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Alters­ver­sor­gung für Unter­neh­mer – betrieb­li­che Vorsorge

Rentabilität und steuerliche Aspekte Teil 2
Alters­ver­sor­gung für Unter­neh­mer – betrieb­li­che Vorsorge

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Gesellschafter-Geschäftsführer (GGF) von Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten haben verschie­dene Möglich­kei­ten für ihr Alter vorzu­sor­gen. Die Entschei­dungs­fin­dung gestal­tet sich aller­dings aufwän­dig: Fort­lau­fende Ände­run­gen der (Steuer-) Gesetz­ge­bung konfron­tie­ren diese Unter­neh­mer und ihre Steu­er­be­ra­ter mit stets neuen Heraus­for­de­run­gen. Von der Finanz­wirt­schaft wiederum wird allzu oft Unver­gleich­ba­res gegen­über gestellt oder es werden nur Teil­aspekte von Versor­gungs­mög­lich­kei­ten berück­sich­tigt.

  • 1 Eine klas­si­sche Versi­che­rung zur Finan­zie­rung von Unter­stüt­zungs­kas­sen­leis­tun­gen ist gesetz­lich vorge­schrie­ben. Es gibt Versi­che­rungs­lö­sun­gen mit inno­va­tiv konzi­pier­ter Anla­ge­stra­te­gie, so dass die unter­stellte 6 Prozent Inves­ti­ti­ons­ren­dite realis­tisch ist.
  • 2 Aus der viel­zi­tier­ten, sog. 1/5‑Regelung nach § 34 EStG könnte bei der Unter­stüt­zungs­kasse und der Pensi­ons­zu­sage in glei­cher Höhe ein mini­ma­ler steu­er­li­cher Vorteil resul­tie­ren. Sie wird daher an dieser Stelle nicht weiter beach­tet.
Die Gründe hier­für sind viel­schich­tig: Sie reichen von ledig­lich parti­el­ler Sach­kom­pe­tenz bis zum einge­schränk­ten Produkt­port­fo­lio des Bera­ters. Um eine opti­male Lösung zu finden, betrach­tet man zunächst nur die steu­er­li­che Syste­ma­tik der verschie­de­nen Durch­füh­rungs­wege isoliert von der Renta­bi­li­täts­er­war­tung. Für alle Durch­füh­rungs­wege wird die glei­che Brutto-Rendite der gewähl­ten Kapi­tal­an­la­gen unter­stellt, um allein die Vorteil­haf­tig­keit des jewei­li­gen steu­er­recht­li­chen Konzep­tes heraus­zu­ar­bei­ten. So wird klar, welcher Durch­füh­rungs­weg dem GGF den größ­ten Nutzen bietet. Während im ersten Teil (SI 4/2010) die Möglich­kei­ten der priva­ten Alters­vor­sorge aus versteu­er­tem Geld unter­sucht wurden, analy­siert der Arti­kel im zwei­ten Teil die häufigs­ten Formen der betrieb­li­chen Alters­vor­sorge für Unter­neh­mer:
  • 1. Betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung über eine Unter­stüt­zungs­kasse
  • 2. Betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung über eine Pensi­ons­zu­sage
Moti­va­tion und Ziele
Unter­neh­mer orga­ni­sie­ren ihre Alters­vor­sorge selbst nach der Maßgabe: Welche Form der Alters­vor­sorge bietet das vorteil­haf­teste Verhält­nis von Einzah­lung zu Auszah­lung? Dazu müssen sie den betrieb­li­chen Aufwand dem auf der priva­ten Ebene erziel­ba­ren Netto­er­trag gegen­über stel­len.
Entschei­dend sind also nicht nur die steu­er­li­chen Auswir­kun­gen auf der priva­ten Einkom­mens­ebene, sondern auch auf der Ebene der Firma: Mehr­leis­tun­gen der Firma können als zusätz­li­che Betriebs­aus­ga­ben zu einer Steu­er­erspar­nis der Firma führen und würden dann als Aufwand nach Steu­ern bewer­tet. Der spätere Zufluss der Leis­tun­gen beim Geschäfts­füh­rer führt zu höhe­ren Einkom­mens­steu­er­be­las­tun­gen und schluss­end­lich zu einer Bewer­tung als Ergeb­nis nach Steu­ern.
