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Betriebliche Aspekte zur Auswahl persönlicher Schutzmaßnahmen

Primärprävention fördern, Hautbelastung vermeiden Teil 1
Betriebliche Aspekte zur Auswahl persönlicher Schutzmaßnahmen

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„The same pro­ce­dure as every year“: Hauterkrankun­gen sind seit vie­len Jahren der Spitzen­re­it­er im Beruf­skrankheit­engeschehen der Unfal­lver­sicherungsträger. In 2011 wur­den etwa 25.000 Hauterkrankun­gen gemeldet, Ten­denz steigend. Was sind die Gründe?

Frank Zuther

Hauterkrankun­gen verur­sachen nicht nur Ein­schränkun­gen in der Leben­squal­ität von Betrof­fe­nen, son­dern auch hohe volk­swirtschaftliche Kosten, die indi­rekt und let­ztlich auch die All­ge­mein­heit tre­f­fen. Das Engage­ment von Unfal­lver­sicherungsträgern, Medi­zin­ern, Fachkräften für Arbeitssicher­heit und vie­len anderen Akteuren im Arbeitss­chutz ist im Hin­blick auf die Präven­tion von Hauterkrankun­gen entsprechend hoch.
Was bedeutet „Präven­tion“?
Man unter­schei­det zwis­chen Primär‑, Sekundär- und Tertiärprävention.
Das eigentliche Ziel von Arbeitss­chützern ist die Primär­präven­tion, das heißt das Ver­hin­dern von Erkrankun­gen, bevor Krankheitssymp­tome auftreten. Die Sekundär­präven­tion set­zt an, wenn eine Erkrankung bere­its begonnen hat, auch wenn von den Betrof­fe­nen noch keine Symp­tome erkan­nt wer­den. Durch Präven­tion­s­maß­nah­men soll dabei ein Fortschre­it­en der Erkrankung aufge­hal­ten wer­den. Hat sich eine Erkrankung bere­its man­i­festiert, so sollen durch die Ter­tiär­präven­tion Folgeschä­den oder Rück­fälle ver­hin­dert werden.
Das gemein­same Ziel im Arbeitss­chutz ist ein­deutig eine effek­tive Primär­präven­tion. Nur durch das Ver­hin­dern von Erkrankun­gen kön­nen lei­dens- und kosten­in­ten­sive Fol­gen ver­ringert wer­den. Die Sta­tis­tik zeigt, dass dies trotz bish­eriger Aktiv­itäten von Ver­ant­wortlichen lei­der noch nicht aus­re­ichend gelingt.
Nimmt die Anzahl an beru­flich bed­ingten Hauterkrankun­gen zu?
Seit vie­len Jahren liegen die Mel­dun­gen auf Ver­dacht ein­er beru­flich bed­ingten Hauterkrankung, wie auch die bestätigten Fälle in der gle­ichen Größenord­nung. Die Anzahl der Vol­lar­beit­er sowie die geleis­teten Arbeitsstun­den sind dabei leicht gestiegen. Dies sollte jedoch nicht als Erfolg gew­ertet wer­den, denn bei allen Ver­dachtsmeldun­gen han­delt es sich bere­its um Beschäftigte, die ein Haut­prob­lem haben. Bei ihnen hat die Primär­präven­tion offen­sichtlich nicht stattge­fun­den oder versagt.
