Startseite » Sicherheit » Arbeitsschutzorganisation » First Gas – Die Nord Stream Pipe­line erwacht zum Leben

Arbeitsschutzorganisation Archiv SI Gesundheit PSA Sicherheitsingenieur Sicherheitstechnik

First Gas – Die Nord Stream Pipe­line erwacht zum Leben

Anzeige
Es ist ein Projekt gigan­ti­schen Ausma­ßes. Die erste von zwei 1224 Kilo­me­ter langen Pipe­lines mit einem Durch­mes­ser von 48 Zoll (1153mm) verbin­det nun die Städte Wyborg in Russ­land und Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Ein solches Projekt ist ohne die Durch­füh­rung von Maßnah­men des Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schut­zes (inter­na­tio­nal: Health, Safety, Envi­ron­ment, HSE) undenk­bar. Patrick Krott von der Martrick GmbH hat selbst seinen Beitrag zur Sicher­heit bei der Inbe­trieb­nahme geleis­tet und sprach im Inter­view mit dem HSE-Manager der Nord Stream AG, Chris Pres­ton, über die Heraus­for­de­run­gen, HSE bei einem solchen Projekt durch­zu­füh­ren.

Jetzt erwacht die erste Pipe­line zum Leben und das russi­sche Gas fließt. Dadurch wird die Euro­päi­sche Union unab­hän­gi­ger von Gaslie­fe­run­gen aus afri­ka­ni­schen und arabi­schen Ländern. Die zweite Pipe­line soll im letz­ten Quar­tal 2012 fertig­ge­stellt werden, so dass dann jähr­lich 55 Milli­ar­den Kubik­me­ter Erdgas trans­por­tiert werden können und so die Ener­gie­si­cher­heit in Europa für die nächs­ten 50 Jahre sicher­ge­stellt sein wird.
Als im Jahr 2010 der erste Bagger seine Tätig­keit aufnahm, war dies der Anfang eines Projek­tes, das zu den größ­ten und aufwen­digs­ten in Bezug auf die Verle­gung von Offshore–Pipelines welt­weit zählt. Mitar­bei­ter aus 20 Natio­nen haben ihren Beitrag dazu geleis­tet, dass inner­halb von 20 Mona­ten die Pipe­line verlegt und in Betrieb genom­men werden konnte.
Die Pipe­line verläuft in der Ostsee durch die Ausschließ­li­chen Wirt­schafts­zo­nen von Russ­land, Finn­land, Schwe­den, Däne­mark und Deutsch­land sowie durch die Terri­to­ri­al­ge­wäs­ser von Däne­mark, Russ­land und Deutsch­land und verbin­det so die Städte Wyborg in Russ­land und Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Die Trasse durch die Ostsee ist die kürzeste Stre­cke, um Erdgas aus dem Shtokman-Feld in der Barents­see, das zurzeit erschlos­sen wird, nach West­eu­ropa zu trans­por­tie­ren. West­eu­ropa benö­tigt zusätz­li­ches Gas aufgrund stei­gern­der Nach­frage und schwin­den­den Reser­ven in der Nord See. Eine kürzere Trasse bedeu­tet weni­ger Umwelt­ein­griffe und gerin­gere Kosten für den Bau und den Betrieb der Pipe­line.
Warum benö­tigt man ein Pipe­line­pro­jekt solch gigan­ti­schen Ausma­ßes? Der euro­päi­sche Gasver­brauch soll von 536 Milli­ar­den Kubik­me­tern im Jahr 2008 auf 621 Milli­ar­den Kubik­me­ter im Jahr 2030 anstei­gen. Erwar­tungs­ge­mäß wird Erdgas in der euro­päi­schen Ener­gie­po­li­tik auch weiter­hin eine zentrale Rolle spie­len. Erdgas setzt nicht nur weni­ger CO2 frei als andere fossile Brenn­stoffe, sondern ist auch die ideale Ergän­zung der bevor­zug­ten, aber schwan­ken­den Ener­gie­ver­sor­gung, durch erneu­er­bare Ener­gie­quel­len.
