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Wichtige Rolle von Multiplikatoren

Gewalt an Schulen verhindern
Wichtige Rolle von Multiplikatoren

Gewalt an Schulen ist ein the­ma­tis­ch­er Dauer­bren­ner. Die Erk­lärungsan­sätze sind zahlre­ich, eben­so die Pro­gramme zur Gewalt­präven­tion und Gewalt­deeskala­tion. Was sind ihre Grund­la­gen, und wie kön­nen Schulen sie am besten in der Prax­is anwenden?

POLTRAIN® Herr Heinz Kraft Peter-Alfs-Str. 10 58256 Ennepetal

Für viele Kinder und Jugendliche ist der All­t­ag geprägt von Gewalt. Schon von Klein auf erleben sie
  • Häus­liche Gewalt
  • Gewalt in der Schule
  • Mob­bing und mob­bingähn­liche Handlungen
  • Gewalt im Straßenverkehr
  • Gewalt im Fernse­hen und auf Videos, in Inter­net und auf Handys
und ins­ge­samt spüren sie, wie immer mehr Men­schen rück­sicht­s­los ihre Ellen­bo­gen zur Durch­set­zung ihrer eige­nen Inter­essen ein­set­zen – und meist mit Erfolg. Diese Erfahrungswelt prägt ihre Ein­stel­lun­gen, und diese wer­den aus der Kind­heit später in die eigene Erwach­se­nen­welt übernommen.
Von der Regelver­let­zung zur Gewalt ist es nur ein klein­er Schritt.
  • Gewalt fasziniert.
  • Gewalt klärt, schafft sofort Fakten.
  • Gewalt ver­schafft das Gefühl der Macht, der Herrschaft über Andere
Aber: Gewalt ver­let­zt und zer­stört auch und set­zt eine Spi­rale von Gewalt und Gegenge­walt in Gang, die sich – bildlich gesprochen – immer schneller dreht und kaum noch stop­pen lässt.
Kinder und Jugendliche, die immer wieder nur erleben, dass Kon­flik­te mit Gewalt aus­ge­tra­gen wer­den, sei es in der eige­nen Fam­i­lie, sei es im Fre­un­deskreis, Jugendliche, die Gewalt als das einzige Mit­tel zur Auseinan­der­set­zung mit Anderen ken­nen gel­ernt haben, kön­nen über ein tragfähiges gewalt­freies Kon­flikt- und Stre­itlö­sungsreper­toire über­haupt nicht verfügen.
Erziehung ist Eltern­sache. Aber was ist, wenn sie ihre Rolle nicht aus­füllen? Wer kann diese Lücke schließen? Kindergärten? Schulen? Nur begren­zt, aber bess­er als gar nicht.
Einen Gegen­pol gegen Bedro­hung und Gewalt zu bilden set­zt voraus, dass die Schulen über die geeigneten Meth­o­d­en und Mate­ri­alien verfügen.
Gewalt hat es immer gegeben und wird es immer geben. Ziel muss sein, dass Gewalt nicht als Mit­tel zur Ziel­er­re­ichung akzep­tiert, son­dern als Mit­tel, das ver­let­zt und zer­stört, geächtet wird. Gewalt darf nicht hof­fähig und als legit­im akzep­tiert werden.
Nach alle­dem kommt den Schulen die über­ra­gende Rolle zu, ihren Schü­lerin­nen und Schülern den Wert des Gewalt­monopols des Staates und der Abkehr vom Faus­trecht zu ver­mit­teln und sie anzuleit­en, Gewalt zu ver­mei­den und Kon­flik­te angemessen auszutragen.
Selb­st­be­trof­fen­heit vermitteln
Dies kann nur gelin­gen, wenn geeignete Meth­o­d­en einge­set­zt wer­den, eine Änderung der per­sön­lichen Werte, Nor­men, Ein­stel­lun­gen und Ver­hal­tensweisen bei den Kindern und Jugendlichen zu erre­ichen. Für sie gilt, dass sie sich vor allem bee­in­flussen lassen, wenn es gelingt, das Gefühl der Selb­st­be­trof­fen­heit zu ver­mit­teln. Mit anderen Worten: Abkehr vom Sachvor­trag und Hin­wen­dung zum erfahrungs- und erleb­nisori­en­tierten Lernen.
Nahezu alle Pro­gramme der Gewalt­präven­tion und Gewalt­deeskala­tion bauen auf diesem Grund­satz auf. Der Weg ist, über Übun­gen und Sim­u­la­tio­nen zunächst in Labor­si­t­u­a­tio­nen Erfahrun­gen zu ver­mit­teln, diese abzufra­gen und zu struk­turi­eren, auf All­ge­me­ingültigkeit zu prüfen und in den All­t­ag zu über­tra­gen. Hinzu kom­men Impulse, die Ein­stel­lung und die Rolle zu reflek­tieren, und Ver­stärk­er für erwün­scht­es Verhalten.
