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Synergien erkennen und nutzen Teil 1

Zusam­men­ar­beit von Betriebs­ärz­ten und Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit

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„Zwei Freunde sollt ihr sein…!“ Frei nach Sepp Herber­ger möchte man dies den betrieb­li­chen Akteu­ren des Arbeits‐ und Gesund­heits­schut­zes, den Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit und den Betriebs­ärz­ten zuru­fen. Nicht zuletzt das Arbeits­si­cher­heits­ge­setz (ASiG) und die DGUV Vorschrift 2 beschwö­ren die Wich­tig­keit des Zusam­men­ar­bei­tens dieser beiden „Parteien“.

Prof. Andreas Witt­mann, Dipl.Ing. Thomas Bossel­mann (r.i.p.)

Zu einem gesun­den Lebens­um­feld gehört zwangs­läu­fig auch eine Gesund­heit erhal­tende, wenn nicht sogar gesund­heits­för­der­li­che Arbeits­um­ge­bung. Das poli­ti­sche Eintre­ten für Gesund­heit auf allen Ebenen staat­li­chen Wirkens hatte daher meist auch großen Einfluss auf die Arbeits­schutz­ge­setz­ge­bung.
Um auch hier ein größt­mög­li­ches Gesund­heits­po­ten­tial zu verwirk­li­chen, war es notwen­dig, sowohl auf der Ebene der biolo­gi­schen, der physi­ka­li­schen und der chemi­schen Einfluss­fak­to­ren die Weichen neu zu stel­len, als auch die psychi­schen und die sozia­len Fakto­ren in die Betrach­tun­gen für einen ganz­heit­li­chen Gesund­heits­schutz mit einzu­be­zie­hen.
Nur durch eine Koope­ra­tion aller Akteure des Arbeits‐ und Gesund­heits­schut­zes können diese hoch­ge­steck­ten Ziele über­haupt erfüllt werden. Neue Hand­lungs­prio­ri­tä­ten sind die Folge, insbe­son­dere eine starke Orien­tie­rung auf alle gesund­heits­re­le­van­ten Umge­bungs­fak­to­ren („Setting‐Ansatz“) werden damit nötig. Aufbau­end auf der Defi­ni­tion von Gesund­heit und dem Verständ­nis von Gesund­heits­för­de­rung in der Ottawa‐Charta ist der Setting‐Ansatz entstan­den. Die Konzep­tion adres­siert das „setting“, den alltäg­li­chen Lebens­raum, als einen Ort, in dem Inter­ven­tio­nen grei­fen.
Mit der Unter­zeich­nung der Ottawa Charta zur Gesund­heits­för­de­rung der Verein­ten Natio­nen (1986) wurde auch in der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land der Weg für salu­to­gene Ansätze in der Gesund­heits­po­li­tik frei gemacht. Der Schwenk von patho­lo­gisch gepräg­ten Ansät­zen der Krank­heits­ver­mei­dung hin zur Gesund­heits­för­de­rung hatte großen Einfluss auf viele Hand­lungs­fel­der. So berück­sich­tigt das Arbeits­schutz­ge­setz von 1996 die Ideale der Ottawa‐Charta und hat die Anfor­de­run­gen an den Arbeits­schutz in deren Sinn neu defi­niert. Wesent­lich dafür ist eine präven­tive Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion mit erwei­ter­ten Aufga­ben­stel­lun­gen für und Anfor­de­run­gen an die betrieb­li­chen Akteure. Diese zielt darauf ab, nicht nur alle Beein­träch­ti­gun­gen und/oder Schä­di­gun­gen am Arbeits­platz zu vermei­den sondern auch die Gesund­heit der Beschäf­tig­ten zu erhal­ten bzw. zu fördern.
Die Ziel­rich­tung des Arbeits­schutz­ge­set­zes ist also sowohl abweh­rend (gegen Gefah­ren, Schä­den, Beläs­ti­gun­gen, vermeid­bare Belas­tun­gen) als auch gestal­tend (Herstel­lung möglichst menschen­ge­rech­ter Arbeits­plätze, Arbeits­ab­läufe, Arbeits­um­ge­bun­gen).
