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Chromat in Lederschutzhandschuhen

Projektarbeit im Masterstudium Sicherheitstechnik an der BUW
Chromat in Lederschutzhandschuhen

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Im Zuge des Mas­ter­stu­di­en­gangs Sicher­heit­stech­nik an der Ber­gis­chen Uni­ver­sität Wup­per­tal bekom­men Studierende die Gele­gen­heit, selb­ständig kleinere Pro­jek­te im The­men­bere­ich Arbeitss­chutz zu pla­nen und durchzuführen. Dabei geht es, neben dem the­o­retisch geprägten Uniall­t­ag, um die Ver­tiefung von prax­is­rel­e­van­ten Arbeit­stech­niken wie das Auf­bauen und Pfle­gen von Net­zw­erken. Aus einem dieser Pro­jek­te ent­stand die vor­liegende Mark­t­studie, die sich mit der Prob­lematik der Chro­mat­be­las­tung von Led­er­pro­duk­ten auseinandersetzt.

Niclas Claas, Johannes Cre­mer, Anne-Kathrin Fiedler, Philipp Gizews­ki, Hen­drik Hägerbäumer

Ca. 85% aller Led­er­pro­duk­te wer­den mit Hil­fe der Chromger­bung hergestellt. Deren wesentliche Vorteile sind unter anderem die Wirtschaftlichkeit sowie die Möglichkeit sehr weich­es aber robustes Led­er herzustellen. Neben den vielfälti­gen Vorteilen kön­nen sich jedoch auch gesund­heit­srel­e­vante Nachteile ergeben. Während der Ger­bung mit Chrom-III-Salzen kön­nen diese zu Chro­mat oxi­dieren. Dieses ist als potentes Kon­tak­tal­ler­gen bekan­nt; deshalb muss gemäß DIN EN 420 bzw. DIN EN ISO 17075, der Chro­mat­ge­halt in Led­er­pro­duk­ten unter 3 mg/kg liegen.
Ver­schiedene Studien
Im Jahr 2008 hat Stiftung War­entest 79 Led­er­pro­duk­te getestet, davon 30 Led­er­ar­beit­shand­schuhe aus dem Bau­markt. In elf Paaren kon­nte eine erhöhte Belas­tung fest­gestellt wer­den. Das Bun­de­samt für Ver­brauch­er­schutz und Lebens­mit­tel­sicher­heit (BVL) hat vor Kurzem eine Unter­suchung von 504 Led­er­pro­duk­ten in Auf­trag gegeben und stellte in 226 Pro­duk­ten einen erhöht­en Chro­mat­ge­halt fest.
In der vor­liegen­den Studie wurde anhand ein­er Stich­probe mit einem Umfang von 26 Paar Led­er­schutzhand­schuhen geprüft, inwiefern die Her­steller ihre Qual­itäts­stan­dards angepasst haben und somit den oben genan­nten Gren­zw­ert einhalten.
Vorge­hen
Um die Band­bre­ite der auf dem Markt befind­lichen Pro­duk­te möglichst voll­ständig zu berück­sichti­gen, beschränkt sich die Auswahl der unter­sucht­en 26 Paar Led­er­schutzhand­schuhe wed­er auf eine bes­timmte PSA-Kat­e­gorie noch auf einzelne Schutzhand­schuhtypen, wie beispiel­sweise Led­er­schutzhand­schuhe für Schweißer oder Garten­hand­schuhe. Die aus­gewählten Led­er­schutzhand­schuhe wur­den primär über die Her­steller selb­st oder über Großhändler bezo­gen und im Labor „Met­al­l­an­a­lytik II“ des Insti­tuts für Arbeitss­chutz (IFA) analysiert. Die Analyse erfol­gte dort auf Grund­lage der DIN EN ISO 17075, in der das Ver­fahren zur Bes­tim­mung des Chro­mat­ge­halts in Led­er­pro­duk­ten fest­gelegt ist.
Ergeb­nisse
Das Labor „Met­al­l­an­a­lytik II“ des IFA ist in der Lage, Chro­mat­ge­halte ab 2 mg/kg quan­ti­ta­tiv zu bes­tim­men. Die Analy­seergeb­nisse wiesen deut­lich aus, dass in allen unter­sucht­en Proben der Chro­mat­ge­halt (bis auf eine Aus­nahme) nicht nur unter­halb des Gren­zw­ertes von 3mg/kg, son­dern auch unter­halb der Nach­weis­gren­ze von 2mg/kg lag.
Die ein­gangs aufgestellte These, dass die Her­steller auf die in den ver­gan­genen Jahren veröf­fentlicht­en Befunde reagiert und die Pro­duk­tionsver­fahren über­ar­beit­et haben, scheint sich mit dieser ersten ori­en­tieren­den Mark­t­studie zu bestäti­gen. Erfreulich ist, dass sich auch aus­gewählte kostengün­stige Hand­schuhe, wie sie auch in Baumärk­ten erhältlich sind (exem­plar­isch unter­sucht anhand des Her­stellers Lux), hin­sichtlich ihrer Chro­mat­be­las­tung als unbe­den­klich erwiesen.
Es stellt sich die Frage, warum ins­beson­dere die erwäh­nte Unter­suchung vom BVL aus dem Jahr 2010 zu sig­nifikant anderen Ergeb­nis­sen als die vor­liegende Kurzs­tudie kommt. Als mögliche Erk­lärung sei expliz­it auf die geringe Probe­nan­zahl in der vor­liegen­den Unter­suchung hingewiesen, so dass mit den Ergeb­nis­sen aus der Stich­probe die tat­säch­liche Mark­t­si­t­u­a­tion nur begren­zt abge­bildet wer­den kann.
Für sen­si­bil­isierte Per­so­n­en reichen schon ger­ing­ste Men­gen an Chro­mat, um eine aller­gis­che Reak­tion auszulösen. Daher sind selb­st Hand­schuhe, in denen der Chro­mat­ge­halt unter­halb des Gren­zw­ertes liegt, nicht zwangsläu­fig risikofrei. Die betrof­fe­nen Per­so­n­en kön­nen beispiel­sweise auf sämisch gegerbte Led­er zurück­greifen oder je nach Tätigkeit eine Alter­na­tive zu Led­er verwenden.
Danksa­gung
Wir bedanken uns für die fre­undliche Unter­stützung bei der Mark­trecherche und Beschaf­fung der Proben bei Her­rn Borows­ki, Leit­er der Abteilung 5.4 – Umwelt‑, Gefahrstoff- und Lager­man­age­ment der Ber­gis­chen Uni­ver­sität Wup­per­tal, der u. a. für die Beschaf­fung geeigneter per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tun­gen zuständig ist. Bedanken möcht­en wir uns außer­dem bei Frau Dr. Waldinger, Lei­t­erin des Fach­bere­ichs II – Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung der Beruf­sgenossen­schaft der Bauwirtschaft (BG Bau) für ihre Unter­stützung des Projektes.
Ins­beson­dere gilt der Dank Frau Hage­mann unter deren Leitung die aufwändi­ge Unter­suchung der Led­er­proben im Labor Met­al­l­an­a­lytik II am Insti­tut für Arbeitss­chutz (IFA) in St. Augustin durchge­führt wurde.
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