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Elek­tro­si­cher­heit durch wieder­keh­rende Prüfun­gen

Arbeitssicherheit
Elek­tro­si­cher­heit durch wieder­keh­rende Prüfun­gen

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In Unter­neh­men ereig­nen sich immer wieder Unfälle infolge von Stör­licht­bo­gen­bil­dun­gen oder elek­tri­schen Durch­strö­mun­gen der Körper von beschäf­tig­ten Perso­nen. Oft wird dann fest­ge­stellt, dass die gefor­der­ten Prüfun­gen auf Elek­tro­si­cher­heit nicht oder unzu­rei­chend durch­ge­führt werden. In diesem Arti­kel wird über die Orga­ni­sa­tion und Durch­füh­rung der wieder­keh­ren­den Prüfun­gen infor­miert und auf Beson­der­hei­ten, rele­vante Regel­werke sowie Infor­ma­ti­ons­schrif­ten hinge­wie­sen.

Unfälle durch orga­ni­sa­to­ri­sche Mängel
Durch­ge­führte Analy­sen von Strom­un­fäl­len erga­ben viel­fach, dass wieder­keh­rende Prüfun­gen der elek­tri­schen Anla­gen und Arbeits-/Betriebsmittel häufig in den Betrie­ben noch nicht in vollem Umfang orga­ni­siert waren. Schad­hafte Geräte und Anla­gen­teile verur­sa­chen Gefah­ren­quel­len, die dann die Sicher­heit der damit arbei­ten­den Perso­nen gefähr­det. Diese Unfall­ge­fah­ren gilt es unbe­dingt zu ver-hindern!
Was enthal­ten die Regel­werke?
Die Forde­run­gen nach Prüfun­gen rich­ten sich an den Arbeitgeber/Unternehmer und sollen den ordnungs­ge­mä­ßen Zustand elek­tri­scher Anla­gen und Arbeits-/Betriebsmittel sicher­stel­len.
Grund­sätz­lich sind in den Regel­wer­ken Prüfun­gen vor der ersten Inbe­trieb­nahme (Erst­prü­fung) und nach einer Ände­rung oder Instand­set­zung (vor der Wieder­in­be­trieb­nahme) vorge­schrie­ben.
Darüber hinaus auch in regel­mä­ßi­gen Zeit­ab­stän­den, das heißt, wieder­keh­rend. Derar­tige Prüfun­gen müssen doku­men­tiert werden.
Über­prü­fung vor der Benut­zung von Arbeits-/Betriebsmitteln
Diese Prüfung ist durch den Arbeitgeber/Unternehmer zu orga­ni­sie­ren und wird beispiels­weise nach einer Unter­wei­sung der Betreiber/Benutzer von diesen Perso­nen vorge­nom­men. Grund­lage dafür sind die Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung (Betr­SichV) und die Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift „Grund­sätze der Präven­tion“ (BGV/GUV‑V A1). Demnach ist vor jeder Benut­zung von Arbeits-/Betriebsmitteln eine Sicht­prü­fung ggf. mit einer „Hand­probe“ (beispiels­weise Anschluss­lei­tung) auf augen­fäl­lige Mängel und Schä­den durch­zu­füh­ren. Von einer Doku­men­ta­tion dieser Prüfung kann abge­se­hen werden.
Prüfun­gen gem. BGV/GUV‑V A3
Im § 5 „Prüfun­gen“ der Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrift „Elek­tri­sche Anla­gen und Betriebs­mit­tel“ (BGV/GUV‑V A3) und den zuge­hö­ri­gen Durch­füh­rungs­an­wei­sun­gen, sind Prüfun­gen der elek­tri­schen Anla­gen und Betriebs­mit­tel auf ordnungs­ge­mä­ßen Zustand und einwand­freie Funk­tion in regel­mä­ßi­gen Zeit­ab­stän­den vorge­schrie­ben.
Für Licht­bo­gen­schweiß­ein­rich­tun­gen gelten jedoch beson­dere Fest­le­gun­gen bezüg­lich der Prüf­fris­ten und ‑maßnah­men. Diese sind im Kapi­tel 2.26 der BG/GUV-Regel „Betrei­ben von Arbeits­mit­teln“ (BGR/GUV‑R 500) enthal­ten.
Einen Leit­fa­den für den Unter­neh­mer zur Orga­ni­sa­tion der wieder­keh­ren­den Prüfun­gen von orts­ver­än­der­li­chen elek­tri­schen Arbeits­mit­teln beinhal­tet die im Juni 2010 erschie­nene Infor­ma­ti­ons­schrift „Wieder­keh­rende Prüfun­gen orts­ver­än­der­li­cher elek­tri­scher Arbeits­mit­tel – Orga­ni­sa­tion durch den Unter­neh­mer“ (BGI/DGUV‑I 5190).
