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Finanzierungsdefizit — oder auch nicht?

Kapitalanlage
Finanzierungsdefizit — oder auch nicht?

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Pen­sion­szusagen sind ein wichtiges Instru­ment der Mitar­beit­erbindung und der Altersvor­sorge. Was sich zunächst steuer­lich gün­stig auswirkt, kann aber langfristig gese­hen zu Finanzierungslück­en führen. Daher lohnt sich die Suche und Inanspruch­nahme alter­na­tiv­er Finanzierungsmodelle.

Das neue Bilanzrechtsmod­ernisierungs­ge­setz (Bil­MoG) zwingt die Unternehmen mit Pen­sion­szusagen zum Offen­barung­seid: Zukün­ftig ste­hen dem auf der Aktiv­seite der Han­dels­bi­lanz aufge­baut­en Rück­deck­ungs-Ver­mö­gen die Rück­stel­lun­gen auf der Pas­siv­seite gegenüber, die real­ität­snäher ermit­telt sind als bish­er. Dafür sorgt u.a. ein mark­t­gerechter­er Kalku­la­tion­szinssatz. In der Folge wird viel klar­er, welch­es Anlagev­er­mö­gen zur nach­halti­gen Erfül­lung der erteil­ten Pen­sion­szusage vorhan­den sein müsste – oder wie hoch das Finanzierungs­de­fiz­it denn tat­säch­lich ausfällt.
Rech­nung der UN geht nicht auf
Über Jahrzehnte betra­chtete die herrschende Betrieb­swirtschaft­slehre Pen­sion­szusagen als Instru­ment der Bin­nen­fi­nanzierung. Danach führten die hier­durch aus­gelösten Gewin­nrück­stel­lun­gen zu willkomme­nen Erträ­gen auf­grund nicht gezahlter Steuern. Weit­ge­hend aus­ge­blendet wurde die Kalku­la­tion der Renten­phase sowie den damit ver­bun­de­nen Finanzierungszwang von entsprechen­dem Anlagevermögen.
Aktuell zeigt sich, dass diese ein­seit­ige Rech­nung viel­er Mit­tel­ständler nicht aufge­ht. Es fehlen zur Renten­zahlung entwed­er wach­sende Erträge aus dem oper­a­tiv­en Geschäft oder entsprechende Ver­mö­genswerte bzw. – schlim­mer noch – das vorhan­dene Anlagev­er­mö­gen erweist sich als untauglich, weil trotz guter Absicht­en falsch investiert wurde.
Falsch kalkuliert
Die gängige Bilanzierung­sprax­is set­zt seit Jahrzehn­ten Pen­sion­srück­stel­lun­gen in der Han­dels- und der Steuer­bilanz in gle­ich­er Höhe an. Allerd­ings tre­f­fen die Rechen­grund­la­gen – Zinssatz und Ster­be­wahrschein­lichkeit­en – in der Real­ität nicht zu. Für die Berech­nung des steuer­lichen Teil­w­erts ist ein Rech­nungszins von 6% zu berücksichtigen.
An dieser Stelle begin­nt das Prob­lem mit der Finanzierung von Pen­sion­szusagen: Die Teil­w­ert­berech­nung ist näm­lich auss­chließlich fiskalisch motiviert. Sie hat abso­lut nichts mit einem kaufmän­nisch vernün­ftig kalkulierten Kap­i­talbe­darf zur Erfül­lung der späteren Renten­las­ten zu tun. In der Folge wer­den Pen­sion­sansprüche regelmäßig zu niedrig bew­ertet, was über­wiegend zu einem ungenü­gen­den Finanzierungsaufwand in den Unternehmen führt.
Einem 40 Jahre alten Gesellschafter-Geschäfts­führer (GGF) wird eine Pen­sion­szusage als Alter­srente i. H. v. 5.000 Euro erteilt. Die daraus resul­tieren­den Rück­stel­lun­gen sum­mieren sich bis zum Renten­be­ginn auf 691.000 Euro.
