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Leitern zweckmäßig nutzen

Auch Podestleitern wollen sinnvoll eingesetzt werden
Leitern zweckmäßig nutzen

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Die öffentlich-rechtliche Auf­sicht leis­tet Unter­stützung bei der Umset­zung der Anforderun­gen von staatlichen Arbeitss­chutzvorschriften und in Verbindung mit dem Satzungsrecht der Unfal­lver­sicherungsträger. Unab­hängig davon lässt es sich nicht ver­mei­den, dass man erst in Verbindung mit einem Schaden noch klüger wird. Unfal­lun­ter­suchun­gen wer­den in allen Bere­ichen umfassend durchge­führt und deren Ergeb­nisse müssen dann möglichst umge­hend umge­set­zt wer­den, wenn nötig mit aus­führlichen Beratun­gen in den zuständi­gen Fachauss­chüssen.

Dipl.-Ing. Edgar Rudolph, Dipl.-Ing. Hans Spiegel­berg

Unfallschw­er­punk­te und damit Beratungss­chw­er­punk­te kön­nen ins­beson­dere durch entsprechende sta­tis­tis­che Auswer­tun­gen iden­ti­fiziert wer­den. Daraus wur­den dann let­z­tendlich Kam­pag­nen wie „Risiko raus“ abgeleit­et, die bis­lang, auch weil her­vor­ra­gend gestal­tet, sehr erfol­gre­ich ver­liefen. Unter anderem gab es eine Kam­pagne „Leit­ern und Tritte“.
Wie im fol­gen­den Fall geschildert, lässt es die Prax­is nicht zu, auf einem erre­icht­en Niveau zu ver­har­ren. Eine erfol­gre­iche Präven­tion zu betreiben bedeutet daher immer wieder, den Bedarf zur Besei­t­i­gung von Gefahren­quellen zu erken­nen. Ein kür­zlich ereigneter Unfall zeigte lei­der wieder genau dieses, näm­lich erst durch die Erfahrung wieder etwas klüger gewor­den zu sein. Bei der Unfal­lun­ter­suchung ergaben sich auch Aspek­te, die von all­ge­meinem Inter­esse sind.
Bericht über einen Unfall
Ein Kom­mis­sion­ier­er war mit der Inven­tur des Lagers beschäftigt. Dazu stand die in der Abb. 1 dargestellte Podestleit­er zur Ver­fü­gung. Der Unfall ereignete sich, als der Arbeit­nehmer von der Leit­er entsprechend der im Abb. 2 nachgestell­ten Szene einen Fuß auf eine Palette set­zte.
Der verun­fallte Arbeit­nehmer befand sich dabei im Auf­stiegs­bere­ich der Leit­er. Von der entsprechen­den Posi­tion der Leit­er kon­nte er das Lagergut wohl nicht unmit­tel­bar erre­ichen. Um zum Lagergut zu gelan­gen, hat der Verun­fallte daher mit einem Fuß den Auf­stiegs­bere­ich ver­lassen, um ihn auf ein­er Palette aufzuset­zen. Dabei rutschte die Palette vom Träger des Regals, da die Palette lediglich auf den Quer­streben mit erhe­blichen Zwis­chen­räu­men abge­set­zt wurde, und verkan­tete sich zwis­chen den Trägern. Dabei wurde das betrof­fene Bein zwis­chen Träger und Palette eingek­lemmt. Das Gewicht der betr­e­f­fend­en Palette wurde auf beachtliche 180 kg ver­an­schlagt.
Unfal­lun­ter­suchung
Anhand ein­er Rekon­struk­tion des Unfalls wurde der Arbeitsablauf hin­sichtlich möglich­er Schwach­punk­te näher betra­chtet. Arbeit­en wie in dem vor­liegen­den Fall, die üblicher­weise die Kom­mis­sion­ierung betr­e­f­fen, sind in der BGI 694 „Hand­lungsan­leitung für den Umgang mit Leit­ern und Trit­ten“ aus­führlich behan­delt und durch Bilder wie in Abb. 3 illus­tri­ert. Diese Infor­ma­tion­ss­chrift stellt damit anschaulich die Vorteile beim Ein­satz von Podestleit­ern dar. Auch in Regal­lagern ergibt sich bei der Nutzung von Podestleit­ern in der Regel eine erhöhte Beweglichkeit und Stand­sicher­heit gegenüber Steh- oder Anlegeleit­ern.
Diese Beispiele betr­e­f­fen ein­er­seits die Regalbe­di­enung in Verbindung mit der Hand­habung sper­riger oder schw­er­er Gegen­stände und ander­er­seits Wartungsar­beit­en im Bere­ich der Fahrzeu­g­in­stand­hal­tung.
Soweit mit ein­er Podestleit­er im Ver­gle­ich zur Stehleit­er eine gerin­gere Nei­gung für den Auf­stieg gegeben ist, ergibt sich daraus eine ergonomis­chere und damit sicherere Bege­hung inner­halb des Wirkungs­bere­ichs.
Die Bilder ver­mit­teln recht deut­lich, inwieweit Podestleit­ern beson­ders nutzvoll sind. Im zweit­en Fall wird hier bei der Wartung ein sicher­er Stand für die Arbeit­en erre­icht. Im ersten Fall der Regalbe­di­enung lässt die Podestleit­er für das Regal nur sehr eingeschränkt eine zweck­mäßige Regalbe­di­enung zu, obwohl in der BGI 694 „Hand­lungsan­leitung für den Umgang mit Leit­ern und Trit­ten“ als Anwen­dungs­beispiel vorgegeben.