Arbeits­hilfe zur prak­ti­schen Umset­zung dieser Prüfun­gen bietet die BG-Information „Wieder­ho­lungs­prü­fung orts­ver­än­der­li­cher elek­tri­scher Betriebs­mit­tel – Hand­lungs­hilfe“ (BGI 5090). Diese Broschüre wird gegen­wär­tig über­ar­bei­tet und in einer neuen Auflage als Druck­schrift voraus­sicht­lich mit der Bezeich­nung BGI/DGUV‑I 5090 „Wieder­keh­rende Prüfun­gen orts­ver­än­der­li­cher elek­tri­scher Arbeits­mit­tel – Praxis­tipps für den Prüfer“ erschei­nen.
In den bezeich­ne­ten Infor­ma­ti­ons­schrif­ten werden die Inhalte der Regel­werke kommen­tiert, Beson­der­hei­ten verdeut­licht und dem jewei­lig ange­spro­che­nen Perso­nen­kreis Hilfe­stel­lung bei der Umset­zung vermit­telt.
Prüfun­gen gem. Betr­SichV
In der Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung (Betr­SichV) wird vom Arbeit­ge­ber die Orga­ni­sa­tion von wieder­keh­ren­den Prüfun­gen der Arbeits­mit­tel gefor­dert, damit im Unter­neh­men sichere Arbeits­plätze vorhan­den sind. Diese Prüfun­gen dürfen ausschließ­lich von hierzu befä­hig­ten Perso­nen entspre­chend den Tech­ni­schen Regeln für Betriebs­si­cher­heit „Befä­higte Perso­nen“ (TRBS 1203) vorge­nom­men werden, wobei die durch­ge­führ­ten Prüfun­gen in geeig­ne­ter Weise zu doku­men­tie­ren sind.
Prüfun­gen gemäß TRBS 1201
Die Tech­ni­schen Regeln für Betriebs­si­cher­heit „Prüfun­gen von Arbeits­mit­teln und über­wa­chungs­be­dürf­ti­gen Anla­gen“ (TRBS 1201) enthal­ten Konkre­ti­sie­run­gen zu den Fest­le­gun­gen in der Betr­SichV. Darin werden die einzel­nen Prüfun­gen erläu­tert, Prüf­art und ‑umfang beschrie­ben, Prüf­fris­ten genannt und Hinweise zur Doku­men­ta­tion gege­ben.
Auch hierzu steht die TRBS 1203 hinsicht­lich der Auswahl des Prüf­per­so­nals in engem Zusam­men­hang.
Weitere Prüf­vor­ga­ben?
VdS-Prüfung
Bei der Prüfung zum Schutz von Substanz­wer­ten (Sach­gü­tern), insbe­son­dere vor dem Hinter­grund des Brand­schut­zes, gemäß den vom „Verband der Scha­den­ver­si­che­rer“ (VdS) erlas­se­nen Prüf­richt­li­nien (Klau­sel SK 3602), handelt es sich um eine eigen­stän­dige Prüfung.
Diese ersetzt ggf. nicht in vollem Umfang die Prüfun­gen von elek­tri­schen Anla­gen und Arbeits-/ Betriebs­mit­teln nach
  • Betr­SichV und TRBS 1201 sowie
  • BGV/GUV‑V A3.
Das sind beispiels­weise die Prüfun­gen auf Elek­tro­si­cher­heit der
  • orts­fes­ten Produk­ti­ons­ma­schi­nen,
  • orts­ver­än­der­li­chen elek­tri­schen Arbeits-/Betriebsmittel (z.B.: Elektro-Handwerkzeuge, Kaffee­ma­schi­nen usw.),
  • Anla­gen oder Geräte und Schutz­sys­teme sowie Sicherheits- und Kontroll­ein­rich­tun­gen (Explo­si­ons­schutz),
  • Sicher­heits­tech­ni­schen Anla­gen (Gefah­ren­mel­de­an­la­gen, Rauch- und Wärme­ab­zugs­an­la­gen, Lösch­an­la­gen usw.),
  • medi­zi­ni­schen Produkte, die in der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBe­treibV) aufge­führt sind.
Bei der Orga­ni­sa­tion von wieder­keh­ren­den Prüfun­gen ist dieser Sach­ver­halt unbe­dingt zu berück­sich­ti­gen und in einem Prüf­auf­trag entspre­chend zu verein­ba­ren.
Nach welchen Normen wird geprüft?
Die wieder­keh­ren­den Prüfun­gen von
  • orts­fes­ten elek­tri­schen Anla­gen und Arbeits-/ Betriebs­mit­teln sind entspre­chend den Vorga­ben der DIN VDE 0105–100 (DIN EN 50110–1) „Betrieb von elek­tri­schen Anla­gen“, ggf. in Verbin­dung mit DIN VDE 0100–600 „Prüfun­gen“ durch­zu­füh­ren.
