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Brandschutz im Unternehmen – gefordert, aber oft noch nicht umgesetzt

Brandschutz und Arbeitsschutz im Einklang
Brandschutz im Unternehmen – gefordert, aber oft noch nicht umgesetzt

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Jed­er Arbeit­ge­ber ist verpflichtet, die Gefährdung durch Brand und Explo­sion in seinem Unternehmen zu ermit­teln und zu beurteilen. Doch wer sollte und kann die Ver­ant­wortlichen dabei unter­stützen, Gefährdun­gen durch Brände und Explo­sio­nen zu min­imieren? Der Beitrag plädiert dafür, dass Sicher­heitsin­ge­nieure und Fachkräfte für Arbeitss­chutz ver­stärkt zu Brand­schutzbeauf­tragten aus- und weit­erge­bildet werden.

Da es in vie­len Fir­men – teil­weise auch über viele Jahre hin­weg – nicht zu Schaden­feuern oder Explo­sio­nen gekom­men ist, wird das vorhan­dene Risiko häu­fig überse­hen oder zumin­d­est unter­schätzt. Das Ober­lan­des­gericht in Mün­ster hat diese unbe­friedi­gende Sit­u­a­tion in einem Urteil als „Glück“ beze­ich­net und nicht als Nach­weis dafür, dass es auch zukün­ftig nicht zu Brän­den und Explo­sio­nen kom­men kann.
Brand­schutzbeauf­tragter
Wie in Deutsch­land im Bere­ich Brand­schutz nach­haltige Verbesserun­gen erzielt wer­den kön­nen, wird seit ger­aumer Zeit an ver­schiede­nen Stellen berat­en. Ein Ansatz ist es, bere­its bestellte „sicher­heit­stech­nis­che Unternehmens­ber­ater“ (Sicher­heitsin­ge­nieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicher­heit) zusät­zlich zum The­ma Brand- und Explo­sion­ss­chutz auszu­bilden und dem Arbeit­ge­ber anschließend als Band­schutzbeauf­tragte zur Seite zu stellen.
Unprob­lema­tisch ist das nicht, denn obwohl unter anderem bau­rechtliche Vorschriften aus dem staatlichen Regel­w­erk die Bestel­lung eines Brand­schutzbeauf­tragten fordern und obwohl laut Unfal­lver­hü­tungsvorschrift der Beruf­sgenossen­schaft Not­fall­maß­nah­men ins­beson­dere für den Brand­fall gefordert wer­den, gibt es keine rechtsverbindliche Regelung für die Aus‑, Weit­er- und Fort­bil­dung für Brand­schutzbeauf­tragte oder son­stige Per­so­n­en mit Auf­gaben im unternehmen­seige­nen Brandschutz.
Experten-Organ­i­sa­tio­nen wie der vbbd (Vere­in der Brand­schutzbeauf­tragten in Deutsch­land e.V.), der vfdb (Vere­ini­gung zur Förderung des deutschen Brand­schutzes e.V.), Uni­ver­sitäten, Fach­hochschulen und aus­ge­suchte Bil­dungsträger hal­ten es daher für angezeigt, ein­heitliche Vor­gaben für die Qual­i­fika­tion als Stand der Tech­nik zu beschreiben und damit zu ein­er qual­i­ta­tiv hochw­er­ti­gen Brand­schutz-Beratung beizutragen.
Die Beratung des Unternehmers muss sich dabei immer an der betrieblichen Prax­is ori­en­tieren. Genau dadurch liegt es nahe, dass diejeni­gen, die Gefährdun­gen und Risiken im Unternehmen ken­nen, die richti­gen Ansprech­part­ner sein kön­nen. Fachkräfte für Arbeitssicher­heit (Sicher­heitsin­ge­nieure, ‑meis­ter und ‑tech­niker) bilden sich zunehmend auf dem Gebi­et des Brand- und Explo­sion­ss­chutzes weit­er, um durch diese Zusatzqual­i­fika­tion ihre Kom­pe­tenz zu verbessern und ihre Beratungsleis­tung ergänzen zu können.
