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First Gas – Die Nord Stream Pipeline erwacht zum Leben

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First Gas – Die Nord Stream Pipeline erwacht zum Leben

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Es ist ein Pro­jekt gigan­tis­chen Aus­maßes. Die erste von zwei 1224 Kilo­me­ter lan­gen Pipelines mit einem Durchmess­er von 48 Zoll (1153mm) verbindet nun die Städte Wyborg in Rus­s­land und Lub­min in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Ein solch­es Pro­jekt ist ohne die Durch­führung von Maß­nah­men des Arbeits‑, Gesund­heits- und Umweltschutzes (inter­na­tion­al: Health, Safe­ty, Envi­ron­ment, HSE) undenkbar. Patrick Krott von der Mar­trick GmbH hat selb­st seinen Beitrag zur Sicher­heit bei der Inbe­trieb­nahme geleis­tet und sprach im Inter­view mit dem HSE-Man­ag­er der Nord Stream AG, Chris Pre­ston, über die Her­aus­forderun­gen, HSE bei einem solchen Pro­jekt durchzuführen.

Jet­zt erwacht die erste Pipeline zum Leben und das rus­sis­che Gas fließt. Dadurch wird die Europäis­che Union unab­hängiger von Gasliefer­un­gen aus afrikanis­chen und ara­bis­chen Län­dern. Die zweite Pipeline soll im let­zten Quar­tal 2012 fer­tiggestellt wer­den, so dass dann jährlich 55 Mil­liar­den Kubik­me­ter Erdgas trans­portiert wer­den kön­nen und so die Energiesicher­heit in Europa für die näch­sten 50 Jahre sichergestellt sein wird.
Als im Jahr 2010 der erste Bag­ger seine Tätigkeit auf­nahm, war dies der Anfang eines Pro­jek­tes, das zu den größten und aufwendig­sten in Bezug auf die Ver­legung von Offshore–Pipelines weltweit zählt. Mitar­beit­er aus 20 Natio­nen haben ihren Beitrag dazu geleis­tet, dass inner­halb von 20 Monat­en die Pipeline ver­legt und in Betrieb genom­men wer­den kon­nte.
Die Pipeline ver­läuft in der Ost­see durch die Auss­chließlichen Wirtschaft­szo­nen von Rus­s­land, Finn­land, Schwe­den, Däne­mark und Deutsch­land sowie durch die Ter­ri­to­ri­al­gewäss­er von Däne­mark, Rus­s­land und Deutsch­land und verbindet so die Städte Wyborg in Rus­s­land und Lub­min in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Die Trasse durch die Ost­see ist die kürzeste Strecke, um Erdgas aus dem Shtok­man-Feld in der Bar­entssee, das zurzeit erschlossen wird, nach Wes­teu­ropa zu trans­portieren. Wes­teu­ropa benötigt zusät­zlich­es Gas auf­grund steigern­der Nach­frage und schwinden­den Reser­ven in der Nord See. Eine kürzere Trasse bedeutet weniger Umwel­te­in­griffe und gerin­gere Kosten für den Bau und den Betrieb der Pipeline.
Warum benötigt man ein Pipeline­pro­jekt solch gigan­tis­chen Aus­maßes? Der europäis­che Gasver­brauch soll von 536 Mil­liar­den Kubik­me­tern im Jahr 2008 auf 621 Mil­liar­den Kubik­me­ter im Jahr 2030 ansteigen. Erwartungs­gemäß wird Erdgas in der europäis­chen Energiepoli­tik auch weit­er­hin eine zen­trale Rolle spie­len. Erdgas set­zt nicht nur weniger CO2 frei als andere fos­sile Brennstoffe, son­dern ist auch die ide­ale Ergänzung der bevorzugten, aber schwank­enden Energiev­er­sorgung, durch erneuer­bare Energiequellen.
Die Inter­na­tionale Energieagen­tur (IEA) geht davon aus, dass Erdgas im Jahr 2030 der wichtig­ste Brennstoff im europäis­chen Energiemix sein wird. Nicht zulet­zt deshalb wer­den voraus­sichtlich zusät­zliche Importe von ca. 188 Mil­liar­den Kubik­me­tern Gas pro Jahr benötigt. Die Nord Stream-Pipeline wird einen Großteil der zusät­zlich notwendi­gen Gasim­porte deck­en und genü­gend Gas liefern, um etwa 26 Mil­lio­nen Haushalte zu ver­sor­gen.