Die Inter­na­tio­nale Ener­gie­agen­tur (IEA) geht davon aus, dass Erdgas im Jahr 2030 der wich­tigste Brenn­stoff im euro­päi­schen Ener­gie­mix sein wird. Nicht zuletzt deshalb werden voraus­sicht­lich zusätz­li­che Importe von ca. 188 Milli­ar­den Kubik­me­tern Gas pro Jahr benö­tigt. Die Nord Stream-Pipeline wird einen Groß­teil der zusätz­lich notwen­di­gen Gasim­porte decken und genü­gend Gas liefern, um etwa 26 Millio­nen Haus­halte zu versor­gen.
HSE – Kern­as­pekte beim Bau der Pipe­line
Ein Projekt, das wie die Nord Stream-Pipeline inter­na­tio­nal ange­legt und poli­tisch inten­siv disku­tiert wird, steht wie kein ande­res im Fokus der Öffent­lich­keit. Da spielt der Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz eine beson­ders wich­tige Rolle.
Patrick Krott hat mit dem HSE Mana­ger des Nord Stream Projek­tes, Chris Pres­ton, über die Durch­füh­rung des Arbeits- und Gesund­heits­schut­zes bei diesem Projekt gespro­chen.
Herr Pres­ton, für ein Projekt wie dieses ist eine effek­tive Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion abso­lut notwen­dig. Wie ist diese bei Nord Stream aufge­baut?
Chris Pres­ton: Der HSE Mana­ger berich­tet direkt an den Geschäfts­füh­ren­den Direk­tor der Nord Stream AG. Die Arbeits­schutz­ab­tei­lung selbst besteht aus dem HSE Mana­ger, seinem Vertre­ter, sowie der jewei­li­gen HSE Site Mana­ger und weite­ren Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit. Außer­dem gehö­ren zu unse­rer Abtei­lung noch Fach­kräfte aus dem Umwelt­be­reich, die sich für die Einfüh­rung und Unter­hal­tung des Umwelt- und Sozi­al­ma­nage­ment­sys­tems verant­wort­lich zeich­nen. Diese Kolle­gen berich­ten direkt an den Mana­ger für Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren, aller­dings gibt es auch eine enge Verbin­dung zum HSE Mana­ger. Wir alle arbei­ten im Rahmen unse­res über­ge­ord­ne­ten HSES Manage­ment Systems. (Anmer­kung der Red.: Health, Safety, Envi­ron­ment, Secu­rity).
Sicher­lich wurde HSE bereits in der Planungs­phase des Projek­tes invol­viert.
Ja, das ist rich­tig. Die Planungs­phase umfasste das Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren, im Spezi­el­len die Durch­füh­rung der Umwelt­ver­träg­lich­keits­ana­ly­sen, die Entwurfs­pla­nung, die Offshore-Untersuchungen und die Auswahl und Beauf­tra­gung der Herstellungs- und Konstruk­ti­ons­dienst­lei­tun­gen. In all diesen Phasen war HSE invol­viert, vor allem in der Über­wa­chung der Arbei­ten der Umwelt­in­ge­nieure und Inge­nieurs­dienst­leis­ter sowie bei der Fest­set­zung der vertrag­lich einzu­hal­ten­den HSE Stan­dards für die Offshore-Tätigkeiten, Konstruk­ti­ons­ar­bei­ten und Herstel­lung der Pipe­line.
Welche sind Ihrer Meinung nach die größ­ten Heraus­for­de­run­gen in Bezug auf HSE bei einem solchen Projekt?
In Bezug auf den Arbeits­schutz stel­len die Baustel­len an Land eine weit­aus größere Heraus­for­de­rung da als die Akti­vi­tä­ten auf See. Die Verle­ge­schiffe, auf denen die Pipe­line­stü­cke gela­den sind und zusam­men­ge­schweißt werden, arbei­ten in einem halb­au­to­ma­ti­schen Verfah­ren und die invol­vier­ten Tech­ni­ker sind alle sehr gut ausge­bil­det und erfah­ren – insge­samt werden bis zu 325 Schweiß­nähte pro Tag erstellt und der Prozess wurde ein ganzes Jahr lang nahezu ohne Unter­bre­chung ausge­führt. Die Baustel­len an Land und das Heran­zie­hen der Pipe­line auf den Strand benö­ti­gen eine große Menge an schwe­rem Mate­rial und eine großen Anzahl an Arbeits­kräf­ten. Hinzu kommen die übli­chen Heraus­for­de­run­gen einer Baustelle mit all den unter­schied­li­chen Gewer­ken. Eine spezi­elle Heraus­for­de­rung war aller­dings das Zusam­men­schwei­ßen der einzel­nen Sektio­nen der Pipe­line unter Wasser auf dem Meeres­grund. Dazu war die genaue Ausrich­tung der Pipe­line­enden notwen­dig, sowie die Herstel­lung einer trocke­nen Umge­bung, sodass die Schweiß­ar­bei­ten sicher in einer Tiefe von 80 bis 110 Metern von Tauchern ausge­führt werden konn­ten. Wie mit allen Tauch­ar­bei­ten gibt es hier abso­lut keinen Raum für Fehler, da dies ernst­hafte Konse­quen­zen mit sich brin­gen würde.