  • orts­ver­än­der­li­chen elek­tri­schen Arbeits-/Betriebsmitteln, die über Steck­vor­rich­tun­gen ange­schlos­sen sind, werden gem. DIN VDE 0701–0702 vorge­nom­men.
  • Licht­bo­gen­schweiß­ein­rich­tun­gen erfor­dern die Beach­tung zusätz­li­cher Rege­lun­gen. Arbeits­hilfe dazu bietet die VDE-Bestimmung 0544–4 (DIN EN 60974–4), ergän­zend zur BGR/GUV‑R 500 und DIN VDE 0701–0702.
Wich­ti­ges zu den Sachkundigen- prüfun­gen
Die viel­fach im Regel­werk vorge­schrie­be­nen wieder­keh­ren­den Prüfun­gen durch Sach­kun­dige (befä­higte Perso­nen) der Arbeits-/Betriebsmittel und bauli­chen Einrich­tun­gen mit elek­tri­schem Antrieb werden oftmals von exter­nen Dienst­leis­tern durch­ge­führt. Dabei herrscht über­wie­gend die irrtüm­li­che Annahme vor, dass demge­mäß eine voll­stän­dige Prüfung durch­ge­führt wird. Das ist nicht immer so, denn derar­tige Prüfun­gen beinhal­ten nicht zwangs­läu­fig die elek­tro­tech­ni­sche Prüfung auf ordnungs­ge­mä­ßen Zustand nach BGV/GUV‑V A3 in Verbin­dung mit TRBS 1201.
Solche elek­trisch betrie­be­nen Arbeits-/ Betriebs­mit­tel und Einrich­tun­gen können beispiels­weise sein:
  • Krane,
  • Aufzüge,
  • Hubar­beits­büh­nen,
  • Seil- und Ketten­züge,
  • Stetig­för­de­rer,
  • Fens­ter, Türen und Tore,
  • Gabel­stap­ler, Hubwa­gen und E‑Karren.
Dieses muss bei der Ertei­lung von Prüf­auf­trä­gen auf jeden Fall bedacht werden, um eine allum­fas­sende wieder­keh­rende Prüfung der Anla­gen und Arbeits-/Betriebsmittel sicher­zu­stel­len.
So macht man‚s rich­tig:
  • Gefähr­dungs­er­mitt­lung und ‑beur­tei­lung vorneh­men
  • Prüf­pflich­ten der Arbeits-/Betriebsmittel erken­nen und orga­ni­sie­ren
  • Mitar­bei­ter­un­ter­wei­sung zur Über­prü­fung vor der Arbeits­mit­tel­be­nut­zung
  • Befä­higte Person als Prüfer auswäh­len und beauf­tra­gen
  • Bestand der Arbeits-/Betriebsmittel aufneh­men
  • Inven­ta­ri­sie­rung durch­füh­ren
  • Prüf­ar­ten und ‑schritte fest­le­gen
  • Ermit­teln des Ist- und verglei­chen mit dem Soll-Zustand
  • Prüf­ergeb­nisse doku­men­tie­ren und auswer­ten
  • Prüf­fris­ten fest­le­gen
  • Prüf­nach­weise archi­vie­ren
Fazit:
Wieder­keh­rende Prüfun­gen der elek­tri­schen Anla­gen und Arbeits-/Betriebsmittel sollen sicher­stel­len, dass die zur Abwen­dung von Gefähr­dun­gen erfor­der­li­chen Schutz­maß­nah­men ordnungs­ge­mäß wirk­sam sind.
Solche Prüfun­gen sind für jeden Arbeitgeber/Unternehmer (Anla­gen­be­trei­ber) ein abso­lu­tes Muss. Nur so hat er die Gewiss­heit, das Mögli­che getan zu haben, um Unfäl­len durch elek­tri­sche Ener­gie sowie Schä­den an Anla­gen und Gerä­ten vorzu­beu­gen. Dadurch kann auch die Vermu­tungs­wir­kung gege­ben sein, alle Vorga­ben in Regel­wer­ken erfüllt zu haben. Dieses wäre ein Beitrag zur „gerichts­fes­ten“ Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion. Außer­dem wird ein störungs­freier Betriebs- und Arbeits­ab­lauf sicher­ge­stellt, denn das wieder­keh­rende Prüfen ist auch eine Maßnahme zur vorbeu­gen­den Instand­hal­tung.
Die Kosten der Prüfung werden durch die höhere Verfüg­bar­keit der Anla­gen und Arbeits-/Betriebsmittel sowie durch die Vermei­dung der mit den Arbeits­aus­fäl­len entste­hen­den Kosten­punkte mehr als ausge­gli­chen.
Auf das konse­quente, wieder­keh­rende und vor allem dann auch recht­zei­tige Prüfen darf nicht verzich­tet werden, wenn Unfälle und Schä­den verhin­dert werden sollen.
Autor
Rüdi­ger H. F. Heuchel
ruedi­ger. heuchel@gmx.de
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