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Aufschlussreiche Arbeitsplatzmessungen

Gefahrstoffbelastungen in Holzimprägnierbetrieben
Aufschlussreiche Arbeitsplatzmessungen

Holzschutzmit­tel, die biozide Wirk­stoffe enthal­ten, wer­den im Rah­men des Biozidge­set­zes bew­ertet und zuge­lassen. Da zur Beurteilung der Belas­tun­gen der Beschäftigten bish­er nur wenige Infor­ma­tio­nen vor­la­gen, wur­den durch die Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin (BAuA) in 13 Betrieben umfan­gre­iche Arbeit­splatzmes­sun­gen durchge­führt. Dabei wur­den Betriebe mit Kessel­druckim­präg­nierung, Heiß-Kalt-Ein­stel­lver­fahren und Trogtränkung in das Unter­suchung­spro­gramm einbezogen.

Dr. Ralph Hebisch Dr. Dag­mar Holthen­rich Dipl.-Ing. Jörg Kar­mann jew­eils Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin Friedrich-Henkel-Weg 1–25 D‑44149 Dortmund

Das im Innen- und Außen­bau für die ver­schieden­sten Anwen­dun­gen einge­set­zte Holz unter­liegt einem ständi­gen Abbau, der ins­beson­dere durch darauf spezial­isierte Organ­is­men wie Pilze und Insek­ten erfol­gt. Der Abbauprozess hängt wesentlich von den Feuchtigkeitsver­hält­nis­sen ab. Hier­bei zeigen sich gravierende Unter­schiede, wenn das Holz in trock­e­nen Innen­räu­men, im Außen­bere­ich oder sog­ar im ständi­gem Boden- und Wasserkon­takt einge­set­zt wird. Es ist daher erforder­lich, Bauholz vor holzzer­stören­den Pilzen und Insek­ten zu schützen. Häu­fig wer­den dafür chemis­che Holzschutzmit­tel mit biozi­den Eigen­schaften ver­wen­det. Das wesentliche Ziel beim Ein­satz der­ar­tiger Holzschutzmit­tel beste­ht in der Wert­er­hal­tung und der Ver­längerung der Gebrauchs­dauer sowie ein­er dauer­haften Stand­sicher­heit des ver­baut­en Holzes.
Die EU-Richtlin­ie 98/8/EG [1] über das Inverkehrbrin­gen von Biozid-Pro­duk­ten wurde mit dem Biozidge­setz vom 20. Juni 2002 [2] umge­set­zt. Holzschutzmit­tel sind im Anhang V dieser Richtlin­ie als Pro­duk­tart 8 der Haupt­gruppe 2 „Schutzmit­tel“ zuge­ord­net. Als Holzschutzmit­tel wer­den dabei alle Pro­duk­te ver­standen, die Holz – ab dem Ein­schnitt im Sägew­erk – oder Holz­erzeug­nisse gegen den Befall durch holzzer­störende oder die Holzqual­ität beein­trächti­gende Organ­is­men schützen. Diese Pro­duk­tart umfasst sowohl vor­beu­gende als auch bekämpfende Holzschutzmit­tel. Für Holzschutzmit­tel unter­liegen die biozi­den Wirk­stoffe und die daraus hergestell­ten Biozid­pro­duk­te einem Bew­er­tungs- bzw. Zulas­sungsver­fahren. Im Rah­men der durch die BAuA erfol­gen­den Zulas­sung wer­den mögliche Ein­flüsse auf die Umwelt sowie auf Ver­brauch­er und Beschäftigte bewertet.
Da zu den Belas­tun­gen der Arbeit­nehmer im Bere­ich der Holz­im­präg­nierung zum vor­beu­gen­den Holzschutz nur wenige Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung ste­hen, wur­den von der BAuA im Zeitraum von 2005 bis 2007 umfan­gre­iche Unter­suchun­gen durchge­führt. Neben Arbeit­splatzmes­sun­gen wurde auch Bio­mon­i­tor­ing ein­be­zo­gen und erste Mes­sun­gen zur Ermit­tlung der Haut­be­las­tun­gen durchge­führt [3]. Die hier beschriebe­nen Ergeb­nisse beziehen sich auf die Arbeitsplatzmessungen.
Impräg­nierung mit Holzschutzmitteln.
Holzschutz wird schon seit mehreren tausend Jahren betrieben. So wur­den z. B. im alten Rom zum Schutz vor Bohrmuscheln die Schiff­s­rümpfe mit Pech bestrichen.
Abhängig von der Art der Beanspruchung beste­hen für Holz oder Holzkon­struk­tio­nen unter­schiedliche Gefährdun­gen durch Insek­ten, Pilze, Auswaschung und Mod­er­fäule oder Meer­wass­er. Die Art dieser Beanspruchung bes­timmt die Zuord­nung zu Gebrauch­sklassen in der Nor­mung [4]. In den unter­sucht­en Betrieben wur­den Holzbauteile entsprechend den Anforderun­gen der Gebrauch­sklassen 3 und 4 mit Holzschutzmit­teln behan­delt. Dabei han­delt es sich um Holzbauteile, die durch Nieder­schläge, Spritzwass­er oder der­gle­ichen beansprucht wer­den. Diese kön­nen sowohl als Innen­bauteile in Nass­räu­men als auch als Außen­bauteile mit Wet­ter­beanspruchung einge­baut wer­den (Gebrauch­sklasse 3). Beste­ht sog­ar ständi­ger Erd- und/oder Süßwasserkon­takt (Gebrauch­sklasse 4), so erhöhen sich die Anforderun­gen an die einge­set­zten Holzschutzmit­tel. Zusam­men­fassend lassen sich die Anforderun­gen an die ver­wen­de­ten Holzschutzmit­tel in den unter­sucht­en Betrieben wie fol­gt darstellen: insek­ten­vor­beu­gend, pilzwidrig und wit­terungs­beständig sowie bei Gebrauch­sklasse 4 zusät­zlich moderfäulewidrig.
Bei Holzschutzmit­teln unter­schei­det man zwis­chen wäss­ri­gen und lösemit­tel­halti­gen For­mulierun­gen sowie Emul­sio­nen [5]. In den unter­sucht­en Betrieben kamen als wäss­rige For­mulierun­gen bei der Kessel­druckim­präg­nierung kupfer­haltige Holzschutzmit­tel, die zum Teil auch Chrom enthiel­ten, zum Ein­satz. Bei der Trogtränkung wur­den borhaltige Holzschutzmit­tel ver­wen­det. Die wäss­ri­gen Holzschutzmit­tel wer­den üblicher­weise als flüs­sige Konzen­trate in Con­tain­ern an die Impräg­nier­be­triebe geliefert und von diesen entsprechend mit Wass­er verdün­nt. Nach Verdün­nung lag die Konzen­tra­tion der Holzschutzmit­tel im All­ge­meinen zwis­chen 3% und 5%. Bei den einge­set­zten lösemit­tel­halti­gen Holzschutzmit­teln han­delte es sich um Steinkohlen­teeröle (auch als Kar­bo­lineum oder Kre­osot beze­ich­net), die bei der Kessel­druckim­präg­nierung und dem Heiß-Kalt-Ein­stel­lver­fahren einge­set­zt wer­den. Diese wer­den in Tankwa­gen angeliefert und direkt in die Vor­rat­stanks gepumpt.

