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Die Grundlagen

Schulungskomplex zur Aus- und Fortbildung von Brandschutzhelfern/Evakuierungskräften Teil 1
Die Grundlagen

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Es klingt oft wie abge­droschen, wenn es heißt: „Bei einem Not­fall ist vor allem wichtig, Ruhe zu bewahren und schnell die richti­gen Schritte einzuleit­en!“. Die Prax­is belegt lei­der immer noch ein anderes Bild. Die Haup­tur­sachen, warum die Fol­gen von Unfällen, Brän­den und Katas­tro­phen oft schw­er­er aus­fall­en als sie müssten, sind oft panis­che Reak­tio­nen ungeschul­ter Helferin­nen und Helfer. In diesem ersten Teil des Schu­lungskom­plex­es zur Aus- und Fort­bil­dung von Brandschutzhelfern/Evakuierungskräften wollen wir Ihnen Grund­la­gen näher brin­gen.

Um in ein­er Gefahren­si­t­u­a­tion zur recht­en Zeit richtig zu han­deln, ist es wichtig, dass mögliche Szenar­ien bere­its vorher durch­dacht und das richtige Ver­hal­ten erlernt und geübt wer­den.
Das trifft sowohl für Brand­bekämp­fungs- als auch für Evakuierungs­maß­nah­men zu und es gilt beson­ders für Son­der­baut­en und Objek­te mit großer Brandge­fährdung.
Vom Grund­satz her gilt dies natür­lich auch, wenn seit­ens des Geset­zge­bers in Recht­snor­men diese Maß­nah­men in anderen Gebäu­den gefordert wer­den, in denen in der Regel Gefährdungspoten­ziale vorhan­den sind.
Deshalb sind für diese Bere­iche vor­beu­gende und oper­a­tive Maß­nah­men zur Gefahren­ab­wehr zu tre­f­fen. Sie ver­lan­gen einen präzise abgek­lärten Ver­fahren­sal­go­rith­mus für die Ers­thelfer (Brand­schutz- und Evakuierungskräfte).
Ein­deutig wird in Rechts­grund­la­gen fest­gelegt, dass der Arbeit­ge­ber diejeni­gen Beschäftigten zu benen­nen hat, die Auf­gaben zur Gefahren­ab­wehr übernehmen sollen und müssen. Dabei ist auch die Aus­bil­dung als imma­nen­ter Bestandteil zu betra­cht­en.
Die Prax­is zeigt jedoch, dass diese ein­deutige Recht­snorm noch zu wenig Beach­tung find­et. Aus eigen­er Erfahrung kann eingeschätzt wer­den, dass beson­ders Ver­ant­wortliche für den Brand‑, Katas­tro­phen- und Gefahren­schutz sich ihrer Ver­ant­wor­tung nicht voll bewusst sind und deshalb z.B. ange­botene Schu­lungs­maß­nah­men noch nicht aus­re­ichend nutzen und ihre Ers­thelfer nicht objek­t­be­zo­gen und gefahren­spez­i­fisch schulen.
Aus diesem Grunde wird für die Schu­lung bzw. für die Aus- und Fort­bil­dung der Brand­schutzhelfer und Evakuierungskräfte ein wis­senschaftlich-fundiert­er Schu­lungskom­plex auf­bere­it­et und zur Nutzung emp­fohlen.
Diese The­menkom­plexe, in der Prax­is mehrfach erprobt, bein­hal­ten u.a. die wesentlichen Auf­gaben, Rechte und Pflicht­en der Ver­ant­wortlichen und der Brand­schutzhelfer und Evakuierungskräfte.
Es hat sich bei den bish­er durchge­führten Schu­lungs­maß­nah­men auch bewährt, dass gemein­same The­menkom­plexe für Brand­schutzhelfer und Evakuierungskräfte (oft als Ers­thelfer beze­ich­net) auf­bere­it­et wer­den. Dies wird bei der inhaltlichen Bear­beitung der The­men berück­sichtigt.
Der Vorteil ist darin begrün­det, dass The­men wie z.B. Bekämp­fung von Entste­hungs­brän­den für bei­de Helfer­grup­pen wichtig und notwendig sind. Auch andere Kom­plexe, die bei­de Grup­pen berühren, lassen sich ziel­gerichtet darstellen, wovon alle prof­i­tieren.
