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Das Konzept „Brandschutzbeauftragter“ – jetzt zukunftsweisend geregelt!

Brandschutzbeauftragte
Das Konzept „Brandschutzbeauftragter“ – jetzt zukunftsweisend geregelt!

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Das Sachge­bi­et „Betrieblich­er Brand­schutz“ des Fach­bere­ich­es „Feuer­wehren, Hil­feleis­tun­gen, Brand­schutz“ der Deutschen geset­zlichen Unfal­lver­sicherung e.V. (DGUV) hat eine Infor­ma­tion­ss­chrift mit dem Titel „Auf­gaben, Qual­i­fika­tion, Aus­bil­dung und Bestel­lung von Brand­schutzbeauf­tragten“ (DGUV Infor­ma­tion 205‑0031) erar­beit­et. In dieser Schrift wer­den Hin­weise zur Bestel­lung eines Brand­schutzbeauf­tragten für Betriebe und Behör­den gegeben sowie Auf­gaben, Anforderun­gen an die Qual­i­fika­tion und die erforder­liche Aus- und Weit­er­bil­dung beschrieben, die wir im Fol­gen­den vorstellen wollen.

Wie es sich bere­its bei der Erstel­lung der DGUV Infor­ma­tion „Brand­schutzhelfer“ (DGUV Infor­ma­tion 205–023 bish­er: BGI/GUV‑I 51822) bewährt hat, wählte auch hier das Sachge­bi­et den Weg eines „run­den Tis­ches“. Das heißt konkret, dass den inter­essierten Kreisen die Möglichkeit der Mitar­beit in der Pro­jek­t­gruppe zur Über­ar­beitung der seit langem existieren­den BGI/GUV‑I 847 „Brand­schutzbeauf­tragte“ gegeben wurde. Das war umso wichtiger, da mit den bis dato veröf­fentlicht­en Schriften:
  • BGI/GUV‑I 847 „Auf­gaben, Qual­i­fika­tion und Aus­bil­dung von Brandschutzbeauftragten“,
  • VdS 3111 „Brand­schutzbeauf­tragter (Fachkraft für Brand­schutz)” und
  • vfdb 12–09/01 „Bestel­lung, Auf­gaben, Qual­i­fika­tion und Aus­bil­dung von Brandschutzbeauftragten“
drei, in Teilen von aneinan­der abwe­ichende Aus­sagen zum The­ma „Brand­schutzbeauf­tragte“ vor­la­gen. Das war für die Anwen­der, die Aus­bil­dungsstät­ten, aber auch z.B. für die Genehmi­gungs­be­hör­den eine schwierige Sit­u­a­tion. Daher waren sich die im Kas­ten „Beteiligte Organisationen/Verbände“ genan­nten inter­essierten Kreise einig, dass eine Über­ar­beitung und Zusam­men­führung der drei oben genan­nten Schriften sin­nvoll ist. Dabei sollte aber sowohl die DGUV, die Vere­ini­gung zur Förderung des deutschen Brand­schutzes (vfdb e.V.) und die VdS Schaden­ver­hü­tung GmbH auch weit­er­hin die Möglichkeit haben, eine eigene Schrift zum The­ma „Brand­schutzbeauf­tragte“ zu veröf­fentlichen, jedoch dies­mal inhalts­gle­ich und abgestimmt.
Wir möcht­en es an dieser Stelle nicht ver­säu­men allen Beteiligten für dieses Vorge­hen und die äußerst engagierte und pro­fes­sionelle Mitar­beit zu danken. Der Abstim­mungs­be­darf war darüber hin­aus eben­falls nicht zu unter­schätzen, mussten doch die Gremien aller beteiligten Insti­tu­tio­nen und Ver­bände die gemein­same Schrift auch mit­tra­gen und beschließen.