HSE – Ker­naspek­te beim Bau der Pipeline
Ein Pro­jekt, das wie die Nord Stream-Pipeline inter­na­tion­al angelegt und poli­tisch inten­siv disku­tiert wird, ste­ht wie kein anderes im Fokus der Öffentlichkeit. Da spielt der Arbeits‑, Gesund­heits- und Umweltschutz eine beson­ders wichtige Rolle.
Patrick Krott hat mit dem HSE Man­ag­er des Nord Stream Pro­jek­tes, Chris Pre­ston, über die Durch­führung des Arbeits- und Gesund­heitss­chutzes bei diesem Pro­jekt gesprochen.
Herr Pre­ston, für ein Pro­jekt wie dieses ist eine effek­tive Arbeitss­chut­zor­gan­i­sa­tion abso­lut notwendig. Wie ist diese bei Nord Stream aufge­baut?
Chris Pre­ston: Der HSE Man­ag­er berichtet direkt an den Geschäfts­führen­den Direk­tor der Nord Stream AG. Die Arbeitss­chutz­abteilung selb­st beste­ht aus dem HSE Man­ag­er, seinem Vertreter, sowie der jew­eili­gen HSE Site Man­ag­er und weit­eren Fachkräften für Arbeitssicher­heit. Außer­dem gehören zu unser­er Abteilung noch Fachkräfte aus dem Umwelt­bere­ich, die sich für die Ein­führung und Unter­hal­tung des Umwelt- und Sozial­man­age­mentsys­tems ver­ant­wortlich zeich­nen. Diese Kol­le­gen bericht­en direkt an den Man­ag­er für Genehmi­gungsver­fahren, allerd­ings gibt es auch eine enge Verbindung zum HSE Man­ag­er. Wir alle arbeit­en im Rah­men unseres über­ge­ord­neten HSES Man­age­ment Sys­tems. (Anmerkung der Red.: Health, Safe­ty, Envi­ron­ment, Secu­ri­ty).
Sicher­lich wurde HSE bere­its in der Pla­nungsphase des Pro­jek­tes involviert.
Ja, das ist richtig. Die Pla­nungsphase umfasste das Genehmi­gungsver­fahren, im Speziellen die Durch­führung der Umweltverträglichkeit­s­analy­sen, die Entwurf­s­pla­nung, die Off­shore-Unter­suchun­gen und die Auswahl und Beauf­tra­gung der Her­stel­lungs- und Kon­struk­tions­di­en­stleitun­gen. In all diesen Phasen war HSE involviert, vor allem in der Überwachung der Arbeit­en der Umweltin­ge­nieure und Inge­nieurs­di­en­stleis­ter sowie bei der Fest­set­zung der ver­traglich einzuhal­tenden HSE Stan­dards für die Off­shore-Tätigkeit­en, Kon­struk­tion­sar­beit­en und Her­stel­lung der Pipeline.
Welche sind Ihrer Mei­n­ung nach die größten Her­aus­forderun­gen in Bezug auf HSE bei einem solchen Pro­jekt?
In Bezug auf den Arbeitss­chutz stellen die Baustellen an Land eine weitaus größere Her­aus­forderung da als die Aktiv­itäten auf See. Die Ver­legeschiffe, auf denen die Pipelinestücke geladen sind und zusam­mengeschweißt wer­den, arbeit­en in einem hal­bau­toma­tis­chen Ver­fahren und die involvierten Tech­niker sind alle sehr gut aus­ge­bildet und erfahren – ins­ge­samt wer­den bis zu 325 Schweißnähte pro Tag erstellt und der Prozess wurde ein ganzes Jahr lang nahezu ohne Unter­brechung aus­ge­führt. Die Baustellen an Land und das Her­anziehen der Pipeline auf den Strand benöti­gen eine große Menge an schw­erem Mate­r­i­al und eine großen Anzahl an Arbeit­skräften. Hinzu kom­men die üblichen Her­aus­forderun­gen ein­er Baustelle mit all den unter­schiedlichen Gew­erken. Eine spezielle Her­aus­forderung war allerd­ings das Zusam­men­schweißen der einzel­nen Sek­tio­nen der Pipeline unter Wass­er auf dem Meeres­grund. Dazu war die genaue Aus­rich­tung der Pipeli­neen­den notwendig, sowie die Her­stel­lung ein­er trock­e­nen Umge­bung, sodass die Schweißar­beit­en sich­er in ein­er Tiefe von 80 bis 110 Metern von Tauch­ern aus­ge­führt wer­den kon­nten. Wie mit allen Tauchar­beit­en gibt es hier abso­lut keinen Raum für Fehler, da dies ern­sthafte Kon­se­quen­zen mit sich brin­gen würde.