Untersuchte Betriebe

In Tabelle 1 sind die unter­sucht­en Betriebe kurz dargestellt. Die Auswahl der Betriebe erfol­gte mit tatkräftiger Unter­stützung des Deutschen Holzschutzver­ban­des e. V. (DHV).
In der Regel waren in den Betrieben zwei bis vier Beschäftigte unmit­tel­bar mit der Impräg­nierung befasst. Die anderen Beschäftigten führten noch eine Rei­he ander­er Tätigkeit­en aus. Dazu gehörten ins­beson­dere fol­gende Arbeits­ge­bi­ete und Gew­erke: Sägew­erk, Schäl­w­erk, Schreinerei sowie Aus­liefer­ung und Montage.
Die impräg­nierten Hölz­er und Holzbauteile wur­den direkt an die Kun­den – sprich an Pri­vat­per­so­n­en, Gewer­be­treibende und an den Han­del – geliefert. In Abhängigkeit vom einge­set­zten Ver­fahren umfasste die Pro­duk­t­palette der Betriebe beim Ein­satz wasser­lös­lich­er Holzschutzmit­tel im Wesentlichen Pfäh­le, Zaun­felder, Sichtschutzele­mente sowie Spiel- und Klet­terg­eräte. Mit Teerölen wur­den Bahn­schwellen, Mas­ten sowie Pfahlfüße impräg­niert. Die dabei einge­set­zten Teeröle entsprachen in allen Fällen Anhang IV, Nr. 13 der Gefahrstof­fverord­nung [6], d. h. der Mas­sen­ge­halt an Benzo(a)pyren lag unter­halb 50 Mil­ligramm pro Kilo­gramm und der Gehalt an wasser­lös­lichen Phe­nolen betrug weniger als 3 %.

