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Untersuchungen zu N,N-Dimethylformamid (DMFA)1 in PU-beschichteten Strickhandschuhen

DMFA – Ja, nein oder doch noch sicher?

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Polyurethan-beschichtete Strick­hand­schuhe sind aufgrund ihres guten Trage­kom­forts aus dem betrieb­li­chen Alltag nicht wegzu­den­ken. In der Tech­ni­schen Regel für Gefahr­stoffe 401 (TRGS 401 „Gefähr­dung durch Haut­kon­takt“) ist für diesen Hand­schuh­typ ein Grenz­wert für N,N‑Dimethylformamid vorge­schrie­ben. Sind Hand­schuhe, die diesen Grenz­wert über­schrei­ten gesund­heits­ge­fähr­dend? Oder umge­kehrt: Ist die Einhal­tung dieses Grenz­wer­tes gleich­zu­set­zen mit gesund­heit­li­cher Unbe­denk­lich­keit?

Frank Zuther

PU-beschichtete Strick­hand­schuhe werden in der Indus­trie und im Hand­werk viel­sei­tig einge­setzt. Durch die Beschich­tung sind sie je nach Bauart abrieb­fest, rutsch­fest und bedingt ölbe­stän­dig. Sie finden, da sie keine Rück­stände hinter­las­sen und/oder fusseln, vor allem für feine Arbei­ten und Arbei­ten mit scharf­kan­ti­gen, rutschi­gen Klein­tei­len und auch im Produkt­schutz Anwen­dung.
Um Poly­ure­than als Beschich­tungs­stoff für Schutz­hand­schuhe verwen­den zu können, müssen die notwen­di­gen Rohstoffe zunächst gelöst werden. Dies erfolgt – wie bei einer Viel­zahl von Poly­me­ren – oft mit dem Lösungs­mit­tel N,N‑Dimethylformamid (DMFA).
Gemäß der TRGS 401 müssen PU-beschichtete Hand­schuhe folgen­des Krite­rium erfül­len:
Dieser Abschnitt warf in Fach­krei­sen grund­le­gende Fragen auf. Dies betraf die Begrün­dung des Grenz­wer­tes, aber vor allem die Methode, nach der DMFA in Hand­schu­hen ermit­telt werden soll, sowie die gesund­heit­li­chen Konse­quen­zen bei Nicht­ein­hal­tung dieses Grenz­wer­tes. Die Antwor­ten auf diese Fragen fielen kontro­vers aus und waren nicht ausrei­chend begrün­det. Sicher sollte durch diesen Abschnitt ein möglichst nied­ri­ger Gehalt in persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung sicher­ge­stellt werden, jedoch ist dies, wie im Folgen­den darge­stellt wird, durch diesen Absatz in der TRGS 401 offen­sicht­lich nicht gelun­gen.

Was ist DMFA?

N,N‑Dimethylformamid (DMFA) ist eines der indus­tri­ell wich­tigs­ten orga­ni­schen Lösungs­mit­tel. Außer in der phar­ma­zeu­ti­schen und kosme­ti­schen Indus­trie kommt es vor allem in der Kunst­fa­ser­in­dus­trie und auch bei der Herstel­lung von PU-beschichteten Gewe­ben (z.B. Kunst­le­der!) zum Einsatz.
Die Rein­sub­stanz DMFA wird gemäß GHS (Global harmo­ni­sier­tes System zur Einstu­fung und Kenn­zeich­nung von Chemi­ka­lien) als repro­duk­ti­ons­to­xisch (Kate­go­rie 1B) einge­stuft. Sie ist gesund­heits­schäd­lich beim Einat­men sowie bei Haut­kon­takt und kann Augen­rei­zun­gen hervor­ru­fen.
Akute oder chro­ni­sche Auswir­kun­gen auf die Gesund­heit durch das Tragen von Klei­dung oder Hand­schu­hen, die auf DMFA-Basis herge­stellt wurden, sind nicht bekannt.