Führungskräfte auf der „Vorort-Ebene“, wie Bere­ich­sleit­er, Heim­leit­er, Ord­ner, Meis­ter, Schichtleit­er u.a., kön­nen zur Auf­frischung ihrer Ken­nt­nisse eben­falls prof­i­tieren, denn sie tra­gen let­ztlich die volle Ver­ant­wor­tung für den Ein­satz der Brand­schutzhelfer und Evakuierungskräfte im Gefahren­fall.
In einem Schu­lungskom­plex wer­den nach­fol­gende Schw­er­punk­t­the­men und ‑inhalte auf­bere­it­et.
Das begin­nt mit the­o­retis­chen Dar­legun­gen zu Rechts­grund­la­gen, Ver­ant­wortlichkeit­en und zur Ersthil­fe, führt über Anleitun­gen für eine prak­tis­che Aus­bil­dung zur Gefahren­ab­wehr (z. B. Übun­gen mit Klein­löschgeräten, Evakuierungsübun­gen) bis hin zu Hin­weisen für Brand­schutzbege­hun­gen in Räu­men und Anla­gen mit beson­derem Blick auf Brand­bekämp­fungs­maß­nah­men, Evakuierungswe­gen und ‑aus­gän­gen, kri­tis­che Bere­iche, Schwach­stellen und Fehler.
Zu den Teil­bere­ichen „Grund­la­gen“ „Brand­schutzhelfer“ und „Evakuierungskräfte“ wer­den als Abschluss Tes­tat­fra­gen aus­gear­beit­et und zur Ver­fü­gung gestellt.
Sie enthal­ten die wichtig­sten Maß­nah­men, die ein Brand­schutzhelfer und die eine Evakuierungskraft für seine Tätigkeit in der Gefahren­ab­wehr zwin­gend benötigt. Durch die Fragestel­lung und die drei vorgegebe­nen Möglichkeit­en zur Beant­wor­tung wer­den an den Proban­den entsprechende Anforderun­gen zur richti­gen Lösung gestellt.
So kön­nen durch die Ver­ant­wortlichen, Train­er oder Mul­ti­p­lika­toren nach Abschluss ein­er Aus- oder Fort­bil­dungs­maß­nahme oder nach ein­er Zeit des Selb­st- studi­ums durch die Teil­nehmer, mit­tels eines Tes­tates, ihre erwor­be­nen Ken­nt­nisse über­prüft wer­den.
Es erscheint natür­lich aus päd­a­gogis­ch­er Sicht sin­nvoll, wenn nach Abschluss des Tes­tats alle Tes­tat­fra­gen noch ein­mal durch den Schu­lungsleit­er in geeigneter Form aus­gew­ertet wer­den, um allen Teil­nehmern die Bestä­ti­gung zu geben, die Fra­gen richtig beant­wortet zu haben bzw. den­jeni­gen, die Fehler zu verze­ich­nen haben, eine Kor­rek­tur zu ermöglichen.
Das pos­i­tive Feed­back der Teil­nehmer bei durchge­führten Schu­lun­gen unter­stre­icht diese Aus­sage.
Das Schu­lungs­ma­te­r­i­al sollte den Teil­nehmern für ihre per­sön­liche Fort­bil­dung, entwed­er vor Beginn der Schu­lungs­maß­nahme zum Selb­st­studi­um oder danach, als Hand­out übergeben wer­den.
I/1 Geset­zliche Grund­la­gen
Die nach­fol­gen­den geset­zlichen Bes­tim­mungen leg­en die Ver­ant­wortlichkeit­en für den Arbeit­ge­ber als auch für die Arbeit­nehmer fest.
Das Arbeitss­chutzge­setz gilt als „Grundge­setz des Arbeitss­chutzes“.
Für die Durch­führung der Brand­schutz- und Evakuierungs­maß­nah­men sind wichtige Aus­sagen enthal­ten.
Das Gesetz dient zur Sicherung und Verbesserung des Gesund­heitss­chutzes (Präven­tion).