Rückstellungen/Steuerersparnis/ Kap­i­talbe­darf
Die, aus den Rück­stel­lun­gen bis zum Beginn der Renten­phase resul­tierende Steuer­erspar­nis – i. d. R. Haupt­mo­ti­va­tion für eine Pen­sion­szusage – beträgt bis zum Beginn der Renten­zahlung 210.000 Euro. Wed­er der kumulierte Rück­stel­lungs­be­trag von 690.000 Euro noch die ges­parten Steuern i.H.v. 210.000 Euro haben etwas mit dem tat­säch­lich benötigten Kap­i­tal zu tun, das zu Beginn der Renten­zahlung nach vernün­ftiger kaufmän­nis­ch­er Kalku­la­tion zur Ver­fü­gung ste­hen sollte. Das Anlagev­er­mö­gen der Fir­ma muss dann tat­säch­lich 1,05 Mio. Euro betragen.
Wür­den etwa sämtliche Steuer­erspar­nisse aus der Pen­sion­szusage in eine Renten­ver­sicherung fließen, so stünde zu Beginn der Renten­phase ein Anlagev­er­mö­gen von 330.000 Euro zur Ver­fü­gung – ziem­lich genau ein Drit­tel des benötigten Kapitals.
Wie würde sich ander­er­seits der Liq­uid­ität­saufwand gestal­ten, wenn zur adäquat­en Aus­fi­nanzierung eine klas­sis­che Renten­ver­sicherung i.H.v. 1,05 Mio. Euro abgeschlossen wird?
  • Zunächst führen die 690.000 Euro Rück­stel­lun­gen zu ein­er Steuer­erspar­nis von 210.000 Euro.
  • An aufwandswirk­samen Beiträ­gen für die Ver­sicherung sind ins­ge­samt 638.000 Euro zu entricht­en, die zu niedrigeren Steuern führen.
  • Im Gegen­zug jedoch über­steigt der jährlich zu bilanzierende Aktivw­ert der Ver­sicherung ab dem 7. Jahr den Finanzierungsaufwand, so dass bis zum Renten­be­ginn ins­ge­samt 125.000 Euro an Steuern fäl­lig wer­den – Ver­sicherun­gen im Anlagev­er­mö­gen wer­den besteuert.
  • Per Sal­do verur­sacht die Ver­sicherung somit einen Liq­uid­ität­saufwand i. H. v. 764.000 Euro.
  • Rech­net man hier abschließend den Liq­uid­ität­ser­trag aus Rück­stel­lung i.H.v. 210.000 Euro dage­gen, ergibt sich ein gesamter Liq­uid­ität­saufwand i. H. v. 554.000 Euro nach Steuern.
Inno­v­a­tive Finanzierung
Angesichts der­art kosten­in­ten­siv­er Finanzierungslö­sun­gen wird zunehmend nach alter­na­tiv­en, Liq­uid­ität scho­nen­den Möglichkeit­en gesucht. Ver­sicherun­gen selb­st organ­isieren sich ja ihre Kap­i­ta­lan­la­gen inno­v­a­tiv: So war etwa der Mark­t­führer nach dem 2. Weltkrieg der größte Investor der deutschen Han­dels­flotte. Oder: Mit­tel­große Ver­sicherun­gen betreiben beispiel­sweise erfol­gre­ich eigene Pri­vate-Equi­ty-Engage­ments zur Erzielung ihrer kon­ser­v­a­tiv aus­gewiese­nen Über­schüsse. Dabei sind die inter­nen hochren­tier­lichen Ziele dur­chaus ambi­tion­iert gesteckt.
Seit eini­gen Jahren steigen die Finanzierun­gen von Pen­sion­srück­deck­un­gen mit­tels alter­na­tiv­er Konzepte. Grund­sät­zlich gibt es keine Anlagevorschriften, jede Kap­i­ta­lan­lage ist denkbar – im Ide­al­fall gibt es nahezu iden­tis­che Vor- wie Nach­s­teuer­ren­diten. Der Auf­bau eines Kap­i­tal­stocks zur Finanzierung von Pen­sion­szusagen muss mehrere Aspek­te in ein aus­ge­wo­genes Ver­hält­nis bringen.