Grund­sätz­li­ches zu Chemi­ka­lien bei der Hand­schuh­pro­duk­tion

Chemi­ka­lien sind notwen­dig, um Hand­schuhe herzu­stel­len, da erst durch deren Zugabe Hand­schuhe effi­zi­ent mit defi­nier­ten Eigen­schaf­ten und Leis­tun­gen produ­zier­bar sind. Sie erhö­hen den Komfort oder verbes­sern die Leis­tung des Hand­schuhs.
Die Verwen­dung von Chemi­ka­lien in Produk­ti­ons­pro­zes­sen ist an sich kein ausrei­chen­des Bewer­tungs­kri­te­rium für eine gesund­heit­li­che Schä­di­gung. Eine Schä­di­gung kann nur statt­fin­den, wenn gefähr­dende Stoffe in ausrei­chen­der Menge unter Trage­be­din­gun­gen bei bestim­mungs­ge­mä­ßer Verwen­dung aus dem Hand­schuh­ma­te­rial frei­ge­setzt werden.
Wenn Stoffe, die sich nega­tiv auf die Gesund­heit des Anwen­ders auswir­ken könn­ten, im Herstel­lungs­pro­zess verwen­det werden müssen, sind sie im Endpro­dukt natür­lich auf eine tech­nisch mach­bare, verant­wort­bare und für den Verbrau­cher unschäd­li­che Menge zu redu­zie­ren.
Seriöse Herstel­ler betrei­ben einen hohen Aufwand, um sichere Produkte anbie­ten zu können. Zum einen setzen sie bei der Produk­tion ihrer Hand­schuhe Chemi­ka­lien nur in den notwen­di­gen Mindest­men­gen ein. Zum ande­ren wird auf größte Sorg­falt bei der Herstel­lung geach­tet. Sie sorgen dafür, dass die Hand­schuhe nach der Produk­tion geeig­net gerei­nigt und nach­be­han­delt werden, um die Konzen­tra­tion der bei der Herstel­lung einge­setz­ten Chemi­ka­lien auf ein Mini­mum zu redu­zie­ren.
Die Nach­be­hand­lung ist damit ein sehr wich­ti­ger Prozess, der die Sicher­heit des Endpro­duk­tes und damit die Gesund­heit der Anwen­der garan­tiert. All dies erhöht die Herstel­lungs­kos­ten und damit auch den Verkaufs­preis. Verant­wor­tungs­volle Entschei­der stel­len daher bei der Auswahl der Hand­schuhe nicht den Preis allein, sondern insbe­son­dere die nach­weis­bare Quali­tät in den Vorder­grund.
Es besteht Einig­keit darüber, dass Hand­schuh­in­halts­stoffe unter Trage­be­din­gun­gen nicht in gesund­heit­lich bedenk­li­chen Konzen­tra­tio­nen aus Hand­schu­hen frei­ge­setzt werden dürfen. Dies ist sowohl in der EU-Richtlinie 89/686/EWG [1], als auch in der DIN EN 420 (Schutz­hand­schuhe – Allge­meine Anfor­de­run­gen und Prüf­ver­fah­ren) [2] klar beschrie­ben und gefor­dert. Danach dürfen sich Hand­schuh­ma­te­rial, Zerset­zungs­pro­dukte, enthal­tene