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Wenn die Nacht zum Arbeitstag wird

Schichtarbeit gehört zum Arbeitsleben dazu
Wenn die Nacht zum Arbeitstag wird

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In Deutsch­land arbeit­en 19 Mil­lio­nen Men­schen Schicht. Nachts, am Woch­enende oder an Feierta­gen. Ob Arbeit­er am Band, Anla­gen­tech­niker oder Kranken­schwest­ern – ins­ge­samt bet­rifft dies 51 Prozent aller Beschäftigten. Schichtar­beit­er sind häu­figer krank, sucht­ge­fährde­ter und oft auch sozial isoliert­er als die zu fes­ten Zeit­en tagsüber arbei­t­ende Bevölkerung. Sowohl Arbeit­ge­ber als auch Arbeit­nehmer kön­nen dazu beitra­gen, die Belas­tung durch Schichtar­beit zu mildern.

BG Chemie Ulrike Jansen Kur­fürsten-Anlage 62 D‑69115 Hei­del­berg

Lei­der kann man sich an Schichtar­beit nicht gewöh­nen! Der tagak­tive Men­sch stellt seine innere Uhr nicht um. Vor allem auf den Nachtschlaf kann man nicht dauer­haft verzicht­en. Hinzu kommt, dass es tagsüber allein durch den Straßen­verkehr lauter ist als nachts, so dass die Qual­ität des Tagschlafs zusät­zlich gemindert ist. Das dadurch her­vorgerufene Schlafde­fiz­it führt zu Leis­tungsver­min­derung, Gereiztheit, Ner­vosität, Appeti­t­losigkeit und Kopf­schmerzen. Auf Dauer kann es auch zu Herz- und Kreis­laufer­krankun­gen kom­men. Nicht zu unter­schätzen ist auch das Unfall­risiko. So fan­den der Reak­torun­fall von Tsch­er­nobyl oder die Havarie der Exxon Valdez während der Nachtschicht statt.
Die Risiken nicht unter­schätzen
Durch die ungün­sti­gen Arbeit­szeit­en bleibt nicht genug Zeit für Fam­i­lie, Fre­unde und Hob­bys, was auch zu sozialer Iso­la­tion führen kann. Zudem ernähren sich viele Schichtar­beit­er nicht aus­ge­wogen. „Ich bin nach der Schicht meist so fer­tig, dass ich mir halt ger­ade irgend­was vom Kiosk an der Ecke reinpfeife“, erk­lärt Spritzgießer Peter M.
Ver­schiedene wis­senschaftliche Unter­suchun­gen weisen darauf hin, dass Schichtar­beit­er auch sucht­ge­fährde­ter, vor allem für Alko­holmiss­brauch, sind. Zudem lei­den sie häu­figer als andere an Angstzustän­den und Depres­sio­nen. Alles in allem sind die gle­ichen Tätigkeit­en nachts 1,6‑mal so anstren­gend wie am Tag. Deshalb stellte das Bun­desver­fas­sungs­gericht in Karl­sruhe 1992 offiziell fest, dass Nachtar­beit gesund­heitss­chädlich ist. Aber Schicht­di­enst und die damit oft ver­bun­dene Nachtar­beit ist in vie­len Bere­ichen unver­mei­d­bar.
Was kön­nen Arbeit­ge­ber wie ‑nehmer tun, damit der Schicht­di­enst keine gesund­heitlichen oder son­sti­gen neg­a­tiv­en Fol­gen hat?
Unternehmer soll­ten beacht­en, dass …
    • max­i­mal drei Nacht­di­en­ste hin­tere­inan­der liegen,
    • nach ein­er Nachtschicht ein freier Tag liegt, beziehungsweise nach mehreren Nachtschicht­en zwei Tage,
    • ein schneller Schichtwech­sel (nach zwei bis drei Tagen) in Vor­wärt­sro­ta­tion (Früh-Spät-Nacht) stat­tfind­et, anson­sten wird die geset­zliche Min­de­struhezeit von elf Stun­den unter­schrit­ten,
    • nur 5 Arbeit­stage hin­tere­inan­der liegen,
    • Arbeit­szeit­en über acht Stun­den ver­mieden wer­den, son­st steigt das Unfall­risiko,
    • der Schicht­plan ver­lässlich ist,
    • keine aufmerk­samkeitsin­ten­siv­en Tätigkeit­en zwis­chen zwei und drei Uhr durchge­führt wer­den müssen; zu dieser Zeit ist nur die Hälfte der nor­malen Leis­tungs­fähigkeit vorhan­den,
    • Per­so­n­en über 50 nicht im Nacht­di­enst einge­set­zt wer­den oder nur mit aus­re­ichend lan­gen Erholzeit­en danach,
    • die Schicht frei­willig gewählt wird,
    • Mehr Freizeitaus­gle­ich
Schichtar­beit­er soll­ten beacht­en:
  • Für ein dun­kles und lär­mgedämmtes Schlafz­im­mer sor­gen
  • Schlaf aufteilen, dabei min­destens ein­mal am Tag vier Stun­den am Stück schlafen (vorzugsweise vor­mit­tags)
  • Ein­schlafrituale und Spaziergänge statt Tablet­ten und Alko­hol
  • Bewe­gung an der frischen Luft
  • Soziale Kon­tak­te pla­nen und pfle­gen
  • Auf gesunde Ernährung acht­en:
  • Hauptmahlzeit­en immer zur sel­ben Zeit
  • Min­destens ein­mal am Tag mit der Fam­i­lie essen
  • Während der Schicht: mehrere kleine Mahlzeit­en, statt ein­er großen
  • Nachts empfehlen sich leichte Speisen
  • Möglichst wenig kof­fein­haltige Getränke, son­dern Früchte- und Kräuter­tee, verdün­nte Frucht­säfte und Min­er­al­wass­er trinken
  • Let­zte Mahlzeit eine bis einein­halb Stun­den vor dem Schlaf­be­ginn
  • Hauptmahlzeit nach dem (Haupt-) Tagess­chlaf
Quelle: BG Chemie/Sichere Chemiear­beit
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