Ker­nauf­gaben
Die Auf­gaben des Brand­schutzbeauf­tragten sind vielfältig, daher sollen hier nur beispiel­haft einige wichtige Auf­gaben benan­nt werden:
  • Auf­stellen von Brandschutzordnungen
  • Aus­bil­dung von Mitar­beit­ern (Brand­schutzhelfer, im Umgang mit Feuer­löschein­rich­tun­gen unter­wiesene Personen)
  • Betreu­ung von Brandschutzeinrichtungen
  • Ermit­teln von Brand- und Explosionsgefahren
  • Durch­führung von Brand­schutzbege­hun­gen und Teil­nahme an behördlich ange­ord­neten Brandschauen
  • Gestal­tung von Arbeitsver­fahren und Ein­satz von Arbeitsstoffen
  • Zusam­me­nar­beit mit Behör­den, Feuer­wehren und Sachversicherern.
Die Fachkraft für Arbeitssicher­heit (Sifa) hat in der durch die Deutsche Geset­zliche Unfal­lver­sicherung (DGUV) und die Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin (BAuA) konzip­ierten Aus­bil­dung Grund­ken­nt­nisse in Brand- und Explo­sion­ss­chutz, ins­beson­dere aber Expertenken­nt­nisse in der Erstel­lung von Gefährdungs­beurteilun­gen und der Beratung der Unternehmer in sicher­heit­srel­e­van­ten Fra­gen erwor­ben. So liegt es nahe, dass die Aus­bil­dung von Sifas zu Brand­schutzbeauf­tragten, diese Qual­i­fika­tion voraus­set­zend, im Ver­gle­ich zu the­ma­tisch nicht vorge­bilde­ten Per­so­n­en verkürzt wer­den kann.
Die Aus­bil­dung
Der Rah­men­plan der Aus­bil­dung ist gle­ich: Eines der wichtig­sten The­men aus dem vor­beu­gen­den Brand­schutz, stellt das unternehmen­seigene Brand­schutzkonzept dar. Die Fachkraft für Arbeitssicher­heit mit gle­ichzeit­iger Bestel­lung als Brand­schutzbeauf­tragter kann die Notwendigkeit eines solchen Konzeptes anhand der geset­zlichen und beruf­sgenossen­schaftlichen Vorschriften mit in die sicher­heit­stech­nis­che Beratung des Unternehmers und der Führungskräfte einbringen.
Auch die Posi­tion­ierung des Brand­schutzbeauf­tragten in der Auf­bauor­gan­i­sa­tion des Betriebes gle­icht im Ide­al­fall der Einord­nung der Sifa: Sie bek­lei­den Stab­stellen, das heißt, sie wer­den ohne Weisungs­befug­nis – direkt der Geschäft­sleitung zur Seite gestellt – tätig. Das sichert eine opti­male Beratung, ohne dass es hier­bei auf Grund hier­ar­chis­ch­er Einord­nung zu Inter­essenkon­flik­ten kommt.
Die Aus­bil­dung von Fachkräften für Arbeitssicher­heit zu Brand­schutzbeauf­tragten muss selb­stver­ständlich die The­men­bere­iche abdeck­en, die in der vfdb-Richtlin­ie 12–09/01 enthal­ten sind und die als Min­i­malangaben zu inter­pretieren sind. Dazu gehören im Einzelnen:
  • Rechtliche Grund­la­gen
  • Bran­dlehre
  • Brand- und Explo­sion­s­ge­fahr und Brandrisiken
  • Baulich­er Brandschutz
  • Anla­gen­tech­nis­ch­er Brandschutz
  • Hand­betätigte Geräte zur Brandbekämpfung
  • Organ­isatorisch­er Brandschutz
  • Zusam­me­nar­beit mit Behör­den, Feuer­wehren und Versicherern.
Die Abschlussprü­fung beste­ht min­destens aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Einzel­heit­en sind in ein­er Prü­fung­sor­d­nung zu regeln. Im Sinne ein­er nach­prüf­baren Qual­ität, auch der Abschlussprü­fung, sind die schriftlich gegebe­nen Antworten und ein Pro­tokoll der mündlichen Prü­fun­gen min­destens für ein Jahr zu archivieren. An den mündlichen Prü­fun­gen kann der Kan­di­dat nur nach bestanden­er schriftlich­er Prü­fung teilnehmen.