Bei Auftreten von Haut­prob­le­men, die möglicher­weise durch die beru­fliche Tätigkeit verur­sacht oder ver­schlim­mert wer­den, ist der Hau­tarzt, beziehungsweise der Betrieb­sarzt verpflichtet, dies dem zuständi­gen Unfal­lver­sicherungsträger in Form eines Hau­tarzt­bericht­es mitzuteilen und damit das soge­nan­nte Hau­tarztver­fahren einzuleit­en. Durch die Zusam­me­nar­beit von Arzt und Unfal­lver­sicherungsträger sollen möglichst rasch medi­zinis­che und präven­tive Maß­nah­men umge­set­zt wer­den, um dem Betrof­fe­nen das Fort­set­zen sein­er Tätigkeit zu ermöglichen. Bei dieser Art der Präven­tion han­delt es sich bere­its um die Sekundär­präven­tion, das heißt: es gilt zu ver­hin­dern, dass sich die Hauterkrankung ver­schlim­mert und der Betrof­fene seine haut­ge­fährdende Tätigkeit aufgeben muss. Dies wäre eine der Voraus­set­zun­gen für die Anerken­nung der Hauterkrankung als Berufskrankheit.
Durch die Sta­tis­tik kön­nen an dieser Stelle erfreulichere Zahlen präsen­tiert wer­den: Der prozen­tuale Anteil der als beru­flich bed­ingt anerkan­nten Hauterkrankung, die mit der Auf­gabe der gefährden­den Tätigkeit ein­herge­ht, hat deut­lich abgenom­men. Lag sie in 1995 noch bei ca. 11%, so kon­nte diese Zahl bis zum Jahr 2000 auf ca. 8%, bis 2005 auf 5,3% und in 2011 auf 2,3% reduziert wer­den. Die Sekundär­präven­tion, das heißt das Ergreifen von Schutz­maß­nah­men basierend auf § 3 der Beruf­skrankheit­en­verord­nung (Hau­tarztver­fahren) nach Auftreten erster Haut­prob­leme, scheint wirk­sam zu sein. Dabei sollte man sich jedoch kri­tisch vor Augen hal­ten, dass dies nur eine Art „Schadens­be­gren­zung“ ist.
Es wird Zeit, ver­stärkt an die Wurzeln zu gehen und zu ver­hin­dern, dass Haut­prob­leme am Arbeit­splatz über­haupt auftreten. Dabei geht es nicht ein­fach um das Anbi­eten und Ver­wen­den von Schutzhand­schuhen und Hautschutzmit­teln. Es geht um die best­mögliche Ver­mei­dung ein­er hautschädi­gen­den Belas­tung mit geeigneten Maß­nah­men. „Hauterkrankun­gen ver­hin­dern“ heißt „Haut­be­las­tung ver­mei­den“. Hier sind weniger die Hautärzte, als vielmehr die „Arbeitss­chützer an der Basis“ – ins­beson­dere die Fachkräfte für Arbeitssicher­heit und die Betrieb­smedi­zin­er, aber auch die Unfal­lver­sicherungsträger gefordert.
Wie kann die Primär­präven­tion verbessert werden?
Die Gründe für eine unzure­ichende Primär­präven­tion ziehen sich wie ein rot­er Faden über alle Stufen des Arbeitss­chutzes – ange­fan­gen von der Gefährdungs­beurteilung über die Auswahl von Schutz­maß­nah­men, der Infor­ma­tion des Beschäftigten zu Gefährdun­gen und Schutz­maß­nah­men bis hin zur ihrer inkon­se­quenten Anwen­dung, beziehungsweise Nich­tan­wen­dung. Um die Präven­tion nicht weit­er auf eine Schadens­be­gren­zung zu degradieren, sollte drin­gend an den Grund­la­gen eines prax­is­na­hen Arbeitss­chutzes gear­beit­et werden.