Grundlagen

Zum Schutz von Men­schen, Tieren, Umwelt und Sach­w­erten vor gefährlichen Ein­wirkun­gen wer­den in Geset­zen, Verord­nun­gen und Richtlin­ien Anla­gen­be­treiber oder Unternehmer verpflichtet, qual­i­fizierte Fachkräfte mit bes­timmten Auf­gaben zu betrauen, so z. B. die Fachkräfte für Arbeitssicher­heit oder Abfall‑, Gewäss­er- oder Strahlen­schutzbeauf­tragte. Für den Brand­schutz sind in Betrieben auf­grund beson­der­er Rechtsvorschriften (z.B. Indus­triebau­richtlin­ie, Verkauf­sstät­ten­verord­nung), behördlich­er Aufla­gen oder Gefährdungs­beurteilun­gen Brand­schutzbeauf­tragte erforder­lich, die durch ihre qual­i­fizierte Aus­bil­dung dem Arbeit­ge­ber als zen­tralem Part­ner für brand­schutzrel­e­vante The­men zur Ver­fü­gung ste­hen. Die bun­de­sein­heitliche DGUV Infor­ma­tion 205–003 legt Min­destanforderun­gen an die Qual­i­fika­tion, Aus­bil­dung und Bestel­lung von Brand­schutzbeauf­tragten fest, beschreibt die Auf­gaben und gibt Hil­festel­lun­gen für die Umset­zung der Anforderun­gen für eine geeignete betriebliche Brandschutzorganisation.

Brandschutzorganisation – Wann ist ein BSB notwendig?

Die Ver­hü­tung und die Ver­hin­derung der Aus­bre­itung von Brän­den sowie die Bekämp­fung von Entste­hungs­brän­den sind Gemein­schaft­sauf­gaben aller im Betrieb beschäftigten Per­so­n­en. Der Arbeit­ge­ber, Unternehmer beziehungsweise der Leit­er ein­er Ein­rich­tung tra­gen die Ver­ant­wor­tung für die Erre­ichung dieser Schutzziele im Betrieb. Zum Auf­bau ein­er hierzu erforder­lichen Brand­schut­zor­gan­i­sa­tion und für die damit ver­bun­de­nen vielfälti­gen Auf­gaben soll­ten Arbeit­ge­ber zur Beratung einen Brand­schutzbeauf­tragten bestellen.
Für den Auf­bau ein­er geeigneten Brand­schut­zor­gan­i­sa­tion müssen zunächst in ein­er Gefährdungs­beurteilung die branchen- und betrieb­sspez­i­fis­chen Brandge­fährdun­gen ermit­telt und die damit ver­bun­de­nen Risiken bew­ertet wer­den. Gefährdun­gen im Sinne des Arbeits- und Brand­schutzes kön­nen sich ins­beson­dere ergeben durch
  • die Gestal­tung und die Ein­rich­tung der Arbeitsstätte und des Arbeitsplatzes,
  • physikalis­che, chemis­che und biol­o­gis­che Einwirkungen,
  • die Gestal­tung, die Auswahl und den Ein­satz von Arbeitsmit­teln, ins­beson­dere von Arbeitsstof­fen, Maschi­nen, Geräten und Anla­gen sowie den Umgang damit,
  • die Gestal­tung von Arbeits- und Fer­ti­gungsver­fahren, Arbeitsabläufen und Arbeit­szeit und deren Zusam­men­wirken und
  • unzure­ichende Qual­i­fika­tion und Unter­weisung der Beschäftigten.
Für die Ermit­tlung und Bew­er­tung der betrieb­sspez­i­fis­chen Brandge­fährdun­gen sind fol­gende Fak­toren zu betrachten:
  • Nutzung (z.B. Lager, Pro­duk­tion, Forschung & Entwick­lung, Werk­statt, Ver­wal­tung, Pflege, Ver­samm­lung, Entsorgung)
  • Mögliche Auswirkun­gen im Schadensfall
  • sicher­heit­stech­nis­che Kenn­zahlen, Verarbeitungsparameter
  • Zündquellen
  • Anzahl und räum­liche Verteilung von Beschäftigten und Drit­ten im Betriebsbereich
  • Ortsken­nt­nis, Mobil­ität und Aus­bil­dungs­grad der Personen
  • baulich­er Brandschutz
  • anla­gen­tech­nis­ch­er Brandschutz
  • organ­isatorisch­er Brandschutz
  • abwehren­der Brandschutz
  • Löschwasserver­sorgung, Löschwasserrückhaltung
Zur Durch­führung der Gefährdungs­beurteilung wird auf
  • das Arbeitss­chutzge­setz (Arb­SchG) § 5 „Beurteilen der Arbeitsbedingungen“,
  • die Tech­nis­che Regel für Arbeitsstät­ten (ASR) ASR A2.2 „Maß­nah­men gegen Brände“,
  • die Tech­nis­che Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 400 „Gefährdungs­beurteilung für Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen“ und die
  • TRGS 800 „Brand­schutz­maß­nah­men“
verwiesen.3
Wird für den betra­chteten Betrieb eine Brandge­fährdung ermit­telt, die über eine nor­male Brandge­fährdung hin­aus­ge­ht (also eine erhöhte Brandge­fährdung) und bzw. oder sind auf­grund erhöhter Risiken z.B. durch bauliche Gegeben­heit­en beson­dere Maß­nah­men zur Erre­ichung der Schutzziele erforder­lich, sollte ein Brand­schutzbeauf­tragter bestellt werden.

