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Gefahr­stoffe rich­tig lagern

TRGS 510
Gefahr­stoffe rich­tig lagern

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Im Sommer 2010 wurde die Aktua­li­sie­rung der Tech­ni­schen Regel für Gefahr­stoffe „Lage­rung von Gefahr­stof­fen in orts­be­weg­li­chen Behäl­tern“ (TRGS 510) abge­schlos­sen. Der erste Anlauf zu einer Harmo­ni­sie­rung von Gefahr­stoff­la­ger­vor­schrif­ten wurde 1994 unter­nom­men. Damals wurde bereits nach drei Sitzun­gen kapi­tu­liert. Im Jahr 2005 versuchte man es erneut, und hat die Arbei­ten nun nach fünf Jahren been­det.

Dr. Norbert Müller

Die TRGS 510 hat einen Umfang von 70 Seiten und ersetzt
  • die beiden Tech­ni­schen Regeln für Gefahr­stoffe „Lagern von sehr gifti­gen und gifti­gen Stof­fen“ (TRGS 514) und „Lagern von brand­för­dern­den Stof­fen“ (TRGS 515)
  • die die Lage­rung in orts­be­weg­li­chen Behäl­tern betref­fen­den Abschnitte aus den Tech­ni­schen Regeln Druck­gase „Druck­gas­be­häl­ter“ (TRG 280), „Druck­gas­pa­ckun­gen“ (TRG 300) und „Druck­gas­kar­tu­schen“ (TRG 301) und aus der Tech­ni­schen Regel für brenn­bare Flüs­sig­kei­ten „Läger“ (TRbF 20)
  • den Leit­fa­den für die Zusam­men­la­ge­rung von Chemi­ka­lien des VCI; damit schafft das Lagerklassen(LGK)-Konzept nach zwan­zig Jahren den Sprung von einer Verbands­emp­feh­lung in eine Tech­ni­sche Regel.
Nicht aufge­ho­ben wurde die Tech­ni­sche Regel für Gefahr­stoffe „Lage­rung von Ammo­ni­um­ni­trat und ‑halti­gen Zube­rei­tun­gen“ (TRGS 511); sie gilt unver­än­dert weiter.

Was muss der Arbeit­ge­ber beach­ten?

Der Arbeit­ge­ber hat bei der Lage­rung von Gefahr­stof­fen in orts­be­weg­li­chen Behäl­tern vorran­gig die neue TRGS 510 zu beach­ten. Bei Einhal­tung der TRGS 510 ist i.d.R. davon auszu­ge­hen, dass die Anfor­de­run­gen der GefStoffV erfüllt sind („Vermu­tungs­wir­kung“). Von der TRGS 510 kann abge­wi­chen werden, wenn durch andere Maßnah­men zumin­dest in vergleich­ba­rer Weise der Schutz der Gesund­heit und die Sicher­heit der Beschäf­tig­ten gewähr­leis­tet wird; das ist dann aber in der Doku­men­ta­tion der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung zu begrün­den.
Die TRGS 510 besteht aus zwölf Kapi­teln und neun Anla­gen. Die Kapi­tel 1 bis 4 und 7 und die Anla­gen 1, 4, 5 und 9 gelten für alle Gefahr­stoffe, die Kapi­tel 5, 6 und 8 bis 12 und die Anla­gen 2, 3 und 6 bis 8 gelten nur für beson­dere Gefahr­stoff­kat­e­go­rien, z.T. noch­mals abhän­gig von der Über­schrei­tung bestimm­ter Lager­men­gen. Das System ist somit – gelinde gesagt – sehr diffe­ren­ziert. Die Anfor­de­run­gen der TRGS 514 galten für sehr giftige Stoffe und Zube­rei­tun­gen, wenn mehr als 50 kg netto gela­gert wurden, und die Anfor­de­run­gen der TRGS 514 und 515 galten für giftige und brand­för­dernde Stoffe und Zube­rei­tun­gen, wenn mehr als 200 kg netto gela­gert wurden.

