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Kommunikation

Wich­ti­ges „Werk­zeug“ des Sibe

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Um als Sicher­heits­be­auf­trag­ter (Sibe) eine gute und sinn­volle Arbeit machen zu können, muss ich mit Kolle­gen und Vorge­setz­ten und ande­ren betrieb­li­chen Akteu­ren kommu­ni­zie­ren. Damit diese Kommu­ni­ka­tion erfolg­reich verläuft, gibt es sehr viele Dinge zu berück­sich­ti­gen.

Chris­tian Müller

Das Kompetenz-Center Aus- und Weiter­bil­dung der Berufs­ge­nos­sen­schaft RCI bietet auch inner­halb der Sicher­heits­be­auf­tragt­en­se­mi­nare ein hilf­rei­ches Bildungs­an­ge­bot zum Thema Kommu­ni­ka­tion. Einige grund­le­gende Aspekte daraus lesen Sie im folgen­den Arti­kel. Zuerst geht es um wich­tige Voraus­set­zun­gen, bevor über­haupt kommu­ni­ziert wird.
Auf kolle­gia­ler Ebene bera­ten
Im Unter­neh­men gibt es die unter­schied­lichs­ten Rollen und die damit verbun­de­nen Aufga­ben und Kompe­ten­zen. Die Rolle bestimmt mit darüber, was und wie ich kommu­ni­ziere. Über­schreite ich aus Sicht eines Ansprech­part­ners meine Aufga­ben und meine Kompe­ten­zen, führt dies in der Regel zu Irri­ta­tio­nen. Kommu­ni­ka­tion kann somit schon am unter­schied­li­chen Rollen­ver­ständ­nis schei­tern.
Sinn­voll ist eine bera­tende Rolle, in der ich mit Enga­ge­ment und Über­zeu­gungs­kraft auf kolle­gia­ler Ebene die Kolle­gen und Vorge­setz­ten zum siche­ren Handeln anrege. Das ist eine gute Ergän­zung zu den Perso­nen mit Weisungs­be­fug­nis, die es im Unter­neh­men meist genug gibt.
Rolle mit dem Vorge­setz­ten klären
Wenn nicht schon gesche­hen, muss ich meine Rolle und die damit verbun­de­nen Aufga­ben und Kompe­ten­zen für mich und anschlie­ßend die Erwar­tun­gen im Betrieb klären. Folgende Vorge­hens­weise kann helfen:
  • 1. Schritt: Klärung der eige­nen Rolle: Was glaube ich, soll ich tun und was möchte ich als Sicher­heits­be­auf­trag­ter machen.
  • 2. Schritt: Klärung und Abgleich der eige­nen Vorstel­lung mit dem betrieb­li­chen Vorge­setz­ten. Der Vorge­setzte gibt zwar vor, welche Aufga­ben der Sicher­heits­be­auf­tragte erfül­len soll, selber muss ich aber versu­chen meine eige­nen Vorstel­lun­gen dem Vorge­setz­ten vorzu­schla­gen.
  • 3. Schritt: Der Vorge­setze sollte die Rolle des Sicher­heits­be­auf­trag­ten vor der gesam­ten Mann­schaft deut­lich machen. Außer­dem muss er seine Erwar­tun­gen, wie die Mann­schaft den Sicher­heits­be­auf­trag­ten unter­stützt, klar­stel­len.
Realis­ti­sche Erwar­tun­gen
Für meine Kommu­ni­ka­tion als Sicher­heits­be­auf­trag­ter ist wich­tig, dass ich mir meiner Rahmen­be­din­gun­gen im Betrieb bewusst bin. Nur so kann ich realis­tisch einschät­zen, wo und womit ich erfolg­reich sein kann und wo ich mir gege­be­nen­falls Frust und dauer­haf­ten Ärger einhan­dele, weil ich mit unrea­lis­ti­schen Erwar­tun­gen über das Ziel hinaus­schieße.
Verhal­tens­än­de­rung über ein Gespräch zu errei­chen wird immer dann schwie­rig, wenn unüber­seh­bare orga­ni­sa­to­ri­sche wie tech­ni­sche Mängel vorlie­gen. Ebenso verhält es sich, wenn Vorge­setzte sich über Sicher­heits­vor­schrif­ten hinweg­set­zen und Regel­ver­stöße dulden. Die Mitar­bei­ter erle­ben somit haut­nah, dass das Thema Sicher­heit und Gesund­heit offen­sicht­lich nicht wich­tig ist.
Schwie­rige Kolle­gen
Zunächst muss ich mir den oben beschrie­be­nen Sach­ver­halt bewusst machen. Eine Einord­nung, welche Themen auf Verständ­nis, Skep­sis oder abso­lu­tes Unver­ständ­nis im Betrieb stoßen, unter­stützt dann ein ziel­ge­rich­te­tes Vorge­hen. Schwie­rige Kolle­gen zum Beispiel, die grund­sätz­lich und dauer­haft nicht gesprächs­be­reit und nicht zu sicher­heits­ge­rech­tem Verhal­ten zu bewe­gen sind, sind dann ein Fall für den Vorge­setz­ten.