Die Pipe­line verbin­det Russ­land mit Deutsch­land und verläuft durch die Wirt­schafts­zo­nen von Finn­land, Schwe­den und Däne­mark. Wie stel­len Sie sicher, dass die HSE Stan­dards der einzel­nen Länder einge­hal­ten werden?
Die HSE Stan­dards der Nord Stream AG sind so ausge­legt, dass sie die eige­nen Stan­dards eini­ger Länder in mancher­lei Hinsicht über­tref­fen. Fremd­fir­men werden danach ausge­sucht, ob sie in der Lage sind diese Stan­dards und den Stand der Tech­nik zu erfül­len, auch wenn diese höher sind als vom Gesetz gefor­dert. Obwohl Gesetze vorhan­den sind, die beschrei­ben, wie Tätig­kei­ten sicher­heits­ge­recht ausge­führt werden müssen, stützt sich diese Gesetz­ge­bung in den meis­ten Fällen auf die Bewer­tung des Risi­kos einer Tätig­keit und fordert von den einzel­nen Gewer­ken jegli­che Maßnah­men zu tref­fen, die das Risiko der Tätig­keit auf ein akzep­ta­bles Maß redu­zie­ren.
In verschie­de­nen Ländern tätig zu werden heißt auch, mit verschie­de­nen Behör­den und Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­zu­ar­bei­ten. Wie sieht diese Zusam­men­ar­beit aus?
Während der Durch­füh­rung der Umwelt­ver­träg­lich­keits­stu­dien und Umwelt­stan­dards für die Pipe­line­trasse in jedem Land haben wir über Jahre eng mit den einzel­nen Behör­den und Orga­ni­sa­tio­nen zusam­men­ge­ar­bei­tet. Das Nord Stream-Projekt erfüllt die Regu­la­rien der Espoo-Konvention (UNECE Conven­tion on Envi­ron­men­tal Impact Assess­ment in a Trans­boundary Context). Ebenso wurden zahl­rei­che öffent­li­che Anhö­run­gen durch­ge­führt auch in Staa­ten, die von der Pipe­line­trasse nicht direkt betrof­fen sind.
Wie haben Sie die unter­schied­li­chen Natio­nen inner­halb der Beleg­schaf­ten gehand­habt?
Stan­dards sind Stan­dards! … und diese werden auf der vertrag­li­chen Ebene fest­ge­setzt. Obwohl die Pipe­line fünf Länder umspannt und Arbei­ter aus weit mehr Natio­nen beschäf­tigt, wenden wir über­all die glei­chen Stan­dards an. Aller­dings sehen wir auch, dass insbe­son­dere auf der Ebene der Nach­un­ter­neh­mer, es manch­mal mehr Anstren­gung benö­tigt, diese Stan­dards umzu­set­zen. Dies unter­stüt­zen wir durch entspre­chende Unter­wei­sun­gen, Einwei­sun­gen und die Zurver­fü­gung­stel­lung von Mate­rial und Ausrüs­tung. Das ist aller­dings auch der Grund dafür, warum wir unsere eige­nen Bege­hun­gen und Audits dort durch­füh­ren wo wir denken, dass die Heraus­for­de­run­gen für Kontrak­to­ren die Stan­dards umzu­set­zen am größ­ten sind.
Lassen Sie uns kurz über die Arbeits- und Umwelt­schutz­kenn­zah­len spre­chen. Welche haben Sie für das Projekt defi­niert?
