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Zecken-Alarm

Impfschutz und Präventionsmaßnahmen helfen
Zecken-Alarm

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Von Früh­jahr bis unge­fähr Novem­ber ist Zecken­sai­son. Forst­ar­bei­ter, Gärt­ner, aber auch alle ande­ren Berufs- täti­gen, die im Sommer im Freien arbei­ten, sind gefähr­det durch einen Zecken­biss schwer zu erkran­ken.

BGW Öffent­lich­keits­ar­beit­Pap­pel­al­lee 35/37 22089 Hamburg Sylvia Fehr­mann Robert Koch-Institut Presse/Redaktion Epide­mio­lo­gi­sches Bulle­tin Nord­ufer 20 13353 Berlin

„Da die Zecken­ge­fahr mitt­ler­weile keines­wegs mehr auf Wald und Flur beschränkt ist, besteht sie auch für alle, die in der Stadt in Parks und Gärten, auf Außen­flä­chen und Kinder­spiel­plät­zen zu tun haben“, infor­miert Jörg Schmeng­ler, Präven­ti­ons­ex­perte der Berufs­ge­nos­sen­schaft für Gesund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pflege (BGW). „Dies betrifft Erzie­he­rin­nen und ihre Schütz­linge ebenso wie Park­pfle­ger oder Haus­meis­ter, die die Grün­an­la­gen von Gebäu­den betreuen.“
Die nur steck­na­del­kopf­gro­ßen schwar­zen Spin­nen­tiere werden bei Tempe­ra­tu­ren von acht bis zehn Grad aktiv. Sie sitzen im Laub, Gebüsch oder Gras. Ihr späte­rer Wirt, Mensch oder Tier, streift sie im Vorbei­ge­hen davon ab. Auf seiner Haut suchen sie sich dann eine güns­tige Stelle um Blut zu saugen. Bereits beim Einstich kann die Zecke die Viren der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) über­tra­gen, die Hirn­haut­ent­zün­dung verur­sa­chen können. Gebiete, in denen FSME gehäuft vorkommt, werden zu so genann­ten Ende­mie­ge­bie­ten erklärt. Circa jede hundertste Zecke trägt hier den Virus in sich. Es sind Gebiete in Bayern, Baden-Württemberg und Südhes­sen, sowie einige Land­kreise in Rheinland-Pfalz und Thürin­gen (s. Karte). Voll­stän­dig ausge­schlos­sen ist eine Infek­tion aber auch in ande­ren Gegen­den nicht. In Deutsch­land erkran­ken jähr­lich etwa 200 bis 400 Perso­nen an FSME. Behan­deln lässt sich die Krank­heit nicht, es können nur die Symptome gelin­dert werden. „Zecken­ex­po­nier­ten“ Perso­nen in Risi­ko­ge­bie­ten, wie beispiels­weise Forst­ar­bei­tern und Gärt­nern, empfiehlt das Robert-Koch-Institut eine Impfung gegen FSME. Der Impf­schutz wird am besten schon im Winter aufge­baut, für einen komplet­ten Schutz sind drei Dosen notwen­dig. Alle drei Jahre sollte die Impfung aufge­frischt werden. Bei Perso­nen, die sich während der Arbeit viel im Freien aufhal­ten, zahlt sie der Arbeit­ge­ber, bei allen ande­ren in der Regel die Kran­ken­kasse. Erhält­lich ist sie beim Haus­arzt.
In ganz Deutsch­land über­tra­gen Zecken die für Lyme-Borreliose verant­wort­li­chen Bake­rien (Borre­lien). Sie werden erst im Lauf des Saug­vor­gangs über­tra­gen, so dass bei früh­zei­ti­gem Entfer­nen der Zecke die Infek­ti­ons­ge­fahr noch rela­tiv gering ist. Gegen Borre­liose gibt es keinen Impf­schutz, aller­dings kann sie beson­ders im Früh­sta­dium gut mit Anti­bio­tika behan­delt werden. Das Krank­heits­bild ist aber recht diffus (siehe Kasten), und ändert sich in verschie­de­nen Erkrankungs-Phasen.
Sowohl FSME als auch Borre­liose können im Forst­be­reich als Berufs­krank­hei­ten aner­kannt werden, so eine Infor­ma­tion der Fach­gruppe Fors­ten im ehema­li­gen Bundes­ver­band der Unfall­kas­sen. In einer Aufklä­rungs­schrift für Forst­ar­bei­ter wies sie darauf hin, dass es wich­tig sei, bei der Arbeit aufge­tre­tene Zecken­sti­che, wie jede andere Verlet­zung auch, genau (unter Angabe von Zecken­ein­stich­stelle im Körper und Datum des Zecken­sti­ches) im Verbands­buch zu doku­men­tier­ten, um bei even­tu­ell folgen­den Erkran­kun­gen den Nach­weis eines Arbeits­un­falls juris­tisch einwand­frei führen zu können.
Am besten ist natür­lich, wenn es gar nicht erst zum Zecken­biss und zur Erkran­kung kommt. Jeder Einzelne kann recht einfa­che, aber wirkungs­volle Maßnah­men zur Vorbeu­gung ergrei­fen:
  • Lange, dichte Klei­dung, außer­dem Kopf­be­de­ckung und gege­be­nen­falls Hand­schuhe anzie­hen.
  • Auf Wegen blei­ben, Unter­holz, Gras und Gebüsch meiden.
  • Nach dem Aufent­halt im Freien Klei­dung und den ganzen Körper nach Zecken absu­chen. Gerne sitzen sie an warmen, geschütz­ten Haut­stel­len, wie Knie­keh­len, Scham­ge­gend oder Achsel­hö­hen.
  • Eine fest­ge­saugte Zecke möglichst schnell mit einer spezi­el­len Zecken­zange oder Pinzette entfer­nen. Sie dabei nah an der Haut umfas­sen und nach oben ziehen, nicht quet­schen oder drücken.
  • Impf­schutz aufbauen.
Verena Manek

