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Große Erfolge durch großes Enga­ge­ment

Integriertes Managementsystem im deutschen Steinkohlenbergbau
Große Erfolge durch großes Enga­ge­ment

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In den vergan­ge­nen Jahren konn­ten bedeu­tende Erfolge im Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz (AGU) bei der RAG Deut­sche Stein­kohle AG erzielt werden. Durch die Verknüp­fung von Prozes­sen und Tätig­kei­ten wurde ein inte­grier­tes und ganz­heit­li­ches AGU-Managementsystem aufge­baut. Im Beitrag werden neben eini­gen Grund­la­gen zu Manage­ment­sys­te­men konkrete Beispiele einer erfolg­rei­chen Inte­gra­tion von Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz im deut­schen Stein­koh­len­berg­bau vorge­stellt und erläu­tert.

RAG Akti­en­ge­sell­schaft Herrn Dr.-Ing. Rudolf Schu­ma­chers Sham­rock­ring 1 44623 Herne

Die Kombi­na­tion der mensch­li­chen Arbeits­kraft mit den Betriebs­mit­teln und Werk­stof­fen muss geplant, orga­ni­siert und kontrol­liert werden. So können Ziel­set­zun­gen in Unter­neh­men reali­siert werden. Diese Aufgabe leis­tet eine einheit­li­che und ziel­ge­rich­tete Führung. Die Gesamt­heit aller Führungs­per­so­nen einer­seits sowie die Führungs- und Lenkungs­tä­tig­kei­ten ande­rer­seits werden als Manage­ment bezeich­net. Inter­na­tio­nal ist der Begriff Manage­ment genormt und defi­niert als „aufein­an­der abge­stimmte Tätig­kei­ten zum Leiten und Lenken einer Orga­ni­sa­tion“.
Arbeits­schutz­ma­nage­ment bezeich­net jenen Bestand­teil der Gesamt­füh­rung, der alle Akti­vi­tä­ten eines Unter­neh­mens hinsicht­lich Sicher­heit und Schutz der Gesund­heit der Beschäf­tig­ten zusam­men­fasst, um Ziele und Grund­sätze zu reali­sie­ren sowie die gesetz­li­chen und behörd­li­chen Bestim­mun­gen nach­weis­lich erfül­len zu können. Maßnah­men des Arbeits­schut­zes müssen gezielt geplant, orga­ni­siert sowie syste­ma­tisch und konse­quent als Führungs­auf­gabe betrie­ben werden. Das Arbeits­schutz­ma­nage­ment ist somit gleich­be­deu­tend mit syste­ma­ti­schem Arbeits­schutz­han­deln.
Die gesetz­li­che Grund­lage hier­für bildet das Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG) bezie­hungs­weise für den Bereich des Berg­rechts die Allge­meine Bundes­berg­ver­ord­nung (ABBergV) in Verbin­dung mit dem Bundes­berg­ge­setz (BBergG). Zur Erfül­lung der in § 61 BBergG und § 2 ABBergV fest­ge­leg­ten allge­mei­nen Pflich­ten muss der Unter­neh­mer eine geeig­nete Orga­ni­sa­tion schaf­fen, bei den Maßnah­men des Arbeits­schut­zes alle Führungs­ebe­nen einbe­zie­hen und dafür sorgen, dass die Beschäf­tig­ten ihren Mitwir­kungs­pflich­ten nach­kom­men können. Darüber hinaus ist er verpflich­tet, eine Verbes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen im Hinblick auf Sicher­heit und Gesund­heits­schutz anzu­stre­ben. Damit fordert der Gesetz­ge­ber in beson­de­rer Weise das Prin­zip der Eigen­ver­ant­wor­tung sowie der Krea­ti­vi­tät und der Eigen­in­itia­tive aller Verant­wort­li­chen im Unter­neh­men.
Auch alle Maßnah­men zum Schutz der Umwelt sind in ähnli­cher Weise Bestand­teil der Führungs­auf­gabe eines Unter­neh­mens. Das konkrete Umwelt­schutz­han­deln ist in den einschlä­gi­gen Geset­zen wie dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG), dem Wasser­haus­halts­ge­setz (WHG) sowie dem Kreislaufwirtschafts- und Abfall­ge­setz (KrW-/AbfG) eben­falls vorge­ge­ben.
Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz sind somit Manage­ment­auf­gabe.
Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tem
Bei dem Vorhan­den­sein von syste­ma­ti­sier­ten oder forma­li­sier­ten Führungs- und Orga­ni­sa­ti­ons­kon­zep­ten, die durch geeig­nete Maßnah­men zur Opti­mie­rung des Arbeits­schut­zes beitra­gen, spricht man im Allge­mei­nen von Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­te­men (AMS). Sie sind aufgrund ihrer Komple­xi­tät aber vorwie­gend in Groß­un­ter­neh­men instal­liert.
Die Imple­men­tie­rung eines Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tems ist nicht gleich­zu­set­zen mit der Erfül­lung der gesetz­li­chen und behörd­li­chen Bestim­mun­gen. Sein Vorhan­den­sein hilft aber, diesen Verpflich­tun­gen besser nach­zu­kom­men. Darüber hinaus dient ein Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tem als Hilfs­mit­tel zur Reali­sie­rung der unter­neh­mens­ei­ge­nen Ziel­set­zun­gen hinsicht­lich Sicher­heit und Schutz der Gesund­heit der Beschäf­tig­ten.
Im Arbeits­schutz exis­tie­ren keine allge­mein aner­kann­ten inter­na­tio­na­len Normen wie sie beispiel­weise für das Quali­täts­ma­nage­ment (DIN EN ISO 9001 ff) oder das Umwelt­schutz­ma­nage­ment (DIN EN ISO 14001 ff) gelten. Trotz­dem beruht der Aufbau eines Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tems auf einer stan­dar­di­sier­ten Grund­lage.
Als Hilfe­stel­lung zur Einfüh­rung, Über­prü­fung und Verbes­se­rung von Poli­tik und Stra­te­gie sowie von Aufbau- und Ablauf­or­ga­ni­sa­tion im Arbeits­schutz wurde ein natio­na­ler Leit­fa­den zur frei­wil­li­gen Anwen­dung entwi­ckelt. Das dama­lige Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozi­al­ord­nung (BMAS), die obers­ten Arbeits­schutz­be­hör­den der Länder, die Träger der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung und die Sozi­al­part­ner haben im Jahre 2002 diesen Leit­fa­den veröf­fent­licht. Er folgt der Struk­tur eines Leit­fa­dens der Inter­na­tio­na­len Arbeits­or­ga­ni­sa­tion ILO (Inter­na­tio­nal Labour Orga­ni­sa­tion).
Haupt­ele­mente des natio­na­len Leit­fa­dens sind Poli­tik, Orga­ni­sa­tion, Planung und Umset­zung, Messung und Bewer­tung sowie Verbes­se­rungs­maß­nah­men (Abb. 1).
Der Leit­fa­den enthält insbe­son­dere Empfeh­lun­gen und Hinweise an den Inhalt eines betriebs­spe­zi­fi­schen Arbeits­schutz­ma­nage­ment­sys­tems. Damit unter­stützt er die Unter­neh­men bei der syste­ma­ti­schen Durch­füh­rung von Sicher­heit und Gesund­heits­schutz.
Umwelt­schutz­ma­nage­ment­sys­tem
Auch in ande­ren Fach­ge­bie­ten oder Orga­ni­sa­ti­ons­be­rei­chen sind Manage­ment­sys­teme zur Reali­sie­rung der Unter­neh­mens­ziele etabliert. Ausge­hend von den Syste­ma­ti­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten im Quali­täts­ma­nage­ment entstan­den in den 90er Jahren auf der Basis der Normen­reihe DIN EN ISO 9000 ff im Bereich des betrieb­li­chen Umwelt­schut­zes stan­dar­di­sierte Manage­ment­sys­teme.
Aktu­ell sind im Umwelt­schutz zwei Stan­dards von über­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung. Auf euro­päi­scher Ebene ist die EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) ein Instru­ment für Unter­neh­men, ihre Umwelt­leis­tung zu verbes­sern. Rechts­grund­lage ist die EG–Verordnung Nr. 761/2001. Der Aufbau eines Umwelt­schutz­ma­nage­ment­sys­tems (UMS) und die einzel­nen Abläufe entspre­chen hier­bei im Wesent­li­chen der inter­na­tio­na­len Norm DIN EN ISO 14001.