In Bezug auf den Umwelt­schutz bezie­hen sich die Kenn­zah­len auf die Werte in den Umwelt­ver­träg­lich­keits­stu­dien, die nicht über­trof­fen werden dürfen und von den Behör­den bewil­ligt wurden. Bezüg­lich des Arbeits­schut­zes verwen­den wir die Kenn­zah­len, die inter­na­tio­nal üblich sind, wie zum Beispiel die Ausfall­zei­ten­rate oder die Unfall­schwere. Wir messen auch die Anzahl der Verstöße gegen Stan­dards in dem wir Audits und Bege­hun­gen durch­füh­ren und haben Mess­werte etabliert, wie die Anzahl von Unter­wei­sun­gen, Umset­zung von Verbes­se­rungs­maß­nah­men in Bezug auf Sicher­heit und die Schwere von Beina­he­un­fäl­len.
Bei all den manu­el­len Tätig­kei­ten, die bei dem Projekt invol­viert sind, nehme ich an, dass der größte Anteil der Verlet­zun­gen der Gruppe der „Hand‑, Arm- und Finger­ver­let­zun­gen“ zuzu­ord­nen ist?
Für gewöhn­lich ist das der Fall. Aber in Bezug auf unsere Tätig­kei­ten sind Verlet­zun­gen durch Fallen, Stür­zen und Ausrut­schen die Haupt­gruppe, wie man auf Baustel­len eigent­lich auch erwar­ten würde. Auf den Baustel­len der Land­an­bin­dun­gen gilt unsere größte Sorge den Beina­he­un­fäl­len während der An- und Abreise zu und von den Baustel­len. Beide Baustel­len haben im Winter mit schwie­ri­gen Wetter­ver­hält­nis­sen zu kämp­fen.
Wie stel­len Sie sicher, dass Arbeits- und Gesund­heits­schutz­maß­nah­men zur Vermei­dung von Unfäl­len und Scha­dens­er­eig­nis­sen auch berück­sich­tigt werden?
Wir haben auf den einzel­nen Baustel­len perma­nent HSE Mana­ger vor Ort, die für die Sicher­heit und die Umset­zung der Stan­dards verant­wort­lich sind. Offshore und an den Produk­ti­ons­stand­or­ten finden regel­mä­ßig Audits statt. Außer­dem haben auf allen Schif­fen und den Produktions- und Baustel­len Vertre­ter der Nord Stream AG eben­falls die Verant­wor­tung, dass die Arbei­ten sicher­heits­ge­recht ausge­führt und Unfälle sowie Abwei­chun­gen einwand­frei berich­tet werden. Unsere Haupt­kon­trak­to­ren haben eigene Audit- und Bege­hungs­pro­gramme, die von den jewei­li­gen Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit durch­ge­führt werden.
Wie stel­len Sie den konti­nu­ier­li­chen Verbes­se­rungs­pro­zess sicher?
Von unse­ren Haupt­kon­trak­to­ren verlan­gen wir die Einfüh­rung eines HSE-Plans für ihre Tätig­kei­ten. Ein Element dieser HSE-Pläne ist, Fehler zu analy­sie­ren und entspre­chende Verbes­se­run­gen daraus abzu­lei­ten. Diese Verbes­se­run­gen werden von uns sehr genau beob­ach­tet. Ebenso wird das Abstel­len von Abwei­chun­gen und Fest­stel­lun­gen aus Audits und Bege­hun­gen von uns nach­ver­folgt. Die Verbes­se­run­gen werden zudem inner­halb des ganzen Projek­tes bekannt gemacht.
Sie spra­chen gerade die Verbes­se­run­gen an. Was haben Sie während des Baus der ersten Pipe­line gelernt und was werden Sie bei der zwei­ten Pipe­line anders machen?
Auf der einen Seite sind die beiden Pipe­lines nicht verschie­den, da der Herstel­lungs­pro­zess und die beauf­trag­ten Kontrak­to­ren die glei­chen sind. Bei der ersten Pipe­line wurde deut­lich, dass obwohl die Anzahl der Verlet­zun­gen nied­rig war, eine beun­ru­hi­gende Anzahl von Beina­he­un­fäl­len mit hoher Verlet­zungs­wahr­schein­lich­keit zu verzeich­nen war. Dementspre­chend werden wir sicher­stel­len, dass diese Ereig­nisse noch genauer berich­tet, unter­sucht und abge­stellt werden. Darauf werden wir tatsäch­lich hohen Wert legen. Wir können uns nicht leis­ten, selbst­ge­fäl­lig zu werden, denn wir haben immer­hin noch sechs Monate Bautä­tig­keit vor uns.