Die Diffe­renz zwischen Netto­auf­wand der Firma und Netto­er­trag beim Geschäfts­füh­rer entspricht dem Vermö­gens­zu­wachs nach Steu­ern. Je größer dieser Unter­schied, desto höher der Ertrag, desto effek­ti­ver der jewei­lige Versor­gungs­weg.
Vorge­hens­weise
Muster­fall
Zum 65. Lebens­jahr des GGF soll ein Versor­gungs­ka­pi­tal von 500.000 € €vor Steu­ern aufge­baut werden. Die dafür erfor­der­li­chen Spar­ra­ten erhält der GGF zusätz­lich zu seinem Gehalt. Der Anla­ge­zeit­raum beträgt 25 Jahre. Sämt­li­che Zahlen werden als kumu­lierte Werte ausge­wie­sen.
Rendi­te­er­war­tung
Wegen der besse­ren Vergleich­bar­keit liegt die jähr­li­che Netto­ren­dite der genutz­ten Kapi­tal­an­lage bei 6%. Somit beträgt der kumu­lierte Kapi­tal­ein­satz in allen unter­such­ten Durch­füh­rungs­we­gen 221.000 €.
Unter­neh­mens­steuer
Auf Ebene des Unter­neh­mens wird eine Gesamt­steu­er­be­las­tung in Höhe von 30% ange­nom­men, inklu­sive Körper­schaft­steuer in Höhe von 15%, 5,5% Soli­da­ri­täts­zu­schlag und einem Gewer­be­steu­er­he­be­satz von 400%.
Einkom­mens­steuer
Für den Geschäfts­füh­rer gilt die Annahme, dass sein persön­li­cher Einkom­mens­steu­er­satz in der Anwart­schafts­phase und im späte­ren Leis­tungs­be­zug 45% beträgt und dass keine Kirchen­steu­er­pflicht besteht.
3. Betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung über eine Unter­stüt­zungs­kasse
Das Unter­neh­men finan­ziert seinem GGF die Alters­ver­sor­gung über eine versi­che­rungs­för­mig rück­ge­deckte Unterstützungskasse1. Dafür werden – wie bei den priva­ten Spar­plä­nen auch – insge­samt 221.000 € €an Beiträ­gen aufge­wen­det, die als Perso­nal­auf­wand bei den Betriebs­aus­ga­ben steu­er­lich voll wirk­sam sind. Auf Unter­neh­mens­ebene entsteht durch die Dotie­rung der Unter­stüt­zungs­kasse eine Steu­er­erspar­nis von rund 66.000 €, so dass der Netto­auf­wand der Firma per Saldo schließ­lich bei 155.000 € €liegt.
Beim Renten­ein­tritt des Geschäfts­füh­rers ist der Zufluss aus der Unter­stüt­zungs­kasse in Höhe von 500.000 € €steu­er­pflich­tig. Nach Abzug der Einkom­mens­steuer von 225.000 € €verbleibt beim GGF ein Netto­ver­mö­gen von 275.000 €.
Gesamt­be­trach­tung
Dem Netto­auf­wand der Firma von 155.000 € €steht ein Netto­ver­mö­gen auf der priva­ten Ebene des GGF von 275.000 € €gegen­über. Der Netto­ver­mö­gens­zu­wachs beträgt somit 120.000 € €oder bezo­gen auf den Netto­auf­wand des Unter­neh­mens 77%.
4. Betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung über eine Pensi­ons­zu­sage
Das Unter­neh­men erteilt seinem GGF eine Direkt­zu­sage über ein Versor­gungs­ka­pi­tal von 500.000 €. Es muss in glei­cher Höhe Pensi­ons­rück­stel­lun­gen bilden und erzielt in der Folge einen Steu­er­stun­dungs­ef­fekt von 150.000 €. Wie in allen hier darge­stell­ten Szena­rien inves­tiert das Unter­neh­men 221.000 € €in Anla­gen mit einer jähr­li­chen Rendite von 6%. Werden die einge­spar­ten Unter­neh­mens­steu­ern gegen die erfor­der­li­che Inves­ti­tion von 221.000 € €gerech­net, beträgt der Netto­auf­wand für das Unter­neh­men ledig­lich 71.000 €. Zum Renten­be­ginn zahlt das Unter­neh­men aus dem Anla­ge­ver­mö­gen an den GGF 500.000 €. €Dieser betriebs­aus­ga­ben­wirk­same Aufwand neutra­li­siert die in glei­cher Höhe vorzu­neh­mende, gewinn­er­hö­hende Auflö­sung der Rück­stel­lung.