Unfal­lver­hü­tungsvorschrift BGV A 1 – Grund­sätze Stand 1. Jan­u­ar 2004 – Auszug
§ 15 All­ge­meine Unter­stützungspflicht­en und Ver­hal­ten
(1) Die Ver­sicherten sind verpflichtet, … sowie für Sicher­heit und Gesund­heitss­chutz der­jeni­gen zu sor­gen, die von ihren Hand­lun­gen oder Unter­las­sun­gen betrof­fen sind … . Die Ver­sicherten dür­fen erkennbar gegen Sicher­heit und Gesund­heit gerichtete Weisun­gen nicht befol­gen.
§ 22 Not­fall­maß­nah­men
(1) Der Unternehmer hat entsprechend Arbeitss­chutzge­setz die Maß­nah­men zu pla­nen, zu tre­f­fen und zu überwachen, die ins­beson­dere für den Fall des Entste­hens von Brän­den, von Explo­sio­nen, des unkon- trol­lierten Aus­tretens von Stof­fen und von son­sti­gen gefährlichen Störun­gen des Betrieb­sablaufs geboten sind.
Unfal­lver­hü­tungsvorschrift BGV A 8 Stand 1. April 2002 – Auszug
§ 18 Flucht- und Ret­tungs­plan
Wer­den Flucht- und Ret­tungspläne aufgestellt, hat der Unternehmer dafür zu sor­gen, dass sie ein­deutige Anweisun­gen enthal­ten, wie sich die Ver­sicherten im Gefahr- und Katas­tro­phen­fall zu ver­hal­ten haben und am schnell­sten in Sicher­heit brin­gen kön­nen. Flucht- und Ret­tungspläne müssen aktuell, über­sichtlich, aus­re­ichend groß und mit Sicher­heit­sze­ichen nach Abschnitt III gestal­tet sein.
I/2 Def­i­n­i­tio­nen
Die Def­i­n­i­tio­nen sollen dazu dienen, wichtige Begriffe in ihrer Bedeu­tung zu erläutern und sie als Handw­erk­szeug für die tägliche Nutzung aufzu­bere­it­en. Nur wenn mit der gle­ichen Sprache gesprochen wird, kann ein gemein­sames Han­deln bei der Gefahren­ab­wehr erre­icht wer­den.
  • Brand: Ver­bren­nung­sprozess, der vorsät­zlich, fahrläs­sig oder durch andere nicht vorausse­hbare Umstände verur­sacht wird.
  • Brandge­fahren: Alle unmit­tel­baren und mit­tel­baren Voraus­set­zun­gen, die zu einem Brand führen bzw. bei einem Brand Schädi­gun­gen bei Men­schen und Tieren sowie Sach­w­erten her­vor­rufen kön­nen.
  • Brandge­fahr: Der Begriff „Brandge­fahr“ beze­ich­net nur den akuten Gefahren­zu­s­tand.
  • Brandge­fährdung: Brandge­fährdung ist die Möglichkeit der Entste­hung eines Bran­des und die Möglichkeit der durch den Brand her­vorgerufe­nen gesund­heitlichen Schädi­gung von Men­schen und Tieren, der Schädi­gung der Umwelt und/oder Schädi­gung von Sach­w­erten (per­ma­nent vorhan­den­er Zus­tand).
  • Brandgase: Man beze­ich­net als Brandgase alle gas­för­mi­gen Ver­bren­nung­spro­duk­te. Brandgase entste­hen durch Redoxreak­tio­nen der Brand­stoffe mit Sauer­stoff. Die Zusam­menset­zung der Brandgase ist von der chemis­chen Zusam­menset­zung der Brand­stoffe abhängig. Brand­stoffe sind giftige (z.B. Kohlen­monox­id, Schwe­fel­diox­id), zum Teil ätzende (z.B. Chlor­wasser­stoff), die Evakuierung und die Löschar­beit­en erschw­erende Gase.
  • Brand­sicher­heit: „Brand­sicher­heit“ ist der Zus­tand von Erzeugnissen/Produkten (ein­schließlich Anla­gen, Bauw­erke, Gebäudeaus­rüs­tung und tech­nol­o­gis­che Prozesse), der die Entste­hung und Aus­bre­itung von Brän­den auss­chließt.
