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Check­lis­ten als Hilfs­mit­tel

Explosionsschutz - Gefährdungsbeurteilung
Check­lis­ten als Hilfs­mit­tel

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Gefähr­dungs­er­mitt­lun­gen sind ein wirk­sa­mes Mittel für den Unter­neh­mer, Gefah­ren bereits im Vorfeld des Entste­hens einer Explo­si­ons­ge­fähr­dung zu erken­nen. Damit kann er tätig werden, bevor sich eine Betriebs­stö­rung ereig­net oder sogar eine Anlage durch Explo­sion zerstört wird und Menschen­le­ben beklagt werden müssen. Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen können somit dazu beitra­gen, Wirt­schaft­lich­keit, Wett­be­werbs­fä­hig­keit und Unter­neh­men­si­mage durch verant­wort­li­ches Handeln für die Mitar­bei­ter zu verbes­sern.

Dr. Bert­hold Dyrba

Gesetze und Verord­nun­gen regeln nicht im Detail, wie der Unter­neh­mer die Beur-teilung vorzu­neh­men hat. Der Gesetz­ge­ber hat den Betrie­ben bewusst einen brei­ten Spiel­raum für die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung gelas­sen (siehe Abb. 1).
Grund­lage für die umfas­sende Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sind das Arbeits­schutz­ge­setz und die Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung. Das Arbeits­schutz­ge­setz verpflich­tet den Arbeit­ge­ber, Gefähr­dun­gen zu ermit­teln und die erfor­der­li­chen Maßnah­men des Arbeits­schut­zes fest­zu­le­gen. Kann nach den Bestim­mun­gen der Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung und Gefahr­stoff­ver­ord­nung die Bildung gefähr­li­cher explo­si­ons­fä­hi­ger Atmo­sphäre nicht sicher verhin­dert werden, hat der Arbeit­ge­ber zu beur­tei­len:
  • Die Wahr­schein­lich­keit und Dauer des Auftre­tens gefähr­li­cher explo­si­ons­fä­hi­ger Atmo­sphäre.
  • Die Wahr­schein­lich­keit des Vorhan­den­seins der Akti­vie­rung und des Wirk­sam­wer­dens von Zünd­quel­len.
  • Das Ausmaß der zu erwar­ten­den Auswir­kun­gen von Explo­sio­nen.
In der Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift „Grund­sätze der Präven­tion“ (BGV A 1) wird insbe­son­dere auf die Doku­men­ta­ti­ons­pflicht des Ergeb­nis­ses der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung hinge­wie­sen. Eine Beur­tei­lung der Explo­si­ons­ge­fahr kann nach TRBS 2152 Teil 1 erfol­gen.
Ausführ­lich berich­tet wurde über die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung in Heft 12/2009, S. 24 bis 27.