Gute Gesprächs­füh­rung hilft
Gute Gesprächs­füh­rung erhöht die Erfolgs­chan­cen im Gespräch. Garan­tie­ren kann sie diese aller­dings nicht, denn in der Kommu­ni­ka­tion sind immer mindes­tens zwei Perso­nen betei­ligt. Ein Gesprächs­part­ner, der von vorne­her­ein das Ziel hat grund­sätz­lich alles abzu­blo­cken und sich auf nichts einlas­sen möchte, wird sich auf keine noch so gute Kommu­ni­ka­ti­ons­form und Argu­men­ta­tion einlas­sen.
Die Chan­cen, die man mit einer guten Gesprächs­füh­rung hat, sollte man aber als Sicher­heits­be­auf­trag­ter voll ausschöp­fen. Folgende wich­tige Hinweise soll­ten Sie dabei berück­sich­ti­gen.
Kommu­ni­ka­tion
Während eines Gesprächs tauschen die Gesprächs­part­ner Infor­ma­tio­nen unter­ein­an­der aus. Auf den ersten Blick scheint es so, dass wir eindeu­tige sach­li­che Infor­ma­tio­nen austau­schen, hier spre­chen wir von der soge­nann­ten Inhalts­ebene. Es geht um klare Sach­in­halte, sie stecken norma­ler­weise genau in dem, was die Worte beschrei­ben. Dann gibt es noch die Bezie­hungs­ebene. Sie hat großen Einfluss und ist sehr häufig für Kommu­ni­ka­ti­ons­stö­run­gen verant­wort­lich.
Die Bezie­hungs­ebene sagt etwas darüber aus, wie gut die Gesprächs­part­ner „mitein­an­der können“ und was sie vonein­an­der halten. Fühlt sich mindes­tens einer der beiden Gesprächs­part­ner persön­lich vom ande­ren ange­grif­fen, nicht wert­ge­schätzt oder abschät­zig behan­delt, so wird er in der Regel bestrebt sein, das zu klären. Das eigent­lich ange­spro­chene Thema, wie z. B. Arbeits­si­cher­heit, fällt in der Diskus­sion dabei hinten runter.
Ein Gespräch wird daher dann als erfolg­reich und gut empfun­den, wenn es von gegen­sei­ti­ger Wert­schät­zung und „von gleich zu gleich“ geführt wird. Daher lohnt es sich, viel dafür zu tun, dass in dieser Ebene keine Störun­gen auftre­ten.
Ausge­hend von der Annahme, dass ein Sicher­heits­be­auf­trag­ter eine bera­tende Funk­tion hat, ist in den meis­ten Fällen das Ziel ein sach­li­ches, vernünf­ti­ges Gespräch über Arbeits­si­cher­heit zu führen.
Er sollte deshalb die Bezie­hung so gut wie möglich gestal­ten.
Dabei helfen kann Folgen­des:
Gesprächs­part­ner ernst nehmen
Wir bedie­nen uns hier der Grund­werk­zeuge der Kommu­ni­ka­ti­ons­psy­cho­lo­gie, mit denen man schon einen ganzen Schritt weiter kommt. Sie verfol­gen das Ziel eine gute Bezie­hung und eine bessere Verstän­di­gung zu errei­chen.
Voraus­set­zung für die im Weite­ren beschrie­be­nen Gesprächs­tech­ni­ken ist eine persön­li­che Grund­hal­tung, die Meinung des Gesprächs­part­ners zu achten (nicht zu verwech­seln mit „einver­stan­den zu sein“) und diese ernst zu nehmen.
Zuhö­ren und das auch zeigen
Zwei Dinge sind wich­tig:
  • 1. Wirk­lich zuhö­ren zu wollen und das auch tun, um auf das, was der Gesprächs­part­ner äußert, adäquat reagie­ren zu können. Darüber hinaus erhalte ich mögli­cher­weise auch noch ganz wich­tige Infor­ma­tio­nen.
  • 2. Aktiv dem Gesprächs­part­ner deut­lich machen, dass man ihm zuhört. Dazu gehört unter ande­rem: Zuwen­den, Blick­kon­takt, keine andere Tätig­keit neben­her, nicht unnö­tig unter­bre­chen, Verständ­nis­fra­gen und Bestä­ti­gun­gen zeigen (wie z. B. nicken) oder äußern (z. B. „ ja, das kann ich nach­voll­zie­hen“). Bei länge­ren Gesprä­chen eine kurze Zusam­men­fas­sung.
