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Kontroll­wahn

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Kontroll­wahn

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Es gibt wohl wenige Themen im Berufs­le­ben, die Mitar­bei­ter stär­ker belas­ten als Umstruk­tu­rie­run­gen, Restruk­tu­rie­run­gen, Lean-Projekte, Entlas­sun­gen, Markt­an­pas­sun­gen, Zerschla­gun­gen, File­tie­ren einzel­ner Geschäfts­fel­der, usw. Und ob Gewerbe oder öffent­li­cher Dienst, ich wage zu behaup­ten, dass dies in den meis­ten Fällen schlecht läuft. Notwen­dig sind etli­che dieser Maßnah­men zwar schon, aber was dabei viel zu oft nicht berück­sich­tigt wird: Der einzelne Mensch leidet sehr stark dabei. Wie sich die Auswir­kun­gen verträg­li­cher gestal­ten lassen, dazu lesen Sie mehr im Beitrag „Restruk­tu­rie­run­gen gesund gestal­ten“ in dieser Ausgabe. Eins aber schon vorweg: Der Dialog mit den Beschäf­tig­ten ist das A und O.

Aber nicht nur für die, die gehen müssen sind Restruk­tu­rie­run­gen schlimm, auch für die, die blei­ben dürfen, hat sich die Situa­tion danach nicht gebes­sert. Denn oftmals greift dann der Kontroll­wahn noch mehr um sich, „Steue­rung“ und „Opti­mie­rung“ in Kombi­na­tion mit dem Zauber­wort „Evalua­tion“. Alles mögli­che, was sich in Kenn­zah­len messen und abbil­den lässt, wird auch gemes­sen. Ganz im Sinne von „If you can´t measure it, you can´t manage it“. “Repor­ting” und die obli­ga­to­ri­schen “Meetings” tun ein Übri­ges dazu, dass immer mehr Zahlen und Analy­sen gefor­dert werden. Und diese werden dann immer wieder auf verschie­de­nen Unter­neh­mens­ebe­nen durch­ge­kaut. Und dann erge­ben sich neue Fragen, und neue Zahlen und Zwischen­be­richte sind die Folge. Aber auch Ärzte, Lehrer, Erzie­he­rin­nen und Erzie­her, Ange­stellte im Pfle­ge­dienst, der Aufwand am Schreib­tisch wird immer höher, die Zeit für die eigent­li­che Arbeit somit immer weni­ger. Die Liste ließe sich belie­big verlän­gern, und ich bin mir sicher, dass Ihnen auch noch viele weitere Stich­worte einfal­len, wie Daten­schutz, Anti-Terror-Gesetze, EU, Corporate-Governance, Arbeits­schutz, Compli­ance, Inter­net ….
Es lohnt sich auf jeden Fall immer, wenn Orga­ni­sa­tio­nen ihre Struk­tur analy­sie­ren, und auch das Thema Kontrolle und Moti­va­tion, die stark zusam­men­hän­gen, reflek­tie­ren. Wich­tig in diesem Zusam­men­hang ist es auch zu beden­ken, dass hohe Kran­ken­stände meis­tens Indi­ka­to­ren für Orga­ni­sa­ti­ons­pro­bleme in Unter­neh­men sind – und der Kontroll­wahn gehört eindeu­tig dazu. Ich bin nicht gegen Control­ling und Kenn­zah­len, gegen Steue­rung und Opti­mie­rung. Aber bitte mit Augen­maß und nicht als Selbst­zweck. Und wenn es in den Unter­neh­mens­richt­li­nien heißt „Mitar­bei­ter sind unser höchs­tes Gut/wertvollste Ressource“ und ähnlich blumig, die Reali­tät aber anders aussieht, dann haben nicht nur die Mitar­bei­ter ein Problem, sondern erst recht das Unter­neh­men. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie in einem gut funk­tio­nie­ren­den Unter­neh­men arbei­ten.
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