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Interview mit Jörg Prochnow …

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Interview mit Jörg Prochnow …

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…, Leit­er der Stab­sstelle Arbeitssicherheit/Umweltschutz, über das Arbeitss­chutz-Man­age­ment-Sys­tem der EVL.

Herr Prochnow, wie ist der Arbeitss­chutz bei der Energiev­er­sorgung Lev­erkusen GmbH (EVL) organisiert?
Prochnow: Arbeitssicher­heit und Umweltschutz ist in ein­er Stab­sabteilung zusam­menge­fasst, die dem tech­nis­chen Geschäfts­führer unter­stellt ist. Hier wer­den alle Belange im Bere­ich Arbeitssicher­heit und Umweltschutz in Zusam­me­nar­beit mit den jew­eili­gen Fach­bere­ichen bear­beit­et und organ­isiert. Aktiv unter­stützt wird die Stab­sabteilung durch die Per­son­al­abteilung, zum Beispiel bei der Ver­fol­gung der arbeitsmedi­zinis­chen Unter­suchun­gen, Ter­minab­sprachen mit dem Arbeitsmedi­zin­er und der Koor­di­na­tion der Ange­bot­sun­ter­suchun­gen. Unter­weisun­gen wer­den von mir als Sicher­heits­fachkraft sowie den jew­eili­gen Vorge­set­zten durchge­führt. Fach­spez­i­fis­che Unter­weisun­gen, zum Beispiel in den Bere­ichen Stromver­sorgung, Gas und Fer­n­wärme, erfol­gen durch den jew­eili­gen Vorge­set­zten. Für den kaufmän­nis­chen Bere­ich haben wir im Jahr 2011 die Online-Unter­weisun­gen einge­führt. Diese wer­den gut angenom­men und direkt am Bild­schirm von den Mitar­beit­ern durchgeführt.
Sind alle Unternehmens­bere­iche an ein zen­trales Arbeitss­chutz-Man­age­ment-Sys­tem angeschlossen?
Prochnow: Ja, alle Unternehmens­bere­iche arbeit­en mit der Arbeitss­chutz-Man­age­ment-Soft­ware „Audi­tor plus“. Entsprechend der Auf­gaben­schw­er­punk­te ist man natür­lich im tech­nis­chen Bere­ich mehr involviert mit der Erstel­lung von Gefährdungs­beurteilun­gen und Betrieb­san­weisun­gen als in anderen Unternehmens­bere­ichen, die nicht so ein hohes Gefährdungspoten­zial haben. Aber grund­sät­zlich gilt für alle: Zugriff auf entsprechende Infor­ma­tio­nen soweit notwendig. Unsere Mitar­beit­er wer­den betreut und entsprechend unter­wiesen, geschult und untersucht.
Wie gehen Sie bei der Erstel­lung von Gefährdungs­beurteilun­gen vor?
Prochnow: Wir erstellen Muster-Gefährdungs­beurteilun­gen für ver­gle­ich­bare Arbeit­san­forderun­gen von Mitar­beit­ern, wie Büroar­beit­splätze, die dann über­nom­men oder je nach Bedarf angepasst wer­den. Für andere Gefährdungs­beurteilun­gen, wie in der Tech­nik, wer­den vorhan­dene Gefährdungs­beurteilun­gen im Pro­gramm kopiert und angepasst. Nehmen wir ein­mal als Beispiel den Umgang mit der Bohrmas­chine. Die Gefährdungs­beurteilung muss nicht jed­er Bere­ich für sich neu erstellen, diese ist vorhan­den und kann dann entsprechend angepasst werden.
Sehen Sie durch diese Vorge­hensweise eine Zeitersparnis?
Prochnow: Auf jeden Fall gewin­nen wir Zeit, trotz des zunächst zu berück­sichti­gen­den Aufwands. Dieser ist aber auch vorhan­den, wenn Sie eine Gefährdungs­beurteilung auf einem Blatt Papi­er erstellen. Durch die Option im Arbeitss­chutz-Man­age­ment-Sys­tem, bere­its erstellte Gefährdungs­beurteilun­gen einzuse­hen und erneut zu nutzen, ergibt sich im zweit­en Schritt natür­lich eine Zeitersparnis.
Wie lange hat die Ein­führung des Arbeitss­chutz-Man­age­ment-Sys­tems gedauert?