Ganz­heit­li­ches Manage­ment­sys­tem
Bei den genann­ten Manage­ment­sys­te­men im Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz (AGU) exis­tie­ren eine Viel­zahl von Gemein­sam­kei­ten. Diese liegen u. a. in dem ganz­heit­li­chen Charak­ter von Zielen, Aufga­ben und Problem­stel­lun­gen, dem gleich­ar­ti­gen prozess­ori­en­tier­ten Aufbau, den iden­ti­schen Abläu­fen sowie gemein­sa­men System­be­stand­tei­len.
Jedes dieser komple­xen Führungs- und Orga­ni­sa­ti­ons­sys­teme trägt dazu bei, ausge­hend von der defi­nier­ten Unter­neh­mens­po­li­tik, die jeweils erfor­der­li­chen Prozesse zu planen, zu gestal­ten, zu steu­ern sowie die Ziel­er­rei­chung zu control­len. Jedes Manage­ment­sys­tem besteht aus einem Regel­kreis mit folgen­den analo­gen Elemen­ten:
  • Fest­le­gung der Unter­neh­mens­po­li­tik und ‑stra­te­gie
  • Verein­ba­rung quan­ti­fi­zier­ba­rer Ziele
  • Planung aller erfor­der­li­chen Maßnah­men
  • Bereit­stel­lung notwen­di­ger Ressour­cen
  • Reali­sie­rung der Prozesse und Durch­füh­rung der entspre­chen­den Maßnah­men
  • Control­ling aller durch­ge­führ­ten Prozesse und Maßnah­men
  • Bewer­tung des Control­lings
  • Einlei­tung von Korrek­tur­maß­nah­men mit dem Ziel einer konti­nu­ier­li­chen Verbes­se­rung
Dieser Regel­kreis beruht auf der PDCA-Methode (Plan-Do-Check-Act) und wird auch als Manage­ment­zy­klus bezeich­net.
Durch eine Zusam­men­fas­sung von syste­ma­ti­sier­ten und forma­li­sier­ten Prozes­sen und Tätig­kei­ten lassen sich die genann­ten Manage­ment­sys­teme sinn­voll zu einem ganz­heit­li­chen System inte­grie­ren. Eindeu­tige Vorteile sind dabei die Nutzung von Syner­gie­ef­fek­ten, die größere Trans­pa­renz der Geschäfts­pro­zesse, eine schlan­kere Doku­men­ta­tion, die Einspa­rung von Sach- und Perso­nal­kos­ten durch eine größere Effi­zi­enz und Effek­ti­vi­tät, die Know-how-Sicherung durch Syste­ma­ti­sie­rung und Doku­men­ta­tion, ein effi­zi­en­te­res Control­ling sowie die Stei­ge­rung der Rechts­si­cher­heit durch Schaf­fung bzw. Festi­gung einer gerichts­fes­ten Orga­ni­sa­tion.
Verschie­dene Struk­tu­ren
Folgende Struk­tu­ren bieten sich grund­sätz­lich zum Aufbau eines Inte­grier­ten Manage­ment­sys­tems (IMS) an:
  • Sequen­ti­elle Struk­tur: Hier­bei exis­tie­ren mehrere eigen­stän­dige Manage­ment­sys­teme in einem Unter nehmen, die mitein­an­der eng verknüpft und kompa­ti­bel sind.
  • Komple­men­täre Struk­tur: Bei einem inte­grier­ten Manage­ment­sys­tem mit komple­men­tä­rer Struk­tur wird ein vorherr­schen­des Manage­ment­sys­tem um weitere Aspekte erwei­tert.
  • Inte­gra­tive Struk­tur: Die inte­gra­tive Struk­tur kommt dadurch zum Ausdruck, dass mehrere Teil­ma­nage­ment­sys­teme (z. B. Arbeitschutz‑, Gesundheits‑, Umwelt­ma­nage­ment­sys­tem etc.) gleich­ran­gig zu einem einzi­gen Manage­ment­sys­tem zusam­men­ge­fasst werden.