Es liegt in der Verant­wor­tung des Arbeit­ge­bers, die entspre­chen­den Arbeits­schutz­maß­nah­men zu tref­fen, sie auf ihre Wirk­sam­keit konti­nu­ier­lich zu über­prü­fen und gege­be­nen­falls entspre­chend anzu­pas­sen. Über­dies hat der Arbeit­ge­ber bei der Planung und bei der Durch­füh­rung von Maßnah­men des Arbeits‐ und Gesund­heits­schut­zes für eine geeig­nete Orga­ni­sa­tion zu sorgen, die erfor­der­li­chen Mittel bereit­zu­stel­len und die Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion in die betrieb­li­chen Führungs­struk­tu­ren einzu­bin­den. Da der Arbeit­ge­ber in der Regel kein Arbeits­schutz­ex­perte ist, unter­stüt­zen ihn Betriebs­ärzte und Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit. Ihr arbeits­me­di­zi­ni­sches und sicher­heits­tech­ni­sches Fach­wis­sen soll zu einer Verbes­se­rung des Arbeits­schut­zes und zu einem möglichst hohen Wirkungs­grad der Maßnah­men beitra­gen.
Ein voraus­schau­en­des Arbeits­schutz­han­deln stellt aber auch Betriebs­ärzte und Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit vor neue Heraus­for­de­run­gen. Erfor­der­lich sind ein ganz­heit­li­ches Verständ­nis von Sicher­heit und Gesund­heit, eine präven­tiv orien­tierte arbeits­me­di­zi­ni­sche und sicher­heits­tech­ni­sche Fach­kunde in Bezug auf die Gestal­tung der Arbeits­be­din­gun­gen, Präven­tion durch Mitwir­kung bereits in Planungs‐ und Konzept­pha­sen, ein ganz­heit­li­ches Verständ­nis der Wech­sel­wir­kun­gen in Arbeits­sys­te­men sowie ein koope­ra­ti­ves Vorge­hen in zu entwi­ckeln­den Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men. Da diese Aufga­ben und Anfor­de­run­gen in der Konse­quenz sehr umfang­reich sind, konkur­rie­ren sie im betrieb­li­chen Alltag aber auch mit den durch Vorschrif­ten gere­gel­ten Betreu­ungs­zei­ten und Betreu­ungs­mo­del­len der Betriebs­ärzte und der Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit.
Der Balan­ce­akt zwischen den hehren Zielen einer­seits und den knap­pen Ressour­cen ande­rer­seits ist, wenn über­haupt, nur durch eine ziel­ge­rich­tete Aufga­ben­ent­wick­lung bzw. eine opti­mierte Schwer­punkt­set­zung in koope­ra­ti­ven Netz­werk­struk­tu­ren möglich. Je besser dies in der betrieb­li­chen Umset­zung gelingt, desto wirk­sa­mer kann deren Beitrag im Sinne einer präven­ti­ven Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion sein. Ein sinn­vol­ler Ausgangs­punkt für eine derart ressour­cen­ori­en­tierte Aufga­ben­dif­fe­ren­zie­rung und wirk­same Unter­stüt­zung des Arbeit­ge­bers in Fragen des Arbeits­schut­zes ist ein abge­stimm­tes Vorge­hen zwischen Betriebs­arzt und Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit – in der Form, dass sich arbeits­me­di­zi­ni­sches und sicher­heits­tech­ni­sches Know‐how bei der Planung und Durch­füh­rung von Arbeits­schutz­maß­nah­men sinn­voll ergän­zen.
Dieser Arti­kel greift vor diesem Hinter­grund unter­schied­li­che Anlässe der Zusam­men­ar­beit auf und zeigt anhand von Praxis­bei­spie­len Anre­gun­gen und Ideen, wie sich die betrieb­li­che Zusam­men­ar­beit aller am Arbeits‐ und Gesund­heits­schutz betei­lig­ten Perso­nen ziel­füh­rend, d.h. effek­tiv und effi­zi­ent, gestal­ten lässt.