Prochnow: Vom Start­punkt bis zum nutzbaren Input im Sys­tem kann man schon von min­destens einem Jahr sprechen. Die Ein­führung ver­lief par­al­lel zum täglichen Geschäft. Gefährdungs­beurteilun­gen und Betrieb­san­weisun­gen waren zwar vorhan­den, mussten aber teil­weise umgeschrieben oder neu geschrieben wer­den, sodass wir schon einen gewis­sen Zeitraum investierten, um dann auch einen Nutzen davon zu haben.
Wie hand­haben Sie es, wenn Mitar­beit­er in neue Arbeits­bere­iche oder Unternehmens­bere­iche mit anderen Gefährdun­gen wechseln?
Prochnow: Audi­tor plus ver­fügt über eine Schnittstelle für den Daten­im­port und einen regelmäßi­gen, automa­tis­chen Abgle­ich mit SAP, worüber ein Wech­sel automa­tisch angezeigt wird. Dann wird der Arbeits­bere­ich angepasst und der beziehungsweise die Vorge­set­zte erhält die notwendi­gen Infor­ma­tio­nen über die notwendi­gen Unter­weisun­gen oder arbeitsmedi­zinis­chen Untersuchungen.
Welche pos­i­tiv­en Effek­te verze­ich­nen Sie seit der Ein­führung des Arbeitsschutzmanagementsystems?
Prochnow: Eine erhöhte Sen­si­bil­isierung der Mitar­beit­er bezüglich der Anforderun­gen von Arbeitssicher­heit und Umweltschutz, weil sie zunehmend damit kon­fron­tiert wer­den. Man spricht mit Kol­legin­nen und Kol­le­gen über das The­ma „Online-Unter­weisun­gen“: „Hast Du das eigentlich schon gemacht? Ich muss meine noch machen“, und so weit­er. Das ist im Ver­gle­ich zu den früheren Unter­weisun­gen in Vor­trags­form viel präsen­ter für den Mitar­beit­er. Jed­er kann zeitlich flex­i­bel seine Online-Unter­weisung machen und wir ers­paren uns den organ­isatorischen Aufwand, dass der Mitar­beit­er an diesem Tag zwei Stun­den an seinem Arbeit­splatz nicht ver­füg­bar ist. Insofern stellt dies eine Arbeit­ser­le­ichterung für den Arbeitss­chutz und auch für das Unternehmen dar.
Wie wer­den die Online-Unter­weisun­gen von den Mitar­beit­ern angenommen?
Prochnow: Es bedeutet zunächst eine Umgewöh­nung. Früher war es so: Man kommt zu ein­er Unter­weisung und der Stoff wird vor­ge­tra­gen. Jet­zt muss man sel­ber lesen und Fra­gen beant­worten. Das ist schon ein Unter­schied. Wir haben zur Vor­bere­itung der Umstel­lung alle Mitar­beit­er in mehreren Schu­lun­gen zusam­mengerufen, jed­er erhielt ein Hand­out über die Durch­führung der Unter­weisung, und das ver­lief prob­lem­los. Daten­schutzrechtliche Anforderun­gen wer­den zu hun­dert Prozent erfüllt. Der Betrieb­srat war von Anfang an mit im Boot. Daher gab es keinen Wider­stand, son­dern lediglich einen Umgewöhnungsprozess.
Haben Sie das Gefühl, dass bei den Online-Unter­weisun­gen eine bessere Wirkungskon­trolle stat­tfind­en kann, als wenn man vor 25 Leuten sitzt und nicht mit­bekommt, ob in der hin­ter­sten Rei­he schon jemand abgeschal­tet hat?
Prochnow: Ja, dur­chaus. Bei den Online-Unter­weisun­gen beste­ht der Anspruch, die Fra­gen richtig zu beant­worten und den Test zu beste­hen. Das erzeugt auch eine erhöhte Aufmerk­samkeit für das The­ma. Wenn ich die Fra­gen richtig beant­worten will, muss ich den Leit­faden gründlich lesen und damit hat man als Arbeit­ge­ber sein Ziel erre­icht. Die Mitar­beit­er beschäfti­gen sich inten­siv mit dem The­ma „Arbeitss­chutz“ und wis­sen dadurch eben auch, was richtig ist und wie sie sich ver­hal­ten müssen.