Erken­nen und Vermei­den von Explo­si­ons­ge­fähr­dun­gen

Aus einer tabel­la­ri­schen Über­sicht können von der detail­lier­ten Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung die im Unter­neh­men vorhan­de­nen Gefährdungs- bzw. Belas­tungs­fak­to­ren ausge­wählt werden (siehe Abb. 2).
Im Rahmen seiner Verpflich­tung nach § 5 ArbSchG hat der Arbeit­ge­ber die Gefähr­dung seiner Beschäf­tig­ten durch Explo­sio­nen zu ermit­teln, zu beur­tei­len und die notwen­di­gen Schutz­maß­nah­men abzu­lei­ten. Dabei sind die folgen­den Gesichts­punkte zu beach­ten:
  • 1. Es ist zu prüfen, ob brenn­bare feste, flüs­sige, gasför­mige oder staub­för­mige Stoffe betriebs­mä­ßig vorhan­den sind oder unter den in Betracht zu ziehen­den Betriebs­zu­stän­den gebil­det werden können. Siehe hierzu TRBS 2152 Teil 1/TRGS 721.
  • 2. Wenn brenn­bare Stoffe betriebs­mä­ßig vorhan­den sind oder gebil­det werden können, muss fest­ge­stellt werden, ob nach Art des Auftre­tens dieser brenn­ba­ren Stoffe über­haupt mit der Bildung explo­si­ons­fä­hi­ger Atmo­sphäre zu rech­nen ist. Siehe hierzu TRBS 2152 Teil 1/TRGS 721.
  • 3. Es ist zu beur­tei­len, ob die zu erwar­ten­den Mengen explo­si­ons­fä­hi­ger Atmo­sphäre auf Grund der örtli­chen und betrieb­li­chen Verhält­nisse gefahr­dro­hend sind. Siehe hierzu TRBS 2152 Teil 1/TRGS 721.
  • 4. Ist die Bildung gefähr­li­cher explo­si­ons­fä­hi­ger Atmo­sphäre möglich, sind die unter 5. und 7. aufge­führ­ten Schutz­maß­nah­men zu tref­fen.
  • 5. Es sind bevor­zugt Stoffe und Zube­rei­tun­gen einzu­set­zen, die keine explo­si­ons­fä­hige Atmo­sphäre bilden können. Ist dies nach dem Stand der Tech­nik nicht möglich, ist die Bildung von gefähr­li­cher explo­si­ons­fä­hi­ger Atmo­sphäre zu verhin­dern oder einzu­schrän­ken. Gefähr­li­che explo­si­ons­fä­hige Atmo­sphäre ist gefahr­los zu besei­ti­gen, soweit dies nach dem Stand der Tech­nik möglich ist.
  • 6. Kann gefähr­li­che explo­si­ons­fä­hige Atmo­sphäre durch die unter 5. genann­ten Maßnah­men nicht sicher verhin­dert werden, hat der Arbeit­ge­ber zu beurteilen:a) die Wahr­schein­lich­keit und die Dauer des Auftre­tens gefähr­li­cher explosionsfähigerAtmosphäre,b) die Wahr­schein­lich­keit des Vorhan­den­seins oder der Entste­hung und des Wirk­sam­wer­dens von Zünd­quel­len einschließ­lich elek­tro­sta­ti­scher Entla­dun­gen undc) die zu erwar­ten­den Auswir­kun­gen von Explo­sio­nen; beson­dere örtli­che Verhält­nisse sowie das übli­che Maß (siehe hierzu TRBS 2152 Teil 1 Anhang/TRGS 721 Anhang) über- oder unter­schrei­tende Explo­si­ons­ge­fähr­dun­gen müssen berück­sich­tigt werden.
  • 7. Aus der unter 6. genann­ten Beur­tei­lung hat der Arbeit­ge­ber die erfor­der­li­chen Maßnah­men zum Schutz der Beschäf­tig­ten abzuleiten:a) Maßnah­men, welche eine Bildung gefähr­li­cher explo­si­ons­fä­hi­ger Atmo­sphäre verhin­dern oder einschrän­ken (Vermei­den explo­si­ons­fä­hi­ger Atmo­sphäre). Siehe hierzu TRBS 2152 Teil 2/TRGS 722.b) Maßnah­men, welche die Entzün­dung gefähr­li­cher explo­si­ons­fä­hi­ger Atmo­sphäre verhin­dern (Vermei­den wirk­sa­mer Zünd­quel­len, einschließ­lich elek­tro­sta­ti­scher Entla­dun­gen). Siehe hierzu TRBS 2152 Teil 3 bzw. TRBS 2153.c) Maßnah­men, welche die Auswir­kun­gen einer Explo­sion auf ein unbe­denk­li­ches Maß beschrän­ken (konstruk­ti­ver Explo­si­ons­schutz). Siehe hierzu TRBS 2152 Teil 4.
In der Regel ist den Maßnah­men nach 7a) sicher­heits­tech­nisch Vorrang zu geben. Es ist deshalb zunächst zu über­le­gen, ob und wie weit diese Maßnah­men sinn­voll ange-wendet werden können. Führt diese Über­le­gung nicht zu einer befrie­di­gen­den Lösung, so sind nach sach­kun­di­gem Ermes­sen Maßnah­men nach 7b) oder 7c) oder geeig­nete Kombi­na­tio­nen von Maßnah­men nach 7a), 7b) und 7c) anzu­wen­den. Für die Fest­le­gung von Maßnah­men nach 7b) sind die explo­si­ons­ge­fähr­de­ten Berei­che in Zonen einzu­tei­len (siehe hierzu TRBS 2152 Teil 1/TRGS 721).
Der Prozess der Entschei­dung gemäß Absatz 1 ist in Abbil­dung 3 für den Fall der das übli­che Maß nicht über­schrei­ten­den Auswir­kun­gen einer Explo­sion in Form eines Abfra­ge­sche­mas grafisch darge­stellt.
Die erfor­der­li­chen Explo­si­ons­schutz­maß­nah­men müssen im Rahmen eines in sich wider­spruchs­freien Explo­si­ons­schutz­kon­zep­tes ausge­wählt und bewer­tet werden. Die getrof­fe­nen Maßnah­men müssen im Explo­si­ons­schutz­do­ku­ment fest­ge­hal­ten werden.

Check­lis­ten

Im nicht verbind­li­chen Leit­fa­den für bewährte Verfah­ren im Hinblick auf die Durch­füh­rung der Richt­li­nie 1999/92/EG über Mindest­vor­schrif­ten zur Verbes­se­rung des Gesund­heits­schut­zes und der Sicher­heit der Arbeit­neh­mer, die durch explo­si­ons­fä­hige Atmo­sphä­ren gefähr­det werden können, sind im Abschnitt A 3 „Muster­for­mu­lare und Check­lis­ten“ enthal­ten, so auch ein Muster­for­mu­lar A 3.1 „Check­liste Explo­si­ons­schutz im Innern von Appa­ra­ten“ (siehe Abb. 4) und A 3.2 „Check­liste Explo­si­ons­schutz in der Umge­bung von Appa­ra­ten“ (siehe Abb. 5).
Für Koor­di­nie­rungs­maß­nah­men zum betrieb­li­chen Explo­si­ons­schutz (Abbil­dung 6) hat sich die ange­ge­bene Check­liste bewährt.
Weitere Infor­ma­tio­nen zum Explo­si­ons­schutz siehe www.exinfo.de
Autor
Dr. Bert­hold Dyrba, BG RCI E‑Mail: berthold.dyrba@bgrci.de
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