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Glühbirne ade!

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Glühbirne ade!

Die gute alte Glühbirne musste sich verabschieden – aus Liebe zur Umwelt. Foto: iStockphoto
Nun ist es also soweit: Am 1. Sep­tem­ber ist die erste Phase des europäis­chen Glüh­lam­p­en­ver­bots in Kraft getreten. Die klaf­fend­en Lück­en in den Regalen der Elek­tromärk­te sind allerd­ings nicht auf das Fehlen der in der öffentlichen Diskus­sion meist zitierten 100-Watt-Lam­p­en zurück­zuführen – die spie­len im Con­sumer­bere­ich sowieso kaum eine Rolle –, son­dern auf das gle­ichzeit­ig in Kraft getretene Ver­bot aller mat­ten Glüh­lam­p­en, soweit sie kein „gerichtetes Licht“ abgeben.

Her­rn Dr. Ulrich Welzbach­er Kleist­straße 18 53757 Sankt Augustin

Warum mat­te Glüh­lam­p­en in allen Leis­tungsstufen sofort ver­boten sind, hat mir bish­er noch nie­mand erk­lären kön­nen. Wahrschein­lich sind sie beson­ders umweltschädlich. Wenn Glüh­lam­p­en allerd­ings gerichtetes Licht ausstrahlen (sog. „Spot-Lam­p­en“), dür­fen sie wieder (oder noch) matt sein. Diese Details haben in der öffentlichen Diskus­sion bish­er allerd­ings kaum eine Rolle gespielt.
Des­gle­ichen gehen die Argu­mente gegen die Energies­par­lam­p­en häu­fig am Kern des Prob­lems vor­bei. Das ange­blich kalte Licht und die klo­bige Form von Energies­par­lam­p­en ist in der Tat heute kein Argu­ment mehr gegen deren Ein­satz. Es gibt aber andere Probleme.
Prob­leme beim Ein­satz von Energiesparlampen
Eines dieser Prob­leme ist z.B. die Nicht-Dimm­barkeit dieser Leucht­en. Natür­lich gibt es am Markt inzwis­chen auch dimm­bare Energies­par­lam­p­en, aber längst noch nicht in allen Bau­for­men und Leis­tungsklassen. Jede herkömm­liche Glüh­lampe ist dage­gen von Natur aus dimm­bar. Allerd­ings habe ich noch in keinem Elek­tro­markt oder Kaufhaus dimm­bare Energies­par­lam­p­en gese­hen. Lediglich bei einem bekan­nten Elek­tron­ik-Versender habe ich solche Lam­p­en im Ange­bot gefun­den, allerd­ings zu einem Preis, der fast zwanzig­mal(!) so hoch ist wie der ein­er herkömm­lichen Glüh­lampe und immer noch dreimal so hoch ist wie der ein­er ein­fachen Marken-Energiesparlampe.
Für das Umwelt­bun­de­samt sind solche Energies­par­lam­p­en in der Broschüre „Bye bye Glüh­birne“ „ein wenig teur­er“ als nor­male Energiesparlampen…
Der von mir bemän­gel­ten, nicht aus­re­ichen­den Vielfalt ver­schieden­er dimm­bar­er Bau­for­men wird das Umwelt­bun­de­samt sich­er mit dem Hin­weis begeg­nen, ich möge doch im ein­schlägi­gen Fach­han­del ein­mal nachfragen.
Vor einiger Zeit brauchte ich sog. „Kopf­spiegelleucht­en“, wie sie z.B. in Kün­st­ler­garder­oben ver­wen­det wer­den. Ich bekam diese Lam­p­en im Fach­han­del, allerd­ings zu einem Preis, der dreifach höher war als der­jenige, den ich später für die gle­ichen Lam­p­en im Bau­markt bezahlte. Angesichts des schon hor­ren­den Preis­es für dimm­bare Energies­par­lam­p­en im Ver­sand­han­del habe ich mich bish­er gar nicht getraut, beim Fach­händler nachzufra­gen (zumal ich in meinem Wohnz­im­mer acht der­ar­tiger Lam­p­en und in der Stehlampe noch ein­mal drei Exem­plare benöti­gen würde). Vielle­icht sollte ich bei mein­er Bank hier­für einen Sparver­trag abschließen?
Wenn in zwei Jahren auch meine Kopf­spiegelleucht­en ver­boten wer­den, muss ich wahrschein­lich das gesamte Beleuch­tungskonzept meines Badez­im­mers umstellen, z.B. die inte­gri­erte Spiegel­wand, die sein­erzeit viel Geld gekostet hat, her­aus­reißen und durch eine andere Lösung erset­zen. Denn Energies­par-Kopf­spiegelleucht­en gibt es nicht (und dürften tech­nisch wohl auch schwierig zu real­isieren sein).
Die Geschäft­sidee
Im Zusam­men­hang mit den Diskus­sio­nen um das Glüh­lam­p­en­ver­bot wur­den auch die Kla­gen der Her­steller bekan­nt, dass an den herkömm­lichen Glüh­lam­p­en kaum noch etwas zu ver­di­enen sei. Auf­fäl­lig ist, dass die Her­steller derzeit weniger ihre Energies­par­lam­p­en als vielmehr die „Alter­na­tive Halo­gen­licht“ bewer­ben. (Auch Halo­gen­lam­p­en sind deut­lich teur­er als herkömm­liche Glüh­bir­nen, sparen aber viel weniger Energie.) Die Argu­mente in der Halo­gen-Wer­bung für diese Lam­p­en entsprechen dabei übri­gens weit­ge­hend den­jeni­gen der Geg­n­er von Energiesparlampen.
