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Volks­krank­hei­ten: Die Gelenke – Arthrose/Rheuma

Wenn die Gelenke schmerzen
Volks­krank­hei­ten: Die Gelenke – Arthrose/Rheuma

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Arthrose ist die häufigste Form aller Gelenk­er­kran­kun­gen. An ihr leiden in Deutsch­land schät­zungs­weise fünf bis acht Millio­nen Menschen. Von einer Arthrose spricht man, wenn sich die schüt­zende Knor­pel­schicht, die jedes Gelenk umhüllt, immer weiter abnutzt. Dieser „Gelenk­ver­schleiß“ ist sehr schmerz­haft – die Gelenke können sicht­bar anschwel­len, schmerz- und druck­emp­find­lich sein, außer­dem werden die betrof­fe­nen Körper­teile deut­lich unbe­weg­li­cher.

Ab dem 50. Lebens­jahr hat etwa die Hälfte der Menschen arthro­tisch verän­derte Gelenke. Nach Schät­zun­gen des Statis­ti­schen Bundes­am­tes leidet etwa jeder zehnte bis zwan­zigste Bundes­bür­ger zwischen 50 und 60 Jahren unter Arthro­se­schmer­zen. Am häufigs­ten tritt die Arthrose an Knie‑, Hand- und Fußge­len­ken, an der Wirbel­säule und an der Hüfte auf.
Aber längst nicht immer ist Arthrose eine Abnut­zungs­er­schei­nung, die erst im Alter auftritt. Eine unge­sunde Ernäh­rung und zu wenig Bewe­gung können durch­aus Mitver­ur­sa­cher der schmerz­haf­ten Gelenk­er­kran­kung sein. Somit kann sie einem auch schon in jungen Jahren das Leben (und die Bewe­gung) zur Qual machen.
Frühe Warn­si­gnale ernst nehmen
Da sich eine Arthrose nicht von einem auf den ande­ren Tag entwi­ckelt, sondern über viele Jahre voran­schrei­tet, ist es für Betrof­fene wich­tig, frühe Warn­si­gnale rich­tig zu deuten. Beson­ders tückisch: Wenn sich die Knor­pel­masse gerade erst beginnt abzu­bauen, entste­hen noch keine Schmer­zen. In dieser Phase ist aber schon eine einge­schränkte Beweg­lich­keit auffal­lend. Sobald leichte Gelenk­schmer­zen spür­bar werden, die Sie selbst nicht rich­tig deuten können, soll­ten Sie sich um geeig­nete Gegen­maß­nah­men kümmern.
Wo und wie schmerzt es denn?
Charak­te­ris­ti­sche Beschwer­den einer begin­nen­den Arthrose sind
  • immer wieder­keh­rende, dumpfe Gelenk­schmer­zen, die sich nicht genau „orten“ lassen;
  • das Gefühl, steife Gelenke zu haben;
  • müde Gelenke, die womög­lich nicht rich­tig gehor­chen wollen.
Als Sabine K. (50) zum Arzt ging, hatte sie eigent­lich eine harm­lose Diagnose erwar­tet. Seit länge­rer Zeit hatte sie Schmer­zen im Knie. Je nach Tages­form schmerzte das Gehen, sogar im Sitzen taten die Knie oft weh. Erst dachte sie, es könne an unbe­que­men, hohen Schu­hen gele­gen haben, dass ihre Knie nun rebel­lier­ten. Aber irgend­wie ließen die Schmer­zen auch in flachen Schu­hen nicht nach. Im Gegen­teil. Ein Wochen­end­aus­flug nach Amster­dam geriet zum Desas­ter, weil sie nur noch unter Tränen einige (wenige) Schritte tun konnte.
„Sie haben Arthrose“, hieß es nun also in der Praxis von Isabelle Pals­tra, Haus­ärz­tin in Hamburg. Mit Hilfe eines Rönt­gen­bil­des konnte sie fest­stel­len, wie weit die Gelenk­ab­nut­zung schon fort­ge­schrit­ten ist. „Der Knor­pel ist an eini­gen Stel­len bereits stark abge­rie­ben. Weil die Gelenk­kno­chen an manchen Stel­len quasi frei­lie­gen, schmer­zen die Knie von Sabine K. auch im Ruhe­zu­stand.“
