen gepflegt wer­den kön­nten. Damit kön­nen Ansteck­ungsrisiken deut­lich gesenkt wer­den. Darüber hin­aus ver­an­lasst der Krisen­stab weit­ere sit­u­a­tion­s­gerechte Maß­nah­men, wie z. B. Absage von Ver­anstal­tun­gen, Desin­fek­tion­ssta­tio­nen in Werk­skan­ti­nen oder Tra­gen von Atemschutzmasken.
Welche Gründe sind dafür ver­ant­wortlich, dass Mitar­beit­er nicht zur Arbeit erscheinen?
Rose: Dafür gibt es drei Gründe: Erstens, die Mitar­beit­er sind selb­st an der Neuen Grippe erkrankt. Zweit­ens, sie pfle­gen erkrank­te Ange­hörige oder drit­tens, sie haben Angst vor ein­er Ansteck­ung. Dem let­zten Fall kön­nen Unternehmen mit ein­er guten Infor­ma­tion­spoli­tik begeg­nen und die Mitar­beit­er zeit­nah und ver­ständlich über die Neue Grippe, Ansteck­ungsmöglichkeit­en und Vor­beu­gungs­maß­nah­men aufklären.
Wie kön­nen sich Unternehmen rüsten, die keine Krisen­pläne haben?
Rose: Diese Unternehmen soll­ten die öffentlich ver­füg­baren Infor­ma­tion­squellen nutzen, um sich so gut wie noch möglich auf die Fol­gen ein­er Aus­bre­itung der Schweine­grippe vorzu­bere­it­en. Auf der Inter­net­seite des Sozialmin­is­teri­ums Baden-Würt­tem­berg kön­nen Unternehmen einen Influen­za­pan­demieplan down­load­en. Auch die IAS-Gruppe unter­stützt Unternehmen mit InPaRisKO, dem Influen­za-Pan­demie Risiko- und Krisen­man­age­ment für Organ­i­sa­tio­nen. Über den zuge­höri­gen Inter­net­zu­gang www.inparisko.de kön­nen sich Kun­den im Mit­glieder­bere­ich die aktuellen Zahlen aller Erkrankun­gen pro 100.000 Ein­wohn­er anzeigen lassen. Daraus lässt sich ableit­en, in welchen Gebi­eten mit einem deut­lich erhöht­en Ansteck­ungsrisiko zu rech­nen ist. Unternehmen kön­nen daraufhin beispiel­sweise Geschäft­sreisen in diese Region stark ein­schränken oder untersagen.
Im Herb­st wird mit dem Impf­stoff gegen die Neue Grippe gerech­net. Rat­en Sie Unternehmen, ihre gesamte Belegschaft impfen zu lassen?
Rose: Der Staat plant zuerst alle Men­schen impfen zu lassen, die notwendig sind, um die öffentliche Ord­nung und das Gesund­heitssys­tem aufrecht zu erhal­ten, wie Polizei oder Kranken­haus­per­son­al. Darüber hin­aus wird der Impf­stoff bei soge­nan­nten Risiko­grup­pen einge­set­zt, wie Schwan­geren oder immungeschwächt­en Per­so­n­en. Erst zu einem späteren Zeit­punkt wird genü­gend Impf­stoff zur Ver­fü­gung ste­hen, damit Unternehmen ihre Belegschaft impfen lassen können.
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