Bestellung von Brandschutzbeauftragten

Brand­schutzbeauf­tragte wer­den vom Arbeit­ge­ber (unter Berück­sich­ti­gung des Betrieb­sver­fas­sungs­ge­set­zes) schriftlich bestellt. Hierzu wurde von der Pro­jek­t­gruppe ein indi­vidu­ell aus­füll­bares Musterbestel­lungss­chreiben ent­wor­fen, das z.B. auf der Homepage4 des Sachge­bi­etes „Betrieblich­er Brand­schutz“ der DGUV ver­füg­bar ist.
In dieser Bestel­lung sind der Zuständigkeits­bere­ich, die Auf­gaben sowie die Rah­menbe­din­gun­gen zu definieren und festzule­gen. Zu den zu beach­t­en­den Rah­menbe­din­gun­gen gehören z.B.
  • Zugriff auf alle brand­schutzrel­e­van­ten Unter­la­gen und Informationen,
  • Zutritt zu allen betr­e­f­fend­en Liegen­schaften und Räu­men sowie
  • ver­füg­bare Arbeit­szeit und Arbeitsmittel.
Ver­fügt der Arbeit­ge­ber – bei fest­gestell­ter Notwendigkeit – über keinen eige­nen Brand­schutzbeauf­tragten oder kann keine eigene Mitar­bei­t­erin oder kein eigen­er Mitar­beit­er aus­ge­bildet wer­den, ist ein extern­er Brand­schutzbeauf­tragter zu beauf­tra­gen. Dessen Qual­i­fika­tion gemäß der DGUV Infor­ma­tion 205–003 muss nachgewiesen werden.
Die Ein­bindung des exter­nen Brand­schutzbeauf­tragten in die interne Brand­schut­zor­gan­i­sa­tion ist hier­bei zu gewährleis­ten. Des Weit­eren sind Zuständigkeit­en und Schnittstellen festzule­gen sowie die rechtzeit­ige Ein­bindung in interne Abläufe (z.B. Investi­tio­nen, Umbaut­en, Prozessän­derun­gen) sicherzustellen. Eben­so muss ein extern­er Brand­schutzbeauf­tragter in der Lage sein, kurzfristig den Betrieb in sein­er Funk­tion besuchen, berat­en und unter­stützen zu kön­nen. Eine Betreu­ung lediglich „vom Schreibtisch aus“ ist also nicht zielführend.
Diese Fes­tle­gun­gen soll­ten Bestandteil der ver­traglichen Regelung sein.

Aufgaben von Brandschutzbeauftragten

Brand­schutzbeauf­tragte sind die zen­trale Ansprech­per­son für alle Brand­schutz- fra­gen im Betrieb. Sie berat­en und unter­stützen den Arbeit­ge­ber in allen Fra­gen des vor­beu­gen­den, abwehren­den und organ­isatorischen Brand­schutzes sowie im betrieblichen Not­fall­man­age­ment. Welche Auf­gaben dem Brand­schutzbeauf­tragten ins­beson­dere über­tra­gen wer­den kön­nen, enthält die beispiel­hafte Aufzäh­lung im Kas­ten „Auf­gaben des Brandschutzbeauftragten …“.
Häu­fig wird die Frage nach ein­er Be- mes­sungs­grund­lage der Ein­satzzeit für Brand­schutzbeauf­tragte – ana­log zur Ein­satzzeit­berech­nung der Fachkräfte für Arbeitssicher­heit – gestellt. Eine verbindliche Aus­sage kann dazu, auf­grund ein­er fehlen­den Rechts­grund­lage, nicht gemacht wer­den, jedoch wird in Anhang 2 der DGUV Infor­ma­tion 205–003 erst­mals ein exem­plar­isch­er Hin­weis für die mögliche Bemes­sung der Ein­satzzeit­en von Brand­schutzbeauf­tragten am Beispiel eines Möbel­haus­es angeführt.

