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Campus zum Thema Gehör­schutz

Sicherheitsexperten im Dialog
Campus zum Thema Gehör­schutz

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Mit 4.500 gemel­de­ten Fällen pro Jahr liegt die Lärm­schwer­hö­rig­keit an der Spitze der Berufs­er­kran­kun­gen in Deutsch­land. Eine unrühm­li­che Spit­zen­po­si­tion, die durch besse­ren Gehör­schutz am Arbeits­platz vermie­den werden könnte.
In der Reihe seiner Campus-Veranstaltungen stellt der Bereich Arbeits- und Umwelt­schutz­pro­dukte des Multi-Technologieunternehmens 3M den Dialog mit Sicher­heits­ex­per­ten – Entschei­dungs­trä­gern aus Indus­trie, Verbän­den und Behör­den – in den Mittel­punkt. Das Thema Gehör­schutz war auf Thema der Campus-Veranstaltung am 28. und 29. Mai im Neus­ser Forschungs­zen­trum Diskus­si­ons­ge­gen­stand.

Wie wich­tig die rich­tige Auswahl für die Trage­ak­zep­tanz und Wirk­sam­keit des Gehör­schut­zes ist, stellte Gehörschutz-Experte Peter Sickert in einem Fach­vor­trag dar. Er ist tech­ni­sche Aufsichts­per­son bei der Berufs­ge­nos­sen­schaft Metall Nord Süd und Leiter des Sach­ge­biets „Gehör­schutz“ im Fach­aus­schuss „Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tun­gen“ der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung und arbei­tet in einer Viel­zahl von Gremien zum Thema Lärm und Gehör­schutz mit.
Es wurde deut­lich, dass Gehör­schutz ein Thema ist, das nicht wich­tig genug genom­men werden kann. Zum einen tragen viele Lärm­ar­bei­ter – etwa wegen des mangeln­den Trage­kom­forts – ihren Gehör­schutz nicht regel­mä­ßig, zum ande­ren hat der Gehör­schutz aufgrund unsach­ge­mä­ßer Anwen­dung oft nicht die erwünschte Wirk­sam­keit.
„Der rich­tige Einsatz von Gehör­schutz entspre­chend der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung“ war daher das zentrale Thema des Vortrags von Peter Sickert.
Zur Einhal­tung des maxi­mal zuläs­si­gen Expo­si­ti­ons­wer­tes dürfen der Tages-Lärmexpositionspegel (LEX,8h) am Ohr des Benut­zers den Wert von 85 dB(A) und der Spit­zen­schall­druck­pe­gel (LpC,peak) den Wert von 137 db(A) nicht über­schrei­ten. Für die Auswahl und Bewer­tung des Gehör­schut­zes ist zu berück­sich­ti­gen, dass
  • die in der Praxis erzielte Schutz­wir­kung häufig durch unsach­ge­mäße Benut­zung oder Verschleiss gerin­ger ist als in den Labor­mes­sun­gen ermit­telt,
  • eine Über­pro­tek­tion vermie­den werden sollte (Der ange­wen­dete Gehör­schutz sollte jeweils so bemes­sen sein, dass am Ohr ein empfoh­le­ner Rest­schall­pe­gel von 70–80 dB(A) ankommt),
  • eine Signaler­ken­nung in ausrei­chen­dem Maße möglich ist.

Über­ra­schende Ergeb­nisse beim Praxis-Check

Wie viel Lärm hinter dem Gehör­schutz tatsäch­lich auf das empfind­li­che Innen­ohr trifft, kann jetzt mit dem 3M™ E‑A-Rfit Vali­da­tion System exakt gemes­sen werden. Dieses neue System erlaubt eine objek­tive Messung des Schall­druck­pe­gels unter dem Gehör­schutz und außer­halb des Ohrs: Ein Laut­spre­cher erzeugt ein Geräusch im Frequenz­be­reich 125‑8000 Hz. Ein außen am Ohr ange­brach­tes Mikro­fon und ein mit präpa­rier­ten Gehör­schutz­stöp­seln im Inne­ren des Ohres plat­zier­tes Mikro­fon messen den jewei­li­gen Schall­druck­pe­gel. Aus der Diffe­renz der beiden Pegel berech­net eine spezi­elle Soft­ware unter Berück­sich­ti­gung von Korrek­tur­fak­to­ren den im indi­vi­du­el­len Fall erreich­ten Dämm­wert des Gehör­schutz­pro­duk­tes.
Beim Praxis-Check mit dem E‑A-Rfit Vali­da­tion System, den Kath­rin Makosch, Produkt­ma­na­ge­rin für Gehör­schutz, mit mehre­ren Teil­neh­mern durch­führte, stellte sich heraus, wie verblüf­fend unter­schied­lich die Dämm­wir­kung beim glei­chen Gehörschutz-Produkt bei verschie­de­nen Anwen­dern sein kann: So erreichte die glei­che Art Gehör­schutz­stöp­sel beispiels­weise bei einer Proban­din voll­stän­dig den ange­ge­be­nen Dämm­wert von 26 dB(A), bei einem ande­ren Proban­den dage­gen nur eine Dämmung von 12 dB(A). Dies bedeu­tet, dass Fehler in Auswahl und Einsatz des Gehör­schut­zes auf Dauer ekla­tante Folgen haben können, zumal sich der Gehör­schutz tragende Mitar­bei­ter in diesem Fall in falscher Sicher­heit wiegt. „Die großen Abwei­chun­gen haben mich sehr über­rascht“, kommen­tierte Stef­fen Witt von der Papiermacher-Berufsgenossenschaft. „Das rich­tige Einset­zen der Gehör­schutz­stöp­sel ist ein wich­ti­ger Punkt, auf den ich bei der Schu­lung von Sicher­heits­fach­kräf­ten inten­si­ver einge­hen werde.“ Auch Peter Simsel, Sicher­heits­fach­kraft im Schie­nen­fahr­zeug­bau bei Siemens in Krefeld, zeigte sich beein­druckt von der Mess­me­thode und sieht sich durch die Veran­stal­tung ange­regt, „das Thema näher zu betrach­ten und bishe­rige Lösun­gen zu über­prü­fen“.