Die Pipeline verbindet Rus­s­land mit Deutsch­land und ver­läuft durch die Wirtschaft­szo­nen von Finn­land, Schwe­den und Däne­mark. Wie stellen Sie sich­er, dass die HSE Stan­dards der einzel­nen Län­der einge­hal­ten wer­den?
Die HSE Stan­dards der Nord Stream AG sind so aus­gelegt, dass sie die eige­nen Stan­dards einiger Län­der in mancher­lei Hin­sicht übertr­e­f­fen. Fremd­fir­men wer­den danach aus­ge­sucht, ob sie in der Lage sind diese Stan­dards und den Stand der Tech­nik zu erfüllen, auch wenn diese höher sind als vom Gesetz gefordert. Obwohl Geset­ze vorhan­den sind, die beschreiben, wie Tätigkeit­en sicher­heits­gerecht aus­ge­führt wer­den müssen, stützt sich diese Geset­zge­bung in den meis­ten Fällen auf die Bew­er­tung des Risikos ein­er Tätigkeit und fordert von den einzel­nen Gew­erken jegliche Maß­nah­men zu tre­f­fen, die das Risiko der Tätigkeit auf ein akzept­a­bles Maß reduzieren.
In ver­schiede­nen Län­dern tätig zu wer­den heißt auch, mit ver­schiede­nen Behör­den und Organ­i­sa­tio­nen zusam­men­zuar­beit­en. Wie sieht diese Zusam­me­nar­beit aus?
Während der Durch­führung der Umweltverträglichkeitsstu­di­en und Umwelt­stan­dards für die Pipeline­trasse in jedem Land haben wir über Jahre eng mit den einzel­nen Behör­den und Organ­i­sa­tio­nen zusam­mengear­beit­et. Das Nord Stream-Pro­jekt erfüllt die Reg­u­lar­ien der Espoo-Kon­ven­tion (UNECE Con­ven­tion on Envi­ron­men­tal Impact Assess­ment in a Trans­bound­ary Con­text). Eben­so wur­den zahlre­iche öffentliche Anhörun­gen durchge­führt auch in Staat­en, die von der Pipeline­trasse nicht direkt betrof­fen sind.
Wie haben Sie die unter­schiedlichen Natio­nen inner­halb der Belegschaften gehand­habt?
Stan­dards sind Stan­dards! … und diese wer­den auf der ver­traglichen Ebene fest­ge­set­zt. Obwohl die Pipeline fünf Län­der umspan­nt und Arbeit­er aus weit mehr Natio­nen beschäftigt, wen­den wir über­all die gle­ichen Stan­dards an. Allerd­ings sehen wir auch, dass ins­beson­dere auf der Ebene der Nachunternehmer, es manch­mal mehr Anstren­gung benötigt, diese Stan­dards umzuset­zen. Dies unter­stützen wir durch entsprechende Unter­weisun­gen, Ein­weisun­gen und die Zurver­fü­gung­stel­lung von Mate­r­i­al und Aus­rüs­tung. Das ist allerd­ings auch der Grund dafür, warum wir unsere eige­nen Bege­hun­gen und Audits dort durch­führen wo wir denken, dass die Her­aus­forderun­gen für Kon­trak­toren die Stan­dards umzuset­zen am größten sind.
Lassen Sie uns kurz über die Arbeits- und Umweltschutzkenn­zahlen sprechen. Welche haben Sie für das Pro­jekt definiert?
