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Hanni und Nanni im Arbeitsschutz

Leserbrief
Hanni und Nanni im Arbeitsschutz

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Was haben Stuttgart 21 und die neue Vorschrift 2 gemein­sam? Zunächst scheint die Frage völ­lig abwegig. Schaut man jedoch ein wenig genauer, so schim­mert bei bei­den Pro­jek­ten eine Gruppe durch, man kön­nte sie Han­ni und Nan­ni nen­nen, immer dage­gen. Alles Neue wird grund­sät­zlich in Frage gestellt. Auf der zur Zeit durchs Land schwap­pen­den „Dage­gen-Welle“ lässt sich halt tre­f­flich mitsurfen.

Wie lange schon hört man aus dem Chor von Betrieb­särzten und Sicher­heits­fachkräften das Klagelied, die Ver­ant­wortlichen seien abge­hoben, für unsere Argu­mente nicht mehr zugänglich, ja nicht ein­mal mehr per­sön­lich ansprech­bar. Die neue Vorschrift 2 fordert und ist zugle­ich Chance, die Beteiligten im Arbeitss­chutz regelmäßig wieder an einen Tisch zu brin­gen, Ver­ant­wortliche, Betrieb­särzte, Sicher­heits­fachkräfte und Betriebs- bzw. Per­son­al­räte. Für viele bedeutet dies eine vielle­icht sog­ar schmerzhafte Abkehr vom Gewohn­ten, denn die seit gefühlt Jahrhun­derten fest­geschriebe­nen Ein­satzzeit­en glichen lei­der allzu oft einem gemütlichen Ruhekissen, auf dem es sich tre­f­flich dösen ließ. War die Idee bei der Ein­führung der Gefährdungs­beurteilung sein­erzeit, Ver­ant­wortliche ihren Mitar­beit­ern, dem Betrieb und sein­er Abläufe wieder näher zu brin­gen, so wird es bei der neuen Vorschrift 2 heißen „Sicher­heits­fachkräfte raus aus den Büros, Betrieb­särzte raus aus den weißen Kit­teln und rein in die Betriebe, Beratung im statt am Betrieb“.
Alles schon mal da gewesen
Die Älteren unter uns erin­nern sich vielle­icht noch an die meines Eracht­ens größte Rev­o­lu­tion im betrieblichen Arbeitss­chutz der zweit­en Hälfte des 20. Jahrhun­derts: Die Ein­führung des Geset­zes über Betrieb­särzte, Sicher­heitsin­ge­nieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicher­heit, kurz auch Arbeitssicher­heits­ge­setz, ASiG, genan­nt. Wer noch die Orig­i­nalaus­gaben mit den Kom­mentaren, amtlichen Begrün­dun­gen und Ein­wän­den besitzt, kann nach­le­sen, welche Ver­renkun­gen, Verunglimp­fun­gen, Wider­stände bis hin zur total­en Ver­weigerung sich damals zeigten und sich mancherorts bis heute noch hal­ten. Bis zum heuti­gen Tage haben beispiel­sweise Lan­desver­wal­tun­gen dieses Gesetz für ihre eige­nen Beschäftigten nicht umge­set­zt. Den­noch ist festzuhal­ten: Das ASiG war, ist und bleibt eine Erfol­gs­geschichte. Bis zum heuti­gen Tag nutzten sog­ar höch­strichter­liche Instanzen Bes­tim­mungen dieses Geset­zes für Urteils­be­grün­dun­gen zu Gun­sten von Akteuren und Beschäftigten.
Bei aller berechtigten Skep­sis Neuem gegenüber möchte ich die Zwei­fler bit­ten, die neue Vorschrift 2 auch ein­mal von der Seite der Chan­cen zu betra­cht­en, große Hemm­nisse im Arbeits- und Gesund­heitss­chutz bei­seite zu räu­men: Einzelkämpfer­tum von Betrieb­särzten und Sicher­heits­fachkräften, fehlen­der oder man­gel­hafter Dia­log zwis­chen Ver­ant­wortlichen und Beratern, schlep­pende Zusam­me­nar­beit mit Betriebs- bzw. Per­son­al­räten. Mod­ern­er Arbeitss­chutz, diese Erken­nt­nis hat sich doch längst durchge­set­zt, lebt vom Blick auf das Gesamte und von der ständi­gen Kom­mu­nika­tion aller beteiligten Akteure. Lasst uns Befür­wor­tung und Wider­stand in Gestal­tung wan­deln, im Sinne der uns über­tra­ge­nen Auf­gaben: Förderung der Sicher­heit und Gesund­heit aller Beschäftigten bei der Arbeit.
Dipl.-Ing. Karl-Heinz Schmid, Sicherheitsingenieur
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