Befähigung zum Brandschutzbeauftragten

Die Befähi­gung zum Brand­schutzbeauf­tragten besitzen auf­grund ihrer Aus­bil­dung grund­sät­zlich bereits
  • Per­so­n­en mit ein­er abgeschlosse­nen Aus­bil­dung zum gehobe­nen oder höheren feuer­wehrtech­nis­chen Dienst oder ver­gle­ich­baren Aus­bil­dun­gen nach den entsprechen­den Lauf­bah­n­regelun­gen der einzel­nen Bun­deslän­der und
  • Per­so­n­en mit abgeschlossen­em Hochschul- oder FH-Abschluss „Brand­schutz“, die die in der DGUV Infor­ma­tion 205–003 geforderten Ken­nt­nisse nach­weisen können.
Zur Absolvierung der neu einge­führten, verkürzten Aus­bil­dung zum Brand­schutzbeauf­tragten sind qual­i­fiziert (siehe hierzu auch Abb. 1):
  • Aktive Feuer­wehrange­hörige mit erfol­gre­ich abgeschlossen­er Aus­bil­dung zum Zugführer gemäß Feuer­wehr-Dien­stvorschrift 2 oder nach jew­eiligem Lan­desrecht gle­ich­w­er­ti­gen Lehrgängen.
  • Per­so­n­en mit ein­er abgeschlosse­nen Aus­bil­dung mit min­destens 140 Lehrein­heit­en zum Brandschutztechniker.

Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten

Teil­nehmerin­nen oder Teil­nehmer an der Aus­bil­dung zum Brand­schutzbeauf­tragten sollen min­destens eine abgeschlossene Beruf­saus­bil­dung besitzen.
Für Betriebe mit erhöhter Brandge­fährdung wird für den Brand­schutzbeauf­tragten eine beson­dere Qual­i­fika­tion emp­fohlen, z.B.:
  • Per­so­n­en mit feuer­wehrtech­nis­ch­er Ausbildung,
  • Absol­ventin­nen oder Absol­ven­ten der Aus­bil­dung Werk­feuer­wehrman­n/-frau,
  • Fachkräfte für Arbeitssicher­heit sowie
  • Hochschul-/FH-Absol­ven­ten mit Stu­di­en­schw­er­punkt „Brand­schutz“
Der Arbeit­ge­ber muss der dafür vorge­se­henen Per­son die für die Erfül­lung ihrer Auf­gaben erforder­liche Aus­bil­dung sowie die für den Brand­schutzbeauf­tragten erforder­liche Fort­bil­dung unter Berück­sich­ti­gung der betrieblichen Belange ermöglichen.
Aus­bil­dung­sein­rich­tun­gen für die kom­pe­tente Aus­bil­dung zum Brand­schutzbeauf­tragten kön­nen sein:
  • CFPA5-anerkan­nte Ausbildungseinrichtungen,
  • Aus­bil­dung­sein­rich­tun­gen der Schadenversicherer,
  • Aus­bil­dung­sein­rich­tun­gen der Fach- und Prüfein­rich­tun­gen für Brand- und Explosionsschutz,
  • die Feuer­wehrschulen der Bundesländer
und gle­icher­maßen qual­i­fizierte Ein­rich­tun­gen, die entsprechend der DGUV Infor­ma­tion 205–003 ausbilden.
Die gesamte Aus­bil­dung des Brand­schutzbeauf­tragten ist als mod­u­lares Sys­tem aufge­baut. Das Sys­tem gliedert sich in einen the­o­retis­chen und einen prak­tis­chen Teil sowie anschließende Fort­bil­dun­gen. Die Aus­bil­dung mit der hier dargestell­ten Aus­bil­dungsmethodik wird in Unter­richt­sein­heit­en à 45 Minuten gegliedert. Die Dauer der Aus­bil­dung beträgt min­destens 64 Unter­richt­sein­heit­en (UE), aufgeteilt auf zwei Wochen. Die Aus­bil­dungszeit ist als Präsen­zphase zu ver­ste­hen. Aus päd­a­gogis­ch­er Sicht wer­den pro Aus­bil­dungstag acht UE emp­fohlen. Zehn UE dür­fen nicht über­schrit­ten wer­den. Wege- und Pausen­zeit­en zählen nicht zu den Unterrichtseinheiten.
Die nun mögliche, verkürzte Aus­bil­dung umfasst 34 UE inkl. Abschlussprü­fung (vier UE). Lehrgangsziel für die verkürzte Aus­bil­dung sollte daher eine ziel­grup­penori­en­tierte, baulich-organ­isatorische Ver­tiefung des vor­beu­gen­den Brand­schutzes sowie eine umfan­gre­iche Aus­bil­dung im Bere­ich der Anla­gen­tech­nik sein.
Eine prak­tis­che Aus­bil­dung im Umgang mit Feuer­löschein­rich­tun­gen ist ein notwendi­ges Aus­bil­dungsmod­ul. Die Ken­nt­nis der Funk­tion­sweise von Feuer­lösch-ein­rich­tun­gen und deren sichere Hand-habung ist eine wichtige Grund­lage für eine spätere Tätigkeit in der Aus­bil­dung und Unter­weisung von Beschäftigten.
Die Prü­fung set­zt sich aus einem schrift- lichen und einem mündlichen Prü­fung­steil zusam­men. Sie hat einen zeitlichen Umfang von min­destens vier UE. Der schriftliche Teil beste­ht aus der Beant­wor­tung von bis zu 60 Fra­gen aus den Unter­richt­sein­heit­en. Die mündliche Prü­fung umfasst die Bear­beitung ein­er Fall­studie in Arbeits­grup­pen (max. fünf Teil­nehmerin­nen oder Teil­nehmer je Gruppe) mit anschließen­der Präsen­ta­tion jed­er einzel­nen teil­nehmenden Per­son vor der Prüfungskommission.
Die zu ver­mit­tel­nden Lehrin­halte sowie deren Umfang sind im Kas­ten „Umfang und Inhalt der Aus­bil­dung …“ aufge­führt. Entsprechend der Aus­bil­dungs­dauer, der Ziel­gruppe sowie der Vorken­nt­nisse kön­nen die The­men­blöcke inner­halb des angegebe­nen Rah­mens angepasst wer­den. Zusät­zlich kön­nen bzw. sollen branchen­spez­i­fis­che Schw­er­punk­te geset­zt wer­den, wo dies möglich ist.