Agie­ren im Arbeits­schutz nach dem Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG)

Die Ziel­set­zun­gen des Arbeits­schutz­ge­set­zes gehen über die klas­si­schen Vorstel­lun­gen von Sicher­heit und Gesund­heit hinaus. Sie verbin­den einen erwei­ter­ten Gesund­heits­be­griff mit einem dyna­mi­schen Gesund­heits­kon­zept einschließ­lich der Einbe­zie­hung der Beschäf­tig­ten als „Exper­ten in eige­ner Sache“. Subsi­dia­risch soll hier dafür Sorge getra­gen werden, dass Entschei­dun­gen immer möglichst dicht an der Ebene erfol­gen, wo sie Auswir­kun­gen haben.
Weiter­hin verfolgt das Arbeits­schutz­ge­setz konse­quent einen salu­to­ge­nen Ansatz im Arbeits‐ und Gesund­heits­schutz. Es erkennt daher an, dass Gesund­heit mehr als das Frei­sein von Krank­heit und Gebre­chen ist. Im Sinne der ganz­heit­li­chen Defi­ni­tion der WHO beinhal­tet Gesund­heit über­dies voll­stän­di­ges körper­li­ches, psychi­sches und sozia­les Wohl­be­fin­den, das immer wieder neu herge­stellt werden muss. Dazu eine weiter­füh­rende Defi­ni­tion von K. Hurle­mann, Univer­si­tät Biele­feld: „Gesund­heit ist das Stadium des Gleich­ge­wichts von Risi­ko­fak­to­ren und Schutz­fak­to­ren, dass eintritt, wenn einem Menschen eine Bewäl­ti­gung sowohl der inne­ren (körper­li­chen und psychi­schen) als auch der äuße­ren (sozia­len und mate­ri­el­len) Anfor­de­run­gen gelingt. Gesund­heit ist ein Stadium, das einem Menschen Wohl­be­fin­den und Lebens­freude vermit­telt. Krank­heit ist das Stadium des Ungleich­ge­wichts von Risiko‐ und Schutz­fak­to­ren, das eintritt, wenn einem Menschen eine Bewäl­ti­gung von inne­ren (körper­li­chen und psychi­schen) und äuße­ren (sozia­len und mate­ri­el­len) Anfor­de­run­gen nicht gelingt. Krank­heit ist ein Stadium, das einem Menschen eine Beein­träch­ti­gung seines Wohl­be­fin­dens und seiner Lebens­freude vermit­telt“.
Dieses Konzept kann nicht statisch sein, da Arbeits­schutz­han­deln eine stetige Verbes­se­rung der tech­ni­schen, arbeits­or­ga­ni­sa­to­ri­schen, psycho­so­zia­len und sons­ti­gen Bedin­gun­gen der Arbeit anstre­ben und dabei deren Wech­sel­wir­kun­gen berück­sich­ti­gen muss, um dem dyna­mi­schen Gesund­heits­be­griff gerecht zu werden.
Zentral ist in diesem Zusam­men­hang die menschen­ge­rechte Gestal­tung der Arbeit und der Grund­satz, Gefah­ren an der Quelle zu bekämp­fen (§ 4 ArbSchG). Damit wird ein präven­ti­ver Arbeits‐ und Gesund­heits­schutz in Unter­neh­men, Betrie­ben und Dienst­stel­len verbind­lich. Das Indi­vi­duum wird so zum Maßstab für die Gestal­tung der Arbeit (Abb. 1).
All dies erfor­dert eine voraus­schau­ende Bewer­tung von arbeits­be­ding­ten Belas­tun­gen, Gefähr­dun­gen und Risi­ken. Die Basis dafür bildet die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung. Diese beinhal­tet sowohl die syste­ma­ti­sche Gefähr­dungs­er­mitt­lung und eine Risi­ko­be­ur­tei­lung der vorherr­schen­den Arbeits­be­din­gun­gen, als auch die recht­zei­tige Beur­tei­lung im Vorfeld neu zu schaf­fen­der Bedin­gun­gen und Situa­tio­nen (wie bspw. Planung von Bauvor­ha­ben, Beschaf­fung von Arbeits­mit­teln und Umge­stal­tung von Arbeits­plät­zen).
Darauf aufbau­end erfor­dert ein ganz­heit­li­cher Arbeits‐ und Gesund­heits­schutz
  • eine gesund­heits­för­dernde Arbeits­sys­tem­ge­stal­tung,
  • ein Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tem in dem das Arbeits­schutz­han­deln als Quer­schnitts­auf­gabe verstan­den und entwi­ckelt wird sowie
  • die konse­quente Einbe­zie­hung der Beschäf­tig­ten in dieses Handeln.
Ziel dieser präven­ti­ven Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion ist der Erhalt der Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit und die Förde­rung indi­vi­du­el­ler Gesund­heits­kom­pe­ten­zen (Abb. 2).
Um all diese Aufga­ben effi­zi­ent und effek­tiv – d.h. auf möglichst hohem quali­ta­ti­ven Niveau – umset­zen zu können, bedarf es einer engen Vernet­zung der wich­tigs­ten Akteure, einer ressourcen‐ und ziel­ori­en­tier­ten Zusam­men­ar­beit von Arbeit­ge­ber, Betriebs­arzt und Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit, Sicher­heits­be­auf­trag­ten, Beschäf­tig­ten und deren Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen (Betriebs‐ bzw. Perso­nal­rat und Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung).
Die Aufga­ben von Betriebs­ärz­ten und Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit werden sich zukünf­tig in diesem Kontext entfal­ten und weiter­ent­wi­ckeln. Vor dem Hinter­grund der zeit­ge­mä­ßen Aufga­ben­pro­file für Betriebs­ärzte und Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit gilt es, die Zusam­men­ar­beit beider Exper­ten stetig fort­zu­ent­wi­ckeln und zu verbes­sern.

Aufbau eines betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ment­sys­tems bzw. Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tems

Erfolg­rei­che betrieb­li­che Gesund­heits­ma­nage­ment­sys­teme (BGM) und Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­teme fördern die Sicher­heit im Unter­neh­men, stei­gern die Gesund­heit der Mitar­bei­ter und sind damit ein idea­les Stell­glied um die Leis­tungs­fä­hig­keit der Mitar­bei­ter und damit des ganzen Unter­neh­mens zu erhö­hen. Denn die Leis­tung der Mitar­bei­ter ist eine wesent­li­che Voraus­set­zung für den Unter­neh­mens­er­folg.

Betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment

Erfolg­rei­ches betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment ist der salu­to­ge­nen Idee verpflich­tet. Das Ziel muss sein, menschen­ge­rechte Arbeits­be­din­gun­gen, also Gesund­heit und Wohl­be­fin­den der Mitar­bei­ter im Zusam­men­hang mit ihrer beruf­li­chen Arbeit zu fördern. Dies erfor­dert unter ande­rem, dass die Mitar­bei­ter zu einem akti­ven und nach­hal­tig gesun­den Lebens­stil ange­regt und befä­higt werden. So können die Risi­ken für chro­ni­sche Erkran­kun­gen gesenkt werden, was wiederum die Arbeits‐ und Beschäf­ti­gungs­fä­hig­keit insbe­son­dere älte­rer, chro­nisch Kran­ker und behin­der­ter Beschäf­tig­ter erhält und gleich­zei­tig hilft, die krank­heits­be­ding­ten Fehl­zei­ten zu begren­zen.
Wird das Ziel erreicht, und sind damit die Voraus­set­zun­gen für eine menschen­ge­rechte Arbeits­um­ge­bung erfüllt, stei­gen im allge­mei­nen Leis­tungs­be­reit­schaft und Team­geist, die Konflikt­ge­fahr sinkt und das Betriebs­klima bessert sich spür­bar. Das sind ideale Voraus­set­zun­gen für einen anhal­ten­den Unter­neh­mens­er­folg durch bessere Produkt‐ und Dienst­leis­tungs­qua­li­tät, bessere Produk­ti­vi­tät, gerin­gere Fluk­tua­tion und ein gutes Image des Betrie­bes.
Ein derart ganz­heit­li­cher Ansatz bedingt aller­dings die Verzah­nung mehre­rer Hand­lungs­fel­der: Sowohl die Elemente der klas­si­schen betrieb­li­chen Gesund­heits­för­de­rung als auch alle Maßnah­men der (Wieder‐) Eingliederung/Rehabilitation und auch der klas­si­sche Arbeits‐ und Gesund­heits­schutz müssen hier­für stra­te­gisch verzahnt werden. Gleich­zei­tig sind auch der erklärte Wille zum salu­to­ge­nen Konzept sowie eine lang­fris­tige Stra­te­gie für die betrieb­li­che Arbeitsschutz‐ und Gesund­heits­po­li­tik erfor­der­lich.
Im Sinne des klas­si­schen Deming‐Kreises „gema­nagt“ ist hier­für zunächst ein Konzept mit Ziel­prio­ri­tä­ten zu entwi­ckeln. Eine Planungs‐ und Steue­rungs­in­stanz, idea­ler­weise neben Vertre­tern des Betrie­bes und der Beleg­schaft auch mit der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und dem Betriebs­arzt besetzt, muss dann für eine erste Umset­zung des Konzep­tes in Pilot­pro­jek­ten sorgen und dieses bei Bedarf im Sinne der verein­bar­ten Ziele anpas­sen. Nach Über­prü­fung der im Klei­nen reali­sier­ten Prozess­ab­läufe muss dann im Erfolgs­fall die Hand­lungs­feld­be­zo­gene Inter­ven­tion auf brei­ter Front erfol­gen. Die Prozesse im Arbeits‐ und Gesund­heits­schutz, im Einglie­de­rungs­ma­nage­ment und im Rahmen der Gesund­heits­för­de­rung müssen nun im betrieb­li­chen Alltag reali­siert werden. Alle Schritte müssen dabei den Anfor­de­run­gen der Quali­täts­si­che­rung genü­gen (Abb. 3).

Aufga­ben­spek­trum und Rollen­ver­ständ­nis von Sifa und Betriebs­arzt

Soll das Arbeits­schutz­han­deln ganz­heit­lich und in diesem Sinne effek­tiv und effi­zi­ent sein, muss es als Quer­schnitts­auf­gabe, als Schnitt­stel­len­ar­beit verstan­den und orga­ni­siert werden. Entspre­chend muss auch die betriebs­ärzt­li­che und sicher­heits­tech­ni­sche Beratungs‐ und Unter­stüt­zungs­tä­tig­keit an allen Schnitt­stel­len ausge­baut werden. Eine zuneh­mende Inte­gra­tion der betriebs­ärzt­li­chen und sicher­heits­tech­ni­schen Aufga­ben in die betrieb­li­chen Abläufe, z.B. in Planungs‐ und Gestal­tungs­pro­zesse, machen hier eine bewusst gesteu­erte Zusam­men­ar­beit erfor­der­lich.