Gefährdungs­beurteilung
In der Prax­is wird der The­men­bere­ich Haut­be­las­tung offen­sichtlich immer noch nicht ernst genug genom­men. Viele Gefährdun­gen wer­den nicht als solche erkan­nt und bleiben in der Gefährdungser­mit­tlung unberück­sichtigt. Entsprechend unzulänglich sind dann die Gefährdungs­beurteilung und die resul­tieren­den Schutz­maß­nah­men. Um nur ein Beispiel zu nen­nen: Eine häu­fige und aggres­sive Hautreini­gung schädigt die Haut über kurz oder lang nach­haltig. Dieser zusät­zlichen, manch­mal sog­ar auss­chließlichen Haut­be­las­tung wird in der Gefährdungs­beurteilung oft keine Beach­tung geschenkt. Ob notwendig oder nicht, wird stattdessen oft ein Reini­gungsmit­tel für starke Ver­schmutzung aus­gewählt und ohne Hin­weis auf hautschädi­gende Fol­gen in den Hautschutz­plan inte­gri­ert! Wenn die Präven­tion ernst genom­men würde, dürfte ein der­ar­tiger Fehler nicht passieren.
Auch wenn die Gefährdun­gen als ger­ing erscheinen, so zeigen sie doch nach Jahren sicht­bare Resul­tate nicht nur hin­sichtlich des Hautzu­s­tandes, son­dern möglicher­weise auch durch der­male Auf­nahme von Stof­fen mit der Folge ein­er sys­temis­chen Erkrankung. Die Opti­mierung der Gefährdungser­mit­tlung und ‑beurteilung ist der erste Schritt hin zu ein­er guten Primärprävention.
Geeignete Schutz­maß­nah­men
Als zweite Quelle sind die aus­gewählten Schutz­maß­nah­men an sich zu nen­nen. Auch wenn eine Gefährdung erkan­nt wird, wer­den die Schutz­maß­nah­men oft nicht geeignet getrof­fen und umge­set­zt. Dies bet­rifft im Falle von Hauterkrankun­gen meis­tens auch die per­sön­liche Schutzausrüstung.
Der Geset­zge­ber gibt dem Arbeit­ge­ber vor, soweit notwendig »geeignete« per­sön­liche Schutzaus­rüs­tun­gen zur Ver­fü­gung zu stellen und zur Anwen­dung zu brin­gen. Entschei­dend ist dabei das Wort »geeignet«. Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tun­gen wer­den zwar aus­gewählt und zur Ver­fü­gung gestellt, aber die Pro­duk­tauswahl ist häu­fig nicht opti­mal und die Infor­ma­tion (Unter­weisung) dazu begren­zt. Auch an der kon­se­quenten Anwen­dung man­gelt es aus ver­schiede­nen Grün­den, auf die an später­er Stelle noch einge­gan­gen wird.
Die TRGS 401: Hil­fe bei der Auswahl?
Die Tech­nis­chen Regel für Gefahrstoffe TRGS 401 »Gefährdun­gen bei Hautkon­takt: Ermit­tlung – Beurteilung – Maß­nah­men« [1] soll bei der Auswahl geeigneter Schutz­maß­nah­men eine Hil­festel­lung geben. Obwohl der lobenswerte Ver­such unter­nom­men wurde, den Weg zur Auswahl und Anwen­dung geeigneter Schutz­maß­nah­men prax­is­gerecht zu beschreiben, sollte der reale prak­tis­che Nutzen der TRGS kri­tisch hin­ter­fragt wer­den. Unab­hängig von eini­gen von Experten ange­focht­e­nen Punk­ten darf sie nicht als Bedi­enungsan­leitung ver­standen wer­den, nach der 1:1 vorzuge­hen ist. Prak­tisch gewonnene Erfahrun­gen müssen ver­stärkt berück­sichtigt und die Aus­führun­gen der TRGS 401 haupt­säch­lich als rich­tungs­gebend gew­ertet wer­den. Den Weg zu geeigneten Schutz­maß­nah­men muss jed­er Ver­ant­wortliche selb­st für seine betrieblichen Anforderun­gen und Ver­hält­nisse finden.