Fortbildung von Brandschutzbeauftragten

Die Fachkunde eines Brand­schutzbeauf­tragten muss den aktuellen Erfordernissen sowie den sich ändern­den Regel­w­erken und Vorschriften entsprechen. Dem­nach ist für den Brand­schutzbeauf­tragten eine regelmäßige Fort­bil­dung notwendig und zur qual­i­fizierten Auf­gaben­be­wäl­ti­gung erforderlich.
Dazu muss der Arbeit­ge­ber den Brand­schutzbeauf­tragten die erforder­liche Fort­bil­dung unter Berück­sich­ti­gung der betrieblichen Belange ermöglichen.
Fort­bil­dungs­the­men kön­nen z.B. sein:
  • the­men­be­zo­gene Sem­i­nare zum anla­gen­tech­nis­chen, organ­isatorischen und baulichen Brandschutz
  • branchen­be­zo­gene Sem­i­nare zum Brandschutz
  • Spezial­isierungssem­inare (Explo­sion­ss­chutz, Not­fall­man­age­ment, Katas­tro­phen­schutz, Räu­mung und Evakuierung, Luft­fahrt, Bahn, usw.)
  • Sem­i­nare zu Kom­mu­nika­tion, Didak­tik, Präsentation
  • Fach­ta­gun­gen
Ein wesentlich­er Fokus muss jet­zt auch auf die Aktu­al­ität der Aus- und Fort­bil­dung gelegt werden:
  • 1. Die gesamte Aus­bil­dung soll spätestens inner­halb von zwei Jahren abgeschlossen sein.
  • 2. Weit­er­hin wurde fest­geschrieben, dass die Aus­bil­dung zum Brand­schutzbeauf­tragten nicht länger als fünf Jahre zurück­liegen darf. Des Weit­eren ist in diesem Zeit­fen­ster eine „und/oder Möglichkeit“ für die beru­fliche Tätigkeit oder eine Fort­bil­dung als Brand­schutzbeauf­tragter nachzuweisen. Anson­sten ist die Teil­nahme an ein­er­Aus­bil­dung im Sinne der DGUV Infor­ma­tion erforderlich.
  • 3. Fort­bil­dungsver­anstal­tun­gen sind inner­halb von drei Jahren mit min­destens 16 UE à 45 Minuten zu besuchen. Die Teil­nahme ist zu dokumentieren.