Vorge­hens­weise bei der Inte­gra­tion
In den vergan­ge­nen Jahren wurden im deut­schen Stein­koh­len­berg­bau viele Prozesse und Tätig­kei­ten im Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz eng mitein­an­der verknüpft und zu einem ganz­heit­li­chen System inte­griert. Durch die gleich­ran­gige Bedeu­tung und die enge Verzah­nung von Sicher­heit, Gesundheits- und Umwelt­schutz wurde bei der Zusam­men­füh­rung im Wesent­li­chen die inte­gra­tive Struk­tur gewählt. Prag­ma­ti­sche Hilfe­stel­lung zur Weiter­ent­wick­lung des Inte­grier­ten Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz­ma­nage­ment­sys­tems der RAG Deut­sche Stein­kohle AG bot die VDI-Richtlinie 4060.
Basis für die Imple­men­tie­rung bzw. Weiter­ent­wick­lung des IMS war eine Bestands­auf­nahme im Jahre 2006. Jeweils für den Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz wurden Poli­tik und Stra­te­gie sowie Aufbau- und Ablauf­or­ga­ni­sa­tion gegen­über­ge­stellt und ausge­wer­tet. Darüber hinaus wurden die einzel­nen Prozesse (Kern‑, Unterstützungs- und Führungs­pro­zesse) (Abb. 2) mitein­an­der vergli­chen und die Schnitt­stel­len bewer­tet. Ziel der Bestands­auf­nahme war, die vorhan­dene Struk­tur und die geleb­ten Prozesse zu bewer­ten und einen mögli­chen Hand­lungs­be­darf für eine weiter­füh­rende Inte­gra­tion zu gene­rie­ren.
Als Ergeb­nis der Über­prü­fung stellte sich heraus, dass einige Prozesse und Abläufe im Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz bereits voll­stän­dig inte­griert waren. Exem­pla­risch ist die Schnitt­menge in Abbil­dung 3 darge­stellt. Teil­weise ergab sich ein Hand­lungs­be­darf im Sinne einer weite­ren Inte­gra­tion sytem­über­grei­fen­der Elemente. Eine voll­stän­dige Inte­gra­tion sämt­li­cher Prozesse, Abläufe und Tätig­kei­ten ist jedoch nicht sinn­voll, da es weiter­hin ergän­zende fach­spe­zi­fi­sche Elemente und Module gibt, die sepa­rat behan­delt werden müssen.
Beispiele erfolg­rei­cher Inte­gra­tion
An Hand eini­ger Beispiele soll der Aufbau des betrieb­li­chen IMS exem­pla­risch darge­stellt werden.
Bereits seit Anfang der neun­zi­ger Jahre wird der Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz im deut­schen Stein­koh­len­berg­bau zuneh­mend inte­gra­ler Bestand­teil aller betrieb­li­chen Prozesse. Im Unter­neh­mens­leit­bild der RAG, als dem formu­lier­ten Ausdruck der Unter­neh­mens­phi­lo­so­phie, ist bereits im Jahre 1991 fest­ge­legt worden, dass „Arbeits­si­cher­heit und Gesund­heits­schutz der Mitar­bei­ter gleich­ran­gig mit Produk­tion und Wirt­schaft­lich­keit sind. Der Schutz der Umwelt unter und über Tage hat in unse­rem Unter­neh­men einen hohen Stel­len­wert.“
Nach beacht­li­chen Erfol­gen im Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz in den vergan­ge­nen Jahren wurde aktu­ell bei der RAG die folgende Vision entwi­ckelt:
Wir wollen:
  • keine Unfälle
  • keine Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen
  • keine Unwelt­schä­den
Nach dieser Zukunfts­vor­stel­lung werden alle stra­te­gi­schen AGU-Entscheidungen ausge­rich­tet.