Neben den the­o­retisch ver­mit­tel­ten Inhal­ten ist ein prak­tis­ch­er Teil in der Aus­bil­dung zu Brand­schutzbeauf­tragten erforder­lich. Ohne die Ken­nt­nisse des richti­gen Umgangs mit Feuer­lösch­ern wird es deut­lich schwieriger sein, den zu bera­ten­den Unternehmer von seinen Pflicht­en aus der Unfal­lver­hü­tungsvorschrift „Grund­sätze der Präven­tion“ BGV A 1 zu überzeu­gen. Im § 22 steht:
(1) Der Unternehmer hat entsprechend § 10 Arbeitss­chutzge­setz die Maß­nah­men zu pla­nen, zu tre­f­fen und zu überwachen, die ins­beson­dere für den Fall des Entste­hens von Brän­den, von Explo­sio­nen, des unkon­trol­lierten Aus­tretens von Stof­fen und von son­sti­gen gefährlichen Störun­gen des Betrieb­sablaufs geboten sind.
(2) Der Unternehmer hat eine aus­re­ichende Anzahl von Ver­sicherten durch Unter­weisung und Übung im Umgang mit Feuer­löschein­rich­tun­gen zur Bekämp­fung von Entste­hungs­brän­den ver­traut zu machen.
Die prak­tis­chen Übun­gen kön­nen unter­schiedliche Brände simulieren, ange­fan­gen mit Papierko­rb­brand, Brand von Elek­trogeräten bis hin zum Brand hin­ter ver­schlosse­nen Türen. Hier­bei kann nicht nur der richtige Ein­satz der Feuer­lösch­er, son­dern auch die richtige Löschtak­tik eingeübt wer­den. Auch sor­gen Druck­be­häl­ter- und Fet­tex­plo­sion bei den meis­ten Lehrgang­steil­nehmern für bleibende Erinnerungen.
Bei der Aus­bil­dung von Brand­schutzbeauf­tragten ist es in jedem Fall angezeigt, die Vorken­nt­nisse der Aus­bil­dung­steil­nehmer angemessen zu berück­sichti­gen, gle­ichzeit­ig jedoch auf mögliche beson­dere Gefährdun­gen in den von ihnen berate­nen Unternehmen einzuge­hen. Das kann in Einzelfällen dazu führen, dass zusät­zliche – ver­tiefende – Unter­richtsin­halte hinzugenom­men wer­den sollten.
Wenn der Brand­schutz in Unternehmen wirk­sam einge­führt und durchge­führt wer­den soll, erscheint es erforder­lich, ihn in die Sicher­heit­sor­gan­i­sa­tion einzu­binden und nicht als geson­dertes Konzept zu betra­cht­en und zu behan­deln. Ger­ade hier zeigen sich die Syn­ergieef­fek­te, die sich aus der Kom­bi­na­tion von Fachkraft für Arbeitssicher­heit und Brand­schutzbeauf­tragtem in Per­son­alu­nion ergeben.
Faz­it
Eine Aus­bil­dung von Sifas zu Brand­schutzbeauf­tragten ist eine für alle betrieblich Beteiligten gewinnbrin­gende Zusatzqual­i­fizierung und kann daher nur emp­fohlen wer­den. Ein weit­er­er pos­i­tiv­er Aspekt ist die Anerken­nung der Aus­bil­dung zum Brand­schutzbeauf­tragten als verbindlich geforderte Fort­bil­dung der Sifa. Für den Unternehmer bedeutet die Bestel­lung eines gut aus­ge­bilde­ten Brand­schutzbeauf­tragten – auch wenn er nicht in jedem Falle aus­drück­lich gefordert ist – Rechtssicher­heit. Denn: Zuviel kann man zum The­ma Brand­schutz nicht berat­en – zu wenig schon.
Autor:
Thomas Engels Dozent der Mplus Akademie
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