Ergebnisse der Arbeitsplatzmessungen

In allen Betrieben erfol­gten die Arbeit­splatzmes­sun­gen an min­destens drei Arbeit­sta­gen. Die Mes­sun­gen erfol­gten sowohl per­so­n­enge­tra­gen als auch orts­fest, wobei den per­so­n­enge­tra­ge­nen Mes­sun­gen – soweit möglich – Vor­rang gegeben wurde. Orts­fest wurde ins­beson­dere dann gemessen, wenn sich in den entsprechen­den Arbeits­bere­ichen keine ständi­gen Arbeit­splätze befan­den oder die Hin­ter­grund­be­las­tung ermit­telt wer­den sollte. In eini­gen Fällen wur­den auch üblicher­weise per­so­n­enge­tra­gen einge­set­zte Sam­mel­sys­teme für orts­feste Mes­sun­gen einge­set­zt, zum Beispiel bei kleinen Raumvo­lu­mi­na der Arbeits­bere­iche oder bei zu erwartenden hohen Belas­tun­gen, bei denen der gerin­gere Vol­u­men­strom per­so­n­enge­tra­gen­er Sam­mel­sys­teme als aus­re­ichend eingeschätzt wurde.
Ziel der Arbeit­splatzmes­sun­gen war es, nach Möglichkeit Schicht­mit­tel­w­erte zu bes­tim­men. Dies war jedoch nicht in allen Fällen möglich, so dass dann direkt auf die jew­eilige Tätigkeits­dauer bezo­gene Mess­werte ermit­telt wur­den. Nach­fol­gend wer­den die für die unter­sucht­en Impräg­nierver­fahren erhal­te­nen Ergeb­nisse näher dargestellt.