Der Zufluss des Versor­gungs­ka­pi­tals von 500.000 € €beim Geschäfts­füh­rer ist steu­er­lich iden­tisch zur Unter­stüt­zungs­kasse und löst eine Einkom­men­steu­er­zah­lung von 225.000 € €aus.2 Dem GGF verbleibt ein Netto­ver­mö­gen von 275.000 €.
Gesamt­be­trach­tung
Dem Netto­auf­wand der Firma von 71.000 € €steht ein Netto­ver­mö­gen auf der priva­ten Ebene des GGF von 275.000 € €gegen­über. Der Netto­ver­mö­gens­zu­wachs beträgt somit 204.000 € €oder, bezo­gen auf den Netto­auf­wand des Unter­neh­mens, 287%.
Fazit
Die sepa­rierte Betrach­tung von Firmen- oder Geschäfts­füh­re­r­ebene liefert dem GGF keine voll­stän­dige Entschei­dungs­grund­lage für die Wahl seiner Alters­vor­sorge. Erst in der gesamt­haf­ten Betrach­tung von Unternehmens- und priva­ter Ebene wird der voll­stän­dige Netto­ver­mö­gens­zu­wachs des Gesellschafter-Geschäftsführers deut­lich. Der GGF kann seine Alters­ver­sor­gung über das Unter­neh­men im Vergleich zur priva­ten Alters­vor­sorge wesent­lich effek­ti­ver gestal­ten. Wird, wie im betrach­te­ten Fall, bei Renten­ein­tritt die Ausübung eines Kapi­tal­wahl­rech­tes unter­stellt, beträgt der prozen­tuale Vermö­gens­zu­wachs nach Steu­ern bei einer Pensi­ons­zu­sage mehr als das fünf­fa­che einer priva­ten Alters­ver­sor­gung aus versteu­er­tem Gehalt, bei glei­cher unter­stell­ter Netto­ren­dite der Kapi­tal­an­lage.
Als abso­lut nach­tei­lig für GGF zeigt sich die private Alters­ver­sor­gung aus Divi­den­den­zah­lung. Hier wird tatsäch­lich kein Vermö­gens­zu­wachs erzielt.
Auch der Vergleich der Durch­füh­rungs­wege in der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung liefert dem GGF wich­tige Argu­mente: Der prozen­tuale Vermö­gens­zu­wachs der Pensi­ons­zu­sage ist – bei glei­cher Anle­ger­ren­dite – etwa vier­mal so hoch wie bei der Unter­stüt­zungs­kasse. Oder anders­herum betrach­tet: Im Unter­neh­men werden bei der Pensi­ons­zu­sage nur etwa 45% des Netto­auf­wands einer Unter­stüt­zungs­kasse benö­tigt, um das glei­che Vermö­gen nach Steu­ern aufzu­bauen.
Entschei­dend für den Erfolg ist, dass die steu­er­li­chen Vorteile aufgrund von Rück­stel­lun­gen oder Aufwän­den im Unter­neh­men erhal­ten blei­ben, und nicht – etwa durch die Besteue­rung des Anla­ge­ver­mö­gens – sogleich wieder zunichte gemacht werden.
Muster­fall – die wich­tigs­ten Zahlen im Über­blick
Zum 65. Lebens­jahr des Gesellschafter-Geschäftsführers soll ein Versor­gungs­ka­pi­tal von 500.000 Euro vor Steu­ern aufge­baut werden. Die dafür erfor­der­li­chen Spar­ra­ten erhält der GGF zusätz­lich zu seinem Gehalt. Der Anla­ge­zeit­raum beträgt 25 Jahren. Sämt­li­che Zahlen werden als kumu­lierte Werte ausge­wie­sen. Dieses Beispiel finden Sie in der Tabelle auf der vorher­ge­hen­den Seite.

Autor
Dr. Matthias Dwor­zack, GGF der Kanz­lei für Wirt­schafts­be­ra­tung an der Elbe und Betriebs­wirt für betrieb­li­che Alters­vor­sorge. Schwer­punkt: Sanie­rung und Kommu­ni­ka­tion von Versor­gungs­wer­ken. E‑Mail: m.dworzack@kwb-elbe.de
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