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Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet!

Zurrmittel zur Ladungssicherung regelmäßig prüfen
Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet!

Abb. 1: Defekte Zurrmittel sind eine erhebliche Gefahr, hier ist der Unfall vorhersehbar.
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Schiller hat­te nicht die Ladungssicherung im Kopf, als er das Gedicht „Das Lied von der Glocke“ schrieb. Doch „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ gehört zu den vielfach zitierten Zeilen aus Schillers läng­stem Gedicht. Passend zum The­ma Ladungssicherung aus diesem Gedicht ist aber auch „Wo rohe Kräfte sinn­los wal­ten“, vor allem, wenn die Ladungssicherung nicht sorgfältig durchge­führt wird.

Dipl.-Ing. Markus Tischendorf

Ladungssicherung ist eine wichtige Auf­gabe aller am Trans­port beteiligten Per­so­n­en. Hierzu gehören Absender und Ver­lad­er, Fahrzeughal­ter, Fracht­führer und Fahrer. Ist die Ladungssicherung durch ein lück­en­los­es Ver­laden der Ladegüter nicht möglich oder reicht die Auf­baufes­tigkeit des Fahrzeuges nicht aus, um die Ladung bei extremen Fahrsi­t­u­a­tio­nen zu hal­ten, muss ander­weit­ig gesichert wer­den. Dies erfol­gt in der Regel durch kraft- oder form­schlüs­sige Sicherungsmeth­o­d­en, die allerd­ings geeignete Zur­rmit­tel wie Zur­rgurte, Zur­rket­ten oder Zur­rdraht­seile voraus­set­zen. Ein sicher­er Trans­port set­zt also ord­nungs­gemäße Zur­rmit­tel voraus, da sich anson­sten Gefährdun­gen für das Fahr- und Lade­per­son­al sowie ander­er Verkehrsteil­nehmer ergeben können.
Regelmäßig prüfen
Def­i­n­i­tion­s­gemäß fall­en Zur­rmit­tel zur Ladungssicherung als „tech­nis­che Arbeitsmit­tel“ in den Anwen­dungs­bere­ich der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV). Nach § 10 Abs. 2 Betr­SichV müssen tech­nis­che Arbeitsmit­tel regelmäßig geprüft wer­den, sofern sie schädlichen Umwel­tein­wirkun­gen aus­ge­set­zt sind und es hier­durch zu gefährlichen Sit­u­a­tio­nen kom­men kann. Dies ist bei Zur­rmit­teln zur Ladungssicherung grund­sät­zlich zutreffend.
Fern­er wird die Betr­SichV durch die TRBS 1201 „Prü­fung von Arbeitsmit­teln und überwachungs­bedürfti­gen Anla­gen“ konkretisiert. Dieses Tech­nis­che Regel­w­erk beschreibt u. a. regelmäßige Prü­fun­gen durch
  • 1. unter­wiesene Per­so­n­en (vgl. Abschnitt 3.3.1. TRBS 1201) sowie
  • 2. befähigte Per­so­n­en (vgl. Abschnitt 3.3.2 TRBS 1201).
Die Anforderun­gen an Prü­fun­gen durch unter­wiesene Per­so­n­en sind dabei geringer, so dass diese Art der Prü­fung nur unter bes­timmten Kri­te­rien zuläs­sig ist:
  • Vom Arbeitsmit­tel gehen nur geringe Gefährdun­gen aus
  • Der Soll-Zus­tand des Arbeitsmit­tels ist leicht vermittelbar
  • Der Ist-Zus­tand des Arbeitsmit­tel ist leicht erkennbar
  • Der Prü­fum­fang beschränkt sich auf wenige Prüfschritte
  • Abwe­ichun­gen zwis­chen Ist- und Sol­lzu­s­tand sind leicht bewertbar.
Diese Kri­te­rien tre­f­fen in der Regel auf Zur­rgurte, nicht aber auf Zur­rket­ten und Zur­rdrahts­seile zu. Auf­grund der Ablegekri­te­rien für Zur­rmit­tel (vgl. Tabelle S. 22) wird schnell erkennbar, dass für die Beurteilung des arbeitssicheren Zus­tandes eines Zur­rgur­tes die arbeit­stägliche Sicht- und Funk­tion­sprü­fung durch eine unter­wiesene Per­son üblicher­weise aus­re­ichend sein dürfte. Die Prüf­per­son kann auch der Bedi­ener (z. B. Fahrer) sein.
Nicht ohne
Die Beurteilung des Zus­tandes von Zur­rket­ten- und Zur­rdraht­seilen stellt sich kom­plex­er dar. Allein die Ermit­tlung des Ist-Zus­tandes des Arbeitsmit­tels wie beispielsweise
  • die Maßhaltigkeit der gesamten Zur­rkette bzw. einzel­ner Ket­tenglieder oder
  • die Anzahl der zuläs­si­gen Draht­brüche beim Zurrdrahtseil
ist ohne zusät­zliche Ken­nt­nisse des Prüf­per­son­als bzw. weit­eren Prü­faufwand nicht möglich. Aus diesem Grund müssen Zur­rket­ten und Zur­rdraht­seile regelmäßig durch eine befähigte Per­son geprüft wer­den. Einige Zur­rmit­tel­her­steller bieten entsprechende Sachkun­de­sem­inare zur Prü­fung von Zur­rmit­teln an. Ob eigene Mitar­beit­er oder externe Prüfer als befähigte Per­son tätig wer­den, ist nicht entschei­dend. Die Fes­tle­gung der Prüf­frist obliegt dem Betreiber, wobei dieser bei der geset­zlich geforderten Gefährdungs­beurteilung auf die VDI Richtlin­ie 2700 Blatt 3.1 „Gebrauch­san­leitung für Zur­rmit­tel“ Bezug nehmen kann. Die genan­nte VDI-Richtlin­ie schlägt eine vorzugsweise jährliche Prü­fung mit Doku­men­ta­tion der Prüfer­geb­nisse vor. Zu beziehen ist die VDI-Richtlin­ie 2700 Blatt 3.1 „Gebrauch­san­leitung für Zur­rmit­tel“ beim Beuth-Ver­lag in Berlin (www.beuth.de).
Lit­er­aturhin­weise
  • 1. Arbeitss­chutzge­setz (Arb­SchG)
  • 2. Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV)
  • 3. UVV „Grund­sätze der Präven­tion“ (BGV A1)
  • 4. BG-Regel „Grund­sätze der Präven­tion“ (BGR A1)
  • 5. TRBS 1201 „Prü­fung von Arbeitsmit­teln und überwachungs­bedürfti­gen Anlagen“
  • 6. VDI 2700 Blatt 3.1 Gebrauch­san­leitung für Zurrmittel“
  • 7. BGI 649 „Hand­buch Ladungssicherung“
Autor
Dipl.-Ing. Markus Tis­chen­dorf, VDI
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