In Bezug auf den Umweltschutz beziehen sich die Kenn­zahlen auf die Werte in den Umweltverträglichkeitsstu­di­en, die nicht übertrof­fen wer­den dür­fen und von den Behör­den bewil­ligt wur­den. Bezüglich des Arbeitss­chutzes ver­wen­den wir die Kenn­zahlen, die inter­na­tion­al üblich sind, wie zum Beispiel die Aus­fal­lzeit­en­rate oder die Unfallschwere. Wir messen auch die Anzahl der Ver­stöße gegen Stan­dards in dem wir Audits und Bege­hun­gen durch­führen und haben Mess­werte etabliert, wie die Anzahl von Unter­weisun­gen, Umset­zung von Verbesserungs­maß­nah­men in Bezug auf Sicher­heit und die Schwere von Beina­he­un­fällen.
Bei all den manuellen Tätigkeit­en, die bei dem Pro­jekt involviert sind, nehme ich an, dass der größte Anteil der Ver­let­zun­gen der Gruppe der „Hand‑, Arm- und Fin­gerver­let­zun­gen“ zuzuord­nen ist?
Für gewöhn­lich ist das der Fall. Aber in Bezug auf unsere Tätigkeit­en sind Ver­let­zun­gen durch Fall­en, Stürzen und Aus­rutschen die Haupt­gruppe, wie man auf Baustellen eigentlich auch erwarten würde. Auf den Baustellen der Lan­dan­bindun­gen gilt unsere größte Sorge den Beina­he­un­fällen während der An- und Abreise zu und von den Baustellen. Bei­de Baustellen haben im Win­ter mit schwieri­gen Wet­ter­ver­hält­nis­sen zu kämpfen.
Wie stellen Sie sich­er, dass Arbeits- und Gesund­heitss­chutz­maß­nah­men zur Ver­mei­dung von Unfällen und Schadensereignis­sen auch berück­sichtigt wer­den?
Wir haben auf den einzel­nen Baustellen per­ma­nent HSE Man­ag­er vor Ort, die für die Sicher­heit und die Umset­zung der Stan­dards ver­ant­wortlich sind. Off­shore und an den Pro­duk­tion­s­stan­dorten find­en regelmäßig Audits statt. Außer­dem haben auf allen Schif­f­en und den Pro­duk­tions- und Baustellen Vertreter der Nord Stream AG eben­falls die Ver­ant­wor­tung, dass die Arbeit­en sicher­heits­gerecht aus­ge­führt und Unfälle sowie Abwe­ichun­gen ein­wand­frei berichtet wer­den. Unsere Haup­tkon­trak­toren haben eigene Audit- und Bege­hung­spro­gramme, die von den jew­eili­gen Fachkräften für Arbeitssicher­heit durchge­führt wer­den.
Wie stellen Sie den kon­tinuier­lichen Verbesserung­sprozess sich­er?
Von unseren Haup­tkon­trak­toren ver­lan­gen wir die Ein­führung eines HSE-Plans für ihre Tätigkeit­en. Ein Ele­ment dieser HSE-Pläne ist, Fehler zu analysieren und entsprechende Verbesserun­gen daraus abzuleit­en. Diese Verbesserun­gen wer­den von uns sehr genau beobachtet. Eben­so wird das Abstellen von Abwe­ichun­gen und Fest­stel­lun­gen aus Audits und Bege­hun­gen von uns nachver­fol­gt. Die Verbesserun­gen wer­den zudem inner­halb des ganzen Pro­jek­tes bekan­nt gemacht.
Sie sprachen ger­ade die Verbesserun­gen an. Was haben Sie während des Baus der ersten Pipeline gel­ernt und was wer­den Sie bei der zweit­en Pipeline anders machen?
Auf der einen Seite sind die bei­den Pipelines nicht ver­schieden, da der Her­stel­lung­sprozess und die beauf­tragten Kon­trak­toren die gle­ichen sind. Bei der ersten Pipeline wurde deut­lich, dass obwohl die Anzahl der Ver­let­zun­gen niedrig war, eine beun­ruhi­gende Anzahl von Beina­he­un­fällen mit hoher Ver­let­zungswahrschein­lichkeit zu verze­ich­nen war. Dementsprechend wer­den wir sich­er­stellen, dass diese Ereignisse noch genauer berichtet, unter­sucht und abgestellt wer­den. Darauf wer­den wir tat­säch­lich hohen Wert leg­en. Wir kön­nen uns nicht leis­ten, selb­st­ge­fäl­lig zu wer­den, denn wir haben immer­hin noch sechs Monate Bautätigkeit vor uns.