Auch bei der Formu­lie­rung der über­ge­ord­ne­ten Unter­neh­mens­stra­te­gie für die Ausrich­tung bis zum Jahre 2012 findet AGU Berück­sich­ti­gung: „Wich­tige Hand­lungs­grund­sätze blei­ben Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz.“
Ausge­hend von der Vision und gestützt auf die Unter­neh­mens­stra­te­gie werden in allen Betrie­ben des Unter­neh­mens über wie unter Tage anspruchs­volle quali­ta­tive und quan­ti­ta­tive Ziele zur weite­ren bestän­di­gen Verbes­se­rung von Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz verein­bart. Alle Ziele werden mit konkre­ten Maßnah­men verknüpft. In regel­mä­ßi­gen Abstän­den findet ein Control­ling statt, um bei Abwei­chun­gen zwischen dem Plan und dem Ist-Zustand Korrek­tu­ren vorneh­men zu können. Es hat sich heraus­ge­stellt, dass die Verein­ba­rung von Zielen in Verbin­dung mit konkre­ten Maßnah­men eine wich­tige Grund­lage für Verbes­se­run­gen ist.
Um die Belange und die Gemein­sam­kei­ten von Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz in unse­rem Unter­neh­men zu verdeut­li­chen und um die Vorsorge auf jeder Verant­wor­tungs­ebene des Unter­neh­mens beson­ders heraus­zu­stel­len, wird zur Zeit eine inte­grierte AGU-Richtlinie erar­bei­tet. Die Richt­li­nie wird mit ihren orga­ni­sa­to­ri­schen Rege­lun­gen ein wesent­li­ches Element des inte­grier­ten AGU-Managementsystems der RAG sein. Sie dient der Fest­le­gung von Aufga­ben und Kompe­ten­zen sowie der Zuord­nung von Verant­wor­tungs­be­rei­chen inner­halb des Konzerns. Darüber hinaus wird sie die Fort­füh­rung des konti­nu­ier­li­chen Verbes­se­rungs­pro­zes­ses unter­stüt­zen. Nach Diskus­sion und Vorstel­lung des Richt­li­ni­en­ent­wur­fes in allen rele­van­ten Gremien wird die Richt­li­nie durch Vorstand­be­schluss in Kraft treten.
Die zuver­läs­sige Einhal­tung aller öffentlich-rechtlichen Verpflich­tun­gen ist die Grund­lage eines jeden Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz­ma­nage­ment­sys­tems. Voraus­set­zung hier­für ist unter ande­rem eine konse­quente Betriebs­über­wa­chung. Das Berg­recht stellt dies­be­züg­lich für die präven­tive und die laufende Betriebs­über­wa­chung das Betriebs­plan­ver­fah­ren gemäß § 50 ff BBergG als beson­de­res Rechts­in­sti­tut zur Verfü­gung. Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz finden darin eine hervor­ge­ho­bene Berück­sich­ti­gung. Dieses Verfah­ren dient nicht nur der behörd­li­chen Kontrolle sondern damit ist auch eine betrieb­li­che Eigen­kon­trolle möglich.
Wich­ti­ges Element in der Aufbau­or­ga­ni­sa­tion des betrieb­li­chen IMS ist die Zuord­nung von Aufga­ben, Kompe­ten­zen und Verant­wor­tung. Im Rahmen der berg­recht­li­chen Bestel­lun­gen gemäß § 58ff BBergG ist die Verant­wor­tung sowohl für den Arbeits- und Gesund­heits­schutz als auch für den Umwelt­schutz umfas­send und lücken­los fest­ge­legt. Alle verant­wort­li­chen Perso­nen haben dies­be­züg­lich einen eindeu­ti­gen Aufgaben- und Kompe­tenz­be­reich. Neben dem Bestell­schrei­ben wird jeder verant­wort­li­chen Person ein Leit­fa­den zur Verfü­gung gestellt, in dem die Aufga­ben und Befug­nisse ausdrück­lich auch im Hinblick auf den Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz eindeu­tig formu­liert sind.
Die aufbau­or­ga­ni­sa­to­ri­sche Struk­tur im Bereich des Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schut­zes umfasst eine Reihe von inner­be­trieb­li­chen Ausschüs­sen und Arbeits­krei­sen. Als über­ge­ord­ne­tes Lenkungs­gre­mium wurde der „Haupt­aus­schuss Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz der RAG” instal­liert, in dem Belange des Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schut­zes von unter­neh­mens­wei­ter und über­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung bera­ten und die AGU-Strategie fest­ge­legt wird.