Wie unter­wei­sen Sie die Arbeits­kräfte und wie stel­len Sie sicher, dass alle Mitar­bei­ter kompe­tent und für ihre Tätig­kei­ten erfah­ren genug sind?
Die Unter­wei­sun­gen werden von uns und von den Kontrak­to­ren durch­ge­führt. Unsere Unter­wei­sun­gen sind dabei eher auf die allge­mei­nen HSE Stan­dards bezo­gen, während die Unter­wei­sun­gen der Kontrak­to­ren spezi­ell auf die jewei­li­gen Tätig­kei­ten ausge­legt sind. Die Voraus­set­zun­gen in Bezug auf die Quali­fi­zie­rung und Ausbil­dung sind in den jewei­li­gen Verträ­gen defi­niert und werden im Rahmen von Audits über­prüft. Für manche Tätig­kei­ten, insbe­son­dere für Offshore-Arbeiten, gibt es Anfor­de­run­gen an die Quali­tät, die von der Indus­trie selber fest­ge­setzt worden sind und inter­na­tio­nal von Orga­ni­sa­tio­nen wie IMCA (Anmer­kung des Autors: Inter­na­tio­nal Marine Contrac­tors Asso­cia­tion) akzep­tiert werden. Obwohl die Ostsee nicht haupt­säch­lich ein Öl- und Gasge­biet ist, haben wir solche Stan­dards für unser Projekt über­nom­men, die in der Nord­see gelten.
Neben der Arbeits­si­cher­heit ist auch die Sicher­stel­lung der Produkt­qua­li­tät ein sehr wich­ti­ger Punkt. Wie stel­len sie diese sicher und wie führen Sie die Quali­täts­kon­trolle durch?
Die Quali­täts­si­che­rung wird von einer sepa­ra­ten Abtei­lung durch­ge­führt. Zu diesem Zweck wurde ein eigen­stän­di­ges Quali­täts­ma­nage­ment­sys­tem einge­führt. Das Projekt unter­liegt einem drei­stu­fi­gen Quali­täts­sys­tem mit den höchs­ten Prüf­stan­dards. Alle Proze­du­ren werden von DNV (Anmer­kung des Autors: Det Norske Veri­tas) gemäß dem Stan­dard DNV-OSS-301 über die Zerti­fi­zie­rung und Begut­ach­tung von Pipe­lines über­wacht. Kontrak­to­ren, Herstel­ler und Liefe­ran­ten die mit Nord Stream zusam­men­ar­bei­ten werden in erster Linie begut­ach­tet. Zusätz­lich werden auf der zwei­ten Ebene alle kriti­schen Liefe­ran­ten und Kontrak­to­ren laufend von Nord Stream Inspek­to­ren über­wacht. In einem drit­ten Schritt, führen unab­hän­gige externe Fach­leute die Zerti­fi­zie­rung durch, was bedeu­tet, dass diese zum Beispiel Prüf­ver­fah­ren, Prüf­ergeb­nisse oder Quali­fi­ka­ti­ons­an­for­de­run­gen an Kontrak­to­ren über­wa­chen und bewer­ten. Der letzte Schritt zur Sicher­stel­lung der Quali­tät wird durch DNV, Rostchnad­zor und dem SGS-TÜV im Namen der jewei­li­gen natio­na­len Behör­den durch­ge­führt, die die Geneh­mi­gung zum Bau und Betrieb der Pipe­line im Einklang mit den Stan­dards erteilt haben.
Sicher­lich wurden Sie im Vorfeld auch in die sicher­heits­ge­rechte Konstruk­tion der Pipe­line im Zuge von HAZOPS und HAZIDS einge­bun­den.
Ja, wir waren in allen Phasen der Entwick­lung der Pipe­line direkt einge­bun­den und auch in zwei­ter Linie als Beob­ach­ter bzw. Teil­neh­mer an HAZOPs und HAZIDs im Zuge der Konstruk­tion durch die Herstel­ler. Wir wurden ebenso in die Beur­tei­lung der Gefähr­dun­gen der Tätig­kei­ten der Kontrak­to­ren einge­bun­den.
Wie stel­len sie den Kontakt zu den einzel­nen Baustel­len sicher?