Wie unter­weisen Sie die Arbeit­skräfte und wie stellen Sie sich­er, dass alle Mitar­beit­er kom­pe­tent und für ihre Tätigkeit­en erfahren genug sind?
Die Unter­weisun­gen wer­den von uns und von den Kon­trak­toren durchge­führt. Unsere Unter­weisun­gen sind dabei eher auf die all­ge­meinen HSE Stan­dards bezo­gen, während die Unter­weisun­gen der Kon­trak­toren speziell auf die jew­eili­gen Tätigkeit­en aus­gelegt sind. Die Voraus­set­zun­gen in Bezug auf die Qual­i­fizierung und Aus­bil­dung sind in den jew­eili­gen Verträ­gen definiert und wer­den im Rah­men von Audits über­prüft. Für manche Tätigkeit­en, ins­beson­dere für Off­shore-Arbeit­en, gibt es Anforderun­gen an die Qual­ität, die von der Indus­trie sel­ber fest­ge­set­zt wor­den sind und inter­na­tion­al von Organ­i­sa­tio­nen wie IMCA (Anmerkung des Autors: Inter­na­tion­al Marine Con­trac­tors Asso­ci­a­tion) akzep­tiert wer­den. Obwohl die Ost­see nicht haupt­säch­lich ein Öl- und Gas­ge­bi­et ist, haben wir solche Stan­dards für unser Pro­jekt über­nom­men, die in der Nord­see gel­ten.
Neben der Arbeitssicher­heit ist auch die Sich­er­stel­lung der Pro­duk­tqual­ität ein sehr wichtiger Punkt. Wie stellen sie diese sich­er und wie führen Sie die Qual­ität­skon­trolle durch?
Die Qual­itätssicherung wird von ein­er sep­a­rat­en Abteilung durchge­führt. Zu diesem Zweck wurde ein eigen­ständi­ges Qual­itäts­man­age­mentsys­tem einge­führt. Das Pro­jekt unter­liegt einem dreistu­fi­gen Qual­itätssys­tem mit den höch­sten Prüf­s­tan­dards. Alle Proze­duren wer­den von DNV (Anmerkung des Autors: Det Norske Ver­i­tas) gemäß dem Stan­dard DNV-OSS-301 über die Zer­ti­fizierung und Begutach­tung von Pipelines überwacht. Kon­trak­toren, Her­steller und Liefer­an­ten die mit Nord Stream zusam­me­nar­beit­en wer­den in erster Lin­ie begutachtet. Zusät­zlich wer­den auf der zweit­en Ebene alle kri­tis­chen Liefer­an­ten und Kon­trak­toren laufend von Nord Stream Inspek­toren überwacht. In einem drit­ten Schritt, führen unab­hängige externe Fach­leute die Zer­ti­fizierung durch, was bedeutet, dass diese zum Beispiel Prüfver­fahren, Prüfer­geb­nisse oder Qual­i­fika­tion­san­forderun­gen an Kon­trak­toren überwachen und bew­erten. Der let­zte Schritt zur Sich­er­stel­lung der Qual­ität wird durch DNV, Ros­tch­nad­zor und dem SGS-TÜV im Namen der jew­eili­gen nationalen Behör­den durchge­führt, die die Genehmi­gung zum Bau und Betrieb der Pipeline im Ein­klang mit den Stan­dards erteilt haben.
Sicher­lich wur­den Sie im Vor­feld auch in die sicher­heits­gerechte Kon­struk­tion der Pipeline im Zuge von HAZOPS und HAZIDS einge­bun­den.
Ja, wir waren in allen Phasen der Entwick­lung der Pipeline direkt einge­bun­den und auch in zweit­er Lin­ie als Beobachter bzw. Teil­nehmer an HAZOPs und HAZIDs im Zuge der Kon­struk­tion durch die Her­steller. Wir wur­den eben­so in die Beurteilung der Gefährdun­gen der Tätigkeit­en der Kon­trak­toren einge­bun­den.