Die Umset­zung und die Verfol­gung der im Haupt­aus­schuss fest­ge­leg­ten Ziele wird im RAG Berg­bau­be­reich dem „Koor­di­nie­rungs­kreis Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz” über­tra­gen. Er ist ein über­ge­ord­ne­tes Fach­gre­mium zur Förde­rung aller AGU-Belange.
In dem „Fach­aus­schuss Arbeits­schutz, Sicher­heit, Umwelt- und Gesund­heits­schutz” des Gesamt­be­triebs­ra­tes werden in regel­mä­ßi­gen Sitzun­gen Fragen des Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schut­zes bera­ten, die unter die Mitwir­kungs­rechte der Betriebs­ver­tre­tung fallen.
Weitere Verbes­se­run­gen der Prozesse
Grund­le­gen­der Baustein bei der Weiter­ent­wick­lung und Verbes­se­rung von Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz ist die Quali­fi­zie­rung aller Beschäf­tig­ten. Damit verbun­den ist die inten­sive Sensi­bi­li­sie­rung für AGU-Problemstellungen. Neben einer Viel­zahl von Weiter­bil­dungs­maß­nah­men für alle Mitar­bei­ter wurde ein spezi­el­les Stufen­mo­dell für Führungs­kräfte entwi­ckelt.
Beson­ders hervor­zu­he­ben ist hier­bei der sechs­wö­chige Lehr­gang für ange­hende Revier­stei­ger. Neben allge­mei­nen Themen der Führungs­kräf­te­qua­li­fi­zie­rung wie Kommu­ni­ka­tion und Präsen­ta­ti­ons­tech­ni­ken sowie der Rolle des Revier­stei­gers als Führungs­kraft spie­len AGU ‑Themen eine beson­dere Rolle wie z. B. die Vermitt­lung aktu­el­ler AGU-Konzepte und ‑Maßnah­men sowie die Anwen­dung von AGU-Werkzeugen und ‑Hilfs­mit­teln für eine konti­nu­ier­li­che Verbes­se­rung. Wich­ti­ger Bestand­teil des Revier­stei­ger­lehr­gangs ist die Erstel­lung eines persön­li­chen Arbeits­pro­gramms. Hier­bei entwi­ckelt jeder Revier­stei­ger­an­wär­ter für den eige­nen Arbeits­be­reich spezi­elle AGU-Maßnahmen und setzt diese in seinem eige­nen Arbeits­um­feld um.
Weite­rer Bestand­teil des Stufen­mo­dells ist die schrift­li­che Ausar­bei­tung für künf­tige Abtei­lungs­lei­ter zu den Themen AGU und Lean Proces­sing. Die Kandi­da­ten sollen durch einen eigen­stän­di­gen und praxis­na­hen Beitrag Sach­kom­pe­tenz in beiden Themen­be­rei­chen nach­wei­sen. Nach Ausfer­ti­gung der schrift­li­chen Arbeit wird diese durch Gutach­ter bewer­tet. In einem Abschluss­kol­lo­quium werden anschlie­ßend die Ergeb­nisse der Ausar­bei­tung münd­lich vorge­stellt.
Der erfolg­rei­che Abschluss sowohl des Revier­stei­ger­lehr­gangs als auch der schrift­li­chen Ausar­bei­tung für künf­tige Abtei­lungs­lei­ter ist Voraus­set­zung für eine Beför­de­rung.
Für eine weitere Sensi­bi­li­sie­rung aller Beschäf­tig­ten zum Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz werden in wech­seln­den Abstän­den und bei Bedarf eine Viel­zahl von spezi­fi­schen Schwer­punkt­pro­gram­men und ‑aktio­nen durch­ge­führt, die von AGU-Plakataktionen oder ‑Filmen, Beiträ­gen zur AGU-Thematik im Mitar­bei­ter­ma­ga­zin, AGU-Infoständen bis hin zu spezi­el­len AGU-Werbeaktionen in den Betrie­ben reichen können. Die durch­ge­führ­ten Akti­ons­pro­gramme moti­vie­ren die Beschäf­tig­ten nach­hal­tig zur Beach­tung der AGU-Maßnahmen und zu sicherheits‑, gesundheits- und umwelt­be­wuss­tem Verhal­ten im Betrieb und auch außer­halb des Betrie­bes.