Ohne auf die Inhalte der TRGS 401 näher einzuge­hen, wird in dieser tech­nis­chen Regel der Stel­len­wert von Pro­duk­ten und Möglichkeit­en des Hand-/Hautschutzes nicht geeignet dargestellt. Bisweilen wird der Ein­druck erweckt, dass Schutzhand­schuhe eher eine gesund­heitliche und kör­per­liche Belas­tung (Schwitzen/Okklusion, Handschuhinhaltsstoffe/Allergene), als einen Schutz darstellen. Solange das nicht richtig gestellt wird, kann die Primär­präven­tion keine Früchte tragen.
Fakt ist, dass neben tech­nis­chen und organ­isatorischen Schutz­maß­nah­men das Tra­gen von geeigneten Schutzhand­schuhen das Mit­tel zur Wahl zur Ver­mei­dung von Hauterkrankun­gen und Ver­let­zun­gen der Hände darstellt. Diese per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung ist durch die Anwen­dung von Hautschutzmit­teln nicht zu erset­zen. Teil 2 wird sich näher mit dieser The­matik beschäftigen.
Eig­nung der Schutzmaßnahmen
in der Praxis
Um eine abschließende Auswahl tre­f­fen zu kön­nen, muss nicht nur die the­o­retis­che, son­dern auch die prak­tis­che Eig­nung für die fest­gelegten Maß­nah­men bei bes­timmten Tätigkeit­en gewährleis­tet sein. Es bietet sich daher an, im Vor­feld ein­er abschließen­den Entschei­dung über den Ein­satz von PSA im Betrieb Anwendungs‑, beziehungsweise Tragev­er­suche mit ein­er Vorauswahl durchzuführen. Nur wenn die Beschäftigten die Anwen­dung ein­er Schutz­maß­nahme befür­worten, kann diese wirk­sam im Betrieb umge­set­zt wer­den. Bei Tragev­er­suchen mit Schutzhand­schuhen kön­nen wichtige Hin­weise zur Eig­nung für die Prax­is sowie zur Akzep­tanz gewon­nen und die Auswahl gegebe­nen­falls kor­rigiert wer­den. Sub­jek­tive Auswahlkri­te­rien für Hand­schuhe, wie Tastempfind­en, Griff­sicher­heit, Pass­form oder „Haut­ge­fühl“ kön­nen nur von den Beschäftigten durch die Anwen­dung des Schutzpro­duk­ts bei der Tätigkeit getrof­fen werden.
Es emp­fiehlt sich von jedem, der die Schutzpro­duk­te in der Prax­is prüft, ein „Tragev­er­such­spro­tokoll“ aus­füllen zu lassen. Nur auf diese Weise kann ver­mieden wer­den, dass später Vor­wände wie „ich kann nicht mit Hand­schuhen arbeit­en“, vorge­bracht und die Schutzpro­duk­te nicht ver­wen­det werden.
Nach diesem Pro­cedere ist der Einkauf gefragt. Nicht sel­ten kommt es vor, dass von der Fachkraft für Arbeitssicher­heit oder vom Betrieb­sarzt Schutzpro­duk­te aus­gewählt wer­den, der Einkauf aus Kosten­grün­den jedoch „ähn­liche Pro­duk­te“ bestellt. Wie ein­gangs ange­führt kön­nen diese jedoch völ­lig andere Eigen­schaften haben – ins­beson­dere auch hin­sichtlich der Trageeigen­schaften. Hier soll­ten daher von Seit­en der Arbeitssicher­heit exak­te Vor­gaben gemacht und diese detail­liert mit dem Einkauf besprochen werden.
