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Entwick­lung einer Rutsch­hem­mungs­ma­trix

Promotion im Fachgebiet Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit
Entwick­lung einer Rutsch­hem­mungs­ma­trix

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BERGISCHE UNIVERSITÄT WUPPERTAL Fach­be­reich: D Fach­ge­biet: Sicher­heits­tech­nik / Arbeits­si­cher­heit Dipl.-Ing. Chris­toph Wetzel Gebäude S, Ebene 11, Raum 18 Gauß­straße 20 42119 Wupper­tal

Ausgangs­si­tua­tion
Ausglei­ten beim Gehen ist ein Unfall­schwer­punkt. Alleine im gewerb­li­chen Bereich sind ca. 10 Prozent aller Arbeits­un­fälle auf Ausrut­schen zurück­zu­füh­ren. Die Folge­kos­ten für Unfälle auf dem Fußbo­den im gewerb­li­chen Bereich betra­gen pro Jahr ca. 2,5 Milli­ar­den Euro, die von den Unfall­ver­si­che­rungs­trä­gern aufge­bracht werden.1
Die Bedin­gun­gen für Sicher­heit gegen Ausrut­schen sind dann gege­ben, wenn die biody­na­mi­schen Anfor­de­run­gen des Menschen beim Gehen durch mindes­tens gleich große Reibungs­kräfte im System aus Fußbo­den, gleit­för­dern­dem Stoff und Schuh kompen­siert werden. Durch die Komple­xi­tät dieses Systems sind die Analyse und Bewer­tung des Unfall­ri­si­kos schwie­rig durch­zu­füh­ren. Maßnah­men, das Gesamt­sys­tem zu verbes­sern und damit die Sicher­heit gegen Ausrut­schen zu erhö­hen, sind am effek­tivs­ten durch die Auswahl von Fußbö­den und Schu­hen zu reali­sie­ren. Eine praxis­ori­en­tierte Auswahl ist bei dem Stand der Tech­nik nur einge­schränkt möglich.
Ziel­set­zung
Ziel dieser Promo­tion ist die Entwick­lung einer Rutsch­hem­mungs­ma­trix. Fußbö­den und Schuhe werden nach ihren rutsch­hem­men­den Eigen­schaf­ten kate­go­ri­siert und in Klas­sen einge­teilt. Die Kombi­na­tio­nen der Boden­be­läge, Schuhe und gleit­för­dern­den Stoffe (z.B. Wasser, Öl) werden entspre­chend ihrem Unfall­ri­siko bewer­tet.
Die Anwen­dung der Rutsch­hem­mungs­ma­trix bietet u.a. Arbeits­schüt­zern, Baupla­nern und Gebäu­de­be­trei­bern die Möglich­keit einer praxis­ori­en­tier­ten Produkt­aus­wahl. Dies kann bei der Neupla­nung eines Gebäu­des ebenso einge­setzt werden wie bei der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung der Rutsch­ge­fahr am Arbeits­platz (Einstu­fung eines Fußbo­dens durch Vor-Ort-Messungen). Durch die einfa­che Auswahl eines Schuhs kann die Gefähr­dung Ausglei­ten beim Gehen wesent­lich redu­ziert werden.
Die Rutsch­hem­mungs­ma­trix soll als Präven­ti­ons­in­stru­ment sowohl in gewerb­li­chen als auch in öffent­li­chen Berei­chen einge­setzt werden können. Aus diesem Grund werden in die Betrach­tung typi­sche Boden­be­läge sowie Sicherheits- und Stra­ßen­schuhe einbe­zo­gen.
Hypo­the­sen
  • 1. Die Baumus­ter­prü­fun­gen von Fußbö­den (DIN 51130) und Sicher­heits­schu­hen (ISO 13287) sind nur einge­schränkt praxis­re­le­vant, da die zur Bewer­tung heran­ge­zo­ge­nen, norma­tiv fest­ge­leg­ten Mate­ria­lien und die Prüfung unter Labor­be­din­gun­gen nur teil­weise auf prak­ti­sche Situa­tio­nen über­trag­bar sind.
  • 2. Es gibt Refe­renz­ma­te­ria­lien für die Baumus­ter­prü­fun­gen, die die prak­ti­sche Situa­tion wider­spie­geln und diese praxis­re­le­vant bewer­ten.
  • 3. Die Erstel­lung einer Rutsch­hem­mungs­ma­trix mit einer praxis­re­le­van­ten Klas­si­fi­zie­rung von Fußbö­den und Schu­hen anhand des rutsch­hem­men­den Poten­zi­als ist möglich. Diese erlaubt die präven­tive Auswahl von siche­ren Kombi­na­tio­nen von Fußbö­den und Schu­hen als geeig­nete Schutz­maß­nahme im Rahmen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung der Rutsch­ge­fahr.
  • 4. Stra­ßen­schuhe stel­len sowohl im Privat­be­reich als auch in vielen Arbeits­be­rei­chen im Vergleich zu Sicher­heits­schu­hen ein erhöh­tes Unfall­ri­siko dar. Deshalb sind Mindest­an­for­de­run­gen an die Rutsch­hem­mung von Stra­ßen­schu­hen sinn­voll.
  • 5. Die Klas­sen der Rutsch­hem­mungs­ma­trix stehen des Weite­ren mit den Produk­t­ei­gen­schaf­ten der Fußbö­den und Schuhe im Zusam­men­hang (z.B. Mate­rial, Härte, Ober­flä­chen­rau­heit, Profil­ei­gen­schaf­ten). Daraus lassen sich Hinweise zur Gestal­tung von Fußbö­den und Schu­hen ablei­ten.
Metho­di­sches Vorge­hen
Die Reibungs­ei­gen­schaf­ten einer praxis­re­le­van­ten Auswahl von über 70 Boden­be­lä­gen und 100 Sicherheits- und Frei­zeit­schu­hen werden für die Zwischen­me­dien Wasser und Öl gemes­sen und nach ihrem Unfall­ri­siko bewer­tet. Diese Messun­gen erlau­ben das Aufstel­len einer Rang­folge und somit die Klas­si­fi­zie­rung sowohl von Fußbö­den als auch von Schu­hen anhand der rutsch­hem­men­den Eigen­schaf­ten unter Praxis­be­din­gun­gen.
Zusätz­lich sollen die Mate­ria­lien eruiert werden, die als Refe­renz­ma­te­rial in Baumus­ter­prü­fun­gen eine praxis­ge­rechte Bewer­tung von Produk­ten erlau­ben. Des Weite­ren lassen die Ergeb­nisse Rück­schlüsse auf Zusam­men­hänge zwischen rutsch­hem­men­den und Material-/Produkteigenschaften (z.B. Härte, Ober­flä­chen­rau­heit, Profil­ei­gen­schaf­ten).
Die Erstel­lung der Disser­ta­tion erfolgt im Zusam­men­hang mit dem Forschungs­pro­jekt FP288 „Entwick­lung einer Rutsch­hem­mungs­ma­trix für die Auswahl von Fußbö­den und Schu­hen zur Redu­zie­rung von Ausgleit­un­fäl­len“. Das Projekt wird bis Ende 2012 an der Bergi­schen Univer­si­tät Wupper­tal, Fach­ge­biet Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit, durch­ge­führt und von der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung ( www.dguv.de) geför­dert.
Die fach­li­che Betreu­ung der Promo­tion erfolgt durch Prof. Dr. Anke Kahl, Bergi­sche Univer­si­tät Wupper­tal, Fach­ge­biet Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit.
1Quelle: fabe.bghw.de
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