Hohe Akzep­tanz bei Otoplas­ti­ken

Einen Weg, den Trage­kom­fort von persön­li­chem Gehör­schutz zu opti­mie­ren und damit die Akzep­tanz zu erhö­hen, bieten persön­lich ange­passte Gehör­schut­zer, so genannte Otoplas­ti­ken, die nach einem Sili­kon­ab­druck des Gehör­gangs indi­vi­du­ell ange­fer­tigt werden. Durch diese Vorge­hens­weise verfügt der Gehör­schutz stets über eine perfekte Pass­form und sitzt immer rich­tig. Er ist feder­leicht, einfach einzu­set­zen oder heraus­zu­neh­men.
Auf große Reso­nanz stieß daher die Vorstel­lung der 3M™ sonus™ Otoplas­ti­ken durch Rüdi­ger Krause, der sich als Hörge­rä­te­a­kus­ti­ker seit über 15 Jahren mit diesen Produk­ten befasst. Das Beson­dere an sonus Gehör­schutz AS und AS+ ist der herme­tisch abge­schlos­sene Absorp­ti­ons­fil­ter. Dieser wird exakt auf die Größe der gefer­tig­ten Hohl­schale abge­stimmt und gewähr­leis­tet eine immer gleich blei­bende Dämmung. sonus Gehör­schutz verfügt über ein Universalfilter-System. Hier­durch wird nicht stär­ker als notwen­dig gedämmt, gehör­schä­di­gende Geräu­sche werden zurück­ge­hal­ten, die Sprach­ver­stän­di­gung ist aber weiter­hin möglich. Ein Vorfil­ter im Griff­stück redu­ziert die Schall­wel­len im Tief­ton­be­reich, der Haupt­fil­ter im Inne­ren ist für die schäd­li­chen Hoch­ton­fre­quen­zen zustän­dig. Gefähr­li­che Lärmspit­zen werden gekappt, Töne, Spra­che und Musik klin­gen aber weit­ge­hend normal. Beim sonus Gehör­schutz AS+ entlüf­tet zusätz­lich eine Kapil­lare das Ohr, damit der Träger kein „Abge­schlos­sen­heits­ge­fühl“, kein Rauschen oder lästi­ges Jucken empfin­det. Der Gehör­schutz wird aus einem haut­freund­li­chen Mate­rial herge­stellt und mit einer spezi­el­len, anti-allergischen Lack­schicht über­zo­gen.
Bei einer prak­ti­schen Einfüh­rung in die Abfor­mung hatte ein Teil der 35 Teil­neh­mer die Gele­gen­heit, diese selbst haut­nah zu erle­ben und eine Test-Otoplastik anfer­ti­gen zu lassen. Über erste posi­tive Erfah­run­gen einer Test­phase mit sonus Otoplas­ti­ken im Schmelz­be­trieb und in der Guss­put­ze­rei berich­tete Campus-Teilnehmer Reiner Becker, Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit in der Eisen- und Stahl­gie­ße­rei Fried­rich Wilhelms-Hütte in Mülheim an der Ruhr.
Otoplas­ti­ken als attrak­tive Alter­na­tive zu Stöp­seln? Diese Frage stellte sich auch für Monika von Leliwa, Arbeitsplatz-Messtechnikerin bei Evonik: „Die Mitar­bei­ter fragen oft: Was ist guter Gehör­schutz? Der indi­vi­du­elle Schutz mit einer Otoplas­tik könnte für die Mitar­bei­ter eine moti­vie­rende Wirkung haben, da mit den Stöp­seln mitun­ter recht unacht­sam umge­gan­gen wird. Auf die lange Lebens­dauer gese­hen, dürf­ten sich Otoplas­ti­ken auch wirt­schaft­lich rech­nen.“
Am zwei­ten Veran­stal­tungs­tag stan­den die Themen akti­ver und passi­ver Gehör­schutz sowie Kopf- und Augen­schutz auf dem Programm. Die 3M™ Peltor™ Gehörschutz-Headsets mit inte­grier­ter Kommu­ni­ka­ti­ons­lö­sung stie­ßen z. B. bei Chris­tian Pätz, Rüstungs-Stabsoffizier bei der Bundes­wehr, auf großes Inter­esse. Am Arbeits­platz der Flug­ge­rä­te­steue­rer für unbe­mannte Aufklä­rungs­flug­zeuge liegt die Auslö­se­schwelle für das Tragen von Gehör­schutz bei nur 55 dB(A). Gleich­zei­tig muss eine gute Sprach­ver­stän­di­gung möglich sein. Eine sehr spezi­elle Anfor­de­rung, die nur durch einen akti­ven Gehör­schutz zu lösen ist.
Produkt­ma­nage­ment Gehör­schutz
Safety Divi­sion, 3M Deutsch­land GmbH
Carl-Schurz-Str. 1, 41453 Neuss
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