Substan­zen, Nähte und Kanten und vor allem solche Teile des Hand­schuhs, die in engem Kontakt mit dem Benut­zer stehen, nicht nach­tei­lig auf die Gesund­heit und Hygiene des Benut­zers auswir­ken. Zudem muss der Herstel­ler oder sein auto­ri­sier­ter Reprä­sen­tant alle bekann­ten im Hand­schuh enthal­te­nen Substan­zen ange­ben, die Aller­gien verur­sa­chen können.
Auswir­kun­gen des fixier­ten Grenz­wer­tes für N,N‑Dimethylformamid (DMFA) in Hand­schu­hen
Ein wesent­li­cher Kritik­punkt an dem entspre­chen­den Abschnitt in der TRGS 401 ist, dass Anga­ben zur Bestim­mung von DMFA fehlen. Das mag daran liegen, dass in diesem Bereich bisher kein Stan­dard­ver­fah­ren exis­tierte, das sichere und akzep­ta­bel repro­du­zier­bare Werte liefert. Herstel­ler konn­ten und haben bisher zwar den DMFA-Gehalt ihrer Produkte bestim­men lassen, jedoch werden in den Prüf­in­sti­tu­ten unter­schied­li­che Verfah­ren ange­wen­det. Dies kann bei iden­ti­schen Proben zu völlig verschie­de­nen Ergeb­nis­sen führen, da diese in hohem Maße abhän­gig von der Metho­den­füh­rung sind. Dies wurde – wie erwar­tet – bereits in den ersten Mess­rei­hen, die der BVH initi­ierte, deut­lich. Im Januar 2005 wurde darüber berich­tet. [3]
Die „Frei­heit“ in der Analy­tik führte bei eini­gen Herstel­lern teil­weise zu einer über­aus hohen Krea­ti­vi­tät. So war es bisher möglich, zur Bestim­mung des DMFA- Gehalts eine Methode zu wählen, mit der unab­hän­gig von der tatsäch­li­chen Konzen­tra­tion der in der TRGS 401 fixierte „Grenz­wert“ grund­sätz­lich immer unter­schrit­ten wird. So können bis heute auch hoch­be­las­tete Hand­schuhe das Zerti­fi­kat „DMFA-frei“ erhal­ten. Dem gefor­der­ten Mini­mie­rungs­ge­bot wird damit sicher nicht Folge geleis­tet! Die Situa­tion führte letzt­lich zu einer Verun­si­che­rung der Anwen­der.
Die AG Hand­schuh­in­halts­stoffe des BVH hat sich dem Thema mit folgen­der Ziel­set­zung ange­nom­men:
Es sollte eine Methode zur Bestim­mung des DMFA-Gehalts erar­bei­tet werden, die
  • dem Stand der Tech­nik entspricht,
  • stan­dar­di­sier­bar ist,
  • in Prüf­in­sti­tu­ten etabliert ist,
  • repro­du­zier­bare Werte liefert,
  • rasch durch­führ­bar und wirt­schaft­lich ist.
Darauf basie­rend sollte der derzeit fixierte Grenz­wert von „10mg/kg Hand­schuh“ über­dacht und ausrei­chend begrün­det werden.