Offene Fragen stel­len
Fragen, vor allem offene Fragen, haben mehrere Vorteile für ein Gespräch. Sie schaf­fen einen Dialog, sie zeigen Inter­esse an der Meinung des ande­ren, ich erhalte über die Antwor­ten mögli­cher­weise wich­tige Infor­ma­tio­nen über die Motive des Ansprech­part­ners und kann hieran anknüp­fen. Durch geziel­tes Fragen kann ich das Gespräch darüber hinaus auch ein Stück weit leiten.
Offene Fragen begin­nen immer mit den soge­nann­ten Frage­wör­tern, die mit dem Buch­sta­ben W begin­nen, die soge­nann­ten W‑Fragen: Wer, Wie, Was, Wieso, Weshalb, Warum, usw. . Beispiele: „Wie ist deine Meinung dazu?“, „Woran liegt es denn …?“, „Welche Gründe gibt es …?“, Was ist die Ursa­che für … usw.?“
Persön­li­che Angriffe vermei­den
Persön­li­che Angriffe führen wie oben beschrie­ben in der Regel dazu, dass wir den Gesprächs­part­ner in die Enge trei­ben. Er reagiert dann mit Abwehr, Recht­fer­ti­gun­gen, Gegen­vor­wür­fen usw.. Mit der eigent­li­chen Frage­stel­lung setzt er sich dann in der Regel aber weni­ger ausein­an­der.
In unse­rer Alltags­spra­che sind wir es gewohnt Vorwürfe als Du-Botschaften zu formu­lie­ren. Am Anfang steht das „du“ und anschlie­ßend wird der Fehler benannt. „Du hast schon wieder nicht mit der Schutz­ab­de­ckung gear­bei­tet“. Dies wertet der Ange­spro­chene häufig als persön­li­chen Angriff. Wir soll­ten daher Du-Botschaften vermei­den, eine mögli­che Alter­na­tive sind die soge­nann­ten Ich-Botschaften. Sie sagen etwas über die eige­nen Gefühle, Absich­ten und Bedürf­nisse aus.
Anstatt, „Du arbei­test schon wieder ohne Schutz­ab­de­ckung“, wirkt der Satz „Ich sehe das nicht gerne, wenn Kolle­gen ohne Schutz­ab­de­ckung arbei­ten, weil die Gefahr sich irgend­wann doch zu verlet­zen zu groß ist…“ für viele Menschen weni­ger vorwurfs­voll.
Emotio­nen akzep­tie­ren
Als Sicher­heits­be­auf­trag­ter sollte ich die Gefühle des Gesprächs­part­ners akzep­tie­ren, selbst wenn sie gereizt und aggres­siv sind. Daher ist es wich­tig immer Ruhe zu bewah­ren, denn wenn der Kollege ordent­lich seinem Ärger und Unmut freien Lauf lassen konnte, ist er viel eher bereit sich auf ein sach­li­ches Gespräch einzu­las­sen.
Ziel­ge­rich­tet kommu­ni­zie­ren
Als Sicher­heits­be­auf­trag­ter sollte ich immer erst die wirk­li­chen Hinter­gründe für das Verhal­ten und die Denk­weise des Gesprächs­part­ners heraus­fin­den (Fragen helfen hier sehr gut). Erst dann kann ich im Gespräch entspre­chend rich­tig reagie­ren. Ist z. B. jemand nicht rich­tig infor­miert, muss ich ihn aufklä­ren. Kann jemand nicht oder nur schwer sicher arbei­ten, weil bestimmte Voraus­set­zun­gen fehlen, können wir gemein­same Lösun­gen disku­tie­ren. Fehlt jeman­dem die Einsicht, versu­che ich durch gute Argu­mente zu über­zeu­gen. Für die Argu­men­ta­tion ist folgen­des Vorge­hen hilf­reich:
  • 1. Schritt: Über­zeuge, dass der Unfall passie­ren kann bzw. der Gesprächs­part­ner verun­fal­len kann.
  • 2. Schritt: Die Trag­weite eines schwe­ren Unfalls erken­nen lassen. Ein Gespräch über die Konse­quen­zen für das eigene Leben des Gesprächs­part­ners ist hier meist am wirkungs­volls­ten. Dies kann er sich am besten vorstel­len und ihm wird die Trag­weite eines Unfalls deut­lich.
Die Kommu­ni­ka­tion ist das Hand­werks­zeug des Sicher­heits­be­auf­trag­ten. Ein Werk­zeug mit Gren­zen, aber auch mit Chan­cen. Der Sicher­heits­be­auf­tragte sollte es so gut wie möglich einset­zen. Hilf­rei­che Kommu­ni­ka­ti­ons­mit­tel haben wir, es gilt nur, sie sich nach und nach anzu­eig­nen.
Kompe­tenz Center
Aus-und Weiter­bil­dung
Berufs­ge­nos­sen­schaft Rohstoffe und chemi­sche Indus­trie, BG RCI
35321 Laubach
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