Wie stellen sie den Kon­takt zu den einzel­nen Baustellen sich­er?
Haupt­säch­lich durch den direk­ten Kon­takt mit den Vertretern der einzel­nen Gew­erke und den HSE Man­agern auf den einzel­nen Baustellen. Außer­dem wer­den durch mich und meinen Vertreter regelmäßig Baustel­len­bege­hun­gen durchge­führt.
Was machen Sie, wenn es zu einem Not­fall auf den Baustellen an Land aber auch auf dem Wass­er kommt?
Das Baustel­len­man­age­ment an Land und der Kapitän eines Schiffes Off­shore hal­ten Not­fallpläne vor und übernehmen die Koor­di­na­tion in der jew­eili­gen Sit­u­a­tion. Sie bekom­men Unter­stützung der jew­eili­gen Behör­den in Bezug auf die Bekämp­fung von Brän­den, medi­zinis­ch­er Not­fal­lver­sorgung und Seenotret­tung. Nord Stream hat rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche ein Not­fall­team in der Hauptver­wal­tung in der Schweiz in Bere­itschaft um im Not­fall koor­di­na­tiv Unter­stützung zu leis­ten. Wir führen zahlre­iche Not­fal­lübun­gen durch und unter­weisen das Per­son­al in Sim­u­la­tion­sübun­gen. Wir hat­ten eine Rei­he von medi­zinis­chen Evakuierun­gen von Off­shore Stan­dorten auf­grund von Krankheit­en einzel­ner Mitar­beit­er, und diese haben bewiesen, dass zum Beispiel unsere Hub­schraubere­in­sätze sehr effek­tiv sind, auch in Fällen, wo die Geset­zbarkeit des jew­eili­gen Lan­des berück­sichtigt wer­den musste.
Wie wür­den Sie die Arbeitss­chut­zor­gan­i­sa­tion auf einem Schiff beschreiben?
Nehmen wir als Beispiel ein Pipelin­ev­er­legeschiff, wie wir es im Pro­jekt ein­set­zen, obwohl wir noch eine ganze Rei­he weit­er­er Schiffe ver­wen­den, so hat der Betreiber zu jed­er Zeit eine Sicher­heits­fachkraft an Bord, sodass der Arbeitss­chutz ständig überwacht wird. Diese Fachkräfte für Arbeitssicher­heit sind eben­falls in der Ver­wal­tung der Arbeit­ser­laub­niss­cheine einge­bun­den und führen Arbeitss­chutzun­ter­weisun­gen der Schiff­s­man­nschaft, typ­is­cher­weise 325 Per­so­n­en, durch. Es befind­et sich eben­falls ein Arzt an Bord. Viele der Mit­glieder der Schiffs­be­satzung haben ihrer­seits spezielle sicher­heit­srel­e­vante Aus­bil­dun­gen durch­laufen, wie zum Beispiel Löschen von Brän­den und Erste Hil­fe. Die Sicher­heits­fachkräfte auf den Schif­f­en wer­den vom Arbeitss­chutzper­son­al an Land im Rah­men von Unter­weisun­gen, Bege­hun­gen, Unfal­lun­ter­suchun­gen und Audits unter­stützt. Diese wer­den wiederum von den Fachkräften für Arbeitssicher­heit der Schiffs­be­treiber unter­stützt.
Die stren­gen Sicher­heits­maß­nah­men beim der Ver­legung der Nord Stream Pipeline haben dafür gesorgt, dass es bish­er zu keinem nen­nenswerten Schaden für Men­sch und Umwelt gekom­men ist. In Anbe­tra­cht der Größe des Pro­jek­tes und der großen Anzahl an Arbeit­ern aus ein­er Vielzahl unter­schiedlich­er Natio­nen kann das dur­chaus als her­vor­ra­gende Leis­tung gew­ertet wer­den. Und es bleibt zu hof­fen, dass auch die Ver­legung der zweit­en Pipeline unfall­frei bleibt und eben­so erfol­gre­ich wie die erste in Betrieb genom­men wer­den kann.
Dipl.-Ing. Sicher­heit­stech­nik Patrick Krott (links) nach dem Gespräch mit Chris Pre­ston, HSE Man­ag­er des Nord Stream Pro­jek­tes. patrick.krott@martrick.de
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