Kesseldruckimprägnierung mit kupfer- und chromhaltigen Holzschutzmitteln

Neun der in Tabelle 1 aufge­führten Betriebe impräg­nierten mit kupfer­halti­gen Holzschutzmit­teln. In sechs dieser Betriebe wur­den zumin­d­est teil­weise auch chromhaltige Holzschutzmit­tel einge­set­zt. Gemessen wur­den in allen Betrieben die einatem­bare Staubfrak­tion sowie die darin enthal­te­nen Kupfer­ge­halte und ggf. das vorhan­dene Chrom.
Per­so­n­enge­tra­gen erfol­gten die Mes­sun­gen beim Entleeren und Beschick­en der Impräg­nierkessel. Dazu gehörten im Einzel­nen die fol­gen­den Arbeitsschritte:
  • Öff­nen des Kessels nach der Impräg­nierung: manuell mit­tels Hand­kurbel oder automa­tisch per Knopf­druck unmit­tel­bar an der Kesselöffnung.
  • Entleerung des Kessels: Her­ausziehen der belade­nen Loren mit einem Gabelstapler/Radlader an ein­er Kette oder einem Stahl­seil, Ent­fer­nen der zur Sicherung angelegten Span­ngurte oder Ket­ten und Ent­laden der Loren mit einem Gabelstapler.
  • Beschick­ung der Kessel: Beladen der Loren mit dem zu impräg­nieren­den Holz, Sicherung mit Span­ngurten oder Ket­ten sowie Hinein­schieben der belade­nen Loren in den Kessel mit einem Gabelstapler.
  • Manuelles oder automa­tis­ches Schließen des Kessels und Starten der Imprägnierung.
Üblicher­weise wurde der Impräg­nier­er dabei von einem Gabel­sta­pler­fahrer unter­stützt; manch­mal wurde der Gabel­sta­pler auch vom Impräg­nier­er selb­st gefahren. Die Dauer dieser Tätigkeit­en im Rah­men der Entleerung und Beschick­ung der Kessel lag bei etwa 20 bis 40 Minuten. Weit­er­hin wur­den solche Tätigkeit­en – wie z. B. Trans­port- und Ladear­beit­en, Anset­zen der Lösun­gen, Reini­gungsar­beit­en sowie Kun­den­be­treu­ung – mit erfasst.
Orts­feste Mes­sun­gen erfol­gten unmit­tel­bar neben dem Impräg­nierkessel. Da die Beschäftigten hier nicht die gesamte Schicht tätig waren, wer­den dadurch die im ungün­stig­sten Fall, dem so genan­nten worst case, möglichen Belas­tun­gen beschrieben.
In den Tabellen 2 und 3 sind die Messergeb­nisse für die Impräg­nier­ar­beit­en mit chrom­freien bzw. chromhalti­gen Lösun­gen dargestellt. Bei allen Mes­sun­gen zeigte sich, dass die Belas­tun­gen durch die einatem­bare Staubfrak­tion weit unter­halb des Arbeit­splatz­gren­zw­ertes von 10mg/m³ liegen.
Die ermit­tel­ten Kupfer­be­las­tun­gen waren beim Ein­satz chrom­freier und chromhaltiger Holzschutzmit­tel ver­gle­ich­bar. Da es für Kupfer und seine Verbindun­gen gegen­wär­tig keinen Arbeit­splatz­gren­zw­ert gibt, wurde der von der Sen­atskom­mis­sion zur Prü­fung gesund­heitss­chädlich­er Arbeitsstoffe veröf­fentlichte MAK-Wert für Kupfer und seine anor­gan­is­chen Verbindun­gen in Höhe von 0,1 mg/m³ [7] zur Beurteilung der ermit­tel­ten Belas­tun­gen herange­zo­gen. Für die in den Tabellen 2 und 3 aufge­führten Schicht­mit­tel­w­erte zeigt sich, dass diese deut­lich unter­halb des MAK-Wertes liegen.
Für die als Fix­ierung­shil­f­sstoffe zuge­set­zten Chrom(VI)-Verbindungen (z. B. Chromtri­ox­id und Natri­umdichro­mat) wur­den im Schicht­mit­tel Belas­tun­gen bis zu 0,011 mg/m³ ermit­telt. Auch für diese Chromverbindun­gen gibt es momen­tan keinen Arbeit­splatz­gren­zw­ert. Da die Chrom(VI)-Verbindungen als kreb­serzeu­gend eingestuft sind [7], gilt entsprechend der Gefahrstof­fverord­nung das Min­imierungs­ge­bot [6]. Für die Betriebe bedeutet das, dass die Belas­tun­gen entsprechend dem Stand der Tech­nik zu min­imieren sind.