Eine aktu­elle Form der Sensi­bi­li­sie­rung zu mehr Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz stellt das AGU-Bonussystem dar. Durch Aner­ken­nung und beson­dere Prämien sollen Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz noch weiter verbes­sert werden. Hono­riert werden Erfolge, die sich auf eine Verhal­tens­än­de­rung der einzel­nen Mitar­bei­ter bezie­hen. Auch die erfolg­rei­che Team­leis­tung der Reviere, Berei­che und Betriebe wird entspre­chend belohnt. Prämien kommen insbe­son­dere denje­ni­gen Teams oder Revie­ren zugute, die im AGU-Prozess die besten Leis­tun­gen erbracht haben. Durch die Hono­rie­rung bereits reali­sier­ter Erfolge werden die Mitar­bei­ter beson­ders moti­viert, sich verstärkt zu enga­gie­ren.
Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz haben bei der RAG auch bei dem Einsatz von Fremd­fir­men­mit­ar­bei­tern einen beson­ders hohen Stel­len­wert. Bereits in Verträ­gen mit Fremd­fir­men wird der Auftrag­neh­mer auf Kennt­nis­nahme und Einhal­tung insbe­son­dere von Bestim­mun­gen hinsicht­lich Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz hinge­wie­sen und verpflich­tet. Auf die Vermitt­lung von Kennt­nis­sen und durch­zu­füh­ren­den Maßnah­men zu Sicher­heit, Gesundheits- und Umwelt­schutz bei der erst­ma­li­gen Arbeits­auf­nahme von Fremd­fir­men­mit­ar­bei­tern wird beson­ders Wert gelegt. Auch aus diesem Grunde wurde ein AGU-Einweisungsfilm erstellt, der im Rahmen der Anle­gung allen Fremd­fir­men­mit­ar­bei­tern vorge­führt wird.
Ein weite­rer wich­ti­ger Baustein des Inte­grier­ten Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz­ma­nage­ment­sys­tems ist die Durch­füh­rung von AGU-Audits in den Betrie­ben des deut­schen Stein­koh­len­berg­baus. Durch ein geschul­tes inter­nes AGU-Auditteam werden die Betriebe befah­ren, die erfor­der­li­chen Unter­la­gen gesich­tet und die Über­ein­stim­mung mit allen in- und exter­nen Vorga­ben über­prüft. Nach Durch­füh­rung eines Pilot­pro­jek­tes im Jahre 2007 werden in allen Betrie­ben regel­mä­ßig AGU-Audits durch­ge­führt. Hier­bei läuft jedes Audit nach einem eigens aufge­stell­ten Ablauf­plan ab.
Im deut­schen Stein­koh­len­berg­bau hat sich das AGU-Audit seit dessen Einfüh­rung mitt­ler­weile als wirk­sa­mes Instru­ment zur Über­prü­fung des Inte­grier­ten Manage­ment­sys­tems etabliert. Das Audit liefert den Betrie­ben jeweils detail­lierte Infor­ma­tio­nen für eine weitere Verbes­se­rung der AGU-Prozesse. Alle Betriebe befür­wor­ten und unter­stüt­zen ausdrück­lich die regel­mä­ßige Durch­füh­rung der Audits.
Das AGU-Konzept
In den vergan­ge­nen Jahren konn­ten im Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz der RAG vor allem durch den unbe­ding­ten Willen und das stete Enga­ge­ment aller Beschäf­tig­ten bemer­kens­werte Erfolge erzielt werden. Die Entwick­lung inno­va­ti­ver Tech­no­lo­gien, weiter­ent­wi­ckelte Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren sowie die fort­wäh­rende Sensi­bi­li­sie­rung aller Beschäf­tig­ten zu sicherheits‑, gesundheits- und umwelt­be­wuss­tem Verhal­ten waren sicher­lich Ursa­che hier­für.
Für eine weitere Opti­mie­rung waren neue Impulse erfor­der­lich. Es galt, das Arbeits­um­feld und die Arbeits­be­din­gun­gen syste­ma­tisch, perma­nent und konse­quent noch weiter zu verbes­sern.