Metho­den zur Bestim­mung von DMFA

Das BVH-Expertengremium „Hand­schuh­in­halts­stoffe“ initi­ierte zusam­men mit einem akkre­di­tier­ten Prüf­in­sti­tut Messun­gen an PU-beschichteten Schutz­hand­schu­hen mit dem Ziel, ein siche­res und akzep­ta­bles Mess­ver­fah­ren für die Bran­che zu finden, mit dem Kleinst­men­gen an DMFA repro­du­zier­bar bestimmt werden können. Grund­lage dazu bildete die in der Auto­mo­bil­in­dus­trie etablierte Thermodesorption-GC-MS-Methode, die seit Septem­ber 2002 durch die Empfeh­lung der VDA 278 „Ther­mo­de­sorp­ti­ons­ana­lyse orga­ni­scher Emis­sio­nen zur Charak­te­ri­sie­rung von nicht­me­tal­li­schen Kfz-Werkstoffen“ aner­kannt ist. Die Methode wurde dem Medium „Hand­schuh“ und der Substanz „Dime­thyl­form­amid“ ange­passt. Es wurden geeig­nete analy­ti­sche Para­me­ter gefun­den, die repro­du­zier­bare Mess­werte liefern.
Insge­samt wurden 12 PU-beschichtete Hand­schuh­ty­pen verschie­de­ner Quali­tä­ten aus unter­schied­li­chen Produk­ti­ons­an­la­gen und ‑orten mehr­fach unter verschie­de­nen Bedin­gun­gen geprüft. Dabei wurden sowohl PU-beschichtete Polyamid-Strickhandschuhe als auch Schnitt­schutz­hand­schuhe verwen­det. Weiter­hin wurde der DMFA-Gehalt vor und nach dem Waschen der Hand­schuhe sowie nach mehr­tä­gi­ger Lage­rung bei Raum­tem­pe­ra­tur ermit­telt. Auch wurden Migra­ti­ons­ver­su­che durch­ge­führt, die zeigen soll­ten, in welchem Ausmaß DMFA durch Schweiß aus dem Hand­schuh gelöst wird und damit für eine dermale Aufnahme zur Verfü­gung steht.
Zum Austrei­ben flüch­ti­ger Substan­zen aus einer Analy­sen­probe haben sich zwei verschie­dene Verfah­ren etabliert: Ther­mo­de­sorp­tion und Head­space. Bei beiden Verfah­ren handelt es sich um stan­dar­di­sier­bare Metho­den, die in unse­ren Unter­su­chun­gen vergleich­bare Werte liefer­ten und sich zum Austrei­ben von DMFA aus der Hand­schuh­probe eigne­ten. Vergli­chen mit dem Headspace-Verfahren ist die Ther­mo­de­sorp­ti­ons­me­thode in der Durch­füh­rung jedoch aufwän­di­ger und deut­lich kosten­in­ten­si­ver. Dem Headspace-Verfahren wurde daher zur Ermitt­lung der opti­ma­len Prüf­pa­ra­me­ter der Vorzug gege­ben.
Die Detek­ti­ons­me­thode ist maßgeb­lich für die sichere Iden­ti­fi­zie­rung einer Substanz. Grund­sätz­lich haben sich der Flam­me­nio­ni­sa­ti­ons­de­tek­tor (FID) und das Massen­spek­tro­me­ter (MS) etabliert.
Eine sichere Iden­ti­fi­zie­rung des DMFA mit dem FID war nicht in jedem Fall möglich und zur quan­ti­ta­ti­ven Bestim­mung von DMFA in Hand­schu­hen nicht geeig­net.
Die Detek­tion mittels Massen­spek­tro­sko­pie wird wegen ihres hohen Nachweis- und Auflö­sungs­ver­mö­gens u.a. zur quan­ti­ta­ti­ven und quali­ta­ti­ven Analyse komplex zusam­men­ge­setz­ter Proben verwen­det. Sie gilt als sicher, liefert gut repro­du­zier­bare Ergeb­nisse und hat eine sehr hohe Empfind­lich­keit für orga­ni­sche Stoffe/Gemische. Dies gilt auch für DMFA und wurde daher von der BVH AG Hand­schuh­in­halts­stoffe bevor­zugt.
Nach dieser Methode wurden unter­schied­li­che PU-beschichtete Hand­schuhe (Poly­amid und schnitt­feste Mate­ria­lien) auf ihren DMFA-Gehalt geprüft und durch Metho­den­va­ria­tion die opti­ma­len Prüf­be­din­gun­gen fest­ge­stellt (Schau­kas­ten).
Wich­tig ist, dass die Analy­tik der beschich­te­ten Hand­schuh­flä­chen allein keine aussa­ge­kräf­ti­gen Werte liefert. Unab­hän­gig von Herstel­ler und Bauart wurde DMFA in allen von uns unter­such­ten Hand­schu­hen nicht nur in der PU-Beschichtung, sondern in deut­lich höhe­ren Konzen­tra­tio­nen auch im unbe­schich­te­ten Liner und insbe­son­dere auch im Bünd­chen gefun­den (s. Abb. 1). Um aussa­ge­kräf­tige Mess­ergeb­nisse bezo­gen auf den gesam­ten Hand­schuh erzie­len zu können, wurden zwei Verfah­rens­wei­sen unter­sucht:
  • 1. Einzel­pro­ben­ver­fah­ren: Hier­bei werden drei einzelne Messun­gen mit Proben vom Strick­bund, vom beschich­te­ten und unbe­schich­te­ten Liner durch­ge­führt.
  • 2. Misch­pro­ben­ver­fah­ren: Hier­bei wird eine einzige Messung aus einer Misch­probe bestehend aus Teilen des Strick­bun­des, des beschich­te­ten und des unbe­schich­te­ten Liners durch­ge­führt. Man erhält dadurch mit nur einer Messung Aussa­gen zum Gesamt­ge­halt an DMFA im Hand­schuh.