Infor­ma­tion der Beschäftigten
Die Beschäftigten müssen nicht nur wis­sen, dass sie Schutzpro­duk­te ver­wen­den müssen, son­dern auch wann, wie und warum. Im Falle von mech­a­nis­chen Belas­tun­gen fällt dies weniger schw­er, da sie in der Regel spür­bare Fol­gen haben, z.B. Schnittver­let­zun­gen. Demge­genüber ist die Wirkung von Chemikalien meis­tens nicht schmerzhaft spür­bar. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Haut gesund bleibt. Die Haut hat zwar eine gewisse Bar­ri­erewirkung, ist jedoch auch ein Auf­nah­me­or­gan, das Chemikalien in den Kör­p­er passieren lässt. Je nach Art der Chemikalie kön­nen diese auch in wiederkehrend kleinen Konzen­tra­tio­nen nach Jahren zu ern­sten sys­temis­chen Erkrankun­gen führen. Jed­er Beschäftigte muss daher auf die Gefährdun­gen und die Fol­gen aufmerk­sam gemacht und darüber in Ken­nt­nis geset­zt wer­den, wie er den Kon­takt ver­mei­den kann. Es genügt nicht, Schutzpro­duk­te zur Ver­fü­gung zu stellen. Die Beschäftigten müssen die Schutzvor­gaben ein­se­hen und akzep­tieren, damit sie kon­se­quent und bes­tim­mungs­gemäß angewen­det wer­den. Das Befol­gen der Schutz­maß­nah­men ist ein wesentlich­es Kri­teri­um dafür, dass sie dauer­haft in der betrieblichen Prax­is wirken. Die Betrieb­san­weisung sowie ein tätigkeit­sadap­tiert­er Hand-/Hautschutz- und Hygien­e­plan kön­nen dabei unter­stützen, wer­den jedoch ohne detail­lierte per­sön­liche Infor­ma­tion keine aus­re­ichende Wirkung haben.
Weit­er­hin sind die Beschäftigten darüber zu informieren, wie die Schutzpro­duk­te ver­wen­det wer­den. Wie lange darf ein Schutzhand­schuh bei ein­er bes­timmten Tätigkeit getra­gen wer­den? Welch­es Hautschutzmit­tel soll wann und wie oft ver­wen­det wer­den? Wie sieht es mit der Betrieb­shy­giene, ins­beson­dere der Hän­dere­ini­gung aus? Er benötigt detail­lierte Vor­gaben zur Anwen­dung der Schutzpro­duk­te, zu ihren Möglichkeit­en und Gren­zen, aber auch zur Lagerung, sofern sie über mehrere Tage ver­wen­det wer­den. Nicht sel­ten liegen Hand­schuhe oder Atem­schutz­masken ungenutzt und ungeschützt an Arbeit­splätzen im Betrieb und kön­nen dann natür­lich zumin­d­est umge­bungs­be­d­ingt kon­t­a­miniert wer­den. Das sollte drin­gend ver­mei­den wer­den, sofern die Pro­duk­te wiederver­wen­det wer­den sollen.
Organ­i­sa­tion im Betrieb
Ist man zu ein­er abschließen­den Auswahl gekom­men, so muss auch die Bere­it­stel­lung organ­isiert wer­den. Das Aufhän­gen von Spendern oder das Verteilen von Hautschutz‑, Hautpflege- und Hautreini­gungsmit­teln reicht nicht aus. Woher bekommt der Beschäftigte neue Hand­schuhe? Wer ist für das Auf­füllen der Spender für Hautschutzmit­tel zuständig? An wen sollen sich Beschäftigte wen­den, wenn es zu Prob­le­men in der Anwen­dung kommt?
Eine gute Organ­i­sa­tion bein­hal­tet auch das gezielte Anbi­eten geeigneter Pro­duk­te, um Fehlanwen­dun­gen zu ver­mei­den. Es ist beispiel­sweise nicht sin­nvoll, im Bere­ich der Arbeit­splätze Hautpflegemit­tel anzu­bi­eten, da die Beschäftigten in der Regel nicht zwis­chen Hautschutz- und Hautpflegemit­teln unter­schei­den und daher das Pro­dukt ver­wen­den, das sie am angenehm­sten empfind­en – und das ist oft das Hautpflegemit­tel. Die Anwen­dung von Hautpflegemit­teln während der Arbeit kann – von begrün­de­ten Aus­nah­men abge­se­hen – zu ein­er Ver­stärkung der Hautschädi­gung führen und damit kon­trapro­duk­tiv sein. Die Ein­stel­lung „Haupt­sache cre­men“ ist daher abzulehnen. Hautpflegemit­tel sind generell nach der Arbeit als Gegen­pol der vorheri­gen Hautschädi­gung anzuwen­den und haben damit beispiel­sweise in die Umk­lei­de den richti­gen Platz.