Kesseldruckimprägnierung mit Teerölen

Vier der unter­sucht­en Betriebe führten Kessel­druckim­präg­nierun­gen mit Teerölen durch, wobei zwei dieser Betriebe auch noch über Anla­gen zur Impräg­nierung mit chrom- und kupfer­halti­gen Lösun­gen ver­fügten. In drei Betrieben bildete die Teerölimpräg­nierung von Bahn­schwellen den Schw­er­punkt. Auch in diesen Betrieben wur­den über­wiegend per­so­n­enge­tra­gene Mes­sun­gen beim Entleeren und Beschick­en der Impräg­nierkessel durchge­führt. Die dabei erfassten Arbeitss­chritte waren prinzip­iell die gle­ichen wie bei der Kessel­druckim­präg­nierung mit wäss­ri­gen Met­all­sal­zlö­sun­gen, eben­so die Dauer. Orts­feste Arbeit­splatzmes­sun­gen erfol­gten auch hier unmit­tel­bar neben den Impräg­nierkesseln und beschreiben gle­icher­maßen den worst case. Zusät­zlich wur­den Mes­sun­gen beim so genan­nten Auf­plat­ten durchge­führt. Bei dieser Tätigkeit wer­den Hal­terun­gen für die Gleise auf die bere­its gebohrten und impräg­nierten Bahn­schwellen montiert.
Die in Tabelle 4 zusam­menge­fassten Mess­werte beschreiben die Belas­tun­gen durch die Summe der poly­cy­clis­chen aro­ma­tis­chen Kohlen­wasser­stoffe (PAH). Da in ein­er Schicht jew­eils nur ein Kessel entleert und beschickt wurde, beziehen sich die ermit­tel­ten Mess­werte unmit­tel­bar auf diese Tätigkeit­en und stellen keine Schicht­mit­tel­w­erte dar. Alle ermit­tel­ten PAH-Mess­werte erfassen die Stoffe jew­eils in der Dampf- und Par­tikel­phase. Den wesentlichen Beitrag zu den PAH-Belas­tun­gen, wenn auch stark schwank­end, leis­teten Naph­thalin, 1‑Metylnaphthalin, 2‑Methylnaphthalin, Ace­naph­then, Flu­o­ren und Phenan­thren. Bei kein­er Mes­sung wurde Benzo(a)pyren gefunden.
Bei per­so­n­enge­tra­ge­nen Mes­sun­gen betrug die Summe der PAH-Belas­tun­gen bis zu 16,9 mg/m³, orts­fest unter worst case-Bedin­gun­gen an den Impräg­nierkesseln gemessen bis zu 72,5 mg/m³. Dies weist auf die Höhe möglich­er Spitzen­be­las­tun­gen während kurzzeit­iger Tätigkeit­en unmit­tel­bar am Impräg­nierkessel hin.
Auf der Grund­lage der Mess­werte in Tabelle 4 kann die PAH-Belas­tung des für die Impräg­nierung zuständi­gen Beschäftigten während ein­er Schicht abgeschätzt wer­den. Dabei wird zusät­zlich von ein­er etwa dreistündi­gen Tätigkeits­dauer aus­ge­gan­gen, bei der der Beschäftigte in einem gerin­geren Aus­maß als bei der Impräg­nierung exponiert ist (z. B. in der Schalt­warte und bei Ver­ladear­beit­en). In der Schalt­warte lagen die orts­fest ermit­tel­ten Mess­werte zwis­chen 1 mg/m³ und 2 mg/m³ für die Summe der PAH. Etwa die Hälfte ein­er Schicht ver­richtete der Beschäftigte andere Tätigkeit­en ohne PAH-Belas­tung. Daraus ergibt sich im Schicht­mit­tel bei Ver­wen­dung des 95-Perzen­tils für die PAH-Belas­tung bei per­so­n­enge­tra­gen­er Mes­sung während der Impräg­nier­ar­beit­en entsprechend Tabelle 4 näherungsweise eine PAH-Belas­tung in Höhe von 2,7 mg/m³ (worst case). Diese Belas­tung wurde entsprechend nach­fol­gen­der Gle­ichung ermittelt.
[(1h * 15,1 mg/m³) + (3h * 2mg/m³) + (4 h * 0 mg/m³)] / 8 h = 2,7 mg/m³
Dabei sind
  • die Belas­tung infolge der Impräg­nier­ar­beit­en: 1h * 15,1 mg/m³,
  • die Belas­tung infolge ander­er mit der Impräg­nierung zusam­men­hän­gen­der Tätigkeit­en: 3h * 2 mg/m³ und
  • die Dauer ander­er Tätigkeit­en: 4h * 0 mg/m³
Beim Auf­plat­ten der Bahn­schwellen wer­den an einem Fließband oder ein­er Fer­ti­gungsstraße die Gleishal­terun­gen und Fed­er­ringe auf die Schwellen gelegt. Die Schrauben wer­den manuell eingesteckt, ange­dreht und mit­tels elek­trisch­er Maschi­nen fest­ge­zo­gen. Die dabei ermit­tel­ten PAH-Belas­tun­gen sind in Tabelle 5 dargestellt.
Die beim Auf­plat­ten ermit­tel­ten Belas­tun­gen liegen deut­lich niedriger als bei der Impräg­nierung. Hier ist jedoch zu berück­sichti­gen, dass diese Tätigkeit über die gesamte Schicht dauern kann. Die in Tabelle 5 dargestell­ten Mess­werte sind dann als Schicht­mit­tel­w­erte zu betrachten.
Auf­grund der kreb­serzeu­gen­den Wirkung von PAH ist bei allen Tätigkeit­en eine Min­imierung der Belas­tun­gen anzus­treben. Eine Möglichkeit dafür ist beispiel­sweise das Impräg­niergut vor dem Öff­nen des Kessels abkühlen zu lassen.