Fazit

Sowohl das Arbeitss­chutzge­setz (§ 10) als auch die Unfal­lver­hü­tungsvorschrift „Grund­sätze der Präven­tion“ (DGUV Vorschrift 1 bish­er BGV / GUV‑V A1) § 21, 22 verpflicht­en den Unternehmer zur wirk­samen Organ­i­sa­tion des betrieblichen Brand­schutzes. Nur in Aus­nah­me­fällen wird er dies selb­st fachkundig durch­führen kön­nen. Die Funk­tion des Brand­schutzbeauf­tragten nimmt daher eine wesent- liche Rolle ein. Die in der DGUV Infor­ma­tion 205–003 beschriebe­nen Aus­bil­dungsin­halte und vor allem poten­ziellen Auf­gaben eines Brand­schutzbeauf­tragten zeigen deut­lich auf, dass es sich hier­bei um eine ver­ant­wor­tungsvolle und fach­lich anspruchsvolle Tätigkeit han­delt. Ein halb­herziges Vorhal­ten eines Brand­schutzschutzbeauf­tragten – weil man ihn, z.B. auf­grund beson­der­er Rechtsvorschriften oder behördlich­er Aufla­gen benötigt –, ohne diese Funk­tion auch entsprechend zu würdi­gen und miteinzubeziehen, ist genau­so wenig zielführend, wie das externe Vergeben der „Leis­tung“ lediglich anhand von Wirtschaftlichkeit­skri­te­rien oder in der Hoff­nung, dann mit dem The­ma „Brand­schutz“ nichts mehr zu tun haben zu müssen. Vielmehr sollte im Rah­men der zu erstel­len­den Gefährdungs­beurteilung dem Brand­schutz der gebotene Raum gewährt wer­den und die Bestel­lung eines Brand­schutzbeauf­tragten – bei iden­ti­fiziertem Bedarf – zukün­ftig die Regel sein.
Sowohl die nun erschienene DGUV Infor­ma­tion 205–003, die VdS 3111 und die vfdb Richtlin­ie 12–09/01 sind durch eine bre­ite Basis der betrof­fe­nen und inter­essierten Kreise des betrieblichen Brand­schutzes in Deutsch­land erstellt und für fach­lich richtig und notwendig erachtet wor­den. Die Schriften stellen darüber hin­aus in der Gesamtschau mit der Tech­nis­chen Regel für Arbeitsstät­ten „Maß­nah­men bei Brän­den“ (ASR A2.2), der DGUV Infor­ma­tion „Brand­schutzhelfer“ (DGUV Infor­ma­tion 205–023) und der ger­ade in Über­ar­beitung befind­lichen DGUV Infor­ma­tion „Arbeitssicher­heit durch vor­beu­gen­den Brand­schutz“ (DGUV Infor­ma­tion 205–001, bish­er BGI/GUV‑I 560) ein schlüs­siges Konzept zum The­ma „Betrieblich­er Brand­schutz“ aus Sicht der gesetz- lichen Unfal­lver­sicherung dar.
Ein engagiert­er und sachkundi­ger Brand­schutzbeauf­tragter wird mit diesen Instru­menten den betrieblichen Brand­schutz opti­mal konzip­ieren und – mit Hil­fe des Unternehmers – auch in die täglichen, betrieblichen Abläufe imple­men­tieren kön­nen. Dies dient in erster Lin­ie der Sicher­heit und dem Gesund­heitss­chutz der Beschäftigten, aber darüber hin­aus auch dem Erhalt von Sach­w­erten, Pro­duk­tion­san­la­gen und Arbeitsstät­ten und ‑plätzen und ver­mei­det bzw. ver­ringert Ver­mö­genss­chä­den durch Pro­duk­tions- und Betrieb­saus­fälle nach Brandereignissen.
  • 1 zu beziehen unter http://publikationen.dguv.de/dguv/udt_dguv_main.aspx?MMRSV=1
  • 2 zu beziehen unter http://publikationen.dguv.de/dguv/udt_dguv_main.aspx?MMRSV=1
  • 3 einzuse­hen unter www.baua.de
  • 4 www.dguv.de (Web­code: d133189)
  • 5 CFPA: The Con­fed­er­a­tion of Fire Pro­tec­tion Asso­ci­a­tion Europe (CFPA Europe) = Zusam­men­schluss nation­al anerkan­nter Organ­i­sa­tio­nen für Brandschutz
Autoren
Bernd Man­ning, Fach­plan­er für vor­beu­gen­den Brand­schutz, VdS Schaden­ver­hü­tung GmbH, Köln
Dipl. Biol. Tim Pel­zl, Leit­er der Geschäftsstelle des Fach­bere­ichs „Feuer­wehren, Hil­feleis­tun­gen, Brand­schutz“ der DGUV
Ger­hard Sprenger, Leit­er des Sachge­bi­etes „Betrieblich­er Brand­schutz“ der DGUV, c/o BG Nahrungsmit­tel und Gast­gewerbe (BGN), Mannheim
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