Zusam­men­fas­sung der wich­tigs­ten Ergeb­nisse der Mess­rei­hen

In allen unter­such­ten Hand­schu­hen konnte DMFA sowohl in der PU-Beschichtung als auch in höhe­ren Konzen­tra­tio­nen im unbe­schich­te­ten Liner sowie im Bünd­chen nach­ge­wie­sen werden.
Es konnte gezeigt werden, dass DMFA durch Waschen aus dem beschich­te­ten und unbe­schich­te­ten Liner entfernt werden kann, während die Werte im Strick­bund auch nach dem Waschen noch rela­tiv hoch blei­ben. DMFA lässt sich offen­sicht­lich aus dem Strick­bund wesent­lich schlech­ter entfer­nen, als aus dem (un)beschichteten Prüf­ling.
Werden Hand­schuhe einige Tage unver­packt bei Raum­tem­pe­ra­tur gela­gert, so kommt es aufgrund des hohen Siede­punk­tes von 156°C zu keiner nennens­wer­ten Verduns­tung des enthal­te­nen DMFA. Die Mess­werte liegen in der glei­chen Größen­ord­nung.
Im Falle von Strick­hand­schu­hen aus schnitt­fes­ten Garnen wurde erwar­tet, dass kein DMFA gefun­den wird, da diese Texti­lien eine geringe oder keine Aufnah­me­be­reit­schaft für DMFA haben. Der schnitt­feste Liner enthält jedoch je nach Bauart unter­schied­lich hohe Anteile an Spandex/Elasthan und gege­be­nen­falls Poly­amid, die DMFA aufneh­men können. Insge­samt wurden im beschich­te­ten und unbe­schich­te­ten Liner der geprüf­ten schnitt­fes­ten Hand­schuhe gerin­gere DMFA-Konzentrationen gefun­den, als in Polyamid-Handschuhen. Es wird vermu­tet, dass aufgrund der höhe­ren Anteile an Spandex/Elasthan und gege­be­nen­falls Gummi­fä­den die Absorp­tion des DMFA am Strick­bund größer ist, als am schnitt­fes­ten Liner. Weiter­hin wurde, wie bei Polyamid-Handschuhen, im Bünd­chen der Hand­schuhe aus schnitt­fes­ten Fasern mehr DMFA gefun­den, als im beschich­te­ten und unbe­schich­te­ten Liner, wobei höhere Diffe­ren­zen als bei Polyamid-Handschuhen fest­ge­stellt wurden.
In den vergan­ge­nen Jahren wurden verschie­dene Metho­den zur Bestim­mung von DMFA in PU-beschichteten Hand­schu­hen verwen­det. Dies waren vor allem die Lösemittel-Extraktion und das Prüf­kam­mer­ver­fah­ren. Ein Vergleich dieser Metho­den mit der beschrie­be­nen Head­space GC/MS zeigt, dass vergli­chen mit der Lösemittel-Extraktion davon ausge­gan­gen werden kann, dass mit der stati­schen Headspace-Methode der gesamte extra­hier­bare Anteil an DMFA erfasst wird. Ein Vergleich mit dem Prüf­kam­mer­ver­fah­ren zeigt deut­li­che Über­ein­stim­mun­gen zwischen den Werten des Prüf­kam­mer­ver­fah­rens und den Werten der stati­schen Headspace-Methode im Misch­pro­ben­ver­fah­ren.
Weiter­hin wurden Migra­ti­ons­un­ter­su­chun­gen zur Frei­set­zung von DMFA unter Einsatz­be­din­gun­gen durch­ge­führt. Dazu wurde ein Hand­schuh 8 Stun­den bei 37°C in künst­li­cher saurer Schweiß­lö­sung tempe­riert und anschlie­ßend der DMFA-Gehalt bestimmt. Es migrier­ten je nach DMFA-Gesamtgehalt zwischen 70 und 100 % in die künst­li­che Schweiß­lö­sung. Aufgrund der hohen Nach­weis­grenze, den daraus resul­tie­ren­den hohen Genau­ig­keits­ver­lus­ten und der mangeln­den Repro­du­zier­bar­keit wurde dieses Verfah­ren nicht weiter­ver­folgt. Es wird ange­nom­men, dass der Gesamt­ge­halt an DMFA frei­ge­setzt wird.