Grund­lage dieser Tätig­keit sollte eine sorg­fäl­tig abge­stimmte Koope­ra­tion und Arbeits­tei­lung zwischen Betriebs­arzt und Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit sein. Dies gilt im beson­de­ren Maße für die betriebs‐ und sicher­heits­tech­ni­sche Betreu­ung in klein‐ und mittel­stän­di­schen Unter­neh­men (KMU).
Eine ziel­ge­rich­tete Aufga­ben­wahr­neh­mung und das Ausba­lan­cie­ren von in der Regel nied­ri­gen betriebs­ärzt­li­chen Einsatz­zei­ten und deut­lich höhe­ren Einsatz­zei­ten der Fach­kraft verlan­gen in der prak­ti­schen Arbeit ein hohes Maß an Selbst­or­ga­ni­sa­tion und ratio­nel­lem Vorge­hen. Wesent­li­che Aspekte dieser Vorge­hens­weise können zum einen program­ma­ti­sche Schwer­punkt­set­zun­gen sein, zum ande­ren aber auch eine Verdich­tung der betriebs­ärzt­li­chen Tätig­keit. So gab ein Betriebs­arzt in einer von der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) initi­ier­ten Befra­gung an, er würde bei Betriebs­be­ge­hun­gen in KMU vieles gleich­zei­tig erle­di­gen, von der Unter­su­chung der Mitar­bei­ter über Besich­ti­gung der Arbeits­plätze bis zur Bera­tung und der Über­mitt­lung von Lösungs­vor­schlä­gen vor Ort. Die gerin­gen betriebs­ärzt­li­chen Einsatz­zei­ten erfor­dern hier eine intel­li­gente Zusam­men­ar­beit mit der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit. Dies kann den geziel­ten Austausch von Infor­ma­tio­nen ebenso umfas­sen wie gemein­same Akti­vi­tä­ten, wech­sel­sei­tige Entlas­tung und Unter­stüt­zung bzw. eine tätig­keits­be­zo­gene Arbeits­tei­lung. Wie eine derar­tige Zusam­men­ar­beit unbü­ro­kra­tisch funk­tio­nie­ren kann, zeigen Beispiele, die dem BAuA Forschungs­be­richt 998 entnom­men wurden (Kliemt, G.; Wien­hold, L.; Barth, Chr.; Dörr, R.; Glomm, D.; Khan, A.; Korus, H. C.; Scheuch, K.; Voul­laire, E.: Effek­ti­vi­tät und Effi­zi­enz der betriebs­ärzt­li­chen Betreu­ung in Klein und Mittel­be­trie­ben. Verglei­chende Bewer­tung von alter­na­ti­ven Betreu­ungs­stra­te­gien und Regel­be­treu­ung 1. Auflage. Bremer­ha­ven: Wirt­schafts­ver­lag NW Verlag für neue Wissen­schaft GmbH 2003. (Schrif­ten­reihe der Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin: Forschungs­be­richt, Fb 998)).
Beispiel 1: Gemein­same Akti­vi­tä­ten
„Routi­ne­mä­ßig sagen wir, jetzt möch­ten wir mal wieder gemein­sam eine Bege­hung machen. Oder wenn es Problem­be­rei­che gibt, da rufen wir uns einfach an, das und das ist im Argen, machen wir es gleich zusam­men. Zusam­men machen wir es auch deswe­gen, weil es den Arbeit­ge­bern Zeit spart.“ (Fb 998 S. 73)
Beispiel 2: Unbü­ro­kra­ti­sche Zusam­men­ar­beit
„Wir haben eine gute Zusam­men­ar­beit. Das ist bei uns so gelau­fen, dass wir am Anfang alles zusam­men began­gen haben. Und nun ist das so, dass wir uns natür­lich tref­fen, z.B. auf Versamm­lun­gen, dass wir mal gemein­same Dinge machen und hin und wieder auch gemein­same Bege­hun­gen, aber nicht jähr­li­che Bege­hun­gen, denn das würde meine ganze Einsatz­zeit auffres­sen. Ich kenne ja die Einrich­tun­gen und die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit erst recht, die kennt sich z.B. in den Bauhö­fen sehr gut aus. Dabei ist es so: Die kennen weni­ger die Mitar­bei­ter, halt nur bestimmte, während ich jeden Mitar­bei­ter kenne. Da wundern die sich immer, dass ich jeden kenne. Aber das ist ja klar, weil meine Tätig­keit perso­nen­be­zo­gen ist.“ (Fb 998 S. 73)
Um in Klein‐ und Mittel­be­trie­ben eine konti­nu­ier­li­che Zusam­men­ar­beit trotz der unter­schied­li­chen Einsatz­zei­ten sicher­zu­stel­len, findet die Zusam­men­ar­beit in der Praxis häufig auf der Grund­lage eines anlass­be­zo­ge­nen Infor­ma­ti­ons­aus­tau­sches und einer tätig­keits­be­zo­ge­nen Arbeits­tei­lung statt.
Beispiel 3: Infor­ma­ti­ons­aus­tausch
„Wich­tige Berichte oder Berichts­teile vermit­teln wir uns gegen­sei­tig und ergän­zen uns. Auftre­tende Probleme werden tele­fo­nisch bespro­chen und Vorge­hens­wei­sen verein­bart. (…). Ganz wich­tig ist die gegen­sei­tige Infor­ma­tion zur Vermei­dung von Doppel­ar­beit: Die Fach­kraft weiß genau, was ich mache, z.B. die Beur­tei­lung von Bild­schirm­ar­beits­plät­zen, das über­lässt die Fach­kraft mir. Dafür weiß ich, was die Fach­kraft macht, wir verlas­sen uns gegen­sei­tig aufein­an­der. Das ist wich­tig zur Zeit­er­spar­nis; nicht, dass der eine dasselbe macht wie der andere; das können wir uns gar nicht erlau­ben(…). Wenn aber z.B. tech­ni­sche Bera­tun­gen nötig sind, wird die Fach­kraft einge­schal­tet.“ (Fb 998, S. 74)