In Ergän­zung der TRGS 510

  • sind in Arbeit neue Tech­ni­sche Regeln für Gefahr­stoffe „Lage­rung von Gefahr­stof­fen in orts­fes­ten Behäl­tern“ (TRGS 5XY),
  • Explo­siv­stoffe und pyro­tech­ni­sche Gegen­stände“ (TRGS 5XY) (für diese Stoffe und Gegen­stände gelten zumin­dest z.Z. vorran­gig die 2. SprengV und die Spren­gLR), „Orga­ni­sche Peroxide“ (TRGS 741, Nach­fol­ge­rin der BGV B4; Fertig­stel­lung 2011) und „Brand­schutz“ (TRGS 800; Veröf­fent­li­chung 2011)
  • ist die Tech­ni­sche Regel für Gefahr­stoffe „Sammel­stel­len für Abfälle“ (TRGS 520) in Über­ar­bei­tung, die ja auch Rege­lun­gen für Läger enthält.
Im Folgen­den werden Erläu­te­run­gen – insbe­son­dere zu Sach­ver­hal­ten, die gegen­über dem bishe­ri­gen Gefahr­stoff­la­ger­recht geän­dert wurden – aufge­zeigt:
zu Kapi­tel 1 – Anwen­dungs­be­reich:
Die TRGS 510 gilt für das Lagern von Gefahr­stof­fen in orts­be­weg­li­chen Behäl­tern, also nicht in orts­fes­ten Behäl­tern (Tanks, Silos) oder ohne Behäl­ter (lose Schüt­tung). Sie gilt ferner nicht für das Lagern von
  • explo­si­ons­ge­fähr­li­chen Stof­fen
  • Ammo­ni­um­ni­trat und ‑halti­gen Zube­rei­tun­gen
  • orga­ni­schen Peroxi­den
  • anste­ckungs­ge­fähr­li­chen Stof­fen
  • radio­ak­ti­ven Stof­fen,
mit der Ausnahme, dass diese fünf Kate­go­rien in das LGK-Konzept und damit in die Zusam­men­la­ger­ver­bote des Kapi­tels 7 mit einbe­zo­gen sind.
zu Kapi­tel 2 – Begriffs­be­stim­mun­gen:
Wich­tig ist die Abgren­zung der Begriffe Lager, Lager­ab­schnitt und Lager­be­reich. Als Lager­ab­schnitt gilt, was gegen­ein­an­der durch F 30– bzw. F 90-Wände abge­trennt ist. Ein Lager­be­reich ist eine Fläche in einem Lager­ab­schnitt. Die Zusam­men­la­ger­ver­bote bezie­hen sich auf den Lager­ab­schnitt (siehe Kapi­tel 7), Lager­be­rei­che sind zu kenn­zeich­nen.
Orts­be­weg­li­che Behäl­ter umfas­sen Verpa­ckun­gen (z.B. Kanis­ter, Fässer, Kisten, Säcke, Druck­gas­fla­schen), Groß­pack­mit­tel (IBC), Groß­ver­pa­ckun­gen (LP) und Tank­con­tai­ner bzw. orts­be­weg­li­che Tanks. Damit gilt die TRGS 510 z.B. auch für Tank­con­tai­ner­la­ger.
zu Kapi­tel 3 – Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung:
Hier und in der Anlage 1 werden die Para­gra­fen 6 und 11 der GefStoffV spezi­fi­ziert.
zu Kapi­tel 4 – Allge­meine Maßnah­men für alle Gefahr­stoffe:
Über­wie­gend werden hier Vorga­ben der GefStoffV aufge­nom­men und spezi­fi­ziert. Folgen­des ist neu:
„Lage­rung nicht in unmit­tel­ba­rer Nähe von Arznei‑, Lebens- und Futter­mit­teln einschließ­lich deren Zusatz­stoffe“, das bedeu­tet:
für gefähr­li­che Stoffe/Zubereitungen, die mit dem „Toten­kopf­sym­bol“ gekenn­zeich­net sind ist die Zusam­men­la­ge­rung im selben Lager­ab­schnitt verbo­ten.
für alle ande­ren gefähr­li­chen Stoffe/Zubereitungen gilt ein hori­zon­ta­ler Abstand von mindes­tens zwei Metern – ein verti­ka­ler Mindest­ab­stand wurde nicht bestimmt.
Die Kenn­zeich­nung der Lager­be­rei­che (Womit?).
Für jeden Lager­ab­schnitt ist die max. Lager­menge fest­zu­le­gen.