Über­le­gun­gen zum DMFA-Grenzwert

Für DMFA ist gemäß TRGS 900 derzeit ein Arbeits­platz­grenz­wert (AGW) von 10mg/kg bzw. 10 ppm (30 mg/m³) fixiert. Der AGW ist defi­niert als die zeit­lich gewich­tete durch­schnitt­li­che Konzen­tra­tion eines Stof­fes in der Luft am Arbeits­platz, bei der eine akute oder chro­ni­sche Schä­di­gung der Gesund­heit der Beschäf­tig­ten nicht zu erwar­ten ist. Bei der Fest­le­gung des AGW wird von einer in der Regel acht­stün­di­gen Expo­si­tion an fünf Tagen in der Woche während der Lebens­ar­beits­zeit ausge­gan­gen.
Ein Erwach­se­ner atmet an einem Arbeits­tag (8 h) durch­schnitt­lich 4320 l Luft (4,32 m³) ein. Bei einem AGW von 30 mg/m³ und dem Träger­me­dium „Luft“ dürf­ten demnach pro Tag durch­schnitt­lich etwa 130 mg DMFA pro Arbeits­tag und Lebens­ar­beits­zeit einge­at­met werden, ohne dass eine akute oder chro­ni­sche Schä­di­gung der Gesund­heit erwar­tet wird.
Unab­hän­gig davon, dass beim Tragen von Hand­schu­hen nicht die inha­la­tive, sondern die dermale Aufnahme von Hand­schuh­in­halts­stof­fen im Vorder­grund steht, ist es für die Praxis wich­tig zu wissen, welche Mengen an DMFA beim Anwen­den unter Praxis­be­din­gun­gen und unter Beach­tung der Herstel­ler­emp­feh­lun­gen aus Hand­schu­hen frei­ge­setzt und durch die Haut oder über die Atem­wege aufge­nom­men werden. Wissen­schaft­lich trag­bare Erkennt­nisse darüber exis­tie­ren nicht. Als „worst case“ wird daher ange­nom­men, dass 100 % der in Hand­schu­hen gege­be­nen­falls vorhan­de­nen Mengen über die Haut in den Körper aufge­nom­men werden.
Bei dem Träger­me­dium „Hand­schuhe“ besteht direk­ter Kontakt zur Haut, jedoch kann diese maxi­mal nur die Menge an DMFA aufneh­men, die tatsäch­lich im Hand­schuh­paar enthal­ten ist. Der AGW von 10 mg/kg würde demnach einge­hal­ten, wenn der Anwen­der während seiner Lebens­ar­beits­zeit an 5 Tagen pro Woche täglich 1 kg Hand­schuhe trägt, die den derzei­ti­gen TRGS-Grenzwert einhal­ten.
Der Grenz­wert von 10mg/kg Hand­schuh ist inso­fern praxis­fern, weil es unwahr­schein­lich ist, dass ein Anwen­der 1 kg Hand­schuhe pro Arbeits­tag (entspricht je nach Gewicht 16–40 Paar) trägt.
In der Praxis werden PU-beschichtete Hand­schuhe täglich gewech­selt. Der DMFA-Grenzwert wäre damit einge­hal­ten, wenn ein Kilo­gramm des Hand­schuh­ma­te­ri­als zwischen 166 mg (60 g‑Handschuhe) und 400 mg (25 g‑Handschuhe) DMFA2 enthielte.
An einem in der TRGS 401 defi­nier­ten „Grenz­wert“ ist im Grunde nichts auszu­set­zen – im Gegen­teil. Die quali­fi­zier­ten Herstel­ler des BVH begrü­ßen einen Grenz­wert, da er die Möglich­keit bietet, ihre Hand­schuhe von quali­ta­tiv minder­wer­ti­gen Produk­ten abzu­gren­zen. Der Grenz­wert muss jedoch ausrei­chend begrün­det sein und sich auf eine Mess­me­thode bezie­hen, die repro­du­zier­bar ist.
Die AG Hand­schuh­in­halts­stoffe schlägt daher vor, den derzei­ti­gen Grenz­wert zu über­den­ken und fundiert zu begrün­den.
Ausge­hend davon, dass ein Anwen­der pro Tag durch­schnitt­lich ein Hand­schuh­paar trägt, ist ein DMFA-Gehalt von 5 mg pro Hand­schuh­paar, gemes­sen im beschrie­be­nen Headspace-GC/MS-Verfahren, realis­tisch und für gute Quali­tä­ten in der Produk­tion erreich­bar. Der DMFA-Grenzwert (AGW) würde dabei noch um 50 % unter­schrit­ten.
Ausdrück­lich begrü­ßen wir die Grenz­wert­fi­xie­rung für DMFA in PU-beschichteten Hand­schu­hen, bitten jedoch, diesen ausrei­chend zu begrün­den und realis­tisch zu defi­nie­ren. Zudem muss dabei Bezug auf eine geeig­nete Mess­me­thode genom­men werden.
Mit den beschrie­be­nen Unter­su­chun­gen hat die BVH AG Hand­schuh­in­halts­stoffe eine Basis geschaf­fen, um den DMFA-Gehalt in PU-beschichteten Hand­schu­hen sicher, repro­du­zier­bar und vergleich­bar ermit­teln zu können. Die Methode ist in Prüf­in­sti­tu­ten etabliert und stan­dar­di­sier­bar. Sie stellt den Stand der Tech­nik dar und erlaubt die Vergleich­bar­keit von Hand­schu­hen unter­ein­an­der. Die eingangs aufge­führ­ten Ziel­vor­ga­ben sind damit voll erfüllt.