Grund­la­gen für eine erfolg­rei­che Zusam­men­ar­beit

Die erfolg­rei­che Zusam­men­ar­beit von Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­arzt erfor­dert in erster Linie eine gemein­same fachlich‐inhaltliche Basis, die mit Abspra­chen, regem Erfah­rungs­aus­tausch und einem gemein­sam zu entwi­ckeln­den Rollen­ver­ständ­nis noch gefes­tigt werden kann und sollte. Hierzu empfiehlt es sich, zu Beginn der Zusam­men­ar­beit gemein­same Bege­hun­gen durch­zu­füh­ren und sich über Selbst­ver­ständ­nis und Ziel­set­zun­gen der Arbeit zu eini­gen. Die Auftei­lung der Zustän­dig­kei­ten fällt dabei leich­ter, wenn man sich verdeut­licht, dass
  • das Arbeits­schutz­han­deln des Betriebs­arz­tes in erster Linie immer noch perso­nen­be­zo­gen erfolgt und
  • die Arbeit der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit meist immer noch mehr­heit­lich durch tech­ni­sche Fragen der Arbeits‐ bzw. Arbeits­sys­tem­ge­stal­tung bestimmt wird.
Das Binde­glied für ein gemein­sa­mes Vorge­hen ist das gemein­same Ziel einer menschen­ge­rech­ten Gestal­tung der Arbeit und der grund­sätz­li­che Vorrang der Präven­tion. Dieses Ziel sollte ressour­cen­ori­en­tiert und koope­ra­tiv verfolgt und die Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion entspre­chend weiter­ent­wi­ckelt werden – hin zu einem echten Arbeits­schutz­ma­nage­ment.
Die im ASiG beschrie­be­nen Aufga­ben von Betriebs­ärz­ten und Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit sind meist echte Quer­schnitts­auf­ga­ben, da sie beiden Exper­ten gemein­sam über­tra­gen wurden. So gehö­ren die Bege­hung der Arbeits­stät­ten und die Beur­tei­lung der Arbeits­be­din­gun­gen zu den Aufga­ben beider Exper­ten.
Dennoch gibt es Aufga­ben, die an das jewei­lige Berufs­bild gebun­den sind. Der Betriebs­arzt beschäf­tigt sich über­wie­gend mit arbeits­me­di­zi­ni­schen Fragen, d.h. mit körper­li­chen, psycho­lo­gi­schen und sozia­len Aspek­ten der Arbeit. In diesem Zusam­men­hang ist er für die Bera­tung und Unter­su­chung von Arbeitnehmer/innen sowie die Wieder­ein­glie­de­rung von Menschen mit Behin­de­rung zustän­dig – und unter­stüt­zend im Rahmen des betrieb­li­chen Einglie­de­rungs­ma­nage­ments nach § 84 Abs. 2 SGB IX. Auch soll er die Ursa­chen von arbeits­be­ding­ten Erkran­kun­gen unter­su­chen und die „Erste Hilfe“ im Betrieb orga­ni­sie­ren.
Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit haben ihren Schwer­punkt in der (sicher­heits­tech­ni­schen) Gestal­tung der Arbeits­plätze, des Arbeits­ab­laufs, der Arbeits­ge­stal­tung. Darüber hinaus sind sie für die Über­prü­fung der Betriebs­an­la­gen, der tech­ni­schen Arbeits­mit­tel insbe­son­dere vor der Inbe­trieb­nahme und sicher­heits­tech­ni­sche Über­prü­fung von Arbeits­ver­fah­ren zustän­dig. Derge­stalt setzen ihre Aufga­ben an der menschen­ge­rech­ten und sicher­heits­tech­ni­schen Gestal­tung von Arbeits­sys­te­men an. Außer­dem gehört es zu ihrem Arbeits­be­reich die Ursa­chen von Unfäl­len zu unter­su­chen. In der betrieb­li­chen Praxis dient ihr Wissen also im Wesent­li­chen der Unfall­ver­hü­tung und der Arbeits­sys­tem­ge­stal­tung – sie unter­stüt­zen mit ihrem Know‐how sowohl die indi­vi­du­elle als auch die system­be­zo­gene Lösungs­su­che bei der Entwick­lung präven­ti­ver Arbeits­sys­teme.
In allen Arbeits­be­rei­chen gibt es entspre­chend Schnitt­stel­len zur Tätig­keit der jeweils ande­ren Profes­sion, die als Quer­schnitts­auf­ga­ben gemein­sam wahr­ge­nom­men werden können. Geschieht dies in der betrieb­li­chen Praxis syste­ma­tisch, wird dadurch in der Regel die Effek­ti­vi­tät und Effi­zi­enz der Maßnah­men erhöht. Das nach­fol­gende Schau­bild soll dies noch­mals verdeut­li­chen (Abb. 4).