Natür­lich war der Unfall mit der Podestleit­er nur möglich, weil die Nutzung der Leit­er nicht bes­tim­mungs­gemäß erfol­gte, d.h. es wurde nicht von der Arbeit­splat­tform aus gear­beit­et und zudem die Leit­er im Auf­stiegs­bere­ich seitlich ver­lassen. Das Beispiel von Abb. 3 zeigt für die Podestleit­er ander­er­seits aber auch deut­lich, dass der Wirkungs­bere­ich mit ein­er solchen Leit­er bei Tätigkeit­en im Regal­lager doch sehr begren­zt wird, da der Kom­mis­sion­ier­er nur eingeschränkt an das Lagergut gelangt bzw. nur das Lagergut, das sich auf Höhe der Arbeit­splat­tform befind­et, sich­er erre­icht wer­den kann. Wird das Lagergut nicht direkt erre­icht, kann dies zu Aktio­nen ver­leit­en, die über die bes­tim­mungs­gemäße Nutzung ein­er Podestleit­er hin­aus­ge­hen. In Verbindung mit dem vorge­fal­l­enen Unfall wurde zudem die Leit­er seitlich angestellt, wodurch das Umsteigen in das Regal erle­ichtert wurde.
Die betr­e­f­fende Gefährdungs­analyse stellte sich damit als zu grob her­aus. Für die Revi­sion der Gefährdungs­analyse wurde nun­mehr die Betrieb­ssicher­heitsverord­nung mit Anhang 2 Abschnitt 5.1.4 in den Mit­telpunkt gerückt. Dort heißt es näm­lich: Die Benutzung ein­er Leit­er als hochgele­gen­er Arbeit­splatz ist auf Umstände zu beschränken, unter denen die Benutzung ander­er, sicher­erer Arbeitsmit­tel wegen der gerin­gen Gefährdung und wegen der gerin­gen Dauer der Benutzung oder der vorhan­de­nen baulichen Gegeben­heit­en, die der Arbeit­ge­ber nicht ändern kann, nicht gerecht­fer­tigt ist.
Grund­sät­zlich wer­den in dem Lager­bere­ich Gegen­stände von mehr als 10 kg gelagert, die auf Palet­ten sortiert mit einem Flur­förderzeug ein­ge­lagert wer­den. Kün­ftig sollen Artikel nicht mehr direkt vom Regal ent­nom­men, son­dern die entsprechende Palette mit dem Flur­förderzeug an vorge­se­hen­er Stelle abge­set­zt und das gewün­schte Teil ent­nom­men wer­den, um dann ggf. die Palette mit den verbliebe­nen Teilen wieder ins Regal zu brin­gen. Damit wird ganz im Sinne der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung ver­fahren, die, zugegeben, erst nach schmerzvoller Erfahrung zu ein­er entsprechen­den Lösung führte.
Um nicht den Ein­druck zu ver­mit­teln, dass hier Leit­ern als gän­zlich untauglich­es Arbeitsmit­tel behan­delt wer­den, zeigt Abb. 4 zwei Beispiele aus der BGI 694. Die darin vorgestell­ten Anwen­dun­gen überzeu­gen als jew­eils auf die betrieblichen Anforderun­gen aus­gerichtete opti­mierte Lösung.
Ein wichtiger Aspekt zu diesem Unfall war die Sit­u­a­tion, dass dieser Auf­trag alleine von ein­er Per­son aus­ge­führt wurde; dies ist in der Prax­is oft­mals ähn­lich. Zumal es einen weitläu­fi­gen Arbeits­bere­ich ohne tele­fonis­che Ein­rich­tun­gen betraf. Auch dies führte beim bish­eri­gen Betrieb nicht zu Bedenken. Glück­licher­weise kon­nte sich in diesem Fall der Verun­fallte selb­st befreien und es wurde das Risiko erkan­nt, dass eine Per­son hil­f­los zurück­bleiben kön­nte.
Deshalb sind in Verbindung mit der erfol­gten Unfal­lun­ter­suchung noch weit­erge­hende Maß­nah­men getrof­fen wor­den. Zum einen wird nun­mehr reg­istri­ert, wo sich der einzelne Mitar­beit­er aufhält und zum andern ist er nun mit Funk aus­ges­tat­tet. Des Weit­eren ist zu bes­timmten Zeit­en, z. B. zum Feier­abend, anhand der Vol­lzäh­ligkeit sich­er zu stellen, dass kein Mitar­beit­er im Lager­bere­ich zurück bleibt.
Faz­it
Aus der Sicht der Präven­tion eignet sich dieses Beispiel beson­ders gut um aufzuzeigen, dass es uner­lässlich ist, eine auf die spez­i­fis­chen betrieblichen Ver­hält­nisse abges­timmte Arbeitsweise zu etablieren. Eine Pauschal­isierung birgt wie in dem hier vor­liegen­den Fall die Gefahr, durch Anwen­dung ein­er for­mal­isierten Lösung eher der Bequem­lichkeit zu dienen. Es ist erforder­lich, die Bedin­gun­gen vor Ort genauestens zu beurteilen. Nur dann lässt sich das Ziel ein­er wirkungsvollen Präven­tion umset­zen. Die rel­e­van­ten inter­nen Bedin­gun­gen müssen sachkundig beurteilt und die Maß­nah­men auf die jew­eilige Sit­u­a­tion bezo­gen opti­miert wer­den.
Autoren
Dipl.-Ing. Edgar Rudolph
Dipl.-Ing. Hans Spiegel­berg
Öffentl.-rechtliche Auf­sicht für Arbeitss­chutz und Tech­nis­chen Umweltschutz bei der Wehrbere­ichsver­wal­tung West.
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