Ver­hal­tensalter­na­tiv­en entwickeln
Der inhaltliche Ein­stieg erfol­gt über Begriffs­bes­tim­mungen, z. B. welche Fak­toren einen Kon­flikt aus­machen und ihn von Mei­n­ungsver­schieden­heit oder Prob­lem unter­schei­den, oder was Gewalt ist, wie sie sich äußert und wie sie wirkt.
Die Ein­stel­lung zu Kon­flik­ten und zu Gewalt wird reflek­tiert, und die Bedeu­tung, Sinn und Zweck von Regeln wer­den anhand von Beispie­len erar­beit­et. Zudem find­en sich in fast allen Train­ing­spro­gram­men Ele­mente zur Stärkung von Selb­st­be­wusst­sein, Anleitun­gen zum Nein-Sagen, Übun­gen zum laut­en STOP!-Rufen und Ansätze für soziales Lernen.
Je nach konzep­tioneller Aus­rich­tung wer­den Ver­hal­tensalter­na­tiv­en für kri­tis­che, für Konflikt‑, Bedro­hungs- oder Gewalt­si­t­u­a­tio­nen entwick­elt, in Rol­len­spie­len erprobt, aus­gew­ertet und bei Bedarf „ver­fein­ert“.
Die Gren­zen zwis­chen Gewaltpräventions‑, Gewaltdeeskalations‑, Zivil­courage- und Anti­ag­gres­sion­strain­ings sind fließend, so dass sich die Inhalte nicht immer trennscharf abbilden lassen. Bei der Über­nahme in ein Schulkonzept kommt es daher weniger auf die Beze­ich­nung des Pro­gramms an, son­dern vielmehr darauf, dass die Schulleitung, das Lehrerkol­legium, die Eltern­vertre­tung und auch die Schul­ge­meinde und die Eltern das jew­eilige Train­ing­spro­gramm inhaltlich mit­tra­gen und unterstützen.
Ein­ma­liges Train­ing reicht nicht
Für eine nach­haltige Bee­in­flus­sung der jun­gen Men­schen reicht ein ein­ma­liges Train­ing nicht aus – es kann lediglich Impulse zur Reflex­ion der eige­nen Werte, Nor­men, Ein­stel­lun­gen und Ver­hal­tensweisen geben. Daher bietet sich die Auf­nahme eines Gewalt­präven­tions- oder Gewalt­deeskala­tion­spro­gramms in das Schul­pro­gramm an. Sichergestellt sein muss, dass in allen the­ma­tisch nahen Fäch­ern – Deutsch, Reli­gion­slehre, Ethik, Päd­a­gogik, Philoso­phie und beispiel­sweise auch in Englisch und in Kun­st – immer wieder Bezug auf die Inhalte genom­men wird und so das Mosaik von ein­er kleinen „Insel“ zu einem kom­plet­ten Bild „Keine Gewalt“ ver­voll­ständigt wird. Das kann aber nur funk­tion­ieren, wenn alle in der Schulkon­ferenz ein solch­es Pro­gramm unter­stützen und fördern.
Externe ein­binden
Lehrerin­nen und Lehrer sind fach­lich fit und engagiert, doch wie sieht es mit ihrer Kom­pe­tenz aus, Gewalt­präven­tions- oder Gewalt­deeskala­tion­spro­gramme in den Klassen, Grup­pen oder in Pro­jek­ten zu ver­mit­teln? – Für Pro­jek­te oder einzelne Train­ings bietet es sich an, externe Trainer­in­nen oder Train­er zu beauf­tra­gen, die das Know how in aller Regel mit­brin­gen. Sie soll­ten zu einem Vorge­spräch ein­ge­laden wer­den, in dem die Auf­tragge­ber sie ken­nen ler­nen, ihre Meth­o­d­en hin­ter­fra­gen und Ziele – Inhalte – Rah­menbe­din­gun­gen vere­in­baren. Einen guten Ein­druck über das zu Erwartende kann ein vorgeschal­tetes zweistündi­ges „Schnup­per­train­ing“ vermitteln.
Als Hürde erweist sich häu­fig, dass die finanziellen Mit­tel zur Vergü­tung der Exter­nen schulisch nicht zur Ver­fü­gung ste­hen oder – wenn es sich um ein Train­ing in ein­er Klasse han­delt – von den Eltern nicht aufge­bracht wer­den. Ein qual­i­fiziert­er Train­er kann nicht zum Null­tarif arbeiten.