Heiß-Kalt-Einstellverfahren

Das Heiß-Kalt-Ein­stel­lver­fahren wurde in zwei Betrieben angewen­det. Bei­de Betriebe ver­fügten daneben noch über Anla­gen zur Kessel­druckim­präg­nierung mit chrom- und kupfer­halti­gen Lösun­gen. Den Schw­er­punkt bildete in diesen Betrieben die Teerölimpräg­nierung von Pfahlfüßen, z. B. für den Weinbau.
Vor der Teerölimpräg­nierung wer­den die bere­its mit Met­all­sal­zlö­sun­gen impräg­nierten Pfäh­le in Körbe eingestellt, die dann mit­tels Gabel­sta­pler in die Tauch­beck­en einge­bracht wer­den. Während der Impräg­nierung wer­den die Tauch­beck­en mit Hauben abgedeckt. Das Teeröl in den Beck­en wird auf etwa 100 – 120 °C aufge­heizt. Nach der Impräg­nierung wer­den die Körbe wieder mit dem Gabel­sta­pler ent­nom­men und sofort in Abtropfwan­nen gestellt.
Die per­so­n­enge­tra­ge­nen Arbeit­splatzmes­sun­gen wur­den bei diesen Ein­stell- und Entleerungstätigkeit­en sowie bei kurzzeit­i­gen Hil­f­stätigkeit­en durchge­führt. Ins­ge­samt dauerten diese Tätigkeit­en etwa eine bis zwei Stun­den. Dabei wur­den fast immer mehrere Tauch­beck­en befüllt und entleert. Weit­er­hin erfol­gten orts­feste Mes­sun­gen unmit­tel­bar neben den Tauch­beck­en nahe den Abdeck­hauben. Hier­mit wird wiederum der worst case beschrieben. Tabelle 6 fasst die bei der Heiß-Kalt-Ein­stel­lung ermit­tel­ten Mess­werte zusammen.
Bei den Mes­sun­gen wur­den die gle­ichen PAH wie bei der Kessel­druckim­präg­nierung mit Teeröl ermit­telt. Es ist erkennbar, dass die Belas­tun­gen niedriger liegen. Dies ist ins­beson­dere auch darauf zurück­zuführen, dass bei einem Tauchvor­gang viel weniger Holz impräg­niert wird als im Impräg­nierkessel. Damit ist auch die Hol­zober­fläche, von der Teeröl freige­set­zt wer­den kann, viel geringer. Außer­dem ist die unmit­tel­bare Tätigkeits­dauer an den Tauch­beck­en deut­lich kürzer.

Imprägnierung mittels Trogtränkung

Bei den Unter­suchun­gen zur Trogtränkung mit borhalti­gen Holzschutzmit­teln stellte sich die Akquise von Betrieben als das größte Prob­lem dar. Betrieb­swirtschaftliche Entschei­dun­gen führten dazu, dass Betriebe ins osteu­ropäis­che EU-Aus­land ver­lagert wur­den, woraus für die in Deutsch­land verbleiben­den Betriebe eine Erhöhung des Kos­ten­drucks resul­tierte und Betriebe teil­weise schließen mussten.
Von den drei in das Unter­suchung­spro­gramm ein­be­zo­ge­nen Betrieben führte ein­er allerd­ings während der Messkam­pagne keine Impräg­nierun­gen durch. In Vor­bere­itung der Mes­sun­gen kon­nte mit den verbleiben­den bei­den Betrieben eine Akku­mu­la­tion von Impräg­nier­aufträ­gen erre­icht wer­den. Die ermit­tel­ten Ergeb­nisse stellen daher unter Berück­sich­ti­gung der Auf­tragslage den worst case dar.
Zur Impräg­nierung wur­den die zu tränk­enden Hölz­er mit einem Gabel­sta­pler in eine Hal­tevor­rich­tung über dem Tauch­beck­en einge­bracht. Anschließend wurde das Holz in das Tauch­beck­en abge­senkt. Nach der Impräg­nierung wurde es wieder her­aus­ge­hoben und kon­nte ober­halb des Beck­ens abtropfen. Erforderte die Auf­tragslage einen höheren Durch­satz, so wurde das noch tropf­nasse Holz sofort nach dem Her­ausheben mit dem Gabel­sta­pler abtrans­portiert. Die Arbeit­splatzmes­sun­gen erfol­gten per­so­n­enge­tra­gen am Beschäftigten und orts­fest unmit­tel­bar neben dem Tauch­beck­en. Per­so­n­enge­tra­gen kon­nten nur zwei Mes­sun­gen durchge­führt wer­den. Bei ein­er etwa zweistündi­gen Tätigkeits­dauer lagen die dabei ermit­tel­ten Mess­werte für die Bor­be­las­tung unter 0,026 mg/m³. Daraus resul­tiert ein Schicht­mit­tel­w­ert von weniger als 0,007 mg/m³. Von zehn orts­festen Mes­sun­gen lagen mit drei Aus­nah­men alle Mess­werte unter­halb 0,001 mg/m³. In drei Fällen lagen die Konzen­tra­tio­nen im Bere­ich von 0,001 mg/m³ bis 0,049 mg/m³. Unter Berück­sich­ti­gung der tat­säch­lichen Tätigkeits­dauer resul­tiert daraus ein Schicht­mit­tel­w­ert von 0,007 mg/m³. Wie bere­its ein­gangs erwäh­nt, stellen diese Belas­tun­gen den worst case dar. Weit­er­hin kommt hinzu, dass diese Belas­tun­gen nicht in jed­er Schicht auftreten, da die Trogtränkung in den unter­sucht­en Betrieben nicht täglich und zum Teil in der Schicht unregelmäßig durchge­führt wird.