  • Wärmeüber­tra­gung: Sam­mel­be­griff für die ver­schiede­nen For­men der Über­tra­gung von Wärmeen­ergie zwis­chen zwei ver­schiede­nen Medi­en. For­men der Wärmeüber­tra­gung sind: Wärmes­trahlung, Wärmeleitung und Wärmeströ­mung.
  • Wärmes­trahlung: Sie geht stets von einem Kör­p­er aus und ist umso inten- siv­er, je höher dessen Tem­per­atur ist. Die Wärmes­trahlung heißer, fes­ter Kör­p­er ist häu­fig eine Zün­dur­sache. Aus der Wärmes­trahlung der Flam­men im Brand­fall ergeben sich Forderun­gen für Min­destab­stände zwis­chen Gebäu­den und Anla­gen (Gebäude­ab­stand).
  • Wärmeleitung: Die Wärmeleitung beruht auf der Wärmeleit­fähigkeit der Kör­p­er. Sie ist brand­schutztech­nisch bedeut­sam, weil eine Brandüber­tra­gung auch in getren­nt liegen­den Räu­men auf diesem Wege möglich ist.
  • Wärmeströ­mung (Wärmekon­vek­tion): Die freie Wärmeströ­mung kommt durch die Erwär­mung der Medi­en in der Umge­bung eines heißen Kör­pers zus­tande. Sie spielt bei der Aktivierung brennbar­er Stoffe eine Rolle, was sich bei der Zün­dung und Bran­daus­bre­itung auswirkt.
  • Wärmes­tau (Auf­spe­icherung von Wärmeen­ergie): Der Wärmes­tau ist eine Voraus­set­zung für die Selb­stentzün­dung von Stof­fen, wie Holz, Staubablagerun­gen und pflan­zliche Öle.
  • Evakuierung von Men­schen: Die Evakuierung von Men­schen ist das rechtzeit­ige, plan­mäßige Ver­lassen eines gefährde­ten Bauw­erkes oder Bauw­erk­steiles durch Men­schen, um sich in Sicher­heit zu brin­gen.
  • Evakuierungswege: Sind z.B. Gänge, Flure, Trep­pen, die zu den Evakuierungsaus­gän­gen führen und eine sichere Fort­be­we­gung der Per­so­n­en bzw. Per­so­n­en­ströme inner­halb ein­er bes­timmten Zeit gewährleis­ten.
  • Evakuierungsaus­gang (nach MBO): Ein Aus­gang, der unmit­tel­bar ins Freie, in einen Sicher­heit­strep­pen­raum oder in einen sicheren Bere­ich (z.B. Brand­ab­schnitt) führt.
  • Evakuierungs­dauer: Zeitspanne vom Bran­daus­bruch bis zum Erre­ichen eines für Per­so­n­en sicheren Bere­ich­es oder des Freien.
  • Räu­mung, Ret­tung (nach ISO 8421–6.6.6): Geord­nete Bewe­gung von Per­so­n­en zu einem sicheren Ort (im Brand­fall oder in anderen Not­fällen).
  • Räu­mungszeit (nach ISO 8421–6.6.18): Zeit, die alle Benutzer eines Gebäudes oder von Teilen eines Gebäudes benöti­gen, um nach Aussenden eines Räu­mungssig­nals einen Aus­gang ins Freie zu erre­ichen.
(Weit­ere Def­i­n­i­tio­nen find­en Sie in den The­menkom­plex­en!)
I/3 Ver­ant­wortlichkeit­en der Unternehmensleitun­gen im Bezug auf den betrieblichen Brand­schutz
Die Ver­hü­tung und Bekämp­fung von Brän­den und Explo­sio­nen gilt als Gemein­schaft­sauf­gabe für alle im Betrieb Beschäftigten.