Lehrkräfte als Multiplikatoren
Vorteil­hafter, nicht nur finanziell, ist es, Lehrper­son­al zu Mul­ti­p­lika­torin­nen und Mul­ti­p­lika­toren fort­bilden zu lassen, die in die Lage ver­set­zt wer­den, die Train­ings selb­st durchzuführen und die im Einzelfall auch bei aktuellen Entwick­lun­gen inter­ve­nieren kön­nen, z.B. wenn in ein­er Klasse Mob­bing offen­bar wird. Sin­nvoll ist es, dass ein Teil des Kol­legiums (ca. 12 bis 25 Per­so­n­en) und die Schul­sozialpäd­a­gogin­nen und ‑päd­a­gogen aus­ge­bildet werden.
Zum einen ist der Pool des Train­ing­steams an der Schule größer, zum anderen ist eine höhere Akzep­tanz des Train­ingskonzepts im Kol­legium zu erwarten. Wenn nur zwei oder drei Per­so­n­en aus dem Lehrerkol­legium eine Train­er­aus­bil­dung erhal­ten, beste­ht die Gefahr, dass auf diese weni­gen die „schulis­chen Prob­lem­fälle“ zur Lösung abgeschoben wer­den, und dass die Zukun­ft eines solchen Pro­gramms von zwei bis drei Leuten abhängt – wird jemand ver­set­zt, ist das Pro­gramm schon in Frage gestellt.
Anreize schaf­fen
Welche Anreize beste­hen, sich als Train­er oder Mul­ti­p­lika­tor fort­bilden zu lassen? In der Prax­is lei­der keine! Die Fort­bil­dung wird amtlich wed­er finanziell unter­stützt noch durch zeitlichen Bonus (z.B. zeitweilige Stun­denre­duzierung) gefördert. Vielmehr hat die Fort­bil­dung auf eigene Kosten in der Freizeit, also meist an Woch­enen­den, zu erfol­gen, und nach Abschluss der Fort­bil­dung wer­den die Prob­lem­fälle zur Lösung über­tra­gen, ohne dass das alles mit der nöti­gen Anerken­nung ver­bun­den ist.
Es geht auch anders: Das Unternehmen Poltraine hat Schulen bei der Ein­führung des Anti-Gewalt-Konzepts begleit­et. Dazu gehörte:
  • Fort­bil­dung von ca. 20 Per­so­n­en zu Multiplikatorinnen/Multiplikatoren an ins­ge­samt sechs Tagen, teils in der Unter­richts- und teils in der Freizeit unter voller Kostenüber­nahme für das Train­ing­steam durch die Schule (bzw. Schu­lamt, Bezirksregierung)
  • Beratung bei der Über­nahme ins Schulprogramm
  • Ein- bis zweitägige Fort­bil­dungsver­anstal­tun­gen nach der „Mul­ti-Qual­i­fizierung“ zum struk­turi­erten Erfahrungsaus­tausch und zu The­men, wie „Gib Mob­bing keine Chance!“, Interkul­turelle Kom­pe­tenz, „Kon­flik­te kon­struk­tiv lösen“, „Soziales Lernen“
  • Tele­fonis­che Beratung in akuten Interventionsfällen
Die Rück­mel­dun­gen hierzu waren durch­weg pos­i­tiv und bestäti­gen das Konzept, die Schulen durch Fort­bil­dung von Mul­ti­p­lika­toren in die Lage zu ver­set­zen, die Train­ings selb­st schul- und sit­u­a­tion­sori­en­tiert durchzuführen.
Schulis­ches Gesamtkonzept sinnvoll
Rolle der Schulen ist auch, die Erziehungs- und Bil­dungs­de­fizite aufz­u­fan­gen und Gewalt­präven­tions- /Gewaltdeeskalationstrainings in das Schul­pro­gramm aufzunehmen. Für eine nach­haltige Wirkung müssen die Inhalte der Train­ings in allen Fäch­ern ver­mit­telt wer­den, um so ein schulis­ches Gesamtkonzept zu ver­wirk­lichen. Die zweck­mäßig­ste Lösung, dies zu erre­ichen ist, einen Teil des Lehrerkol­legiums, ca. 12 bis 25 Per­so­n­en (je nach Größe der Schule), zu Mul­ti­p­lika­toren fort­bilden zu lassen, um so zeit­nah auch auf aktuelle Entwick­lun­gen reagieren und bei akuten Ereignis­sen pro­fes­sionell inter­ve­nieren zu können.
Führungskräfte- und Gewalt- Deeskalationstrainer
Poltraine – Train­ings zur Deeskala­tion von Gewalt und Rassismus
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