Auswahl von PU-beschichteten Hand­schu­hen

Uns liegen keine Kennt­nisse zu Erkran­kun­gen oder gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen vor, die auf das Tragen PU-beschichteter Hand­schuhe mit vergleichs­weise hohen DMFA-Anteilen (100‑1000 ppm) zurück­zu­füh­ren sind. Dennoch soll­ten Hand­schuhe grund­sätz­lich keine unter Trage­be­din­gun­gen frei­setz­ba­ren Schad­stoffe in unnö­tig hohen, vermeid­ba­ren Konzen­tra­tio­nen enthal­ten.
Der Grenz­wert der TRGS 401 führt in der derzeit gülti­gen Form leider nicht zum gefor­der­ten Mini­mie­rungs­ge­bot, da bisher die Analy­tik so geführt werden konnte, dass auch hoch­be­las­tete Hand­schuhe den derzei­ti­gen TRGS-Grenzwert einhal­ten. Damit werden quali­ta­tiv hoch­wer­tige Produkte nicht von minder­wer­ti­gen Produk­ten abge­grenzt und der Anwen­der mögli­cher­weise in eine falsche Sicher­heit gewo­gen.
Allein die Verwen­dung von DMFA bei der Produk­tion von Hand­schu­hen bedeu­tet nicht, dass der Hand­schuh schäd­lich ist.
Hier einige Tipps für die Auswahl:
  • Ziehen Sie bei der Auswahl grund­sätz­lich nur die quali­fi­zier­ten Herstel­ler in Betracht, die ihre Verpflich­tun­gen kennen und leben, die geeig­ne­ten Service liefern und deren sach­kun­dige Mitar­bei­ter Sie kompe­tent bera­ten können.
  • Nehmen Sie nur Schutz­hand­schuhe in die engere Auswahl, die die gesetz­li­chen Vorga­ben erfül­len. Die Leis­tungs­da­ten und die Benut­zer­in­for­ma­tion des ausge­wähl­ten Hand­schuhs müssen in schrift­li­cher Form vorlie­gen! Achten Sie auf eine korrekte Kenn­zeich­nung auf dem Hand­schuh, der Verpa­ckung und der Herstel­ler­in­for­ma­tion sowie auf gute Verar­bei­tung (z.B. Nähte, gleich­mä­ßige Beschichtung/Tauchung) und gute Pass­form mit exzel­len­tem Sitz.
  • Beach­ten Sie bitte: Güte­sie­gel bei Kat.-II-Handschuhen (z.B. SG, GS, Öko-Tex Stan­dard) sind nicht immer hilf­reich bei der Auswahl. Bezo­gen auf DMFA in PU-beschichteten Hand­schu­hen sind sie nicht aussa­ge­kräf­tig, da DMFA im Gegen­stands­ka­ta­log dieser Zusatz­prü­fun­gen nicht vorge­se­hen ist.
  • Fragen Sie den Herstel­ler nach einem Zerti­fi­kat und prüfen Sie die Methode, nach der DMFA analy­siert wurde. Achten Sie dabei auf die Probe und die Prüf­pa­ra­me­ter: Wurde nur die Hand­schuh­be­schich­tung geprüft oder auch der Strick­bund und der unbe­schich­tete Liner? Wie wurde detek­tiert? Die FID- Detek­tion ist in diesem Fall abzu­leh­nen!
  • Trauen Sie nicht der Auslo­bung einer „lösungs­mit­tel­freien“ Herstel­lung. Die gibt es nicht! Beach­ten Sie bitte, dass PU-beschichtete Hand­schuhe, die ohne DMFA herge­stellt wurden, nicht zwin­gend „unschäd­lich“ sind. Zur Hand­schuh­her­stel­lung müssen immer Chemi­ka­lien einge­setzt werden, um den Komfort und die Leis­tung zu gewähr­leis­ten. Ob diese im Endpro­dukt noch nach­weis­bar sind, ist in hohem Maße abhän­gig von der Sorg­falt bei der Herstel­lung und dem Quali­täts­an­spruch des Herstel­lers!
  • PU-beschichtete Hand­schuhe, die nicht im DMFA-Verfahren herge­stellt wurden, enthiel­ten in unse­ren Unter­su­chun­gen zwar kein DMFA, jedoch wurden teil­weise andere als gesund­heits­schäd­lich einge­stufte Substan­zen in rele­van­ten Konzen­tra­tio­nen gefun­den. Es ist daher keine Lösung, Hand­schuhe, die im DMFA-Verfahren herge­stellt wurden gegen Hand­schuhe, die in einem ande­ren Verfah­ren produ­ziert wurden, ohne Vorbe­halt auszu­tau­schen!
  • Der Preis eines Hand­schuhs sollte niemals das wesent­li­che Auswahl­kri­te­rium für Hand­schuhe sein! Ziehen Sie immer auch die Stand­zei­ten in die Auswahl mit ein, um das Preis-Leistungsverhältnis bewer­ten zu können.