Eben­so soll­ten nicht auss­chließlich aggres­sive reibekör­per­haltige Reini­gungsmit­tel zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Die Beschäftigten müssen auch die Möglichkeit ein­er scho­nen­den Hautreini­gung haben – zumal der Ver­schmutzungs­grad ins­beson­dere bei Tra­gen von Schutzhand­schuhen nicht sehr hoch ist.
Alle Pro­duk­te zum Hand- und Hautschutz sollen und müssen hin­re­ichend erk­lärt wer­den, um die Schut­zleis­tung in der Prax­is abzu­fordern. Einige Empfehlun­gen zur geeigneten Auswahl und Anwen­dung von Schutzhand­schuhen und Hautschutzmit­teln wer­den in Teil 2 dieser Artikelserie gegeben.
Faz­it
Zur Reduzierung von beru­flich bed­ingten Hauterkrankun­gen muss der Primär­präven­tion mehr Beach­tung geschenkt wer­den. Dabei sind alle Beteiligten gefordert. Eine Hauterkrankung entste­ht meis­tens aus dem Zusam­men­spiel mehrerer schädi­gen­der Fak­toren und dem Ein­satz ungeeigneter oder nicht-opti­maler per­sön­lich­er Schutz­maß­nah­men. Zusam­men­fassend kann fest­ge­hal­ten werden:
  • Der Ein­satz von geeigneten Schutzhand­schuhen muss gefördert werden.
  • Hautschutzmit­tel sind nachrangig zur per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung (hier: Schutzhand­schuhe) einzusetzen.
  • Hautschutzmit­tel sind nur als Schutz­maß­nahme bei gerin­gen Gefährdun­gen (min­i­malen Gefahren) anzuse­hen, und nur dann, wenn für den Tätigkeits­bere­ich Nach­weise zur Wirk­samkeit vorliegen.
  • Der Ver­mei­dung und dem Schutz vor Gefährdun­gen, die bish­er als „ger­ing“ gew­ertet und daher in der Gefährdungs­beurteilung nur spo­radisch beachtet wur­den, sollte ein höher­er Stel­len­wert als bish­er zukommen.
  • Die Organ­i­sa­tion von Hand-/Hautschutz­maß­nah­men im Betrieb sowie die Unter­weisung zur Anwen­dung der getrof­fe­nen Schutz­maß­nah­men soll­ten opti­miert werden.
Nicht zulet­zt kön­nte die Über­prü­fung der Wirk­samkeit aller Schutz­maß­nah­men unter­stützt und gegebe­nen­falls neu angepasst wer­den, wenn regelmäßig bei allen Beschäftigten eine betrieb­särztliche Über­prü­fung des Hautzu­s­tandes durchge­führt würde. Dadurch kön­nten bere­its leichte Hauter­schei­n­un­gen rechtzeit­ig erkan­nt und vor Beginn eines Ekzems gegenges­teuert werden.
Teil 2 der Artikelserie behan­delt in der kom­menden Aus­gabe des Sicher­heitsin­ge­nieurs Grund­sät­zlich­es zur Auswahl und Anwen­dung von Schutzhand­schuhen und Hautschutzmitteln.
Die kri­tis­che Auseinan­der­set­zung mit der TRGS 401 wird Gegen­stand ein­er weit­eren Veröf­fentlichung sein.
Autor
Frank Zuther
Frank Zuther Con­sult­ing Skager­rak­str. 72 46149 Oberhausen
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