Zusammenfassung

In 13 Impräg­nier­be­trieben wur­den Arbeit­splatzmes­sun­gen mit dem Ziel durchge­führt, die inhala­tiv­en Belas­tun­gen der Beschäftigten bei der Kessel­druckim­präg­nierung mit kupfer- und chrom-/kupfer­halti­gen Lösun­gen sowie mit Teerölen, bei der Heiß-Kalt-Ein­stell­tränkung mit Teerölen und bei der Trogtränkung mit Bor­salzen zu ermitteln.
Bei der Kessel­druckim­präg­nierung mit kupfer- und chrom-/kupfer­halti­gen wäss­ri­gen Lösun­gen lagen die Belas­tun­gen durch die einatem­bare Staubfrak­tion mit max­i­mal 1,7 mg/m³ durch­weg unter­halb des Arbeit­splatz­gren­zw­ertes von 10mg/m³. Für Kupfer betru­gen die Belas­tun­gen bis zu 0,0061 mg/m³. Dabei zeigten sich bei der Impräg­nierung mit chrom­freien oder chromhalti­gen Holzschutzmit­teln etwa gle­ich hohe Kupfer­be­las­tun­gen. Wurde mit chromhalti­gen Holzschutzmit­teln impräg­niert, betru­gen die Chrombe­las­tun­gen bis zu 0,0073 mg/m³.
Bei der Kessel­druckim­präg­nierung mit Teerölen lag der Schw­er­punkt der Unter­suchun­gen bei Betrieben, die in erster Lin­ie Bahn­schwellen impräg­nierten. Die Belas­tun­gen durch die dabei freige­set­zten poly­cy­clis­chen aro­ma­tis­chen Kohlen­wasser­stoffe (PAH) wur­den als Summe der in der Dampf- und in der Par­tikel­phase auftre­tenden Stoffe bes­timmt. In keinem Betrieb war Benzo(a)pyren zu find­en. Die einge­set­zten Teeröle hat­ten laut Spez­i­fika­tion einen Benzo(a)pyren-Gehalt <50ppm. Im Schicht­mit­tel wurde für die Impräg­nier­ar­beit­en eine PAH-Belas­tung von 2,7 mg/m³ abgeleitet.
Weit­ere Arbeit­splatzmes­sun­gen erfol­gten in diesen Betrieben beim Auf­plat­ten, d. h. beim Anbrin­gen der Hal­terun­gen für die Gleise. Dabei lagen sowohl die per­so­n­enge­tra­ge­nen als auch die orts­festen Messergeb­nisse mit max­i­mal 1,76 mg/m³ bzw. 6,8 mg/m³ deut­lich niedriger als bei der Impräg­nierung. Es ist jedoch zu berück­sichti­gen, dass die Dauer dieser Tätigkeit­en und der damit ein­herge­hen­den Belas­tun­gen dur­chaus die gesamte Schichtlänge aus­machen kann.
Auch beim Heiß-Kalt-Ein­stel­lver­fahren mit Teerölen wurde kein Benzo(a)pyren gefun­den. Die an den Beschäftigten ermit­tel­ten PAH-Belas­tun­gen betru­gen hier bis zu 2,1 mg/m³ für die Summe der PAH. Direkt an der Anlage wur­den bei orts­fester Mes­sung bis zu 3,3 mg/m³ gefunden.
Die bei Ver­wen­dung von Teerölen ermit­tel­ten PAH-Belas­tun­gen sind im Wesentlichen auf fol­gende Stoffe zurück­zuführen: Naph­thalin, 1‑Methylnaphthalin, 2‑Methylnaphthalin, Ace­naph­then, Flu­o­ren und Phenanthren.
Bei der Trogtränkung mit Bor­salzen kon­nten Mes­sun­gen nur in zwei Betrieben durchge­führt wer­den. Unter worst case-Bedin­gun­gen ergaben sich im Bor-Schicht­mit­tel Belas­tun­gen bis zu 0,007mg/m³ – sowohl bei per­so­n­enge­tra­ge­nen als auch orts­festen Messungen.