Das Verbot des Kommis­sio­nie­rens in einer Höhe von mehr als 4 m für brenn­bare Flüs­sig­kei­ten, sehr giftige, giftige und brand­för­dernde Stoffe/Zubereitungen wurde gestri­chen.
zu Kapi­tel 5 – Ergän­zende Maßnah­men für spezi­elle Gefahr­stoffe:
Im Wesent­li­chen nichts Neues.
zu Kapi­tel 6 – Maßnah­men zum Brand­schutz:
Im Wesent­li­chen nichts Neues.
zu Kapi­tel 7 – Zusam­men­la­ge­rung:
Hier­bei handelt es sich um den aktua­li­sier­ten Leit­fa­den für die Zusam­men­la­ge­rung von Chemi­ka­lien des VCI vom Mai 2007. Folgen­des ist neu:
  • Ände­run­gen bei der Ermitt­lung der LGK wie folgt (siehe Tab. 1):
  • Ände­run­gen bei der Vorrang­re­ge­lung wie folgt:
6.2—1 → 7 –6.2 → 1 –7 →2A2B2B2A → 4.2 → 4.3 → 4.1A → 4 –.1–B–5.2 → 5–.24—.1B → 5.–1A—5.1C → 5.—1C—5.1A → 5.1B → 3 → 6.1A/B → 6.1C/D → 8A/B → 10/11/12/13.
  • Einige klei­nere Ände­run­gen in der Zusam­men­la­ger­ver­bots­ta­belle (siehe Tabelle 2). Was bislang verbo­ten war, bleibt verbo­ten, was bislang erlaubt war, bleibt erlaubt.1) Die Kodi­fi­zie­rung des VCI-Zusammenlagerungsleitfadens in Form der TRGS 510 wird erfah­rungs­ge­mäß viele Lager­hal­ter über­for­dern. Die Begrün­dung dafür resul­tiert aus folgen­den Aspek­ten:
  • Entge­gen dem „Wunsch“ in der BekGS 220 steht die LGK über­wie­gend nicht im Sicher­heits­da­ten­blatt. Zur Anwen­dung der Matrix (siehe Tabelle 2) muss der Lager­be­trei­ber sie dann selbst ermit­teln, was aufwän­dig ist.2)
  • Schwach giftige Stoffe (Gefahr­zet­tel Muster Nummer 6.1 Verpa­ckungs­gruppe III) dürfen nicht mehr wie bisher den LGK 10 bis 13, sondern müssen neu den neuen LGK 6.1C bzw. 6.1D zuge­ord­net werden. Das löst für die Ermitt­lung der LGK bei den Stof­fen der Klasse 8 das folgende Problem aus:
  • Stoffe der Klasse 8 Verpa­ckungs­gruppe I können neben­ge­fähr­lich sehr giftig oder giftig ( → LGK 6.1A/B) oder schwach giftig ( → LGK 6.1C/D) sein (vgl. Unter­ab­schnitt 2.1.3.10 ADR); somit ist eine eindeu­tige Zuord­nung von „8 (6.1) I“ zu einer LGK nicht möglich ( → LGK 6.1A/B/C/D).
  • Stoffe der Klasse 8 Verpa­ckungs­gruppe II können neben­ge­fähr­lich giftig ( → LGK 6.1A/B) oder schwach giftig ( → LGK 6.1C/D) sein (vgl. Unter­ab­schnitt 2.1.3.10 ADR); somit ist auch eine eindeu­tige Zuord­nung von „8 (6.1) II“ zu einer LGK nicht möglich ( →LGK 6.1A/B/C/D).
  • Stoffe der Klasse 8 Verpa­ckungs­gruppe III können neben­ge­fähr­lich nur schwach giftig sein (vgl. Unter­ab­schnitt 2.1.3.10 ADR); somit ist eine eindeu­tige Zuord­nung von „8 (6.1) III“ zur LGK 6.1C/D möglich.
  • Unklar ist nach wie vor die Abgren­zung zwischen den LGK 6.1A/6.1B, 6.1C/6.1D und 8A/8B bei Flüs­sig­kei­ten: Ab welchem Flamm­punkt gilt eine Flüs­sig­keit als „nicht brenn­bar“, also „B“ bzw. „D“? Diese Frage wurde und wird nicht beant­wor­tet.