Auf dieser Grund­lage haben die Führungskräfte die zur Gewährleis­tung des Brand- und Katas­tro­phen­schutzes notwendi­gen Auf­gaben, die organ­isatorischen Maß­nah­men und die tech­nis­chen Bes­tim­mungen sowie die Ver­hal­tensan­forderun­gen an die Arbeit­nehmer in
  • Arbeits- und Betrieb­sor­d­nun­gen,
  • in Brand­schut­zord­nun­gen,
  • Katas­tro­phen­ab­wehrplä­nen,
  • Arbeit­san­weisun­gen u.a. oder
  • in anderen zweck­mäßi­gen For­men
zu regeln.
Die Führungskräfte haben dafür zu sor­gen, dass die Arbeit­nehmer mit allen für sie zur Gewährleis­tung des Brand- und Katas­tro­phen­schutzes notwendi­gen Maß­nah­men und Doku­menten im Unternehmen ver­traut gemacht wer­den.
Dazu zählen u.a.:
  • die Brand­schut­zord­nung
  • das Arbeitss­chutzge­setz
  • die Arbeitsstät­ten­verord­nung
  • Stör­fal­lverord­nung
  • die Unfal­lver­hü­tungsvorschriften u.a.
Die Ver­ant­wor­tung der Führungskräfte für die Gewährleis­tung des Brand- und Katas­tro­phen­schutzes erstreckt sich auch auf die
  • Pla­nung, Bere­it­stel­lung und auf die Gewährleis­tung der ständi­gen Funk­tions­fähigkeit von Anla­gen, Geräten und anderen Mit­teln zur schnellen Brand­war­nung, ‑wahrnehmung und ‑bekämp­fung sowie auf
  • die Sicherung der Kräfte für die Brand­bekämp­fung und Katas­tro­phen­ab­wehr sowie für den Ein­satz und die Aus­bil­dung von Brand­schutzhelfern und Evakuierungskräften (Ers­thelfer).
Zu ihrer Unter­stützung bei der Lösung von Brand­schutza­uf­gaben ist der Ein­satz eines Brand­schutzbeauf­tragten, für die Sicher­heit der Ein­satz eines Sicher­heits­beauf­tragten empfehlenswert.
Der Betrieb­srat hat auch auf diesem Gebi­et Mitbes­tim­mungs- und Mitwirkungsrechte wahrzunehmen.
Forderun­gen des Geset­zge­bers zum Brand­schutz und zu Evakuierung­sprob­le­men sind in den nach­fol­gend aufge­führten Geset­zen, Verord­nun­gen und Vorschriften fest­geschrieben:
  • Das Arbeitss­chutzge­setz und die Arbeitsstät­ten­verord­nung richt­en sich z. B. an den Arbeit­ge­ber und die Beschäftigten.
  • Die Unfal­lver­hü­tungsvorschrift wen­det sich z. B. an den Unternehmer im Sinne des Sozialge­set­zbuch­es (§ 15 SGB VI) und kraft des Geset­zes an die Ver­sicherten.
I/4 Grund­sät­zliche Auf­gaben, Rechte und Pflicht­en der Ers­thelfer (Brand­schutzhelfer und Evakuierungskräfte) auf dem Gebi­et des Brand­schutzes
Aus­ge­hend davon, dass die Ers­thelfer auf dem Gebi­et des Brand­schutzes nicht die Ver­ant­wor­tung, Pflicht­en und Rechte ein­er Führungskraft haben, son­dern dass sie Auf­gaben im Auf­trag des Unternehmers erfüllen und dabei den Brand­schutzbeauf­tragten unter­stützen, soll­ten ihnen fol­gende grund­sät­zliche Kon­trol­lauf­gaben über­tra­gen wer­den:
  • die Ein­hal­tung der Brand­schutzbes­tim­mungen im zugewiese­nen Auf­gaben­bere­ich
  • die Ein­hal­tung des Rauchver­botes
  • das Vorhan­den­sein und die Aktu­al­ität der Alarm- und Evakuierungspläne
  • die Frei­hal­tung der Evakuierungswege und ‑aus­gänge (Notaus­gänge)
  • der ord­nungs­gemäße Zus­tand der elek­trotech­nis­chen Anla­gen (Sichtkon­trolle) und die sichere Benutzung der elek­trischen Geräte
  • das Vorhan­den­sein der erforder­lichen Hin­weiss­childer
  • die Ein­satzbere­itschaft der Feuer­löschgeräte und ‑vor­rich­tun­gen
  • die ord­nungs­gemäße Lagerung der fes­ten Brennstoffe und der leicht­brennbaren Stoffe
Hin­sichtlich des abwehren­den Brand­schutzes und zur Unter­stützung des Brand­schutzbeauf­tragten bzw. in Bere­ichen mit geringer Brandge­fahr oder in Bere­ichen, in denen kein Brand­schutzbeauf­tragter einge­set­zt ist, kön­nen und sollen Ers­thelfer erste Maß­nah­men zur Schaden­be­gren­zung oder Schaden­bekämp­fung durch­führen. Ihre Alarmierung muss organ­isiert sein und sollte regelmäßig geprobt wer­den.