Kri­te­rien für die Kapitalanlage
  • attrak­tive Ren­dite nach Steuern
  • kalkulier­bares Risiko
  • niedriger intern­er Verwaltungsaufwand
  • frist­gerechte Ausfinanzierung
  • adäquate Liq­ui­dier­barkeit
Invest­ments, die die geforderten Kri­te­rien erfüllen, existieren im Bere­ich der Invest­ment­fonds und der unternehmerischen Beteili­gun­gen in Form von Geschlosse­nen Fonds. Allerd­ings ist die Finanzierung von Pen­sion­szusagen mit solchen alter­na­tiv­en Invest­ments für deutsche Unternehmen noch weit­ge­hend Neuland.
Wichtig: Port­fo­lio­bil­dung
Von aller­größter Bedeu­tung ist die bre­ite Streu­ung der Anla­gen: Eine wieder­holt ver­i­fizierte, weg­weisende Studie des Finan­cal Ana­lysts Jour­nal hat bere­its 1986 gezeigt, dass Ver­mö­gensstruk­turierung mehr als alle anderen Fak­toren den langfristi­gen Erfolg des Rück­deck­ungsver­mö­gens bes­timmt. Die Ren­dite eines Port­fo­lios wird zu über 90% durch die Verteilung auf ver­schiedene Anlageklassen, die Asset Allo­ca­tion, bestimmt.
Die Per­for­mance eines in tra­di­tionelle Anlage­for­men – wie festverzinsliche Wert­pa­piere und Aktien – bre­it diver­si­fizierten Port­fo­lios unter­liegt immer noch dem sys­tem­a­tis­chen Kurss­chwankungsrisiko des Geld- und Kap­i­tal­mark­ts. Eine sig­nifikante Volatil­itäts­glät­tung des Anlegerport­fo­lios lässt sich durch eine weit­ere Diver­si­fizierung mit Geschlosse­nen Fonds real­isieren. Grund dafür ist die Tat­sache, dass Geschlossene Fonds auch in Krisen­zeit­en ver­gle­ich­sweise kon­stante Wer­ten­twick­lun­gen aufweisen (s. Tab. 1).
Aufwandsver­gle­ich
Im unserem Fall­beispiel gestal­tet sich der Liq­uid­ität­saufwand nach Steuern zum Auf­bau eines Anlagev­er­mö­gens von 1,056 Mio. Euro bis zum Renten­be­ginn wie folgt:
Die Rück­deck­ungsvari­ante kostet nach Steuern 553.000 Euro. Ein alter­na­tives Port­fo­lio mit ein­er angenomme­nen Ren­dite von 7 % p. a. kostet nach Steuern knapp die Hälfte, näm­lich 252.000 Euro.
Kalkuliert man defen­siv­er und unter­stellt lediglich eine 5%ige jährliche Wer­ten­twick­lung, so schlägt die alter­na­tive Vari­ante mit 393.000 Euro zu Buche, was noch immer einen Vorteil von 160.000 Euro gegenüber der Ver­sicherungslö­sung ausmacht.
Und wie sieht das Resul­tat aus, wenn das Invest­ment- und Beteili­gungsport­fo­lio genau­so schwächelt wie der langfristige Ver­sicherungs­markt – näm­lich mit durch­schnit­tlich 4,3 % pro Jahr? Dann würde diese Pen­sion­szusage das Unternehmen 441.000 Euro kosten und wäre damit immer­hin noch 112.000 Euro gün­stiger als der Versicherungs-Klassiker.
Autor
Dr. Matthias Dworza­ck, GGF der Kan­zlei für Wirtschafts­ber­atung an der Elbe und Betrieb­swirt für betriebliche Altersvor­sorge. Schw­er­punkt: Sanierung und Kom­mu­nika­tion von Ver­sorgungswerken. E‑Mail: m.dworzack@kwb-elbe.de
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