Aus diesem Grunde wurde im Jahre 2005 ein metho­di­sches AGU-Konzept für eine eigen­ver­ant­wort­li­che und konti­nu­ier­li­che Verbes­se­rung entwi­ckelt. Das Konzept orien­tiert sich an dem PDCA-Zyklus (Abb. 4) von Deming. Dieses Anwen­dungs­mo­dell besteht im Wesent­li­chen aus folgen­den vier Phasen und ist als nie enden­der Prozess zu verste­hen:
  • Planen (Plan – P)
  • Ausfüh­ren (Do – D)
  • Über­prü­fen (Check – C)
  • Verbes­sern (Act – A)
Das AGU-Konzept beruht gleich­zei­tig auf folgen­den drei Säulen, die jeweils für sich einen geschlos­se­nen Manage­ment­zy­klus beinhal­ten (Abb. 5):
  • Führen mit Zielen
  • Erstel­len von AGU-Programmen
  • Infor­ma­tion und Kommu­ni­ka­tion
Geplan­tes Handeln, die syste­ma­ti­sche Bewer­tung aller Einfluss­fak­to­ren sowie die Analyse mögli­cher Schwach­stel­len, die regel­mä­ßige Effek­ti­vi­täts­kon­trolle und die sofor­tige Einlei­tung von notwen­di­gen Korrek­tur­maß­nah­men zur Reali­sie­rung von Opti­mie­rungs­po­ten­tia­len kenn­zeich­nen das AGU-Konzept. Es stellt damit die Basis des inte­grier­ten Manage­ment­sys­tems dar. Durch den syste­ma­ti­schen Ansatz, die konse­quente Inte­gra­tion in die betrieb­li­chen Abläufe und die umfas­sende Betei­li­gung aller Mitar­bei­ter konn­ten in allen Hand­lungs­fel­dern erheb­li­che Verbes­se­run­gen erreicht werden. Auch hier­durch wurde der Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz zu einem der erfolg­reichs­ten Unter­neh­mens­pro­zesse.
Im Sinne einer ganz­heit­li­chen Betrach­tung aller Arbeits­ab­läufe und im Hinblick auf die Neuaus­rich­tung der Unter­neh­mens­stra­te­gie 2012 werden zukünf­tig die Prozesse AGU und Lean Proces­sing mitein­an­der verknüpft.
Lean Proces­sing verbin­det die inno­va­tive Tech­nik mit den Metho­den der konti­nu­ier­li­chen Verbes­se­rung. Mit Hilfe einer ganz­heit­li­chen und stan­dar­di­sier­ten Vorge­hens­weise erhal­ten Mitar­bei­ter und Führungs­kräfte Metho­den und Instru­mente an die Hand, um Prozesse effek­ti­ver gestal­ten zu können.
AGU und Lean sind ähnlich struk­tu­riert und verfol­gen die glei­chen Ziele. Der in vier Phasen geglie­derte Management-Kreislauf ist sowohl bei AGU als auch bei Lean Proces­sing Basis für eine weitere Verbes­se­rung. Die glei­che syste­ma­ti­sche Vorge­hens­weise zur Erzie­lung weite­rer Verbes­se­run­gen sowie die starke Einbin­dung der Mitar­bei­ter zeich­nen beide Prozesse aus. Die opera­tive Verknüp­fung von AGU und Lean führt somit gleich­zei­tig zur einer Effi­zi­enz­stei­ge­rung der Produk­ti­ons­pro­zesse und zu einer weite­ren Verbes­se­rung von Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz. In einer Arbeits­gruppe werden zurzeit detail­lierte Arbeits­schritte für die konkrete prak­ti­sche Anwen­dung erar­bei­tet.
Ausblick
Für die Zukunft gilt es, die Erfolge im inte­grier­ten Arbeits‑, Gesundheits- und Umwelt­schutz­ma­nage­ment­sys­tem im deut­schen Stein­koh­len­berg­bau nach­hal­tig und dauer­haft zu sichern sowie eine weitere und konti­nu­ier­li­che Verbes­se­rung anzu­stre­ben. Die Konse­quente Umset­zung des AGU-Konzeptes sowie die Verknüp­fung von AGU und Lean Proces­sing sind hier­bei wich­tige Manage­ment­werk­zeuge zur Errei­chung der Unter­neh­mens­ziele.
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