Bei allen Ver­fahren erwiesen sich die Tätigkeit­en bei der Entleerung und Beschick­ung der Impräg­nier­an­la­gen als die expo­si­tion­sin­ten­sivsten. Der voll­ständi­ge Bericht [3] mit den hier dargestell­ten Ergeb­nis­sen der Arbeit­splatzmes­sun­gen sowie den Unter­suchun­gen zum Bio­mon­i­tor­ing und der Mes­sung von Haut­be­las­tun­gen ist unter www.baua.de frei verfügbar.
Lit­er­atur
  • 1. Richtlin­ie 98/8/EG des Europäis­chen Par­la­ments und des Rates vom 16. Feb­ru­ar 1998 über das Inverkehrbrin­gen von Biozid-Pro­duk­ten. ABl. EG Nr. L 123 vom 24.4.1998, S. 1–63, ber. ABl. EG Nr. L 150 vom 8. Juni 2002 (http://ecb.jrc.it/biocides)
  • 2. Gesetz zur Umset­zung der Richtlin­ie 98/8/EG des Europäis­chen Par­la­mentes und des Rates vom 16. Feb­ru­ar 1998 über das Inverkehrbrin­gen von Biozid-Pro­duk­ten (Biozidge­setz) vom 20. Juni 2002, Bun­des­ge­set­zblatt Jahrgang 2002 Teil I Nr. 40, aus­gegeben zu Bonn am 27. Juni 2002, S. 2076
  • 3. Hebisch, R., Holthen­rich, D., Kar­mann, J., Riechert, F., Berg­er, M., Ker­sten, N.: Arbeit­splatz­be­las­tun­gen bei der Ver­wen­dung von biozi­den Pro­duk­ten – Teil 4 Holzschutzmit­tel. Forschungs­bericht zum Pro­jekt F 1809. Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin, Dortmund/Berlin/Dresden 2009
  • 4. Europäis­ches Komi­tee für Nor­mung (CEN): DIN EN 335, Dauer­haftigkeit von Holz und Holzpro­duk­ten – Def­i­n­i­tion der Gebrauch­sklassen, Teil 1 All­ge­meines, Teil 2 Anwen­dung bei Voll­holz, Beuth-Ver­lag, Berlin, 2006
  • 5. Deutsche Bau­chemie e. V.: Merk­blatt für den Umgang mit Holzschutzmit­tel, Frank­furt am Main, Novem­ber 2007
  • 6. Gefahrstof­fverord­nung vom 23.12.2004 „Verord­nung zum Schutz vor Gefahrstof­fen“, vom 23. Dezem­ber 2004 (BGBl. I S 3758), geän­dert durch Artikel 2 der Verord­nung vom 23. Dezem­ber 2004 (BGBl. I S 3855), durch Artikel 2 der Verord­nung vom 11. Juli 2006 (BGBl. I S 1577), durch Artikel 442 der Neun­ten Zuständigkeit­san­pas­sungsverord­nung vom 31. Okto­ber 2006 (BGBl. I S 2407), durch Artikel 4 der Verord­nung zur Umset­zung der EG-Richtlin­ien 2002/44/EG und 2003/10/EG zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdun­gen durch Lärm und Vibra­tio­nen vom 6. März 2007 (BGBl. I S 261), durch Artikel 2 der Verord­nung vom 12. Okto­ber 2007 (BGBl. I S 2382) und durch Artikel 2 der Verord­nung vom 18. Dezem­ber 2008 (BGBl. I S 2768)
  • 7. Deutsche Forschungs­ge­mein­schaft (DFG): MAK- und BAT-Werte-Liste 2009, Sen­atskom­mis­sion zur Prü­fung gesund­heitss­chädlich­er Arbeitsstoffe, Mit­teilung 45, Wiley-VCH, Wein­heim, 2009
Dr. Ralph Hebisch
Dr. Dag­mar Holthenrich
Dipl.-Ing. Jörg Karmann
Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin, Dortmund
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