Mit der Auf­gabe eines Ers­thelfers sind nur solche Arbeit­nehmer zu betrauen, die über die erforder­lichen Sachken­nt­nisse ver­fü­gen, um Brandge­fahren rechtzeit­ig zu erken­nen und Brand­schutz­maß­nah­men wirk­sam durch­set­zen zu kön­nen. Sie soll­ten aus Arbeit­nehmern der Abteilun­gen bzw. Bere­iche aus­gewählt wer­den.
Als Voraus­set­zun­gen sind erforder­lich:
  • umfassende Ken­nt­nisse über die Gefahren­quellen im Ver­ant­wor­tungs­bere­ich
  • genaue Ken­nt­nisse über die ein­schlägi­gen Brand­schutz- und Sicher­heits­bes­tim­mungen und deren Anwen­dung
  • Grund­ken­nt­nisse über die schnelle, wirk­same Brand­bekämp­fung und Evakuierung,
  • Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein sowie kör­per­liche und geistige Eig­nung
Natür­lich müssen alle Arbeit­nehmer
  • den Weisun­gen zur Brand­ver­hü­tung Folge leis­ten,
  • durch ihr Ver­hal­ten alle Maß­nah­men zur Ver­hü­tung von Brän­den und Explo­sio­nen unter­stützen,
  • ent­standene Brände schnell bekämpfen und
  • die Regeln der Evakuierung ein­hal­ten.
I/5 Schutzziele
Der Kom­plex des vor­beu­gen­den Brand- und Gefahren­schutzes unter­schei­det vier Schutzziele, die zwar eine Rang­folge fes­tle­gen, z.B. Brand­ver­hü­tung vor Ver­hin­derung der Bran­daus­bre­itung. Sie bilden aber ein geschlossenes Sys­tem, in dem alle Schutzziele gle­ichrangig zu betra­cht­en sind.
Dabei ist zu klären, welche erforder­lichen Maß­nah­men von den Ver­ant­wortlichen bis hin zu den Ers­thelfern beachtet und erfüllt wer­den müssen, um die Bran­dentste­hungs- und Bran­daus­bre­itungsmöglichkeit­en, erforder­liche Vorkehrun­gen für die Brand­bekämp­fung und die erforder­lichen Vorkehrun­gen für den Schutz vor den von Brän­den aus­ge­hen­den Gefahren zu erken­nen bzw. zu ermit­teln, zu bew­erten und notwendi­ge Schutzs­trate­gien abzuleit­en.
Dies soll Inhalt der nach­fol­gen­den The­men­schw­er­punk­te sein.
I/6 Brand­schutzan­forderun­gen
Es gel­ten zwei Grund­sätze hin­sichtlich der Forderun­gen an den Brand­schutz über­haupt:
  • a) „Forderun­gen des Brand­schutzes ohne Anforderun­gen an die Men­schen“ – diese beruhen auss­chließlich auf der Anwen­dung tech­nis­ch­er Maß­nah­men (nicht­brennbare Baustoffe, Brand­schutzkon­struk­tio­nen, Brand­meldean­la­gen, Löschan­la­gen u. a.) oder tech­nisch-organ­isatorisch­er Maß­nah­men (Ver­legung von Arbeits­bere­ichen, Raumtren­nung, Umset­zung von Appa­rat­en u.a.).