Zecken­mit­tel:
Kein lang anhal­ten­der Schutz!
Den von Herstel­lern verspro­che­nen lang anhal­ten­den Schutz von Zecken­mit­teln gibt es nicht.
Dies stellte Stif­tung Waren­test in der Ausgabe 5/2008 ihrer Zeit­schrift „test“ fest. Sie unter­suchte darin 20 Sprays und Lotio­nen gegen Zecken auf ihre Wirkung und wie lange diese anhält. Das ernüch­ternde Ergeb­nis: Zwölf beka­men die Note mangel­haft. Fünf Mittel hätten nach Meinung der Tester gar nicht verkauft werden dürfen. Die beste Note im Gesamt­ur­teil war ein befrie­di­gend.

Zecken und Fußball-EM
In der Öffent­lich­keit wird derzeit disku­tiert, ob eine Impfung der Fußball­spie­ler bei der EM 2008 gegen FSME nötig ist. Dies verneint Dr. Dieter Mahs­berg, Zoologe am Biozen­trum der Univer­si­tät Würz­burg. Die Wahr­schein­lich­keit, sich beim Trai­ning auf einem Spor­tra­sen oder beim Spiel im Fußball­sta­dion eine Zecke zu holen, gehe gegen Null. Auf einem High-Tech-Produkt wie einem Spor­tra­sen seien die Para­si­ten kaum zu erwar­ten.

Die Krank­heits­bil­der:
FSME: Erste Krank­heits­er­schei­nun­gen können zwischen 2 und 28 Tagen nach der Infek­tion auftre­ten. Diese grip­pe­ähn­li­chen Symptome mit Kopf‑, Kreuz- und Glie­der­schmer­zen, Fieber und Bauch­be­schwer­den klin­gen nach circa 1 bis 8 Tagen wieder ab. Nach einer beschwer­de­freien Zeit von 1 bis 20 Tagen ist dann bei etwa einem Drit­tel der Erkrank­ten das zentrale Nerven­sys­tem, Hirn­haut, Gehirn und Rücken­mark, betrof­fen. Es kommt zu hohem Fieber, star­ken Kopf­schmer­zen, Lähmun­gen, Verwirrt­heit bis zur Bewusst­lo­sig­keit.
Lyme-Borreliose: Nach circa 8 Tagen bis drei Mona­ten, meist nach etwa fünf Wochen, können drei Krank­heits­sta­dien auftre­ten, die inein­an­der über­ge­hen, aber auch neben­ein­an­der auftre­ten. Im ersten Stadium zeigen sich grip­pe­ähn­li­che Symptome. Außer­dem kann hier, in 50 bis 60 Prozent der Fälle, meist direkt am Zecken­stich, eine runde Haut­rö­tung auftre­ten, die so genante Wander­röte. Im zwei­ten Stadium werden inner­halb von Wochen oder Mona­ten nach dem Zecken­stich Herz und Nerven­sys­tem, etwa mit Lähmun­gen im Gesichts­be­reich, befal­len. Im drit­ten Stadium können außer­dem Gelenk­ent­zün­dun­gen auftre­ten.
Gene­rell gilt: Nach einem Zecken­biss die Einstich­stelle gut beob­ach­ten. Bei Rötung, Haut­ver­än­de­run­gen oder grip­pe­ähn­li­chen oder rheu­maa­r­ti­gen Beschwer­den sofort einen Arzt aufsu­chen. Falls möglich, die heraus­ge­zo­gene Zecke zum Arzt mitneh­men, er kann sie auf Borre­lien und FSME-Viren unter­su­chen. Dies muss der Pati­ent aller­dings selbst bezah­len.
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