  • Der Lager­be­trei­ber muss Ände­run­gen der gefahr­gut­recht­li­chen Einstu­fung verfol­gen und auswer­ten. Beispiele: Die UN 1810 Phos­phor­oxychlo­rid, UN 1834 Sulfu­r­yl­chlo­rid und UN 1838 Titan­te­tra­chlo­rid sind gemäß ADR 2009 Klasse 8 ohne Neben­ge­fahr = LGK 8B, gemäß ADR 2011 Klasse 6.1 Verpa­ckungs­gruppe I mit Neben­ge­fahr 8 = LGK 6.1B. Das löst andere Zusam­men­la­ger­ver­bote aus.
Neu ist, dass die Zusam­men­la­ger­ver­bote nicht gelten, wenn sich die Gefahr­stoffe in Tank­con­tai­nern und auf einem abge­schlos­se­nen Werks­ge­lände (z.B. Contai­ner­ter­mi­nal) befin­den und die Lager­dauer höchs­tens drei Monate beträgt. Für Fracht­con­tai­ner bleibt es bei der auch schon bisher bestehen­den Rege­lung: Fracht­con­tai­ner gelten als nicht zusam­men gela­gert, wenn sie nicht über­ein­an­der bzw. hori­zon­tal min. 0,5 m ausein­an­der stehen.
zu Kapi­tel 8 – Ergän­zende Maßnah­men bei akut toxi­schen Flüs­sig­kei­ten und Fest­stof­fen:
Im Wesent­li­chen nichts Neues.
zu Kapi­tel 9 – Ergän­zende Maßnah­men bei oxidie­ren­den Flüs­sig­kei­ten und Fest­stof­fen:
Im Wesent­li­chen nichts Neues.
zu Kapi­tel 10 – Ergän­zende Maßnah­men bei Gasen (in Behäl­tern wie Flaschen und Fässern):
Ursprüng­lich war eine TRBS 3145 geplant, zu der es dann aber doch nicht kam. Folgen­des ist neu:
  • Ausrei­chende Be-/Entlüftung des Lager­raums: gemäß TRG 280: > 0 kg; gemäß TRGS 510: > 5 Druck­gas­be­häl­tern je Lager­raum.
  • Zusam­men­la­ger­ver­bote: gemäß TRG 280: > 0 kg; gemäß TRGS 510: > 200 kg netto je Lager­ab­schnitt.
  • Bei gifti­gen Gasen: > 0 kg: Gaswarn­an­lage.
zu Kapi­tel 11 – Ergän­zende Maßnah­men bei Aero­sol­pa­ckun­gen und Druck­gas­kar­tu­schen:
Im Wesent­li­chen nichts Neues.
zu Kapi­tel 12 – Ergän­zende Maßnah­men bei entzünd­ba­ren Flüs­sig­kei­ten:
Folgen­des ist neu:
  • Eine feuer­be­stän­dige („F 90“) Abtren­nung von angren­zen­den Räumen wird jetzt nicht mehr bereits ab 0 Liter Lager­menge verlangt, sondern erst ab 10.000 Liter. Statt­des­sen wird eine feuer­hem­mende („F 30“) Abtren­nung von angren­zen­den Räumen ab 0 Liter Lager­menge verlangt.
  • Die Be-/Entlüftung des Lager­raums und die Zusam­men­la­ger­ver­bote werden jetzt nicht mehr erst ab 450 Liter (VbF A I) bzw. 3.000 Liter (VbF A II, VbF B) verlangt, sondern bereits ab 200 kg netto.
  • Ein Auffang­raum wurde bislang bei einer Lager­menge von mehr als 450 Liter verlangt; neu sind es 200 kg netto. Die TRGS 510 verzich­tet auf einen Auffang­raum, wenn die Trans­port­be­häl­ter keine Öffnun­gen unter­halb des Flüs­sig­keits­spie­gels haben. Kanis­ter und Fässer brau­chen also gemäß TRGS 510 nicht in einem Auffang­raum (z.B. auf einer Auffang­wanne) gela­gert zu werden, Groß­pack­mit­tel (IBC) mit Boden­ven­til hinge­gen schon. Da das Wasser­recht aber grund­sätz­lich eine Auffang­wanne verlangt (unab­hän­gig davon, ob die Trans­port­be­häl­ter Öffnun­gen unter­halb des Flüs­sig­keits­spie­gels haben oder nicht), und Flüs­sig­kei­ten mit einem Flamm­punkt < 60 °C immer wasser­ge­fähr­dend sind, läuft diese neue, sicher gut gemeinte Befrei­ung in der Praxis in die Leere.