  • b) „Forderun­gen des Brand­schutzes mit Anforderun­gen an die Men­schen“ – dies kön­nen sowohl tech­nis­che Maß­nah­men (Hand­feuer­lösch­er, Nachricht­en­mit­tel, Able­sen von Anzeigegeräten u.a.) als auch organ­isatorische Maß­nah­men (Qual­i­fika­tio­nen z.B. für Schweiß- und Schnei­dar­beit­en u.a.) sein.
Darüber hin­aus sind grund­sät­zlich auch Ver­hal­tensregeln für die Men­schen (Rauchver­bot, Kon­trollen, Able­sun­gen, Reg­istrierun­gen u.a.) von Bedeu­tung und unab­wend­bar.
I/7 Bran­dur­sachen
Das soge­nan­nte Tor­tendi­a­gramm (s. rechts unten) zeigt die Haup­tur­sachen für Brände in der BRD. Bei der Recherche wur­den 2702 Schä­den analysiert.
Beden­klich ist die Anzahl der Brand­s­tiftun­gen. Unter Brand­s­tiftung ver­ste­ht man die fahrläs­sige oder vorsät­zliche Inbrand­set­zung ein­er Sache. Diese Brände wer­den in der Regel durch die Ver­wen­dung ein­fach­er Zünd­mit­tel, wie Zünd­hölz­er, Feuerzeuge, Kerzen u. a. verur­sacht. Oft kom­men Brandbeschle­u­niger zum Ein­satz.
Eine hohe Prozentzahl weisen auch die Ursachen „Offenes Feuer“ (Feuerzeuge, Kerzen u. a.), „Über­hitzung“ (elek­trische Kabel, Maschi­nen­lager u. a.) und „feuerge­fährliche Arbeit­en“ (Schweißen, Schnei­den, Löten) auf. Beden­klich erscheinen die nicht aufgek­lärten Brände mit 9%.
Beson­dere Aufmerk­samkeit ver­di­ent der Tatbe­stand „Elek­triz­ität“ mit 25%. Hier­auf sollte bei den Kon­trollen durch die im Brand­schutz mitwirk­enden Helfer beson­deres Augen­merk gelegt wer­den. Schw­er­punk­te bilden hier elek­trische Heizkör­p­er, defek­te Elek­trogeräte, nicht aus­geschal­tete Arbeits- und Heizgeräte u.a.
Ursachen der Ver­let­zun­gen bei Brän­den
Nur 5% aller Ver­let­zun­gen sind durch Ver­bren­nun­gen ent­standen. Demge­genüber bildet die Rauch­gasvergif­tung mit ca. 73% die häu­fig­ste Ver­let­zung­sur­sache.
Was vie­len nicht bewusst ist: Rauch ist beson­ders gefährlich. Für die Evakuierung ste­hen deshalb nur zwei bis drei Minuten zum Ver­lassen des Gefahren­bere­ich­es zur Ver­fü­gung. Oft wird auch die Gefahr eines Entste­hungs­bran­des unter­schätzt. Fehlen­des Wis­sen über richtiges Ver­hal­ten im Brand­schutz, speziell im Brand­fall, sind die Gründe dafür.
I/8 Brand­schut­zord­nung nach DIN 14096
Brand­schut­zord­nung – Teil A
Ins­beson­dere in der Nähe von Alarmein­rich­tun­gen oder Löschein­rich­tun­gen soll­ten die Aushänge der Brand­schut­zord­nung Teil A – lt. DIN 14096–1 gut sicht­bar ange­bracht wer­den.
Diese Aushänge soll­ten die Grun­dregeln für das Ver­hal­ten im Brand­fall ausweisen und eine Hil­festel­lung sein, um die Rei­hen­folge der Aktiv­itäten einzuhal­ten.
Schw­er­punk­te sind:
  • Brände ver­hüten
  • Feuer, offenes Licht und Rauchen ver­boten
  • Ver­hal­ten im Brand­fall (Vor­druck lt. DIN 14096)
Brand­schut­zord­nung – Teil B
Hier soll­ten wichtige Ver­hal­tensregeln für die Mitar­beit­er aufgenom­men wer­den.