Um die hefti­gen Schmer­zen loszu­wer­den, wurden zuerst einmal schmerz­stil­lende Entzün­dungs­hem­mer verschrie­ben. „Soge­nannte Nicht­ste­ro­idale Anti­rheu­ma­tika – kurz NSAR – nehmen die Entzün­dung und verbes­sern die Beweg­lich­keit“, erklärt Isabelle Pals­tra. „Aber die fort­schrei­tende Zerstö­rung der Gelenke aufhal­ten können auch sie nicht.“
Gute Erfah­run­gen hat die Hambur­ger Ärztin mit Akupunk­tur gemacht: „Die ausge­präg­ten Schmer­zen einer Arthrose lassen sich bei vielen Pati­en­ten sehr gut mit Akupunk­tur lindern. Die Behand­lung mit Nadeln hält einige Zeit vor und ist vor allem neben­wir­kungs­frei.“ Grund­sätz­lich kommt sonst auch eine Behand­lung mit Corti­son in Frage. Das sorgt dafür, dass die Entzün­dung zurück­geht. Auf Dauer jedoch werden auch die Sprit­zen direkt ins Gelenk nicht helfen. Um endlich mal wieder schmerz- und beschwer­de­frei zu sein, ist oft nur noch eine Opera­tion empfeh­lens­wert. Dabei können „kaputte“ Gelenke ersetzt, Knor­pel­zel­len über­tra­gen oder eben gelenk­ver­stei­fende Eingriffe vorge­nom­men werden.
Ist eine Arthrose entstan­den, weil ange­bo­rene Fehl­stel­lun­gen (wie z.B. X- oder O‑Beine) die Gelenke ungleich­mä­ßig belas­ten, kann eben­falls nur eine Opera­tion helfen. Werden Gelenke per OP in die rich­tige „ausge­lo­tete“ Posi­tion gebracht, können sich Gelenk­flä­chen durch­aus wieder rege­ne­rie­ren.
Und was ist Arthri­tis?
Von einer Arthri­tis spricht man, wenn sich die Gelenke durch Knor­pel­ab­rieb und durch Stoff­wech­sel­pro­dukte entzün­den. Betrof­fen ist zunächst meist die Gelen­kin­nen­haut, dann wird auch die Gelenk­kap­sel ange­grif­fen. Frauen sind von dieser chro­nisch entzünd­li­chen Gelenk­er­kran­kung drei Mal häufi­ger betrof­fen als Männer.
Die Schmer­zen, die von einer Arthri­tis verur­sacht werden, sind für die Betrof­fe­nen nur schwer auszu­hal­ten. Vor allem in der Nacht und am Morgen sind die Beschwer­den beson­ders schlimm. Die Gelenke fühlen sich regel­recht „steif“ an – und müssen erst wieder beweg­lich gemacht werden, wenn man morgens aufsteht.
Die entzün­de­ten Gelenke schwel­len zudem sicht­bar an, weil sehr viel Gelenk­flüs­sig­keit produ­ziert wird.
Um eine Arthri­tis möglichst früh­zei­tig in ihrem schlimms­ten Verlauf zu stop­pen, werden entzün­dungs­hem­mende Medi­ka­mente verord­net. Gezielte Kran­ken­gym­nas­tik kommt eben­falls zum Einsatz und kann eine gute Unter­stüt­zung bedeu­ten.
Rheuma
Nun kommt noch eine weitere Begriff­lich­keit ins Spiel – das Rheuma. Wobei: Streng genom­men müsste es „Rheu­ma­to­ide Arthri­tis“ oder auch „Chro­ni­sche Arthri­tis“ heißen. Diese Bezeich­nun­gen sind jedoch recht lang, daher ist meis­tens nur von Rheuma die Rede. Lassen Sie sich also nicht verwir­ren: Wer unter Rheuma leidet, hat eine Auto­im­mun­erkran­kung. Das Immun­sys­tem greift körper­ei­ge­nes Gewebe an. Es kommt zu Entzün­dun­gen in den Innen­häu­ten der Gelenke. Die entzünd­li­chen Vorgänge verlau­fen recht aggres­siv – und sind von außen auf der Haut deut­lich zu erken­nen. Das Gelenk schwillt nicht nur an, sondern fühlt sich darüber­hin­aus warm an.