  • Leere, unge­rei­nigte Trans­port­be­häl­ter brauch­ten bislang nur mit 0,5 % ihres Raum­in­halts berech­net zu werden. Bsp.: Leerer unge­rei­nig­ter 1000 l‑IBC: 5 l. Nun ist die tatsäch­li­che Rest­menge maßge­bend.
  • Mit der TRGS 510 sind die redu­zier­ten Anfor­de­run­gen an den Brand­schutz gemäß der „Hand­lungs­an­lei­tung zur Beur­tei­lung von über­wa­chungs­be­dürf­ti­gen Anla­gen nach § 1 (1) Satz 1 Nr. 4 Betr­SichV“ des LASI (LASI LV 44) für entzünd­li­che Flüs­sig­kei­ten (R 10), die wasser­lös­lich sind („VbF B II“) und eine gegen­über VbF A II deut­lich redu­zierte Brand­in­ten­si­tät haben, hinfäl­lig.
Arbeits­raum
Neu gere­gelt wurde das Thema „Lage­rung von Gefahr­stof­fen in Arbeits­räu­men“. Es geht also um die Aufbe­wah­rung von Gefahr­stof­fen in Arbeits­räu­men in einer mehr als für den Fort­gang der Arbeit („Hand­ge­brauch“) erfor­der­li­chen Menge, z.B. in Werk­stät­ten. Ein Arbeits­raum ist ein Raum, in dem Arbeits­plätze inner­halb von Gebäu­den dauer­haft einge­rich­tet sind (§ 2 (3) ArbStättV, Anlage 3 Nr. 1 (5) TRGS 510). Gefahr­stoffe dürfen in „Arbeits­räu­men“ nur „gela­gert“ werden, wenn die Lage­rung
  • mit dem Schutz der Beschäf­tig­ten verein­bar ist und
  • in beson­de­ren Einrich­tun­gen erfolgt, die dem Stand der Tech­nik entspre­chen (Nr. 1.5 (2) Anhang I GefStoffV, Nr. 4.2 (1) Ziffer 2 TRGS 510).
Es wird unter­schie­den zwischen der Lage­rung in Arbeits­räu­men von
  • a) Gasfla­schen
  • b) Spray­do­sen
  • c) entzünd­ba­ren Flüs­sig­kei­ten
  • d) brand­för­dern­den Stof­fen
  • e) Stof­fen, die mit dem Toten­kopf­sym­bol gekenn­zeich­net sind
  • f) sons­ti­gen Gefahr­stof­fen (außer explo­si­ons­ge­fähr­li­chen Stof­fen und orga­ni­schen Peroxi­den; hier gibt es beson­dere Rege­lun­gen in der 2. SprengV und der BGV B4; Bsp.: Airbag­mo­dule in Kfz-Werkstatt); dabei darf die Gesamt­net­to­masse aller in allen Arbeits­räu­men eines abge­schlos­se­nen Betriebs­ge­bäu­des gela­ger­ten Gefahr­stoffe 50 kg nicht über­stei­gen (Anlage 9 Nr. 1 (2) Ziffer 1 TRGS 510).
zu a) Lage­rung von Gasfla­schen in Arbeits­räu­men:
Die Lage­rung von Gasfla­schen in Arbeits­räu­men war bislang verbo­ten (Nr. 5.1.3 TRG 280); die TRGS 510 lässt dies hinge­gen zu. Hier muss unter­schie­den werden:
  • maxi­mal 50 kg netto: keine beson­de­ren Anfor­de­run­gen (Anlage 9 Nr. 1 (2) Ziffer 1 TRGS 510). Ausnahme: giftige Gase, dann muss der Raum über eine Gaswarn­an­lage verfü­gen (Nr. 10.2 (7) Ziffer 2 TRGS 510).