Effi­zi­enz

Um die Zusam­men­ar­beit wirk­lich effi­zi­ent zu gestal­ten muss dafür gesorgt werden, dass Aufga­ben nicht unnö­tig doppelt durch­ge­führt werden. Die Komple­xi­tät der Aufga­ben erfor­dert daher neben einer regel­mä­ßi­gen Kommu­ni­ka­tion auch ein hohes Maß an Selbst­or­ga­ni­sa­tion und ratio­nel­lem Vorge­hen beider sowie eine ausführ­li­che „Grund­ab­stim­mung“ zu Beginn der Zusam­men­ar­beit. Unter­schied­li­che inhalt­li­che Schwer­punkt­set­zung ist hier der Schlüs­sel zu einer bedarfs­ori­en­tier­ten Arbeits­tei­lung. Die Schwer­punk­set­zung wiederum basiert aber auf einem gegen­sei­tig akzep­tier­ten Rollen‐ und Arbeits­ver­ständ­nis. Deshalb ist ein Austausch über dessen Grund­sätze und Ziel­set­zun­gen unbe­dingt erfor­der­lich. Gemein­same Betriebs­be­ge­hun­gen bieten dazu einen aufga­ben­be­zo­ge­nen Einstieg.

Effek­ti­vi­tät

Der Erfolg der Zusam­men­ar­beit zwischen Betriebs­arzt und Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit wird in erster Linie daran gemes­sen werden, wie gut die Beschäf­tig­ten vor gesund­heit­li­che Probleme und Arbeits­un­fäl­len geschützt werden. Da das Schutz­ni­veau in den meis­ten Betrie­ben jedoch schon sehr hoch ist, fällt es oft nicht leicht, Belege für die Effek­ti­vi­tät der gemein­sa­men Arbeit zu liefern. Hier muss durch beide Exper­ten rich­tig gestellt werden, dass gerade eine „unauf­fäl­lige“ Unfall­sta­tis­tik und keine Meldun­gen über berufs­be­dingte Erkran­kun­gen ein wich­ti­ger Beleg für eine gelun­gene Zusam­men­ar­beit darstel­len.
Im Zentrum dieser koor­di­nier­ten Zusam­men­ar­beit stehen im Erfolgs­fall eine voll­stän­dige Gefähr­dungs­er­mitt­lung und eine realis­ti­sche Risi­ko­be­wer­tung und -beur­tei­lung, denn die Beur­tei­lung der Arbeits­be­din­gun­gen bildet die Grund­lage für jedes präven­tive Arbeits­schutz­han­deln, für eine voraus­schau­end agie­rende Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion und entspre­chende salu­to­gene Führungs­kon­zepte.
Syste­ma­ti­sie­rung und Profes­sio­na­li­sie­rung des Arbeits­schutz­han­delns

Gemein­same Bege­hun­gen

Regel­mä­ßige Bege­hun­gen durch den Betriebs­arzt und die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit sind ein wesent­li­ches Instru­ment, um Gefähr­dun­gen und Risi­ken im betrieb­li­chen Alltag recht­zei­tig zu erken­nen, einzu­schät­zen und gege­be­nen­falls zu vermei­den bzw. vermin­dern.
Es handelt sich hier­bei sozu­sa­gen um Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen vor Ort – demge­mäß bilden sie eine wich­tige Grund­lage für weiter­ge­hende Analy­sen. Im Sinne eines „Setting‐Ansatzes“ ist eine gesunde Arbeits­um­ge­bung eine wesent­li­che Voraus­set­zung für gesunde Mitar­bei­ter. Bege­hun­gen liefern den Arbeits­schutz­ex­per­ten wesent­li­che Infor­ma­tio­nen über das Arbeits­um­feld der Beschäf­tig­ten.
Gesetz­li­che Grund­lage für die gemein­sa­men Bege­hun­gen bildet der § 10 des Arbeits­si­cher­heits­ge­set­zes. Hier heißt es ausdrück­lich: „Die Betriebs­ärzte und die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit haben bei der Erfül­lung ihrer Aufga­ben zusam­men­zu­ar­bei­ten. Dazu gehört insbe­son­dere, gemein­same Betriebs­be­ge­hun­gen vorzu­neh­men. Die Betriebs­ärzte und die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit arbei­ten bei der Erfül­lung ihrer Aufga­ben mit den ande­ren im Betrieb für Ange­le­gen­hei­ten der tech­ni­schen Sicher­heit, des Gesundheits‐ und des Umwelt­schut­zes beauf­trag­ten Perso­nen zusam­men.“
Um einen reibungs­lo­sen Ablauf der Bege­hun­gen sicher­zu­stel­len, ist es ratsam, die Bege­hun­gen gründ­lich vorzu­be­rei­ten. Hierzu zählen die Durch­sicht des letz­ten Bege­hungs­pro­to­kolls, eine Analyse des Unfall­ge­sche­hens, die Kennt­nis über die AU‐Zeiten sowie eine Erfas­sung even­tu­ell vorhan­de­ner Verdachts­an­zei­gen auf Berufs­krank­hei­ten. So können schon im Vorfeld Problem­be­rei­che iden­ti­fi­ziert werden und dann vor Ort genauer analy­siert werden. Die Erstel­lung eines Bege­hungs­pla­nes, der die Termine für gemein­same Bege­hun­gen sowie deren Art und Umfang im Jahres­ver­lauf regelt, sollte selbst­ver­ständ­lich sein.
Durch die Bege­hun­gen erhal­ten Fach­kraft und Betriebs­arzt einen konkre­ten Eindruck von den tatsäch­li­chen Arbeits­be­din­gun­gen vor Ort. So können erste Erkennt­nisse über tech­ni­sche, arbeits­or­ga­ni­sa­to­ri­sche, psycho­so­ziale und sons­tige Bedin­gun­gen bei der Arbeit gewon­nen werden. Selbst­ver­ständ­lich helfen Bege­hun­gen daher auch, arbeits­be­dingte Gesund­heits­ge­fah­ren und Unfall­ri­si­ken zu erken­nen und bieten dem Betriebs­arzt die Möglich­keit die Beschäf­tig­ten während ihrer Arbeits­zeit zu bera­ten. Für den Betriebs­arzt sind Bege­hun­gen auch deswe­gen nötig, da er die hier­bei gewon­ne­nen Kennt­nisse über die Arbeits­plätze der Beschäf­tig­ten als Grund­lage für die arbeits­me­di­zi­ni­schen Vorsor­ge­un­ter­su­chun­gen benö­tigt.