Blei­ben die ersten (deut­li­chen) Symptome unbe­han­delt, erkran­ken im Laufe der nächs­ten Wochen und Monate immer mehr Gelenke.
Das Immun­sys­tem spielt verrückt
Norma­ler­weise vertei­digt uns unser Immun­sys­tem gegen Angriffe von außen. Bakte­rien beispiels­weise werden als „schäd­lich“ erkannt und von den Abwehr­zel­len möglichst rasch unschäd­lich gemacht.
Bei einer Rheu­ma­to­iden Arthri­tis grei­fen körper­ei­gene Abwehr­zel­len – aus Grün­den, die bisher leider noch nicht erforscht werden konn­ten – die Gelen­kin­nen­haut an. Die dünne Haut wird plötz­lich wie ein Eindring­ling oder Krank­heits­er­re­ger behan­delt. Dadurch, dass schließ­lich Blut aus der Gelen­kin­nen­haut ins umlie­gende Gewebe gelangt, entsteht eine Art Erguss im Gelenk. Und dieser Gelenk­er­guss sorgt dann letzt­end­lich für Schmer­zen bei jeder Bewe­gung. Ist das Gelenk auf diese Art ange­grif­fen, wird Bewe­gung zur Qual.
Mit Hilfe verschie­de­ner Blut­un­ter­su­chun­gen kann der Arzt eine Rheu­ma­to­ide Arthri­tis diagnos­ti­zie­ren. Beson­dere Tests zur Beweg­lich­keit und zum charak­te­ris­ti­schen „symme­tri­schen Befall“ beider Körper­hälf­ten sorgen zusätz­lich für Klar­heit.
Wie kommt es zu Rheuma?
Warum ein Mensch an Rheuma erkrankt, ist nicht wirk­lich erforscht. Fest steht jedoch, dass das Immun­sys­tem eine wich­tige Rolle beim Erkran­kungs­ri­siko spielt. Aus eige­ner Erfah­rung wird von Pati­en­ten immer wieder berich­tet, dass bei ihnen massive seeli­sche Belas­tun­gen einen Krank­heits­schub ausge­löst haben.
So wird behan­delt
Wenn bei Ihnen Rheuma diagnos­ti­ziert wurde, soll­ten Sie unbe­dingt zu einem Fach­arzt mit der Zusatz­be­zeich­nung „Rheu­ma­to­lo­gie“ gehen.
Er weiß am besten, welche Basis­me­di­ka­mente einge­setzt werden können. Ob Biolo­gica, Corti­co­ide oder beson­dere Schmerz­mit­tel genutzt werden soll­ten. Beglei­tend zu jeder medi­ka­men­tö­sen Thera­pie kann das Erler­nen einer Entspan­nungs­tech­nik (z.B. Auto­ge­nes Trai­ning) das Körper­emp­fin­den posi­tiv beein­flus­sen.
Auch der Besuch einer Selbst­hil­fe­gruppe kann für Menschen mit chro­ni­scher Poly­ar­thri­tis eine gute Möglich­keit der Krank­heits­be­wäl­ti­gung sein. Entspre­chende Kontakt­da­ten finden Sie im Inter­net unter unter www.rheuma-liga.de .
So blei­ben die Knochen gesund
Ein spezi­ell auf ihre Probleme zuge­schnit­te­nes Bewe­gungs­pro­gramm ist für Menschen mit Gelenk­be­schwer­den genauso wich­tig wie für gesunde Menschen. Denn Sport wirkt sich auf den gesam­ten Orga­nis­mus posi­tiv aus, die Laune verbes­sert sich und man beugt gleich­zei­tig auch noch Über­ge­wicht vor. Sanfte Bewe­gungs­for­men wie Nordic Walking, Radfah­ren oder Schwim­men sind gelenk­scho­nend und ange­nehm.
In der Ernäh­rung sollte auf eine ausrei­chende Zufuhr von mehr­fach unge­sät­tig­ten Fett­säu­ren (Omega-3-Fettsäuren) geach­tet werden. Fisch – wenn möglich zwei Mal in der Woche – und pflanz­li­che Öle liefern diese beson­de­ren Fett­säu­ren. Dank Omega‑3 schwel­len Gelenke ab und werden beweg­li­cher.
Rotes und sehr fettes Fleisch, Eier und andere tieri­sche Fette soll­ten Sie lieber meiden. Sie enthal­ten Omega-6-Fettsäuren und diese fördern die Entzün­dungs­pro­zesse im Körper.
Weitere Infor­ma­tio­nen finden Sie im Inter­net unter:

Britta Surholt

Ein siche­rer Hinweis
Bei einer Rheu­ma­to­iden Arthri­tis sind immer mehr als zwei Gelenke entzün­det und beide Körper­hälf­ten sind glei­cher­ma­ßen befal­len. Wenn also in der linken Hand die Daumen- und Zeige­fin­ger­ge­lenke befal­len sind, zeigt sich auf der rech­ten Hand das iden­ti­sche Befalls­mus­ter.

Bewe­gung hilft
Wer sich zu wenig bewegt, tut seinen Gelen­ken nichts Gutes: Denn der Knor­pel vertrock­net regel­recht, wenn die Gelenke kaum bewegt werden. Wird die schüt­zende und elas­ti­sche Schicht immer dünner, reiben die Knochen­en­den eines Tages unge­schützt anein­an­der. In der Folge kommt es dann zu krank- und schmerz­haf­ten Verän­de­run­gen.

Fehl­be­las­tung scha­det
An den Füßen wird eine Arthrose viel­fach durch jahre­lange Fehl­be­las­tung verur­sacht. Falsches Schuh­werk (wie hohe Absätze oder zu enge Schuhe) kann den Fuß in Fehl­hal­tun­gen zwin­gen. So wird mit gekrümm­ten Zehen oder stark auf den Außen- bezie­hungs­weise Innen­kan­ten gelau­fen. Diese dauer­hafte Fehl­be­las­tung rächt sich dann durch­aus mit erhöh­tem Knor­pel­ab­rieb – und arthro­ti­schen Beschwer­den. Eine gelenk­ver­stei­fende Opera­tion ist in diesen Fällen oft der einzige Ausweg.

Aufbau eines Gelenks
Die Knochen, die mitein­an­der ein Gelenk bilden, sind an den Flächen, die anein­an­der stoßen mit Knor­pel­ge­webe über­zo­gen. Eine Gelenk­kap­sel umhüllt zudem die Gelenk­kno­chen. Gelenk­schmiere sorgt für geschmei­di­ges Glei­ten der Gelenke – sie wird von der Gelen­kin­nen­haut abge­son­dert.
Es ist unab­än­der­lich, dass sich die Knor­pel­schicht, die wie ein Stoß­dämp­fer fungiert, im Laufe der Jahre „abnutzt“. Aller­dings gilt dazu die Regel: Je mehr Bewe­gung bereits in jungen Jahren statt­ge­fun­den hat, desto wider­stands­fä­hi­ger und belast­ba­rer ist der Knor­pel. Da sich im Kinder- und Jugend­al­ter die Knor­pel­zel­len noch sehr oft teilen, wird hier schon der Grund­stein für sehr gesunde und belas­tungs­sta­bile Knochen und Gelenke gelegt.
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