  • Mehr als 50 kg netto, aber maxi­mal 50 gefüllte Gasfla­schen: Entwe­der ist der Arbeits­raum belüf­tet (tech­nisch oder natür­lich), oder die Gasfla­schen befin­den sich in einem Sicher­heits­schrank gemäß EN 14470–2 (Nr. 10.2 (4) TRGS 510).
zu b) Lage­rung von Spray­do­sen in Arbeits­räu­men:
Die TRG 300 regelte das Thema nicht. In einem Arbeits­raum dürfen nun maxi­mal 50 Spray­do­sen bzw. maxi­mal 50 kg netto gela­gert werden, und zwar gilt bei
  • maxi­mal 5 l: keine beson­de­ren Anfor­de­run­gen.
  • 5 – 25 l: in einem Stahl­schrank; die Benut­zung eines Sicher­heits­schranks gemäß EN 14470–1 mit einer Feuer­wi­der­stands­fä­hig­keit von mindes­tens 15 Minu­ten wird empfoh­len.
  • 25 l – 50 kg netto: in einem Sicher­heits­schrank gemäß EN 14470–1.
(Anlage 9 Nr. 2 (5)+(6) TRGS 510)
zu c) Lage­rung von entzünd­ba­ren Flüs­sig­kei­ten in Arbeits­räu­men:
Flüs­sig­kei­ten mit dem Flamm­punkt < 55 °C dürfen in einem Arbeits­raum gela­gert werden in
  • zerbrech­li­chen Gefä­ßen (insbe­son­dere Glas) bis maxi­mal 1 l Einzel­fas­sungs­ver­mö­gen (in Labors bis maxi­mal 5 l Einzel­fas­sungs­raum, aber nur im Sicher­heits­schrank (Nr. 4.15.1 Sätze 3 und 4 TRGS 526))
  • nicht zerbrech­li­chen Behäl­tern (z.B. Flaschen oder Kanis­ter aus Metall oder Kunst­stoff) bis maxi­mal 5 l Einzel­fas­sungs­ver­mö­gen (in Labors bis maxi­mal 10 l Einzel­fas­sungs­raum, aber nur im Sicher­heits­schrank (Nr. 4.15.1 Sätze 3 und 4 TRGS 526)).
Die Behäl­ter müssen in eine Auffang­ein­rich­tung (z.B. Auffang­wanne) einge­stellt werden, die das gesamte Lager­vo­lu­men aufneh­men kann. Kann eine gefähr­li­che explo­si­ons­ge­fähr­li­che Atmo­sphäre nicht ausge­schlos­sen werden ( → Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung), müssen die Auffang­ein­rich­tun­gen elek­tro­sta­tisch ableit­fä­hig sein (was bei Auffang­wan­nen aus Kunst­stoff nicht geht).
Weiter gilt das folgende sechs­stu­fige Programm:
  • maxi­mal 5 l (je Arbeits­raum): keine beson­de­ren Anfor­de­run­gen.
  • 5 ‑20 l (je Arbeits­raum): in einem Stahl­schrank; die Benut­zung eines Sicher­heits­schranks gemäß EN 14470–1 mit einer Feuer­wi­der­stands­fä­hig­keit von mindes­tens 15 Minu­ten („FWF 15“) wird empfoh­len.
  • 20 l – 50 kg netto (je Arbeits­raum): in einem Sicher­heits­schrank gemäß EN 14470–1 mit einer FWF 15
  • 50 kg netto – 300 l (R 11+R 12) bzw. 500 l (R 10) (je Arbeits­raum) falls Arbeits­raum ohne auto­ma­ti­sche BMA/Feuerlöschanlage: Sicher­heits­schrank gemäß EN 14470–1 mit einer FWF 20
  • 50 kg netto – 500 l (R 11+R 12) bzw. 1000 l (R 10) (je Arbeits­raum) falls Arbeits­raum mit auto­ma­ti­scher BMA/Feuerlöschanlage): Sicher­heits­schrank gemäß EN 14470–1 mit einer FWF 20
  • bis maxi­mal 500 l (R 11+R 12) bzw. 4000 l (R 10) (je Arbeits­raum): Sicher­heits­schrank gemäß EN 14470–1 mit einer FWF 90.