Welche The­men haben Sie vor­wiegend im Bere­ich Online-Unter­weisung unterge­bracht? Denn nicht alle The­men eignen sich ja für Online-Unterweisungen.
Prochnow: Wir haben zunächst definiert, welche Unter­weisun­gen weit­er­hin zwin­gend in der Gruppe umzuset­zen sind, und das bet­rifft ganz ein­deutig die tech­nis­chen Bere­iche. Für den Büroar­beit­splatz haben wir fest­gelegt, dass wir mit Unter­weisungs­the­men wie „Büroar­beit­splatz Ver­wal­tung“, „Brand­schutz“ und „Alko­hol und Dro­gen“ als Online-Unter­weisungs­the­men anfangen.
Wie hand­haben Sie es mit der Wirkungskontrolle?
Prochnow: Haben die Mitar­beit­er die Unter­weisung durchge­führt, sind die Vorge­set­zten in der Pflicht, die Wirkungskon­trolle durchzuführen. Am Ergeb­nis der erre­icht­en Prozentzahl ist erkennbar, ob der Vorge­set­zte noch ein­mal ein Gespräch führen sollte. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass man die Online-Unter­weisung nicht ein­fach neben­bei machen kann. Es ist ja so, dass die Unter­weisung als Leit­faden hin­ter­legt ist und darauf bezo­gen Fra­gen zu beant­worten sind.
Was war das maßge­bliche Kri­teri­um zur Ein­führung der Soft­ware „Audi­tor plus“ und worin liegen die wesentlichen Vorteile dieser speziellen Softwarelösung?
Prochnow: Bere­its in den 90er Jahren hat­te die EVL eine andere Arbeitss­chutz­soft­ware einge­führt. Damals war der Markt ja sozusagen in der Entste­hung. Diese Soft­ware wurde aber lei­der nicht weit­er­en­twick­elt und gepflegt, um sie für uns zielführend nutzen zu kön­nen. Daraufhin haben wir uns entschlossen, neu anz­u­fan­gen, ori­en­tierten uns dann auf dem Markt und ver­glichen mehrere Lösun­gen. Bei der HNC-Daten­tech­nik GmbH sind wir dann fündig gewor­den. Nach Absprache mit der IT, Prü­fung der Inhalte und des Preis-Leis­tungs-Ver­hält­niss­es ver­schieden­er Lösun­gen haben wir uns dann für HNC entsch­ieden. Berück­sichtigt haben wir dabei auch die Unternehmensgröße der EVL. Mit Audi­tor plus kön­nen wir alles Notwendi­ge abdeck­en und durch das Mod­ul der Online-Unter­weisun­gen, die wir sel­ber bear­beit­en kön­nen, ist das für uns die richtige Entschei­dung gewe­sen. Wir wer­den das Sys­tem kon­tinuier­lich nutzen und weit­er ausbauen.
Ein Blick in die Zukun­ft: Wo beste­ht noch Hand­lungs­be­darf und welche Maß­nah­men haben Sie sich als Näch­stes vorgenommen?
Prochnow: Hand­lungs­be­darf beste­ht im Arbeitss­chutz immer. Die Umset­zung der Geset­zge­bung im Bere­ich „Arbeitssicher­heit und Umweltschutz­maß­nah­men“ ist ein fort­laufend­es The­ma. Dem­nach müssen sie die Leit­fä­den anpassen und die Mitar­beit­er darauf hin­weisen, dass es Neuerun­gen gibt. Zusät­zlich kom­men aus der Prax­is ja immer neue Sit­u­a­tio­nen und somit neue Anforderun­gen dazu, wie beispiel­sweise die erneuer­baren Energien, speziell Pho­to­voltaik. Auch hier sind nun­mehr Gefährdungs­beurteilun­gen notwendig. Anson­sten nutzen wir das Sys­tem auch für die Auswer­tung der Unfal­lzahlen. Wir wollen detail­liert­er auf vor­beu­gende Schutz­maß­nah­men hin­wirken kön­nen. Wir analysieren jeden Unfall unter dem Aspekt: Wie lässt sich so etwas zukün­ftig ver­mei­den? Und dann wer­den wir über die anderen Fak­toren wie Unfal­lzeit­en, Fach­bere­iche oder beson­ders betrof­fene Mitar­beit­er alle notwendi­gen Maß­nah­men ein­leit­en, um Unfälle zu verhüten.
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