Kann da nicht der Ver­dacht aufkom­men, dass das Glüh­lam­p­en­ver­bot in Wirk­lichkeit ein genialer strate­gis­ch­er Schachzug der Leucht­mit­tel­her­steller ist, für das man geschickt die Umweltver­bände, die ein­schlägi­gen Behör­den und die zuständi­gen Ressort-Par­la­men­tari­er einges­pan­nt hat? Vielle­icht erin­nern Sie sich noch: Vor eini­gen Jahren hat­te die europäis­che Elek­troin­dus­trie einen Nor­men­twurf erar­beit­et, bei dessen Inkraft­treten in Europa mehrere Mil­liar­den Steck­dosen hät­ten aus­ge­tauscht wer­den müssen. Diese großar­tige Geschäft­sidee ist dann allerd­ings am Protest der Ver­braucherver­bände gescheit­ert. Hat man daraus nun also gel­ernt und dies­mal die ein­schlägi­gen Inter­es­sen­grup­pen geschickt für die eige­nen Zwecke eingespannt?
Entsorgung – das ungelöste Problem…
Alle Beteiligten stim­men darin übere­in, dass Energies­par­lam­p­en wegen ihres Queck­sil­berge­haltes nicht in den Haus­müll gehören. Umweltver­bände und Ver­brauch­er­schützer dür­fen in den ein­schlägi­gen Sendun­gen in Funk und Fernse­hen auch zaghaft anmerken, dass das Entsorgung­sprob­lem derzeit noch nicht gelöst ist.
Die offizielle Empfehlung der Entsorg­er, der Kom­munen und des Umwelt­bun­de­samtes lautet, unbrauch­bare Energies­par­lam­p­en zu den Wert­stoffhöfen der Gemein­den zu brin­gen. Für die Hin- und Rück­fahrt kön­nen da in größeren Städten schon gern ein­mal 50 km zusam­men-kom­men. Meist wird die Strecke dann sicher­lich mit dem Auto zurück­gelegt. Für­wahr sehr umweltfreundlich!
Hat eigentlich schon ein­mal jemand aus­gerech­net, welch­er Anteil des durch die Energies­par­lampe einges­parten CO2-Ausstoßes durch der­ar­tige Fahrten wieder zunichte gemacht wird?
Nun kön­nte man natür­lich auf die Idee kom­men, mit Nach­barn, Fre­un­den und Arbeit­skol­le­gen eine „Entsorgungs­ge­mein­schaft“ zu bilden und ver­brauchte Energies­par­lam­p­en in ein­er Sam­mel­liefer­ung zum Wert­stoffhof zu bringen.
Aber Vor­sicht: Bei Abgabe von mehr als drei Energies­par­lam­p­en gel­ten Sie bei vie­len Kom­munen als „gewerblich­er Entsorg­er“ und müssen für die Rück­gabe bezahlen!
Also doch lieber jede Lampe einzel­nen zur Entsorgung brin­gen (oder doch eben gle­ich in den Haus­müll werfen)?
Mit Umweltschutz hat das Ganze also etwa so viel zu tun wie der „Grüne Punkt“, eines der teuer­sten, inef­fek­tivsten und unökol­o­gis­chsten Entsorgungssys­teme dieses Planeten.
… nicht nur bei Energiesparlampen
Entsorgung­sprob­leme gibt es aber nicht nur bei den Energies­par­lam­p­en. Seit einiger Zeit dür­fen auch so genan­nte „Elek­trokleingeräte“ – hierzu gehören z.B. auch große Küchen­maschi­nen, Staub­sauger und ver­gle­ich­bare „Kaliber“ – nicht mehr in den Haus­müll gelan­gen, son­dern auch die alte gehbe­hin­derte Oma muss diese Geräte mit ihrem Rol­la­tor zum Wert­stoffhof brin­gen. Und zwar auch dann, wenn es dort weit und bre­it keine Hal­testelle für den öffentlichen Nahverkehr gibt.
Die einzig sin­nvolle Lösung wäre hier – eben­so bei dem Energies­par­lam­p­en – diese Geräte dort zurück­zugeben, wo man diese Pro­duk­te auch kaufen kann, also z.B. im Elek­tro­geschäft. Aber gegen diese Lösung haben sich Indus­trie und Han­del erfol­gre­ich wehren können.
Vor einiger Zeit wollte ich einen alten PC entsor­gen. Mein Entsorg­er erk­lärte mir, dass IT-Aus­rüs­tung und Geräte der Unter­hal­tungse­lek­tron­ik nicht bei mir zuhause abge­holt wer­den kön­nen, weil diese Geräte eine Gehäuse­höhe von weniger als 65 cm aufweisen. Etwas anderes gelte nur für Bild­schirme, Fernse­her oder auch Mikrow­ellengeräte. Für meinen alten PC hat­te ich sein­erzeit aber ein „Jum­bo-Gehäuse“ mit ein­er Höhe von etwa 70 cm bestellt, um aus­re­ichend Platz für zusät­zliche Steck­karten, Laufw­erke etc. zu haben. Wenn der Mitar­beit­er bei der Annahmestelle nun fest­stellt, dass mein Gerät mit 70 cm Höhe zu groß für ein Elek­trokleingerät ist? Da das Gehäuse aber „def­i­n­i­tion­s­gemäß“ klein­er als 65 cm ist, darf ich nun also zuse­hen, wo ich mit diesem über 10 kg schw­eren Trumm bleibe.
Die Nächte wer­den ja jet­zt wieder länger und dun­kler; ob ich den PC da nicht ein­fach nachts in einem nahe gele­ge­nen Park im Gebüsch ver­schwinden lasse…?
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