(Anlage 9 Nr. 2 (1)-(3), Anlage 3 Nr. 3 (2)-(8) TRGS 510)
zu d) Lage­rung von brand­för­dern­den Stof­fen in Arbeits­räu­men:
Brand­för­dernde Stoffe dürfen grund­sätz­lich nicht in unmit­tel­ba­rer Nähe von
  • entzünd­ba­ren
  • akut toxi­schen
Stof­fen gela­gert werden (Anlage 9 Nr. 2 (7) TRGS 510).
zu e) Lage­rung von Stof­fen, die mit dem Toten­kopf­sym­bol gekenn­zeich­net sind, in Arbeits­räu­men:
Lage­rung
  • entwe­der unter Verschluss (z.B. in einem verschließ­ba­ren und verschlos­se­nen Schrank)
  • oder Zugang nur durch fach­kun­dige Perso­nen
(Anlage 9 Nr. 2 (8) TRGS 510).
zu a) bis f): Bei Lage­rung aller Gefahr­stoffe in Arbeits­räu­men muss der fach­kun­dige Gefähr­dungs­be­ur­tei­ler die folgen­den Fragen beant­wor­ten:
  • Beleuch­tung ausrei­chend?
  • Belüf­tung ausrei­chend?
  • Ist eine Verwechs­lung der Behäl­ter mit Behäl­tern für Lebens­mit­tel ausge­schlos­sen?
  • Verpa­ckun­gen fest verschlos­sen?
  • Verpa­ckun­gen rich­tig und voll­stän­dig gekenn­zeich­net?
  • Betriebs­an­wei­sung vorhan­den?
  • Unter­wei­sung durch­ge­führt?
  • Konsum von Nahrungs- und Genuss­mit­teln verbo­ten?
  • Gefahr­stoffe mit Toten­kopf­sym­bol nicht im selben Arbeits­raum mit Arznei‑, Lebens‑, Futter‑, Genuss­mit­teln und Kosme­tika gela­gert?
  • übrige Gefahr­stoffe: von Arznei‑, Lebens‑, Futter‑, Genuss­mit­teln und Kosme­tika im selben Arbeits­raum in einem hori­zon­ta­len Abstand von mindes­tens zwei Metern gela­gert?
(Anlage 9 Nr. 1 (3) TRGS 510)
Das alles ist in der Tabelle 3 über­sicht­lich zusam­men­ge­fasst.
Was tun?
Jeder, der Gefahr­stoffe lagert, sollte Ist und Soll (TRGS 510) verglei­chen, und zwar sofort: Eine Über­gangs­frist oder einen Bestands­schutz enthal­ten weder die GefStoffV noch die TRGS 510. Wer ganz oder teil­weise etwas anders machen will als in der TRGS 510 vorge­se­hen (z.B. bei den Zusam­men­la­ger­ver­bo­ten), muß es in der Doku­men­ta­tion der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung begrün­den. Nicht­be­ach­tung kann ordnungswidrigkeiten‑, straf- und zivil­recht­lich rele­vant werden.
Fazit
Mit der TRGS 510 liegt im Gefahr­stoff­recht erst­mals eine geschlos­sene Rege­lung für die Lage­rung von Gefahr­stof­fen fast aller Kate­go­rien vor, auch solcher, für die es bislang keine expli­zi­ten Vorschrif­ten gab. Beacht­lich ist die umfang­rei­che Neure­ge­lung der Lage­rung von Gefahr­stof­fen in Arbeits­räu­men. Die neue Rege­lung ist komplex und ihre Praxis­taug­lich­keit muss sie erst noch bewei­sen.
Weitere Infor­ma­tio­nen zum Thema unter:
Lite­ra­tur:
  • 1. Müller: Wand­ta­fel „Zusam­men­la­den und ‑lagern“, Verlag HüthigJehleRehm/ecomed, 4. Auflage 2010, ISBN 978–3–609–66788–1.
  • 2. Müller/Arenz: Sichere Lage­rung gefähr­li­cher Stoffe, Verlag HüthigJehleRehm/ecomed, 6. Auflage 2011, wird eine voll­stän­dige Liste mit allen UN-Nummern und LGK enthal­ten.
Autor
Dr. Norbert Müller
Der Autor ist öffent­lich bestell­ter und verei­dig­ter Sach­ver­stän­di­ger für Gefahr­gut­trans­port und ‑lage­rung, Duis­burg
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