Die Rolle der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung

Das zentrale Element einer voraus­schau­en­den Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion ist die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, denn sie ist die Grund­lage für die Entschei­dung über jedwede Präven­ti­ons­maß­nah­men. Bei der Planung und Durch­füh­rung stehen dem Arbeit­ge­ber der Betriebs­arzt und die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit bera­tend zur Seite. Diesen helfen die gemein­sa­men Bege­hun­gen bei einer ersten Bestands­auf­nahme und ermög­li­chen so im weite­ren Verlauf eine voll­stän­dige Gefähr­dungs­er­mitt­lung und eine realis­ti­sche Risi­ko­be­ur­tei­lung. Bege­hun­gen liefen für die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung erste Impulse und tragen damit wesent­lich dazu bei, zukünf­tig Unfälle und arbeits­be­dingte Erkran­kun­gen zu vermei­den. Für eine prospek­tive Arbeits­ge­stal­tung können aus den Erkennt­nis­sen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung dann weitere betrieb­li­che Projekte zur Präven­tion entwi­ckelt werden, beispiels­weise zu alters­ge­rech­ten Arbeits­be­din­gun­gen oder zur Betrieb­li­chen Gesund­heits­för­de­rung (BGF).

Doku­men­ta­tion der Zusam­men­ar­beit

Die Schwer­punkte der gemein­sa­men Arbeit soll­ten zu Beginn der Zusam­men­ar­beit in Diskus­sion mit dem Arbeit­ge­ber ebenso fest­ge­legt werden wie die Ziele, die man zu errei­chen gedenkt. An diesen Zielen kann dann die geleis­tete Arbeit gemes­sen werden. Damit dies syste­ma­tisch und konti­nu­ier­lich erfol­gen kann, müssen Betriebs­ärzte und Fach­kräfte ihre Arbeit lücken­los doku­men­tie­ren.
Die Doku­men­ta­tion sollte Auskunft über die geplan­ten und durch­ge­führ­ten Maßnah­men sowie deren Erfolge, die erfass­ten Mängel und die Unfall­zah­len geben, aber auch Berei­che wie die Arbeits­zu­frie­den­heit und Moti­va­tion der Mitar­bei­ter und die Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Arbeits­schutz­ak­teu­ren nicht ausspa­ren.
Gemein­same Berichte, die auch über den Umfang und die Art der Zusam­men­ar­beit Auskunft geben können den Arbeit­ge­ber hier infor­mie­ren, wie effek­tiv und effi­zi­ent die Maßnah­men des Arbeits­schut­zes waren. Die BGV A2 verpflich­tet den Unter­neh­mer, derar­tige Berichte von Betriebs­arzt und Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit zu fordern und diese soll­ten diese Berichte dazu nutzen, die Erfolge ihrer gemein­sa­men Arbeit dem Arbeit­ge­ber zu vermit­teln.
Teil 2 des Beitrags in der kommen­den Ausgabe zeigt Beispiele für die Zusam­men­ar­beit von Betriebs­ärz­ten und Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit anhand ihres jewei­li­gen Aufga­ben­spek­trums.
Autoren
Prof. Dr.-Ing. Andreas Witt­mann Fach­be­reich Sicher­heits­tech­nik Univer­si­tät Wupper­tal
Dipl.-Ing. Thomas Bossel­mann (r.i.p)
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