Haupt­säch­lich durch den direk­ten Kontakt mit den Vertre­tern der einzel­nen Gewerke und den HSE Mana­gern auf den einzel­nen Baustel­len. Außer­dem werden durch mich und meinen Vertre­ter regel­mä­ßig Baustel­len­be­ge­hun­gen durch­ge­führt.
Was machen Sie, wenn es zu einem Notfall auf den Baustel­len an Land aber auch auf dem Wasser kommt?
Das Baustel­len­ma­nage­ment an Land und der Kapi­tän eines Schif­fes Offshore halten Notfall­pläne vor und über­neh­men die Koor­di­na­tion in der jewei­li­gen Situa­tion. Sie bekom­men Unter­stüt­zung der jewei­li­gen Behör­den in Bezug auf die Bekämp­fung von Brän­den, medi­zi­ni­scher Notfall­ver­sor­gung und Seenot­ret­tung. Nord Stream hat rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche ein Notfall­team in der Haupt­ver­wal­tung in der Schweiz in Bereit­schaft um im Notfall koor­di­na­tiv Unter­stüt­zung zu leis­ten. Wir führen zahl­rei­che Notfall­übun­gen durch und unter­wei­sen das Perso­nal in Simu­la­ti­ons­übun­gen. Wir hatten eine Reihe von medi­zi­ni­schen Evaku­ie­run­gen von Offshore Stand­or­ten aufgrund von Krank­hei­ten einzel­ner Mitar­bei­ter, und diese haben bewie­sen, dass zum Beispiel unsere Hubschrau­ber­ein­sätze sehr effek­tiv sind, auch in Fällen, wo die Gesetz­bar­keit des jewei­li­gen Landes berück­sich­tigt werden musste.
Wie würden Sie die Arbeits­schutz­or­ga­ni­sa­tion auf einem Schiff beschrei­ben?
Nehmen wir als Beispiel ein Pipe­line­ver­le­ge­schiff, wie wir es im Projekt einset­zen, obwohl wir noch eine ganze Reihe weite­rer Schiffe verwen­den, so hat der Betrei­ber zu jeder Zeit eine Sicher­heits­fach­kraft an Bord, sodass der Arbeits­schutz stän­dig über­wacht wird. Diese Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit sind eben­falls in der Verwal­tung der Arbeits­er­laub­nis­scheine einge­bun­den und führen Arbeits­schutz­un­ter­wei­sun­gen der Schiffs­mann­schaft, typi­scher­weise 325 Perso­nen, durch. Es befin­det sich eben­falls ein Arzt an Bord. Viele der Mitglie­der der Schiffs­be­sat­zung haben ihrer­seits spezi­elle sicher­heits­re­le­vante Ausbil­dun­gen durch­lau­fen, wie zum Beispiel Löschen von Brän­den und Erste Hilfe. Die Sicher­heits­fach­kräfte auf den Schif­fen werden vom Arbeits­schutz­per­so­nal an Land im Rahmen von Unter­wei­sun­gen, Bege­hun­gen, Unfall­un­ter­su­chun­gen und Audits unter­stützt. Diese werden wiederum von den Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit der Schiffs­be­trei­ber unter­stützt.
Die stren­gen Sicher­heits­maß­nah­men beim der Verle­gung der Nord Stream Pipe­line haben dafür gesorgt, dass es bisher zu keinem nennens­wer­ten Scha­den für Mensch und Umwelt gekom­men ist. In Anbe­tracht der Größe des Projek­tes und der großen Anzahl an Arbei­tern aus einer Viel­zahl unter­schied­li­cher Natio­nen kann das durch­aus als hervor­ra­gende Leis­tung gewer­tet werden. Und es bleibt zu hoffen, dass auch die Verle­gung der zwei­ten Pipe­line unfall­frei bleibt und ebenso erfolg­reich wie die erste in Betrieb genom­men werden kann.
Dipl.-Ing. Sicher­heits­tech­nik Patrick Krott (links) nach dem Gespräch mit Chris Pres­ton, HSE Mana­ger des Nord Stream Projek­tes. patrick.krott@martrick.de
Anzeige

News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs

Sicher­heits­be­auf­trag­ter

Titelbild Sicherheitsbeauftragter 9
Ausgabe
9.2019
ABO

Sicher­heits­in­ge­nieur

Titelbild Sicherheitsingenieur 9
Ausgabe
9.2019
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de