Fazit

Ziel der BVH AG Hand­schuh­in­halts­stoffe war und ist nicht die Abschaf­fung des DMFA-Grenzwertes in der TRGS 401, sondern die Fixie­rung eines begrün­de­ten Limits. Unsere Unter­su­chun­gen zeigen, dass nach dem beschrie­be­nen Mess­ver­fah­ren keiner der geprüf­ten Hand­schuhe den Grenz­wert von 10 mg/kg Hand­schuh einhal­ten konnte. In diesem Zusam­men­hang stellt sich die Frage, wie der Grenz­wert bezo­gen auf Hand­schuhe begrün­det wird.
Mit den beschrie­be­nen Unter­su­chun­gen hat die BVH AG Hand­schuh­in­halts­stoffe eine Basis geschaf­fen, um den DMFA-Gehalt in PU-beschichteten Hand­schu­hen sicher, repro­du­zier­bar und vergleich­bar ermit­teln zu können. Die Methode ist in Prüf­in­sti­tu­ten etabliert und stan­dar­di­sier­bar. Sie stellt den Stand der Tech­nik dar und erlaubt die Vergleich­bar­keit von Hand­schu­hen unter­ein­an­der. Die eingangs aufge­führ­ten Ziel­vor­ga­ben sind damit voll erfüllt.
Unsere Ergeb­nisse wurden dem Ausschuss für Gefahr­stoffe (AGS) zur Verfü­gung gestellt.
Details zur Analy­tik können Sie gerne beim BVH anfor­dern.
Die BVH AG Hand­schuh­in­halts­stoffe freut sich auf jegli­che Fragen und Anre­gun­gen zum Thema und ist jeder­zeit gerne gesprächs­be­reit!
Gerne beant­wor­ten wir alle Fragen rund um das Thema Schutz­hand­schuhe!
Lite­ra­tur
  • 1. RICHTLINIE DES RATES vom 21.Dezember 1989 zur Anglei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mitglied­staa­ten für persön­li­che Schutz­aus­rüs­tun­gen (89/686/EWG)
  • 2. DIN EN 420: 2003 „Schutz­hand­schuhe – Allge­meine Anfor­de­run­gen und Prüf­ver­fah­ren
  • 3. BVH: Gesund­heits­schäd­li­che Stoffe in Polyurethan-beschichteten Hand­schu­hen?; sicher ist sicher – Arbeits­schutz aktu­ell 1/2005, 22–23
  • 4. Interne Unter­su­chun­gen des BVH, 2010
  • 1 N,N‑Dimethylformamid; Abkür­zung DMFA zur Abgren­zung zu „Dime­thyl­f­u­ma­rat“, für das auch das Kürzel DMF verwen­det wird.
  • 2 Wert = AGW x Hand­schuh­ge­wicht : 1000g
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Frank Zuther Bundes­ver­band Hand­schutz (BVH) e.V. Skager­rak­str. 72 46149 Ober­hau­sen Tel. 0208–6250182 Fax: 0208–6250181 zuther@bvh.de handschuhinhaltsstoffe@bvh.de www.bvh.de
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