Schw­er­punk­te sind:
  • Brand­ver­hü­tung – grund­sät­zliche Regeln
  • Ver­hin­derung der Brand- und Rauchaus­bre­itung
  • Brand- und Rauch­schutztüren
  • Flucht- und Ret­tungswege, Notaus­gänge
  • Melde- und Löschein­rich­tun­gen (Feuer­alarm, Rauchalarm, Hausalarm)
  • Sprin­kler­an­lage – Ver­hal­ten
  • Son­der­löschan­la­gen (z. B. Betrieb­sküchen)
  • Löschdeck­en – Anwen­dung
  • Tele­fon- und Brand­meldean­la­gen (z. B. Löschan­la­gen)
  • Feuer­lösch­er-Stan­dorte, Anwen­dung
  • Wand­hy­dran­ten – Hand­habung
  • Ver­hal­ten im Brand­fall (Brand­mel­dung, Alarm­sig­nale und Anweisun­gen, Löschver­suche unternehmen, in Sicher­heit brin­gen, beson­dere Ver­hal­tensregeln der Ver­ant­wor­tungs­bere­iche)
Brand­schut­zord­nung – Teil C
Hier soll­ten die Ver­ant­wortlichkeit­en konkret für die einzel­nen Funk­tion­sträger fest­gelegt wer­den (u. a. Direk­tor, Brand­schutzbeauf­tragter, Abteilungs- bzw. Bere­ich­sleit­er).
  • Brand­ver­hü­tungs­maß­nah­men (Fes­tle­gun­gen zum Ver­hal­ten, Hand­lungsan­weisun­gen, Überwachungsauf­gaben, Prü­fungs­maß­nah­men für Brand­schutztech­nik, Evakuierungsübun­gen, Belehrun­gen etc.)
  • Alarm­pla­nung (Brand­meldean­lage – ständig beset­zte Stelle fes­tle­gen, z. B. Pfört­ner)
  • Ein­weisung aller Mitar­beit­er in die vorhan­de­nen Alar­m­möglichkeit­en und Fes­tle­gung der Ver­ant­wortlichkeit­en für notwendi­ge Hand­lun­gen
I/10 Ver­hal­ten bei Aus­bruch eines Bran­des
Entste­hen trotz aller Sicher­heits­maß­nah­men Brände, sind von den Arbeit­nehmern sofort Maß­nah­men zur Brand­bekämp­fung einzuleit­en.
Nach­fol­gend sollen deshalb einige Hin­weise für das richtige Ver­hal­ten bei Brän­den gegeben wer­den.
  • Bricht ein Brand aus, dann ist neben größter Vor­sicht vor allem ein schnelles, über­legtes Han­deln erforder­lich.
  • Die Feuer­wehr ist sofort zu alarmieren bzw. alarmieren zu lassen.
  • Die Alar­mord­nung ist einzuhal­ten. Zweck­mäßiger­weise sollte man sich bere­its vor Arbeit­sauf­nahme mit ihr ver­traut machen.
  • Wird die Mel­dung an die Krei­sein­sat­zleis­telle bzw. an die Ein­sat­zleit­stelle der Berufs­feuer­wehr über Tele­fon gegeben (Notruf 112), ist hier größter Wert auf eine genaue Durch­gabe der Mel­dung zu leg­en.
Vom Melden­den ist fol­gen­des anzugeben:
  • Wo bren­nt es (genaue Anschrift, gegebe­nen­falls kürzester Anfahrtsweg)?
  • Was bren­nt (z. B. Labor, Mis­chan­lage)?
  • Sind Men­schen in Gefahr (etwa Anzahl)?
  • Wer meldet den Brand (Namen)?
  • Von wo wird gemeldet (Tele­fon­num­mer, gegebe­nen­falls auch Appa­rat­num­mer)?
Nach der Alarmierung ist die Feuer­wehr zu erwarten und einzuweisen.
I/11 Sicher­heits- und Gesund­heitskennze­ich­nung nach BGV A 8
Der näch­ste Teil dieser Serie befasst sich mit der Funk­tion und den Auf­gaben von Brand­schutzhelfern.
Autor
Dr. Klaus Müller Fach­ber­ater Brand‑, Katas­tro­phen­schutz, Evakuierung Bran­dober­rat i. R. Dr.Mueller.Evakuierung@web.de
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